Grüner Spargel und ich, das ist so eine Liebe, die wird nie zu Ende gehen. Amour fou, big love story, Sehnsuchtsattacken und vom begleitenden Riesling vernebelte Erinnerung an legendäre Nächte. Große Emotionen, das große Fressen, die obligatorische Trennung auf Zeit, eine kaum in Worte zu gießende Wiedersehensfreude, die ersten Orgien. Hamsterkäufe.
Und dann: Treueschwüre, Liebesbekundungen, Verlustängste, Trennungsschmerz.
Herzklopfen. Magenziepen!

Ich und du, grüner Spargel, „auf ewig dein“, bis auf dass der Sommer uns scheidet. Und im Frühjahr dann, jedes Frühjahr, beginnt das ganze kulinarische Abenteuer wieder von vorn.

Andere Affären Dinge dagegen sind geradezu prädestiniert dafür, sie einer permanenten Revision, oder sagen wir Prüfung auf Herz und Nieren, zu unterziehen, auch wenn man ihnen ähnlich innig zugetan ist. Im Falle von Lammkarree ganz konkret einer Prüfung auf Würzung, Temperatur und Garzeit – nie bin ich mir sicher, ob mit oder ohne Kruste, Sternanis oder Bärlauch, lieber Niedrigtemperatur oder reichlich Hitze nebst sanftem Nachgaren. Vielleicht sogar Grill? Oder gar Sous-vide? Gerade hat mich die goldene Mitte wieder gewonnen, eine denkbar simple, aufs Wesentliche reduzierte Zubereitungsart, ohne Verrenkungen, ohne Vorspiel. Diese Lammracks waren, nur mit jungem Knoblauch und Maldon Sea Salt gewürzt, für ca. 50 Minuten bei 110 °C im Ofen. Und stellten sich als geradezu perfekt, also rosa und zart und feine Begleiter zur Bohnencrème und zum heiß geliebten grünen Spargel, heraus. 

Turn the heat on, darling? Beim nächsten Date wieder, muss mich gerade dem Spargel widmen.

Nachtrag für die schnelle Liebe: Bei 180 °C, dafür für ca. 15 Minuten gegart, klappt’s mit dem Lammrücken fast genau so gut. 

Lammrücken auf grünem Spargel und einer Crème von dicken Bohnen

 

Zutaten:
(für 4 Personen)

Für das Lamm:
800 g Lammkarree
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
5 EL Olivenöl
3 Stangen junger Knoblauch, alternativ 1 junge Knoblauchknolle
2 Zweige Thymian

Für das Gemüse:
1 kg frische dicke Bohnen
1 Zwiebel
2 Kartoffeln
4 EL Olivenöl
200 ml Hühnerbrühe
1 Bund grüner Spargel
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
abgeriebene Schale einer Zitrone 

 

Zubereitung:

1. Den Backofen auf 110 °C (Ober-Unterhitze) vorheizen.
Das Lammfleisch waschen und trocken tupfen, mit Salz, Pfeffer und Thymianblättern würzen.

2. 3 EL des Olivenöls in einer Pfanne erhitzen und das Fleisch von beiden Seiten darin anbraten, bis es Farbe angenommen hat, dabei auf der Fettseite etwas länger braten. Die Stangen des jungen Knoblauchs in Stücke schneiden (alternativ den jungen Knoblauch vierteln), zum Fleisch geben und mitbraten. Alles in eine feuerfeste Form oder einen Bräter geben und im vorgeheizten Ofen ca. 60-80 Minuten garen, dabei nach der Hälfte der Garzeit mit Alufolie abdecken. Wer keine Erfahrung im Umgang mit Lammkarree hat, kontrolliert die Kerntemperatur am besten mit dem Fleischthermometer – sie sollte um die 64 °C betragen.

3. Währenddessen die Bohnenkerne aus den Schoten lösen und die einzelnen Kerne nochmals schälen. Die Zwiebeln schälen und fein hacken. Die Kartoffeln schälen und in Salzwasser weich kochen.

4. 2 EL Olivenöl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebel darin glasig andünsten, dann die Bohnen und die Hühnerbrühe zugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und zugedeckt etwa 5 Minuten köcheln lassen. 2 EL der gegarten Bohnen zur Seite legen und warm halten. Die übrigen Bohnen mit den weich gekochten Kartoffeln pürieren.

5. Den grünen Spargel in sprudelnd kochendem Wasser ca. 3-4 blanchieren, abgießen und kalt abschrecken. Mit etwas Olivenöl beträufeln und mit Salz, Pfeffer und Zitronenabrieb abschmecken.

6. Das Lammkarree aus dem Ofen nehmen und für ca. 4-5 Minuten ruhen lassen. Aufschneiden. Die Bohnencrème auf Teller verteilen und das Lammkarre zusammen mit dem grünen Spargel darauf anrichten. Mit Thymianblättchen und den beiseite gelegten ganzen Bohnen garniert servieren.

 

3 Kommentare zu “True love story: Lammrücken/grüner Spargel/Crème von dicken Bohnen”

  1. Denise

    Herrliches Rezept!
    Ich stell bei Lammrücken auch immer wieder fest, dass 50 Minuten bei 110° oder 15 Minuten bei 180° kaum einen Unterschied machen. Bei einer Schulter sieht das natürlich anders aus.
    Aber es ist doch gut zu wissen, dass man so einen tollen Teller in kürzester Zeit auf den Tisch bringen kann :)

    Liebe Grüße,
    Denise

  2. Tanja Foodistas

    Wow diese Farben, ich bin völlig geflasht, ein Kunstwerk hast du da auf den Teller gezaubert! Ich bin total begeistert!Bei den Treueschwüren auf Spargel bin ich in jedem Fall dabei!
    Liebe Grüße
    Tanja

  3. Andrea

    Oh Gott…diese Einleitung…wie ein Roman…da wird das Rezept (beinah) nebensächlich!!!
    Ist aber ABSOLUT Superlecker!!!

    DANKE

    LG


Schreibe einen Kommentar: