The final countdown: Silvester-Phở

Ich bin nicht gerade der klassische Silvestertyp. Groß angekündigte Ereignisse mit Tusch, Böller und Trara lösen in mir oft das Bedürfnis aus, lieber im Kleinen, Stillen zu feiern und die ganze Sache mit der Sause auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Dieses Jahr allerdings muss mal wieder eine standesgemäße Neujahrshuldigung sein, wir begießen das alte ganz ungezwungen in kleiner, feiner Runde und betanzen das neue in etwas größerer. Und ich habe tatsächlich Lust darauf: Auf das Lichtermeer am Himmel, auf die Explosion der Sinne und auf das ein oder andere Feuerwerk in all unseren Herzen, wenn man sich umarmt und gemeinsam in eine neue Runde rüberschwappt.

Man muss das mögen. Ich finde, das steht nicht jedem Jahr. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann der kollektive Rummel doch ganz unterhaltsam sein.

 

Unterhaltung ist wohl auch das Stichwort für das Silvester-Dinner, nicht umsonst holt das ganze Land an diesem Abend mit dem Bleigieß-Set auch den Fonduetopf oder die Racletteförmchen aus dem Keller, rührt Dips, setzt Bowle und mit zunehmendem Sektgenuss auch an alte Geschichten an. Bei uns wird es Bulgogi geben, koreanisches BBQ, zum Start ein paar Sommerrollen und eine Suppe, vielleicht eine vietnamesische Phở, weil sich hier so wunderbar alles zu einem harmonischen Ganzen fügt und jeder nach Lust und Laune variieren kann. Der eine mag seine Phở vielleicht vegetarisch nur mit Gemüse und etwas Tofu, der andere liebt Rindfleisch dazu, ich finde auch gehacktes bzw. gewolftes Hähnchenfleisch darin sehr lecker, hauptsache die Kräuter- und Gemüsezufuhr und allem voran natürlich die Brühe stimmt. In die gehört etwas Sternanis, Zimt und ein leiser Hauch Kardamom, außerdem Ingwer, Schalotten, Chili und zum Abschmecken natürlich Limette, Zucker und die bitte nie versiegende, holy holy Fischsauce.

Am Ende darf dann jeder die Suppe auslöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat. Passt ja zum Thema.

In diesem Sinne, ihr Lieben:
Auf ein spannendes, abwechslungs- und ereignisreiches, leckeres, frohes & neues Jahr!

 

P.S.: Phở am nächsten Morgen vertreibt Kummer und Sorgen (und ist das perfekte Katerfrühstück!).

 

Silvester-Phở

Für eine traditionelle und richtig gute Phở sollte man sich die Mühe einer selbst aufgesetzten Brühe machen, am besten schon vormittags, damit das Projekt Silvesterdinner später nicht in Stress ausartet und die Suppe in Ruhe vor sich hinbrodeln kann. Falls sich die Uhr mal wieder schneller gedreht hat, kann man auch eine (gute!) Hühnerbrühe verwenden und das Hähnchenfleisch kurz in eben dieser pochieren oder aber etwas rohes Hähnchenbrustfleisch durch den Fleischwolf drehen und in etwas Pflanzenöl anbraten. Wie bei allen Gerichten steht und fällt auch diese Suppe mit der Qualität der Zutaten.

 

Zutaten (für 4-6 Personen):

Suppenbasis:
1 ganzes, großes Hähnchen
1 Stück frischen Ingwer (ca. 80 g)
2 Schalotten
1 Packung Reisbandnudeln
4 Schalotten
1 Sternanis
1 kleines Stück Zimtrinde (ca. 3-4 cm)
1 Kapsel schwarzen Kardamom

Für die Einlage:
100 g Mungbohnenkeimlinge (besser bekannt als Sojasprossen)

1 Bund frischen Koriander
1 Bund Europagras

1 Bund vietnamesisches oder Thai-Basilikum
3-4 Frühlingszwiebeln
1 Limette

1 Vogelaugenchill
etwas zerstoßener Pfeffe
asiatische Röstzwiebel
1 kleine Packung Zuckerschoten
1 kleine Packung Thai-Spargel
evtl. 150 -200 g Rinderfilet
nochmal etwas fein geriebener Ingwer sowie ungeröstetes Sesamöl 

Zum Abschmecken:
4 EL Fischsauce
1 TL 
Zucker
Salz

Zubereitung:

1. Einen großen Topf mit ca. 3 Liter kaltem Wasser aufsetzen. Das Hähnchen in den Topf legen (es sollte vom Wasser bedeckt sein), alles zum Kochen bringen, dann ca. 30 – 45 Minuten bei kleinster Hitze und geschlossenem Deckel simmern lassen. Den dabei entstehenden Schaum immer wieder abschöpfen.

2. Den Ingwer schälen und sehr fein hacken oder reiben, die Schalotten ebenfalls fein hacken.

3. Die Kardamomkapsel in der Mitte teilen, ohne sie komplett durchzuschneiden. Zusammen mit dem Zimt und dem Sternanis in einer gusseisernen Pfanne bei niedriger Hitze anrösten, bis sie zu duften beginnen. In ein Gewürzsäckchen (oder kleines Mulltuch) binden.

4. Das Hähnchen aus dem Topf herausnehmen und in einer Schüssel mit kaltem Wasser abschrecken,. Herausnehmen, das Fleisch vom Knochen lösen und die Brustfilets im Ganzen lassen. (Das Keulen- und Rückenfleisch kann anderweitig verwendet werden.)

5. Die Karkasse und die Knochen wieder zurück in den Topf geben, alles wieder aufkochen und weiter simmern lassen. Dabei den Ingwer, die Schalotten und das Gewürzsäckchen hinzugeben. Mit geschlossenem Deckel nochmal ca. 1 Stunden köcheln lassen.

6. Währenddessen die Brustfilets so fein wie möglich hacken. Wer seine Pho etwas unkonventioneller in der Blitzvariante gestaltet und eine fertige Brühe oder einen Hühnerfond verwendet hat, kann alternativ das Hähnchenfilet in der Brühe kurz gar ziehen lassen und dann fein hacken oder das rohe Hähnchenfilet durch den Fleischwolf drehen und mit etwas Pflanzenöl in der Pfanne anbraten.

7. Für Rindfleischliebhaber:
Das (rohe) Rinderfilet in feine Scheiben schneiden. Aus dem gehackten Ingwer und ein paar Tropfen Sesamöl eine Marinade rühren und das Rindfleisch darin ca. 45-60 Minuten ziehen lassen.

Für die Kräuter- , Gemüse und -gewürzteller:

1. Die Kräuter waschen und putzen. Korianderblättchen abzupfen, die Stengel fein hacken, große (Thai- oder vietnamesische) Basilikumblätter evtl. in Streifen schneiden, kleine Blätter ganz lassen. Europagras in feine Streifen schneiden.

2. Die Frühlingzwiebeln waschen und in feine Ringe schneiden. Die Limette in Achtel schneiden und zusammen mit dem gestoßenen Pfeffer und der in feine Ringe geschnittenen Chili auf einem Teller anrichten.

3. Die Mungbohnenkeimlinge waschen und putzen.

4. Röstzwiebeln in eine kleine Schüssel geben.

5. Zuckerschoten waschen und putzen, in feine Streifen schneiden. Thaispargel waschen und putzen.

Alle Zutaten auf Teller verteilen oder in kleine Schüsseln geben, so dass sich später jeder nach Lust und Laune bedienen kann.

Kurz vor Schluss:

1. Die Reisbandnudeln nach Packungsanweisung in kaltem Wasser einweichen. Herausnehmen, abtropfen lassen und in kochendem Wasser in ca. 2-3 Minuten gar kochen. Abgiessen und kalt abbrausen, dabei gut durchmischen, damit sie nicht verkleben.

2. Die fertige Brühe durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch passieren. Zurück in den Topf geben, mit Zucker, Salz und Fischsauce abschmecken und alles noch einmal kurz aufkochen.
Wer seine Suppe auch mit Rindfleischstreifen servieren möchte, das Fleisch nun in einem Schaumsieb kurz in die kochende Brühe halten. Herausnehmen und in eine Schüssel füllen.

3. Zum Servieren erst ein paar Mungbohnenkeimlinge, dann die Reisnudeln in die Suppenschalen geben, mit der heißen Brühe auffüllen und servieren.

4. Jetzt kann jeder nach Lust und Laune Hähnchenfleisch, Rindfleischstreifen, Tofu und Gemüse hinzufügen, mit Limettensaft, Fischsauce, Chili und zerstoßenem Pfeffer nachwürzen, reichlich Kräuter und Röstzwiebeln darüber streuen und dann: Genüßlich schlürfen.

 

2 Kommentare zu “The final countdown: Silvester-Phở”

  1. Claudia Gliss

    Liebe Sophia,
    wie immer, soooooo schön geschrieben :-). Ich wünsche Euch einen super Rutsch und ein grandioses 2015 – vielleicht ja dann auch in Köln ;-).
    Liebe Grüsse
    Claudia

  2. lisbeths

    Könnte ich so fotografieren – ich würde es tun ;)

    xx karin


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