In einem Anfall von Größenwahn (oder Spontanität) habe ich mich freiwillig zur Teilnahme am Blogevent „Valentinstag kulinarisch“ angemeldet. Danach die Rezeptsuche auf unbekanntes Datum verschoben. Ich wollte warten, bis mich die Kreativität hinterrücks überfällt, aber da hätte ich besser mal auf Godot gewartet, der wäre eher gekommen.

Kurz vor knapp musste unbedingt etwas Motto-taugliches her. Möhrensalat mit Rosenblütenwasser war mein erster Gedanke, außerdem eine Menge Rezepte mit Schokolade. Pralinen oder Torten in Herzform, aber das können andere definitiv besser als ich. Bei Alkohol dagegen bin ich (fast) Experte.

Vielleicht ein enthemmender Aperitiv? Zorra schrieb ja, es soll etwas mit Verführung zu tun haben. Und einem Artikel auf Forbes.com liegen aphrodisierende Cocktails gerade total im Trend. Nachdem ich mir die Zutatenliste von „Cupid’s Kiss“ und Co angesehen habe (Soho Lychee Liqueur und Takara Shochu? *örgs*), bin ich allerdings auch von dieser Idee schnell wieder abgerückt. Außerdem trinkt H. sowieso nur Cibra Libre. Und das mit der aphrodisierenden Wirkung kriege auch ohne Barkeeper-Crashkurs hin.

Was könnte es Sinnlicheres geben als die Artischocke, die Urmutter aller Aphrodisiaka??!

Es hat durchaus etwas Erotisches, Blatt für Blatt von den leckeren Disteln zu lösen, in die vorbereiteten Saucen oder Vinaigrettes zu dippen und den unteren, fleischigen Blattteil XXX (Anm. der Verfasserin: Habe das betreffende Verb nach nochmaligem Durchlesen gelöscht, da es mir dann doch die Röte ins Gesicht getrieben hat. Man weiss ja nie, wer hier so mitliest).
Gut, das war jetzt vielleicht too much, aber zweifelsohne wirken Artischocken appetitanregend, und darum geht es doch irgendwie, oder nicht?

H. und ich lieben Artischocken nicht nur gebraten (siehe hier) oder gekocht (ca. 20 Minuten im Salzwasser gegart, dann kommen die Dips zum Einsatz), sondern auch gefüllt und geschmort: alla romana. Damit man die Artischocken füllen kann, dürfen sie nicht zu klein sein. Trotzdem müssen sie zart sein, es kommt also immer auf die Sorte an. Die großen französischen aus der Bretagne, auch „Kindsköpfe“ genannt, sind für diese Zubereitungsart nicht geeignet.

Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal angemerkt habe, aber es ist beim Artischockenputzen unabdingbar, Küchenhandschuhe tragen! Ich zwänge meine Hände selbst äußerst ungern in Latex, aber die Dinger färben tatsächlich wie Sau und man sieht danach aus wie ein Profi-Lackierer, was  gerade am Valentinstag (aber auch sonst) nicht sonderlich von Vorteil ist, weil man doch den Liebsten mit einem tadellosen Essen plus ebensolchem Aussehen überraschen möchte.

Nicht erschrecken, es bleibt tatsächlich herzlich wenig übrig, nachdem man die äußeren, harten Blätter entfernt und die Spitze der Artischocke abgeschnitten hat. Aber es lohnt sich. Versprochen!

Jetzt hat man nur noch die Qual der Wahl: Lieber gedünstet oder gebraten? Oder doch alla romana? Auch dann passen die Dips super zum aphrodisierenden Gemüse.

Carciofi alla romana

Zutaten

  • 4 mittelgroße Artischocken1 Zitrone1 Bund Minze
    1/2 Bund Basilikum
    4 Knoblauchzehen
    2 EL Oliventapenade (Rezept siehe unten)
    1 EL Kapern
  • Salz, Pfeffer
  • 4 EL Olivenöls
  • 150 ml trockener Weißwein

Zubereitung

1. Oliventapenade zubereiten (siehe unten).

2. Kapern fein hacken und unter die Oliventapenade mischen (wer mag, denn eigentlich sind schon Kapern in der Tapenade).

3. Die Artischocken waschen und die äußeren Blätter entfernen. Die Spitzen der übrigen Blätter mit einer Küchenschere abschneiden, den Stiel spitz zulaufend mit einem Sparschäler schälen. Nun die Blätter auseinander biegen und das Heu in der Mitte mit einem kleinen scharfen Messer oder – geht noch einfacher und sauberer – mit einem Kugelausstecher entfernen. Die Zitrone halbieren und die Artischocken damit innen außen einreiben.

4. Den Backofen auf 200 °c vorheizen. Die Kräuter waschen, die Blättchen sehr fein hacken. Den Knoblauch fein hacken und mit etwas Olivenöl zu den Kräuter in eine Schüssel geben. Die Tapenade und die fein gehackten Kapern gut untermischen und alles mit Salz und Pfeffer würzen. Die Kräuter-Oliven-Paste zwischen den Artischockenblättern und im Inneren der Artischocken verteilen.

5. Die Artischocken mit dem Stiel nach oben nebeneinander in eine feuerfeste Form oder in kleine Förmchen (z.B. Souffleförmchen oder ähnliches) setzen. Öl und Wein mischen, leicht salzen und pfeffern und neben die Artischocken gießen. Die Artischocken mit Alufolie abdecken und im Backofen (Mitte, Umluft 80°C) ca. 1 Stunde backen, bis sie innen weich sind.

Zubereitungszeit: 30-35 Minuten (plus 1 Stunde Garzeit!)

I like: ★★★★★

Tapenade

Zutaten

  • 250 g schwarze Oliven
    1 kleine Knoblauchzehe (optional)
    60 g Kapern
    4 Sardellenfilets
    2-3 Stiele Minze
  • 5 EL Olivenöl
  • ½ TL fein abgeriebene Bio-Zitronenschale
    Fleur de Sel, Pfeffer

Zubereitung

1. Oliven entsteinen, Knoblauch fein hacken, Kapern gut abtropfen lassen. Sardellenfilets abtropfen lassen, evtl. kurz unter fließendem Wasser abspülen. Minzeblätter von den Stielen streifen.

2. Alles mit Olivenöl und Zitronenschale im Blitzhacker zu einer geschmeidigen Paste mixen. Mit Fleur de Sel und Pfeffer abschmecken. Tapenade in ein steriles Glas füllen und kalt stellen. Die Tapenade ist gekühlt ca. 4 Wochen haltbar.

Zubereitungszeit: 25 Minuten

Ein Klassiker: ★★★★★

Zitronen-Kerbel-Sauce

Zutaten

  • 2 EL Dijon-Senf4 EL Walnussöl1 El Weißweinessig
  • 2 EL Zitronensaft1-2 Spritzer AgavendicksirupSalz, Cayennepfeffer
  • frischer Kerbel

Zubereitung

1. Alle flüssigen Zutaten in ein hohes Gefäß geben und mit dem Mixer gut aufmixen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit dem Agavendicksaft die Säure ausbalancieren.

2. Kerbel waschen und trocken schleudern, Blättchen abzupfen und unter die Sauce heben.

Zubereitungszeit: 10 Minuten

Sauer macht sexy: : ★★★★★

Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen Valentinstag!

3 Kommentare zu “Und jetzt: Erotik! Carciofi alla romana mit Zitronen-Kerbel-Sauce und Tapenade”

  1. Alex

    Ah, hatte noch nie Kapern in der Tapenade. Klingt aber gut. Und es ist sowieso fast alles erlaubt bei Tapenade, Anchoiade und co. Schöner, insipirierender Post!

  2. Andreas

    Sehr schöne Fotos. Sehr schöner Post.

  3. Sophie

    @ Alex: Vielen Dank. Ich hoffe, du hast die gekaperte Tapenade inzwischen schon ausprobiert?!
    @ Andreas: Aus deinem Munde ehrt mich das sehr. Ich gebe mir Mühe ;-)


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