Jedes Jahr, von Januar bis Anfang März, tritt die Zitronatzitrone ihren Weg über die Alpen an – und wandert direkt in meine Küche. Von dort aus in mein Herz. Der Weg ist lang, sie startet in Sizilien oder Kampanien, wo sogar ein ganzer Küstenabschnitt, die Costa dei Cedri, nach ihr benannt ist. Die Früchte für diese nette, kleine Vorspeise dagegen stammen von der Amalfiküste. Oder besser gesagt: Diese Frucht, es war nämlich nur eine. „Damals“, im März anno 2104, bin ich auf die wohl größte Cedro meines Lebens gestoßen, in einer kleinen Bar direkt an der Piazza von Agropoli. Mitten im Herzen des Cilento. War natürlich Liebe auf den ersten Blick.

Da gibt es dieses Beweisfoto, das mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. 

Es ist nur ein im Trubel der Freude schnell geknipstes iPhone-Foto, entstanden während unserer „Redaktionssitzung“, aber man sieht ganz deutlich, dass es sich hier nicht um eine schlichte Supermarktzitrone oder ein normales Exemplar der Cedro handelt – das hier ist eine Trophäe! Und die gehört, so die einhellige Meinung, in ein Kochbuch und nicht an die Wand!

 

Ich war übrigens sehr viel aufgeregter über den Fund als mein gelangweilter Schlafzimmerblick es vielleicht vermuten lassen würde. Da halte ich also eine kindskopfgroße Cedro in der Hand und in meinem Kopf rattern schon die Ideen. Was macht man nur aus so einem Prachtexemplar? Unter anderem wurde daraus dieser Salat mit Gamberetti, Sellerie und Vanille, in den ich mich jederzeit reinlegen könnte. Er ist eines von vielen Rezepten, die während unseres gemeinsamen Cilento Trips entstanden und in ein Buch geflossen sind. Das wir übrigens endlich feiern, mit einer kleinen, feinen Release-Party, so eine von der netten, gemütlichen Sorte. Wer dabei sein möchte: Die Sause findet am 21. Februar in Hamburg im Lila Nashorn statt.

Weil wir mitfeiern und ausnahmsweise mal nicht hinter den Töpfen stehen, sondern auch am Tisch sitzen möchten, kocht das Team des Lila Nashorns vier Gerichte aus dem Kochbuch für uns alle nach. Unsere Rezepte – von Profis zubereitet – das ist schon ein bisschen aufregend! Und auch, dass wir das Buch noch einmal nachdrucken werden, freut uns sehr.
Tickets für das Event, das Buch oder beides bucht man übrigens hier.

So. Und jetzt zurück zum Thema. Wie war das nochmal mit den Cedri, nur die Schale zählt? So ist es, bei dieser ganz besonderen Zitronenart geht es nicht um das Fruchtfleisch, sondern um das Mesocarp, die dicke, weiße Schale, die ganz wunderbar hauchdünn aufgeschnitten schmeckt, sozusagen als pflanzliches Carpaccio. Für dieses Rezept wurden aus den Scheiben schmale Streifen, dazu kamen feine Selleriehalbmonde, des Selleries zartes Grün und feine Gamberetti. Und ein Hauch Vanille, als feiner Konterpart zum leicht bitteren Aroma der Zitronatzitrone. I really like! Ein Shrimp-Cocktail nach Cilenteser Art sozusagen. Diese rosa Tunke, in der die Gamberetti sonst qualvoll ertränkt werden, vermisst hier kein Mensch!

 

 

Shrimp-Cocktail alla Cilentese mit Cedri, Sellerie und Vanille 

Zutaten:

1 Cedro (ca. 1 kg)
2 Handvoll Gamberetti, vorgekocht, geschält
2 Stangen Staudensellerie samt Grün
Saft von einer Zitrone
6 EL Olivenöl
Mark ½ Vanilleschote
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
1 Prise Zucker

Zubereitung:

1. Die Cedro gut waschen, mit einem scharfen Messer dünne Scheiben von der Frucht abschneiden. Das Fruchtfleisch entfernen und das Mesocarp (das weiße Innere der Cedro) in dünne Streifen schneiden.

2. Die Gamberetti von der Schale befreien. 4 EL Olivenöl mit dem Mark der Vanilleschote sowie etwas Salz und Pfeffer vermischen. Die Gamberetti darin für ca. eine halbe Stunde marinieren.

3. Den Sellerie entfäden, die Stangen in ca. 1 cm dünne Halbmonde schneiden. Die Cedrostreifen zusammen mit den Selleriestücken in eine Schüssel geben und mit dem Zitronensaft sowie dem restlichen Olivenöl vermengen.

4. Die Gamberetti samt Marinade zum Cedrosalat geben und alles gut miteinander vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und im Kühlschrank mind. 1 Stunde lang durchziehen lassen.

5. Den Shrimpcocktail auf kleine Schüsseln oder Teller veteilen und mit dem Selleriegrün garnieren.

 


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