Als vor knapp drei Wochen Spotify und Lecker.de bei mir (und anderen Foodboggern) anklopften und nach meinem derzeitigen Lieblings-Winterrezept samt zeitlich abgestimmter Playlist fragten, war ich gerade auf besagter Tour de Force und ein wenig überfordert mit der Koordination dieser Aufgabe. Zwar konsumiere ich Musik in mindestens ebenso hohen Dosen wie Kaffe, Riesling oder Honig und würde niemals (niemals!!!) ohne Kopfhörer aus dem Haus gehen. Aber den Herd, auf dem das Lieblings-Winterrezept zwangsläufig entstehen muss, sehe ich momentan ebenso selten wie das Tageslicht. Ich bin einfach viel zu wenig Zuhause.

Dazu kommt, dass ich ein ausgemachter Weihnachtsmuffel bin. Der ganze Rummel um Deko, Glühwein und Adventskalender geht mir Anfang Dezember noch viel zu sehr auf die Nerven, um schon mit einzusteigen. Meist packt mich die Lust auf Christmas-Kitsch erst kurz vor Schluss. Dann fange ich plötzlich an zu basteln und Päckchen zu packen und irgendwie hat es mich dann doch am Schlawittchen: dieses warme, seelenumschmeichelnde Gefühl, das Bedürfnis, liebe Menschen zu beschenken und der Wunsch, in brennende Kerzen zu sehen. Ich gehöre wohl in die Kategorie „Last-Minute-Romantiker.“

 

 

Was ich allerdings wirklich sehr mag, ist die Besinnlichkeit dieser Tage, die ruhigen Abende, das gedämpfte Licht und den Appetit auf würzige, herz- und bauchwärmende Gerichte voller Aromen. So hektisch die Zeit vor Heiligabend auch meist sein mag, so sehr versuche ich, mir diese kuschelige Stimmung zu bewahren. Es muss ja nicht gleich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder der x-te Weihnachtsmarkt-besuch sein – und schon gar nicht die fette Gans. Aber so ein Schneespaziergang mit Knirschgeräuschen unter den Stiefeln, ein paar selbstgebackene Plätzchen zum Kakao, dazu die Füße hochlegen und die Pilzsuppe auf dem Herd brodeln hören:

DAS ist Musik in meinen Ohren.

Geht dagegen gar nicht: „Oh Tannenbaum“ und „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. Mit Weihnachtsmusik kann man mich tatsächlich jagen. Lieber höre ich DJ-Sets oder guten Indie – und am 24. Dezember das wohlige Streichelgeräusch runder, satter Bäuche.

 

Meinen Beitrag auf Lecker.de findet hier übrigens hier – samt der zeitlich auf die Zubereitungsdauer abgestimmten Playlist. Garantiert Weihnachtskitsch-frei.

 

Cremige Steinpilzsuppe & knusprige Crostini mit gemischten Pilzen und gebackenem Büffelricotta

Zutaten

  • Für die Pilzsuppe:
  • 500 g Steinpilze (u.U. eingefroren)
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Schalotten
  • 2 Stangen Staudensellerie
  • 2 Lorbeerblätter
  • 2 große Kartoffeln
  • 2 EL Butter
  • Olivenöl
  • 50 ml Lillet (alternativ ein trockener Martini oder Brandy)
  • Hühnerbrühe zum Aufgießen
  • 1 Schuss Sahne
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • frische Kräuter zum Garnieren (Kerbel, Schnittlauch oder Petersilie)

  • Für die Crostini:
  • 300 g gemischte Pilze (Steinpilze, Maronen, Buchenpilze, Shiitake, Austernpilze)
  • 2 EL Traubenkernöl
  • 1 EL Butter
  • italienisches Weißbrot, z. B. Pane pugliese oder ein Ciabatta mit grober Krume
  • 1 Knoblauchzehe
  • Ricotta di Buffala (ersatzweise normaler Ricotta)
  • 1 Bio-Zitrone
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Muskatnuss oder Macis (Muskatblüte)

Zubereitung

I. Für die Suppe:

1. Die Pilze waschen und mit einer Pilzbürste oder Küchenkrepp vorsichtig säubern. In kleine Stücke schneiden. Falls tiefgekühlte Steinpilze verwendet werden: Auf einem Teller ausbreiten und bei Zimmertemperatur auftauen lassen. Das austretende Wasser abgießen.
Die Schalotten fein hacken, Sellerie entfäden und klein schneiden. Die Knoblauchzehen fein hacken. Die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden.

2. Butter und Öl in einem Topf erhitzen und die Schalotten darin ca. 3-4 Minuten anschwitzen. Den Sellerie und den Lorbeer hinzufügen und alles für ca. 5 Minuten unter Rühren bei mittlerer Hitze anrösten. Jetzt die Steinpilze hinzufügen und mitbraten, dabei warten, bis fast keine Flüsskeit mehr austritt. Zuletzt die Kartoffelwürfel hinzufügen und kurz mit anbraten. Alles mit Wermut (oder Martini oder Brandy) ablöschen und mit Brühe auffüllen. Für ca. 30-40 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind und ein wohliger Geruch nach Waldboden die Küche durchströmt.

3. Die Suppe mit dem Zauberstab pürieren und einen Schuss Sahne untermixen. Für eine besonders feine Konsistenz durch ein feines Sieb streichen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Kerbel, Schnittlauch oder andere Kräuter waschen und trocken schleuern.

II. Für die Crostini:

1. Die gemischten Pilze wie oben beschrieben säubern, große Pilze in Crostini-freundliche Stücke schneiden. Den Büffelricotta aus der Packung nehmen (bei normalem, etwas wässrigerem Ricotta: in ein Sieb geben und gut abtropfen lassen bzw. leicht ausdrücken). Mit der abgeriebenen Schale der Zitrone, Salz und Pfeffer abschmecken und in eine kleine Auflaufform, Mini-Cocotte oder ein anderes ofenfestes Behältnis geben. Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C ca. 15-20 Minuten backen, bis die Oberfläche schön gebräunt ist. Herausnehmen und abkühlen lassen.

2. Währenddessen Traubenkernöl und Butter in einer Pfanne mit schwerem Boden (idealerweise eine gusseiserne Pfanne) erhitzen. Die Pilze hinzugeben und bei scharfer Hitze unter gelegentlichem Wenden braten, bis die austretende Flüssigkeit vollständig verdampft ist. Salzen und pfeffern, eventuell mit einer Prise Muskatnuss oder Macis abschmecken.

3. Das Weißbrot in Scheiben schneiden, auf das Ofenrost legen und für ca. 7-8 Minuten knusprig rösten. Herausnehmen und mit der Knoblauchzehe einreiben.

Time to serve: 

1. Die Suppe erwärmen und nochmals mit dem Zauberstab schaumig aufschlagen. Die Weißbrotscheiben mit dem gebackenen Ricotta bestreichen und die gebratenen Pilze darauf geben. Die Steinpilzsuppe in Schalen oder tiefe Teller füllen, mit den Kräutern garnieren und zusammen mit den Pilz-Ricotta-Crostini servieren.

 

Zubereitungszeit:

Für die Suppe ca. 60 Minuten
Für die Crostini ca. 20-30 Minuten
Zum Tisch decken und Anrichten ca. 10 Minuten


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