Es knirscht zwischen meinen Zähnen, es knarzt zwischen meinen Kiemen, es kribbelt in meiner Nase – was mag das sein?
Ach herrje, ich hab die Pilze nicht richtig geputzt!

Dabei weiß man doch, dass man bei Steinpilzen ein bisschen Zeit investieren muss. Ausgestattet mit Pinsel, Messerchen und Küchenkrepp wird aus den hübschen Waldbodenbewohnern der Stoff, aus dem Herbstträume sind. Natürlich liebe ich sie zu Pasta, Kalbssteak oder Kaninchen, aber in der kurzen Übergangszeit zwischen Spätsommer und Herbst gibt es für mich nichts Schöneres als ein knuspriges Steinpilzsandwich mit aromatischen Beeren und sahnigem Frischkäse, aufgemotzt wahlweise mit Parmesanspänen oder hauchdünnem San Daniele-Schinken.

So viel Luxus hat mein Brötchen schon lange nicht mehr gesehen!


Was so schön ist, will ordentlich geputzt werden – wer hat schon Lust auf böse Überraschungen? Viel Ärger spart sich, wer schon beim Einkauf wählerisch ist und nur kleine, feste Steinpilze in den Einkaufskorb wandern lässt. Die großen, aufgeschnittenen Exemplare sind oft schon zu trocken und/oder haben *örks* Maden in ihren Lamellen (daher bei den dicken Dingern vorsichtshalber immer den Schwamm unter der Kappe entfernen, besonders wenn er schon leicht grünlich schimmert).

Überhaupt sollte man Steinpilze nie lange lagern, sondern so rasch wie möglich verarbeiten.

Das leidige Säubern ist eigentlich gar nicht so schlimm: Die Kappe mit Küchenkrepp oder einem leicht feuchten Tuch abwischen und die Erdreste am Stiel mit einem Messer abschaben. Oder aber man nimmt einen Pinsel zur Hand und säubert die Pilze trocken. Auf jeden Fall dunkle Stellen entfernen und das erdige Ende des Stiels abschneiden. Aber NIE, wirklich NIEMALS waschen.

 

Und dann beginnt der schöne Teil:

Pilze in (nicht zu dünne) Scheiben schneiden und in einer heißen Pfanne erhitzen, bis die enthaltene Flüssigkeit verdampft ist. Etwas Butterschmalz (oder Butter und etwas Öl) zugeben und bei mittlerer Hitze fertigbraten.
Ein Lieblingsbrötchen dick mit (Doppelrahm-!) Frischkäse bestreichen und die lauwarmen Pilze darauf verteilen. Beeren verlesen (hier nimmt man, was man jetzt noch bekommt, von Brom- über Heidel- bis zu Himbeeren), waschen, trocken tupfen und auf dem Brötchen verteilen. Prosciutto crudo oder dünne Parmesanspäne sind optional, schwarzer Pfeffer und Basilikum dagegen ein Muss.

Und dann: Reinbeissen und ins Gras fallen lassen.

Hey Herbst, wir sind soweit, du kannst jetzt kommen.

 

 

7 Kommentare zu “Herbstvorfreude mit Spätsommeradieu oder: Steinpilzsandwich mit Frischkäse und Beeren”

  1. George

    Das sieht genau so lecker aus wie es klingt. Sehr geil!

  2. lieberlecker

    da hat man gleich Lust reinzubeissen – sehr lecker!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  3. Bella

    Sieht klasse aus!
    Super genial angerichtet auf dem Holzbrett, wirklich Hammer!

  4. Steffen

    GROßES Kompliment an Deine Fotos. Ich finde die geil… die Sache mit dem Baumstamm sowieso. Wenn Du in der Stadt bist, dann gehen wir nicht essen… wir kochen zusammen und machen Fotos. Klar???!!!

  5. Julia

    Kennst Du das, wenn Du etwas falsch liest? Ich wunderte mich eben mehrere Minuten, was wohl ein Somme-Radieu sein könnte und dachte an etwas ganz ausgefallen Kulinarisches :) Dabei ist es einfach “nur” Dein wunderschöner Abschiedsgruß an den Sommer! Ein sehr feines Sandwich…

  6. samirake

    Das sieht wirklich fantastisch aus… :)
    Die Fotos sind klasse und die Rezepte ziemlich originell! Weiter so!

  7. Benjamin Blume

    Nicht nur das du ein geniales Auge für Details hast sondern darüber hinaus auch scheinbar ein Tallent Geschmacksnoten zu kombinieren.
    Ob man es glaubt oder nicht, ich kann deine Rezepte im Kopf zusammenstellen und weis ungefähr wie es schmecken würde.
    Ich freu mich schon deine Seite weiterhin verfolgen zu können :)
    LG Ben B. (Koch&Konditor)


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