Eine neu entdeckte Disziplin, die verstärkt zu üben ich mir seit ein paar Monaten auferlegt habe, ist das Ausruhen. Wahlweise kann es auch Faulenzen heißen, Rumschlunzen oder von mir aus auch „Relaxen“. Nur mit Nichtstun hat es nichts zu tun. Ich nenne es lieber progressive Entspannung. Herbstliche Sonntage sind geradezu prädestiniert dazu.

Es gibt nur zwei Regeln: Man darf es nicht bereuen. Und: Es gehört ein Ei dazu.
(aber erwartet jetzt nicht ein revolutionäres Spiegeleirezept von mir!)

Am besten gelingen Höchstleistungen in diesem Fachbereich, wenn man den Druck rausnimmt. Viel zu lange hab ich das vernachlässigt. Weil dieses oder jenes noch erledigt werden muss, die Wand darauf wartet, gestrichen zu werden, der Textstapel bedrohlich wankt, der Blogpost noch geschrieben werden will, der Freizeitstress genährt werden möchte, der Krempel für den Flohmarkt noch zusammengesucht werden muss, die Joggingschuhe unbefriedigt durch das Treppenhaus trippeln. Diesen Haufen an (dringlichen wie selbst auferlegten) Verpflichtungen ausblenden zu können, Termine und Verabredungen abzusagen, sich einen Tag lang mal nur auf sich selbst zu konzentrieren, erfordert regelmäßiges Training.

Am besten fängt man mit einem guten Frühstück an. Und: Es gehört ein Ei dazu.

Ganz besonders wirksam ist auch die Einführung von Ritualen. Während der Kaffee kocht, kann man zum Beispiel schon mal die Wanne einlassen – selbstverständlich ohne dabei dem Impuls nachzugeben, vorher noch schnell das Bad zu putzen! Jetzt wird erst einmal ordentlich die Seele geschrubbt, ein Buch gelesen, die Augen geschlossen. Genossen.

Und zwar jede Minute. Ich kann das inzwischen, und zwar so: Erst kaltes Wasser nachlassen, dann wieder warmes, dann wieder kaltes, dann wieder warmes. Bis die Zehen ganz schrumpelig sind und der Hunger sich zu Wort meldet.

Dann wird Frühstück gemacht. Mit Ei. Und Ohhhm. Und definitiv mit Ahhhhhh.

 

Sonntagsfrühstück (kein Rezept, sondern ein Plädoyer)

Zutaten

  • 1 Ei/Person
  • 1 Hand voll kleine Strauchtomaten
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1 EL Ziegenbutter
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung

1. Die Badewanne einlassen.

2. Etwas Ziegenbutter in einer Pfanne zerlassen. Die klein geschnittenen Frühlingszwiebeln sowie die gewaschenen und halbierten Tomaten unter Rühren anbraten. An den Pfannenrand schieben (oder herausnehmen), dann das Ei in die Pfanne schlagen. Nur das Eiweiß salzen! Das Ei in ca. 2-3 Minuten braten, bis das Eiweiß fest und das Eigelb noch schon weich ist.
Mit einem gebutterten Nussbrot und etwas Kerbel servieren.

3. Sich treiben lassen.

6 Kommentare zu “Sunday side up oder die meditative Wirkung eines Sonntagsfrühstücks”

  1. Krisi

    Was für ein schöner Post und wie war, oft ist entspannen gar nicht so leicht wie es klingt, da man so viele Sachen im Kopf hat!
    Ein richtig schönes Sonntags frühstück ist was tolles, ich mag es auch sehr mit Tomaten..am liebsten ein Avocado-Tomaten Brot mit Obstsalat=)
    Liebe Grüsse
    Krisi

  2. Steph

    Hallo Sophie,
    ach was für ein schöner genussvoller Post. Besonders weil seit fünf Wochen vier Hühner bei mir wohnen und die benötigten Eier liefern.

  3. Katja

    Oh, wie wunderbar, der Start in den Tag, das Genießen, das Sein.

    (und woher hast Du bitte die tollen Salz-und Pfefferstreuer?)

  4. Kirsti alias Mrs. Popsock

    Auja!! Und das ales am besten im Schlafanzug (gut, zum Baden würd ich ihn ausziehn) – nen Sonntag im Pyjama mit weltbestem Frühstück und später mit lecker Kuchen auf der Couch. Das nenne ich mal ne Pyjamaparty… Schönes Plädoyer für`s Frühstück!!!

  5. Toettchen

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Seit ich pensioniert bin, (naja, gelegentlich arbeite ich wenig) lasse ich es auch gerne entspannt den Morgen angehen. Und dann experimentiere ich mit den unterschiedlichsten Eierspeisen – Baden – Zeitunglesen und im Hintergrund etwas Musik.

  6. Miriam

    Ah, Sonntagsfrühstück, das beste am ganzen Wochenende! Bei mir und meinem Freund ist das ein echtes Ritual. Ei gibt es nicht immer, aber meist schon etwas besonderes. Manchmal auch Waffeln oder Pancakes!
    Das Entspannungsproblem habe ich auch. Zuhause entspannen fällt mir am Wochenende oft ganz schwer. Schließlich gibt es immer irgendein Projekt oder, noch schlimmer, was zum Aufräumen oder putzen. Neeervig! Muss das auch versuchen, mehr so wie du anzugehen. Aber das ist so schwer! :D


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