Dass ich tatsächlich noch zum Backen dieser nicht ganz blitzgeschwinden Tarte gekommen bin, ist ein kleines Wunder, denn die letzten beiden Wochen waren in eine Kette von Ereignissen, Orten und Menschen verstrickt, die das langwierige Hantieren mit kapriziösen Früchten eigentlich verbietet. Man könnte glatt meinen, ich hätte einen Riss im Zeit-Raum-Kontinuum entdeckt, aber dem ist nicht so.

Ich habe lediglich die stärkende Wirkung von Quitten entdeckt. Birnen, ja. Und: Zucker.

Zucker kann ein ungemein hilfreicher Energiespender sein, vor allem in Extremsituationen.


Wenn man also so wie ich an einem Dienstag Nachmittag mit einer allerfeinsten Erkältung von Göttingen aus in den Zug nach Frankfurt Flughafen steigt, am Lufthansa-Schalter erfährt, dass man wegen heilloser Überbuchung der Maschine wohl erstmal in Ibis-Hausen nächtigen wird, aller statistischen Gesetze zum Trotz und nach viel Hin und Her doch noch gegen 23 Uhr in Nizza und nach Mitternacht in Ligurien landet, zwei aufregende Tage später weiter Richtung Essen zur Blogst eilt, dort den Kopf bis zum Anschlag mit neuem Input und das Herz mit tollen Menschen füllt, Sonntagabend mit Sack und Pack weiter nach Köln zuckelt, Dienstag und Mittwoch in Düsseldorf zwei Foodfotografen über die Schulter guckt, dazwischen das Home-Office plus eine klitzekleine Plätzchenproduktion nebst Shooting schiebt und dann (mit roter Kekstasche im Gepäck) zielsicher München für das samstägliche Siemens-Blogger-Event ansteuert …

… dann braucht man definitiv und in ausreichender Dosis eine adäquat inszenierte Zuckerzufuhr.

Wer wird denn hier wegen ein paar dicht gestrickter Tage mürbe werden?

 

So in der Retrospektive war es übrigens auch gar nicht so stressig, wie es klingt. Und die Quitten Tarte Tatin, die mach’ ich nächstes Mal auch in Nullkommanix.

Tarte Tatin mit Quitten und Birnen

Zutaten

  • 150 g Mehl (plus Mehl für die Arbeitsfläche)
    90 g kalte Butter
    1/2 TL Salz
    60 ml kaltes Wasser
    2 EL Rohrohrzucker
    1 Päckchen Vanillezucker
    4 feste, duftende Quitten
    2 herbstliche Birnen

Zubereitung

1. Das Mehl auf eine Arbeitsfläche häufen, mit Salz und Zucker mischen. Die kalte Butter in kleinen Stücken darüber geben und unter Zugabe von kaltem Wasser rasch zu einem Mürbeteig verkneten. Je kälter die Hände sind und je kürzer es dauert, bis aus allen Zutaten ein Teig entstanden ist, desto mürber und krosser ist später das Ergebnis. Also: Hurry up!
Den Teig zu einer Kugel formen, mit den Händen flach drücken und in Klarsichtfolie gehüllt für ca. 1 Stunde in den Kühlschrank legen.

2. Währenddessen die Quitten schälen, vom Kerngehäuse befreien, vierteln und in Spalten schneiden. Mit den Birnen ebenso verfahren, wobei hier das Ganze deutlich schneller geht als mit den gelben Vorgängern, denn Quitten sind ziemlich hart.

3. Den Ofen auf 175° vorheizen.

Jetzt kommt das Karamell. In einer ofenfesten Pfanne oder – noch besser – Tarte Tatin-Form die Butter bei milder Hitze schmelzen lassen. Den Zucker hinzufügen und unter Rühren karamellisieren lassen. Wenn der Zucker sich aufgelöst hat, die Quittenspalten dicht an dicht in die Pfanne legen. Das darf, muss aber nicht schön aussehen – wichtig ist, dass es später schmeckt. Man kann sich aber natürlich auch verkünsteln. Alles kann, nichts muss.

4. Die Quitten im Butterkaramell ca. 20-30 Minuten (oder gar länger) gar köcheln lassen – Quitten brauchen (leider) ihre Zeit. Weil die Früchte in der Pfanne ganz schön „schrumpfen“, kann man immer wieder Spalten nachlegen, also besser zu viel als zu wenig Quittenscheiben parat halten.
Wenn die Quitten weich sind (einfach probieren), die Birnenspalten an den äußeren Rand legen und alles für weitere 5 Minuten köcheln lassen (unter Umständen nochmal einen Klacks Butter hinzugeben). Alles mit Vanillezucker bestreuen. Früchte sind fertig.

5. Zwischendrin den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche auf die Größe der Form ausrollen. Wieder in Klarsichtfolie packen und noch mal kalt stellen. Soll ja mürbe werden.
Wenn Quitten und Birnen ausreichend weich sind, die Teigdecke auf die Form legen und die Ränder leicht andrücken (die Ränder aber auf keinen Fall hochziehen, der Tarteboden soll schön flach sein).

6. Die Pfanne in den vorgeheizten Ofen geben und für ca. 30 Minuten backen, bis die Kruste schön knusprig aussieht. Dann die Tarte aus dem Ofen holen und (unbedingt!) 10 Minuten abkühlen lassen.

Bis dahin haben wir’s also schon mal geschafft.

7. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Einen Teller auf die Form legen, beherzt zugreifen (bloß nicht zögern, ja, die Liebeshenkel schön festhalten) und mit Schwung und Schmackes umdrehen.

Wenn du alles richtig gemacht hast, haben die Quitten diese wunderbare bordeauxrote Farbe, die einen in die Knie gehen lässt – und der Tarteboden ist auch schön mürbe.

2 Kommentare zu “Bloß (nicht) mürbe werden: Tarte Tatin mit Quitten & Birnen”

  1. lou

    ich hab doch letztens so ne tolle tarte form gekauft und noch nicht eingeweiht. das könnte sich dann doch direkt jetzt mal ändern. das sieht super aus!!

  2. Katja

    Wieviel Zucker und Butter hast Du denn für das Karamell genommen?
    Eine tolle verwendung für die letzten Quitten. :)


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