Dass an besonderen Feiertagen nicht immer alles so läuft wie geplant, ist nichts Ungewöhnliches. Schließlich sind die Erwartungen immer dann am Höchsten, wenn die Stressresistenz am niedrigsten ist. Wenn sich jeder nach Kräften abmüht, alles rechtzeitig unter einen Hut zu bringen, DAMIT ES DIESES JAHR ABER BITTESCHÖN EIN PERFEKTES WEIHNACHTEN WIRD, einfallsreiche Geschenke zu besorgen, phänomenale Plätzchen zu backen, nebenbei Arbeit/Uni/Schule zu wuppen und das alles noch mit GUTER LAUNE und MORDSLUST AUF DAS GANZE TAMTAM, geht dem ein oder anderen auf der letzten Etappe eben die Puste aus.

Ich glaube, ein perfektes und rundum harmonisches Weihnachten, so ein Weihnachten wie aus der Illustrierten, gab es bei uns noch nie. Unsere Weihnachten ähneln eher denen in den tragikomischen Filmen, in denen furchtbar viel schief läuft, Beine, Herzen oder Illusionen gebrochen werden, sich am Ende dann aber doch alle lieb haben.

Dieses Jahr aber war klar, dass Weihnachten ein wenig anders als üblich (also nicht nur chaotisch, das ist normal) ausfallen würde. Deutlich dezimiert sah unsere sonst so laute und bunte Tischrunde recht schmal aus, wobei der Wegfall gerade der tüchtigsten Esser der Familie sich eklatant auf die Menüplanung niederschlug – wohin nur mit all den Köstlichkeiten, wenn der eine Sohn arbeiten muss und der andere mit Fieber und Grippe im Bett liegt, die Tochter außerdem am zweiten Feiertag schon die Segel streicht, um in Leipzig Wände zu streichen und Kisten zu packen? Ich glaube, meine Eltern werden bis Sylvester noch von den Resten zehren können.

Während sich bei uns abends traditionell die Tische biegen, gibt es mittags meist etwas Schnelles & Wärmendes, damit man eine Grundlage für die unzähligen Gläser Prickelwasser hat, die beim Päckchenauspacken so nebenbei in die Kehle fließen. Und weil dieses Weihnachten so “unperfekt” ist, gab es gestern passend dazu schnelle Malfatti  (auf deutsch “schlecht Gemachte” oder “Misslungene”) mit brauner Butter (aber ohne Salbei, der war weggefroren) – die wärmten nicht nur den Magen, sondern auch die Seele.

Der Parmesan auf den Spinatnockerln sieht fast so schön aus wie der frisch gefallene Schnee, findet ihr nicht?

Ein frohes Weihnachtsfest euch allen, genießt die schönsten Tage des Jahres und lasst es euch gut gehen!

Malfatti mit brauner Butter und Parmesan

Zutaten

  • 500 g Blattspinat
    80 g Zwiebeln
    100 g Butter
    90 g Parmesan (im Stück)
    Salz
    250 g Ricotta
    3 Eier
    2 Eigelb (Kl. M)
    230 g Mehl
    Pfeffer
    Muskat
    Mehl zum Bearbeiten
    12 Salbeiblätter (für Unperfekte:  frischer Thymian)

Zubereitung

1. Spinat waschen und putzen. Zwiebeln fein würfeln und in einem großen Topf in 20 g Butter glasig dünsten. Spinat tropfnass zugeben, im geschlossenen Topf zusammenfallen lassen, kurz dünsten und in einem Sieb abtropfen lassen. Den abgekühlten Spinat sehr gut ausdrücken und fein hacken. .

2. Parmesan fein reiben. Die restliche Butter goldbraun erhitzen und mit Salz würfen. Ricotta, 70 g vom Parmesan, Eier und Eigelb mit einem Holzlöffel gut verrühren. Den gehackten Spinat untermischen, dann nach und nach das Mehl unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.

3. Die Masse vierteln und jedes Viertel auf der Arbeitsfläche mit reichlich Mehl locker zu 4 Rollen (Durchmesser 3 cm) formen, ca. 1,5 cm dicke Scheiben abschneiden und daraus Nocken formen. Wer mag, kann die Enden spitz formen.

4. Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Die Malfatti hineingeben und bei mittlerer Hitze 5 Minuten köcheln lassen. Inzwischen die gesalzene Butter erhitzen, Salbeiblätter hineingeben und kurz knusprig rösten. Malfatti mit einer Schaumkelle herausnehmen, gut abtropfen lassen und auf vorgewärmten Tellern anrichten. Mit der Salbeibutter beträufeln und mit dem restlichen Parmesan und ein paar gerösteten Pinienkernen bestreuen.

Alternative: Die Malfatti direkt zu der Butter in die Pfanne geben und ca. 3-4 Minuten braun braten. So mag sie mein Dad am Liebsten.

Zubereitungszeit: 40 Minuten

Ohhh, schwelg!!: 5 Sterne: ★★★★★

9 Kommentare zu “Unperfekte Weihnachten und Malfatti mit brauner Butter”

  1. Buchfink

    Die Malfatti sind doch absolut perfekt geraten, das reicht doch an Perfektion für ganz Weihnachten Kommt auf meine Nachkochliste, danke!

  2. multikulinaria

    Eure Weihnachten hören sich ja wahrlich aufregend an. Nett beschrieben :-)
    Ich hoffe, inzwischen sind Genesung und Renovierung abgeschlossen und Zeit aufzuatmen und in Ruhe zu verdauen…

  3. Dani

    Diese Unperfekten gab es bei uns jetzt am Silvesterabend – die waren sooooooo lecker! die hat es nicht zum letzten Mal gegeben, auch perfekt geeignet für ein vegetarisches Gästeessen! vielen Dank fürs Rezept! einen guten Rutsch ins neue Jahr…Dani

  4. Isi

    Die schauen schön aus und waren bestimmt lecker :-) Ich bin froh, dass Weihnachten vorbei ist, irgendwie frisst mich der Stress in jedem Jahr auf, auch wenn ich es gar nicht will…. Ich wünsche Dir ein wunderbares neues Jahr, vor allem viel Gesundheit, Glück und Freude.

  5. Steffen

    Es ehrt mal wieder einer den anderen… so auch ich Dich auf meinem Blog. Du mußt die Nominierung nur annehmen… Herzlichen Glückwunsch!

    http://steffensinzinger.de/blog/2011/01/passend-zum-winter-ein-schneeballsystem/

  6. Steph

    Och Mönsch, und ich dachte, mein Award wäre der Erste, den Du bekommst …
    Naja, haste eben einen als Ersatz ;o)

    http://kuriositaetenladen.blogspot.com/2011/01/mein-liebster-blog.html

  7. daniela

    Und von mir wurdest du heute auch nominiert. :)
    http://www.lart-devivre.eu/blog/2011/01/12/weitergeben-oder-nicht/

  8. Karin Schillik

    Gratulation zur Nominierung “liebster Blog”!
    Übrigens haben wir in Frankreich mit unseren Freunden deinen Blog angesehen, er wurde uns französisch übersetzt präsentiert ( kann sich natürlich nicht mit dem Orginal messen. habe leider nicht nachgelsen wie sie “gelbe Rüben” übersetzt haben), sie waren sehr begeistert!
    Karin

  9. martina

    Wow, ich bin beeindruckt was Du so alles machst!
    War heute mit Karin und Rinaldo an der Isar Gassi und dabei kamen wir auf Dich zu sprechen! Toller Auftritt – Kompliment!
    Liebe Grüsse aus der Vergangenheit
    die frühere Tina “vom Lutz”!


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