Wie fühlt sich das eigentlich an, ein halbes oder vielleicht sogar ein ganzes Jahr in der Welt unterwegs zu sein? Ich habe in letzter Zeit immer mehr Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die sich für die Dauer von mehreren Monaten aus dem Alltag ausklinken und auf Reisen gehen. Außerdem lese ich gerade das Buch von Meike Winnemuth und vergehe vor Fernweh. Ein unglaublich reizvoller Gedanke: Das normale Leben für eine gewisse Zeit auf Eis legen. Die Segel hissen, die Seile kappen. Exakt elf Jahre ist es her, dass ich das auch gemacht habe, mit so wenig Balast wie möglich: einem Schlafsack nebst Isomatte und Zelt, 2 Fleecejacken, einem Campingkocher, einem Tagebuch, Musik. Hätte ich heute noch einmal diese Möglichkeit, wäre natürlich meine Kamera mit im Rucksack.
Denn die Welt durch die Linse zu sehen, hat meine Art des Reisens komplett verändert.

Manchmal ist das ein bisschen anstrengend. Für mich, die ich immer am Auslöser klebe, für meine Schultern, die die dicke Lotte samt Festbrennweiten schleppen müssen, und für meine Mitreisenden, deren Geduld ich sehr zu schätzen weiß. Aber es macht mich glücklich (und somit am Ende auch die Mitreisenden). Menschen beobachten, versteckte Details entdecken, im richtigen Moment abdrücken: Das ist grenzenlos zauberhaft und vielleicht der schönste Teil am Reisen. Für manche mag die Entspannung an der Hotelbar oder am hauseigenen Strand liegen. Für mich beginnt sie mit dem Eintauchen in ein anderes Umfeld, in fremde Kulturen und ungewohnte Geschmäcker. In San Sebastian war es zum Beispiel die überwältigende Anzahl an Pintxos-Bars und die Selbstverständlichkeit, mit der die „locals“ hier Foie gras, geschmorte Kalbsbacken und erstklassiges Meeresgetier verspeisen (mal einfach so nebenbei, wohlgemerkt). In Marokko haut einen einfach alles um: das wechselhafte Wetter, die charaktervollen Gesichter, die Gerüche, die wahrhaft magischen Szenerien. Israel? Eine Offenbarung. Das kulturelle Erbe, die hippe Club- und Gastroszene, die atemberaubend konträren Stadtbilder von Tel Aviv hier und Jerusalem dort. Immer und überall: Die Gepflogenheiten. Die Gerichte. Die Gewürze!

Za’atar zum Beispiel. Macht süchtig. Und passt verdammt gut zu Kürbis, auch wenn der mangels Sabbatical auf dem heimischen Esstisch verspeist werden muss.

Achtung: Akute „Wanderlust“ ist natürlich trotzdem vorprogrammiert.
In den letzten Jahren hat es leider nur zu kurzen Trips, verlängerten Wochenenden, manchmal auch nur kurzen Gedankenreisen gereicht. Aber auch sie haben mir etwas geschenkt: jenen unbeschreiblichen Schwebezustand, den das Unterwegssein einem unter die Fußsohlen und in die Herzkammern schiebt .Jede Menge inspirierende Begegnungen, leicht verknautschte, leise wie laute Erinnerungen. Und: Bilder.

Bilder, die mir ans Herz gewachsen sind. Und die gerade in einer Ausstellung gezeigt werden. Die Galerie dieser (meiner ersten) Fotoausstellung ist mein „neuer“ Arbeitsplatz, unser loftartiges Firmengebäude in Göttingen. Der Anlass war unser erstes Food Festival, für das wir unsere Flure ein bisschen herausputzen wollten. Es war ein Riesenspaß und wirklich überwältigend, meine Bilder großformatig auf Aluminium gezogen zu sehen (auch wenn der ein oder andere Kollege angesichts der ungeschminkten Wahrheit einiger Szenerien etwas pikiert war).

Wen das nicht abschreckt: Meine Bilder kann man kaufen. Umsonst besichtigen. Und: Für jedes Bild gibt es eine Runde Kürbis mit Za’atar und Tahinisauce aufs Haus. Deal?

Kürbis mit Za’atar, roten Zwiebeln und Tahini-Sauce

Zutaten

  • 1 großer Kürbis (Muskatkürbis, Hokkaido oder Butternut), in Spalten oder Würfel geschnitten
  • 2 große rote Zwiebeln, in Spalten geschnitten
  • 50 ml Olivenöl
  • 3 ½ EL helles Tahini (Sesammus)
  • 1 ½ EL Zitronensaft
  • 1 kleine Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 30 g Pinienkerne
  • 2 EL Za’atar
  • 1 EL grob gehackter Koriander
  • Fleur de Sel, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

1. Den Backofen auf 240° C vorheizen.

2. Den klein geschnittenen Kürbis und die in Spalten geschnittenen Zwiebeln in einer großen Schüssel mit 3 EL Öl, 1 TL Salz, 1 EL des Za’atars und etwas frisch gemahlenem Pfeffer vermischen. Die Kürbisstücke mit der Schale nach oben auf dem Backblech verteilen und 30-40 Minuten in den Backofen schieben, bis das Gemüse weich ist und eine leichte Bräune angenommen hat. Nach ca. 15 Minuten auch die Zwiebelspalten mit auf das Blech geben und mit dem Kürbis schmoren (die Zwiebeln sollten später aufs Blech, da sie weniger Zeit zum Garen brauchen). Das Gemüse herausnehmen und etwas abkühlen lassen.

3. In der Zwischenzeit die Sauce zubereiten. Dazu das Tahini in eine kleine Schüssel geben und mit dem Zitronensaft, 2 EL Wasser, dem zerdrückten Knoblauch und ¼ TL Salz gut verrühren (Rührbesen!). Die Konsistenz ist dann perfekt, wenn sie in etwa so wie Honig leicht zähflüssig vom Löffel fließt. Andernfalls (oder wer die Sauce weniger/mehr gehaltvoll mag) noch etwas Wasser bzw. Tahini hinzufügen. Nach Belieben mit Salz und Pfeffer abschmecken.

4. Das restliche Öl in einer kleinen Pfanne (bei geringer bis mittlerer Temperatur) erhitzen und die Pinienkerne mit ½ TL Salz ca. 2-3 Minuten unter häufigem Wenden goldbraun rösten. Abkühlen lassen und in eine Schüssel geben.

5. Last step: Das Gemüse auf einer großen Platte anrichten. Mit der Tahini-Sauce überziehen, die Pinienkerne samt Öl darauf verteilen und mit Za’atar und klein gezupften Korianderblättern bestreuen.

Tipps und Tricks: Keinen Muskatkürbis gefunden? Die Kürbissorte kann man natürlich je nach Angebot oder Vorlieben variieren. Hokkaido wird schön weich und hat den Vorteil, dass man ihn nicht schälen muss. Ich verwende für dieses Gericht aber eben gern den etwas feineren Muskatkürbis, manchmal auch einen Butternut. Wie viel Tahini-Sauce man verwendet, ist eindeutig Geschmackssache. Ich bin ein Fan kräftiger Aromen, deswegen gilt bei mir: Viel schmeckt viel besser. Das gilt übrigens auch für die Dosierung des Za’atars, die ich um einen EL erhöht habe (bei mir wandert 1 EL direkt in die Marinade).

Das passt dazu: Lammfilet, pikant gewürzte Putenspieße oder mit Zitronenschale abgeschmeckte Ziegenfrischkäsebällchen.

 Quelle: Yotam Ottolenghi/Sami Tamimi: Jerusalem. Das Kochbuch.

Neugierig auf die restlichen Bilder?

„FOLLOW FOOD“:



 


3 Kommentare zu “Work and Travel and „Follow Food“: Kürbis mit Za’atar, roten Zwiebeln und Tahini-Sauce”

  1. Schnick Schnack Schnuck

    Tolle Bilder! Ich reise ja immer nur mit kleiner Knipse. Auch, weil ich gar keine andere besitze, aber ich mag vor allem, dass man sie jederzeit giffbereit und schnell im Einsatz hat. Gerade in fremden Ländern wünscht man sich doch so schon oft eine Freezefunktion für die gesamte Szenerie.

  2. Krisi

    Wunderschöne Bilder, du hast wirklich Talent. Ich lebe momentan in Kenia und arbeite in einer Schule für ein paar Monate. Ab November reise ich für 6 Woche nach Südafrika, auch nur mit einem Packback Rucsack, bevor ich dann nochmal in Kenia weiter arbeiten werde. Somit erlebe ich gerade das was viele deiner Freunde erleben. Ich entdecke gerade das Fotographieren für mich und freue mich Motive zu entdecken. Ich merke aber auch das ich noch viel lernen muss, aber das ist ok;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi
    http://excusemebutitsmylife.blogspot.com

  3. Tring

    Tolle Bilder! Gerade die Markszenen erinnern mich total an China. Ich finde oft die kleinen Details auch viel netter als die großen Panoramabilder und diese Fotos sind es auch, die meist im Nachhinein noch die meisten Erinnerungen wachrufen, weil sie gewisse Situationen wieder aufleben lassen ;-)


Schreibe einen Kommentar: