Wenn einer eine Reise tut … sollte er gefälligst die Arbeit zuhause lassen. Ein Spruch, den ich mir eigentlich schon vor langer Zeit hinter die Löffel geschrieben habe. Trotzdem bin ich, weil’s am Ende wieder knapp wurde, mit zwei liegen gebliebenen Texten im Gepäck los geflogen. Kein Wunder, dass ich etwas gebraucht habe, in den Urlaubsmodus reinzurutschen, auch wenn es mir unsere Bleibe für die erste Etappe im Grunde denkbar einfach gemacht hat. Nur der Kopf wollte halt mal wieder nicht wie er sollte.


Aber dann: Dieses Zimmer! Dieser Ausblick. Und überhaupt: Dieser Charme. Selten hat eine Unterkunft mich so verzaubert wie die Moinho do Pedro, eine alte Mühle aus dem 17. Jahrhundert, die ein deutsches Paar aus- und umgebaut hat. Emanuel und Michaela dos Santos haben hier in eine Oase der Ruhe geschaffen, die aussieht wie aus dem Bilderbuch: Ohne überflüssigen Schnickschnack, dafür mit viel Weiß und noch mehr Geschmack, liebevoll kreierten Entspannungsinseln und dem ein oder anderen wohl durchdachten Detail. Da passt der Beiname der lässig-gepflegten Pension – „the mill to chill“ – wirklich wie die Faust aufs Auge.
Gesetzt den Fall natürlich, man schafft es abzuschalten, aaaaaargh!

 




 

Aber noch mal von Anfang an. Portugal, here we go! Ende Mai haben der Kerl und ich endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht und unseren Urlaub festgezurrt – ganze 14 Tage (ok, minus Anreise- und Abreisetag eigentlich 12), so lange wie schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Und natürlich wollten wir alles: Strand und Sonne, Stadt und Meer. Also von allem ein bisschen und dazu jede Menge Zeit für uns. Ein, sagen wir mal, doch recht ambitioniertes Projekt (im Nachhinein ist man ja immer schlauer), alles machbar, das ja, aber mit straffem Programm. Da musste bei den Vorbereitungen schon ein bisschen gepuzzelt werden, vor allem die Sache mit dem Mietwagen stellte sich als etwas komplizierter heraus als gedacht. In Faro in den Wagen steigen und in Porto wieder aus ging nämlich nicht – es sei denn, man hat mal eben so nen Tausender nur für das Fortbewegungsmittel auf der hohen Kante. Wer allerdings, so wie wir, seine Kohle lieber in Restaurants und nette Behausungen denn in PS investieren möchte, sollte sofern möglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen.

Was wir dann auch taten. Zumindest nach unserem dreitätigen Aufenthalt an der Algarve. Denn da lohnt sich ein Auto eben doch. Man will ja schon den ein oder anderen Strand besuchen.

 

Geschafft haben wir (die ich noch über den Texten hing und er geduldig am Poolrand) letztlich nur einen, aber der war dafür der wohl Schönste der ganzen Algarve (Praia da Marinha): Feinster Sand, schroffe Klippen, dazu ein sauberes, perfekt temperiertes Meer, eine annehmbare Zahl an Touristen, kühles Bier (er) und Cider (ich) um die Ecke und endlich endlich endlich: Urlaubsfeeling. Ahhhhh!

Was man allerdings auch unbedingt gesehen haben muss, ist die Westalgarve, vor allem die raue Schönheit der dortigen Strände und das Cabo de São Vicente, den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes – schon allein des Kontrasts zur südlichen Algarve wegen.

 


Hier bläst der Wind einem allerdings ganz schön um die Nase! Ich empfehle unbedingt, einen Pullover mitzunehmen und den Strohhut im Auto zu lassen. Zur letzten Bratwurst vor Amerika, die der von Deutschen geführte, gleichnamige Kultimbissstand hier verkauft, kann ich dagegen nichts sagen, da wir kurz zuvor, völlig ermattet vom Rumgekurve, in einem sehr unscheinbaren, mitten an der Straße gelegenen Restaurant zu Nachmittag gegessen haben – überraschend gut! Gegrillte Sardinen und dazu den typischerweise mit (sehr milden) Zwiebelringen angemachten Salat gibt es in fast jedem Restaurant und ist im Grunde das Pflichtprogramm für jeden Portugal(be)reisenden.

 

Womit wir schließlich bei den Restaurants angekommen wären. Mal ganz abgesehen von der Klitsche oben (dem Restaurante A Sagres) kann ich drei Orte bedenkenlos weiterempfehlen, alle sehr verschieden, aber auf ihre Weise gut. Im Restaurante „Colina Verde“ haben wir am Abend unserer Anreise gegessen, auf Empfehlung unserer Gastgeber, und auch wenn ich sonst wirklich so gar nicht auf musikalische Untermalung beim Dinner stehe, war es dieses Mal ziemlich passend und kitschig allenfalls minimal. Das „A Grelha“ in Armacao do Pera ist zwei, drei Stufen untouristischer, dafür eine Prise rustikaler, ein Restaurant, in dem auch die Einheimischen essen und eines, bei dem man am liebsten die Fischkarte rauf und runter bestellen möchte. Panierte Garnelen mit fruchtigem Dip (Rezeptur auf Anfrage ein Geheimnis). Schwertfischsteak mit Kartoffeln. Und mit Früchten gebratene, unglaublich zarte Seezunge. Dazu Sagres (er) und Vinho Verde (ich) und das örtliche Spektakel. Bei Nummer drei habe ich den Namen vergessen und ich weiß auch nicht, wie das Essen schmeckt. Wir hatten nämlich nur einen Sundowner in der Strandbar schrägstrich Restaurant am Praia Do Castelejo, der aber mit einem wunderschönen Ausblick gewürzt war. Allein für diesen lohnt sich schon der Abstecher hierher und pssst, man kann auch schnieke Surfer gucken. 

 


So weit so gut. Am nächsten Tag ging’s weiter nach Lissabon. Eine wunderschöne Stadt voller versteckter Winkel, traumhafter Häuserfassaden und toller Restaurants – auch wenn man sich ein bisschen durch den Touri-Dschungel kämpfen muss, um die wirklich guten zu entdecken. Schade, dass es zu Lissabon noch keinen Foodguide von Housetrip gibt, denn bei wenig Vorbereitungszeit finde ich solche Tipps immer ziemlich nützlich. (Werde aber in den nächsten Tagen mal bei den anderen Städten schmökern).

Aber klar, auch auf eigene Faust macht Lissabon echt Laune. Und das erzähle ich euch beim nächsten Mal.


Hier noch einmal die wichtigsten Adressen/Restaurants:

Urbanização Colina Verde
Lote 2-I
8365-060 ALGOZ

Café Restaurante A Sagres
Sitiodo Tonel
8650-355 Sagres Portugal

Restaurante A Grelha
Rua do Alentejo, 2
Armacao do Pera
Tel. 282 312 245

Über den Eintritt ins Essigbrätlein ist schon viel geschrieben worden, ich weiß also theoretisch, was mich erwartet. Aber als ich an jenem Freitag vor inzwischen fünf Wochen in der Nürnberger Innenstadt stehe und auf die dunkle Eichentür schaue, halte ich inne. Soll ich tatsächlich an der Klingel ziehen? Oder doch lieber klopfen? Gibt es vielleicht einen Geheimcode? Und: Hätte ich vielleicht lieber ein Outfit mit etwas mehr Folklore-Anteil (Dirndl?!) wählen sollen? Alles sieht so zünftig aus, ein bisschen verschroben, wie aus der Zeit gefallen. Und doch soll das hier eines der kreativsten und innovativsten Restaurants sein, die die Sternegastronomie derzeit zu bieten hat. Irgendwo zwischen ehrfurchtsvoll ergriffen und noch leicht schwindlig von der gerade erst abgeschüttelten Wintergrippe greife ich nach der Kette. Die Tür wird aufgemacht, jemand weist mir den Weg. Der führt über eine hölzerne Treppe hinauf in die gute Stube, wo die foodup.Tafelrunde sich heute Abend versammelt.

 

Tafelrunde. Schummriges Licht. Verschwörerische Eingänge. Was klingt wie die Versammlung eines Geheimbundes, ist in Wahrheit „nur“ ein Treffen von Food-Verrückten, Lebensmittel-Pionieren, leidenschaftlichen Genussmenschen. Eine Runde von Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch ist dies einer der vielleicht unterhaltsamsten, entspanntesten und amüsantesten Abende, die hier in diesem spärlich beleuchteten Raum womöglich verlebt wurden. Am Tisch: Pia Niehoff, Marketing Managerin bei Lebensbaum und Vertriebsleiterin bei Lenis Kaffeemanufaktur in Gronau, deren Vater Franz Niehoff als Pionier der Bio-Kaffee-Szene gilt. Clemens Fehr, der zusammen mit der Bauernkooperative “Le Jardin Bio Equitable” im Herzen Afrikas, um die “Mountains of the Moon”, fair gehandelten und Bio-zertifizierten Kakao sowie Vanille anbaut und damit die Schokoladensehnsüchte bewusster Genießer befriedigt. Hansjörg Zitter, enger Freund von Clemens, ehemaliger Chef der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, heute GIZ) in verschiedenen Ländern, u.a. auch Uganda. Hans-Georg Pestka, Genusshandwerker mit Leib und Seele, dessen gleichnamiger Onlineshop eine der besten Bezugsquellen für exzellentes Fleisch, Fisch und Käse, aber auch ausgesuchte Feinkost aus nachhaltiger Landwirtschaft und von kleinen Produzenten ist. Michael Gliss, Kaffee- und Genussbotschafter, Kaffee-Sommelier und Kopf, Herz und Seele hinter der Gliss Caffee Gruppe. Außerdem: Jörg Ferchlandt, freiberuflicher Kommunikationsfachmann und Testkäufer für die Hotellerie- und Gastroszene, langjähriger Biofach-Besucher und seit über 20 Jahren Vegetarier und Befürworter glücklicher Lebensmittel. Orhan Tançgil, in Düsseldorf lebender Foodblogger und YouTuber mit türkischen Wurzeln, Gründer von Koch dich Türkisch“, mittlerweile auch Kochschulenbesitzer, Buchautor und überhaupt: kulinarischer Tausendsassa. Mittendrin ich. Und natürlich die Food- und TV-Journalistin Denise Blasczok, die foodup. gegründet und diese Runde initiiert und organisiert hat.


 

 


Uns eint nicht alle das Selbe. Aber die Freude an gutem Essen und das Bewusstsein für ehrliche, fair produzierte, Mensch wie Tier respektierende Lebensmittel sind gemeinsame Nenner, die die Atmosphäre dieser ersten foodup. Tafelrunde prägen. Vier Stunden, vier Gänge, vier Weine: Fast fühlt es sich an, als säße man mit alten Bekannten an diesem Tisch. Einige kennen sich schon, andere treffen sich das erste Mal. Wir sprechen über türkische Tischrituale und den Anbau von Hochlandkakao, über Pionierarbeit und das Scheitern, das wohl zum Leben dazugehört. Das Weitermachen, das Lernen. Und nicht zuletzt: den Glauben an die Sache. Wir stellen fest, dass mehr als die Hälfte der Anwesenden einmal als Berater tätig war. Und dass ein Großteil passionierte Autodidakten sind. Wir reden und reden und reden. Der Abend ist gefühlt so schnell vorbei wie ein Wimpernschlag.

Ein bisschen geht es natürlich auch um das Essen. Einen Tisch im Essigbrätlein zu bekommen ist nicht unbedingt die leichteste Übung, aber dank Denise und ihrer Kontakte möglich. Während wir uns an die etwas steife Art des Services gewöhnen, wird das Amuse aufgetischt: Zuckerrübe mit Sesam und eingelegte Rote Beete und Quitte. Ist das Kunst oder darf das gegessen werden? 

Eigentlich ist deutsche Küche ja nicht unbedingt mein Fall, aber was im Essigbrätlein an diesem Abend auf die Teller kommt, lässt mich restlos verblüfft zurück: So viel Geschmack, so viel Aroma, so viele unterschiedliche Facetten aus scheinbar unspektakulären Rohstoffen! Vom „Zitronen-Sauerkraut“, unter dem ein samtiges Kartoffelpüree schlummert, hätte ich (bekennende Sauerkrautverweigerin) liebend gern einen Nachschlag geordert. Das Rinderfilet (wahlweise gab es auch Taube) mit Zuckerrübe und Haselnuss-Crunch ist von A-Z zum Niederknien. Und von dem „Pfeffereis mit Blutorange“ samt kandierter Orange, Baiser und Orangenkaramell werde ich wohl noch monatelang träumen. Mein persönliches Highlight aber war der zweite Gang, „Topinambur mit Kerbel“, dank dem sich mir die unscheinbare Knolle in einer völlig neuen Dimension erschlossen hat. Gebacken, roh, als feines Püree, frittiert – nächsten Winter muss ich unbedingt mehr mit Topinambur experimentieren!

So simpel die Zutaten sind und so schlicht die Titulierung der einzelnen Gerichte, so genial ist das, was Andree Köthes und Yves Ollechs hier zaubern. Vielleicht ist das Understatement, vielleicht aber auch ganz einfach Reduzierung aufs Wesentliche. Ähnlich verhält es sich auch mit Denise Blasczok und ihrem Gespür für stimmige Gruppen: Lieber weniger Leute, dafür mehr interessante Geschichten. Am Ende ist der selbstständigen TV-Journalistin mit Liebe zu nachhaltigen Produkten und zum Genuss vor allem wichtig, was aus solchen Tafelrunden heraus entsteht: Neue Geschäftskontakte, neue Querverbindungen, neue Ideen, neue Freundschaften. Und das warme Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein.

 Und tatsächlich werden an diesem Abend, kurz bevor sich die Runde auflöst, Telefonnummern ausgetauscht und Verabredungen getroffen. Ein paar Wochen später kann man Clemens Fehrs umwerfende Vanilleschoten bei Hans-Georg Pestkas Shop Genusshandwerker kaufen. Und ich? Ich treffe mich am nächsten Tag mit Jörg auf der Messe, besuche Pia am Stand von Lebensbaum und laufe, bereits auf dem Rückweg, am Bahnsteig doch tatsächlich noch einmal Clemens in die Arme. Die vierstündige Fahrt, die wir im Anschluss nonstop diskutierend verbringen, ist ebenso wie der Abend: gefühlt so schnell vorbei wie ein Wimpernschlag. Seine von Zotter produzierte Hochlandschokolade, die er mir zum Abschied in die Hände drückt, hat nicht viel länger überlebt.

 


Rot-weiß karierte Tischdecken, dunkle Bistrostühle und schwarz gerahmte Fotografien an den Wänden: Die Seerose ist ein Italiener wie aus dem Bilderbuch und für viele DER Lieblingsitaliener schlechthin. Direkt an der Einflugschneise zum englischen Garten gelegen, kommt man gar nicht um einen Besuch der hübschen Trattoria herum – es sei denn, man macht sich nichts aus cremigem Rotweinrisotto, perfekt gebratener Tagliata oder hausgemachten Kürbisgnocchi.
Auch wenn das Wort überstrapaziert ist, kann man hier getrost von einem „kulinarischem Inventar“ sprechen und an Sonnentagen ist die Seerose – übrigens winters wie sommers – ein Sprudelbecken für Sprizz-süchtige Müßiggänger und die ortsansässige A-, B- und C-Prominenz.

Hier saßen wir schon neben Basti Schweinsteiger und seiner Modelfreundin auf dem Tolix-bestuhlten Freisitz, haben uns die Sommernächte mit Rotwein und Burrata um die Ohren geschlagen oder mittagsmüde den Kopf auf den Tisch und den Löffel ins göttliche Tiramisu sinken lassen. Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Seerose aber kein rustikal getarnter Schickimicki-Schuppen, sondern ein Ort zum Wohlfühlen und Fallen lassen, zum Leben, Lachen und Geniessen. Deshalb kommt wohl auch der Schweini hierher.

Das fängt schon beim selbstgebackenen Olivenbrot an, das zusammen mit einer Schale duftenden, samtig schimmernden Öls und (ganz wichtig!) grobem Meersalz gereicht wird.


Es trägt sich fort durch die liebevolle Speisenauswahl, die Evergreens wie Vitello Tonnato oder Penne al Ragù neben kreative Interpretationen italienischer Klassiker stellt. Das „Carpaccio di Manzo Affumicato“ – geräuchertes Carpaccio – mit pikantem Gorgonzola, Birne, Rucola und Balsamico gehört zum Beispiel dazu, ebenso wie das Wildlachs-Tartar mit Kapern, Mascarpone und Apfel. Für Fusion Kitchen-verwöhnte Gaumen gar kein Problem, für orthodoxe Anhänger der cucina italiana durchaus eine ungewöhnliche Zusammenstellung.
Besonders mochte ich eine Kombination aus Cozze (Miesmuscheln), Vongole (Venusmuscheln), Pulpo (Oktopus), Kürbis und Rucola, lauwarm serviert, oder die Gamberoni mit Auberginenmus und Koriander, die ich hier vor ein paar Wochen gegessen habe.

Es gibt ein Menu di Mezzogiorno, also ein täglich wechselndes Mittagsmenü, mit schlichten, bodenständigen Gerichten von Lasagne bis Spaghetti Carbonara, davor Salat, danach Dolce (Dessert). Selbst die soliden Speisen sind immer mit Sorgfalt zubereitet: Man schmeckt die Qualität der Zutaten und die „mamma“ in der Küche bzw. den Köpfen der Köche, denen man beim Zaubern durch die offene Durchreiche zusehen kann.

Überhaupt, das Personal. Das ist den meisten Münchnern ja unglaublich wichtig, besonders beim Italiener. Und tatsächlich tragen hier bis auf einen einzigen Deutschen nur kohlrabenschwarzhaarige Luigis und hübsche Marias die Teller durch die Gegend, ohne Schlips und ohne Kragen, stattdessen mit einer fast schon familiären Herzlichkeit.

Abends geht es speisekartentechnisch etwas feiner zu, wenngleich die Seerösler ungern den Nimbus der cucina casalinga verlassen und bei allen kreativen Spielereien immer die Bodenständigkeit ihrer Küche betonen. Das Etikett Hausmannskost würde ich dennoch anderen Italienern verpassen – die Seerose spielt durchaus eine Liga drüber.

Anschrift und Kontakt:

Seerose – Birreria e Trattoria
Feilitzschstraße 32
80802 München,
Tel 089-461 33 14 20
www.seerose-trattoria.com

Es gibt ein paar Dinge, die man unbedingt mal gemacht haben muss – auch wenn die meisten Menschen einem dabei wahrscheinlich einen Vogel zeigen. Rom im August besuchen gehört (neben Fallschirm springen, Heuschrecken essen, bei 5 ° C in Norwegische Seen springen oder um 4 Uhr morgens den Herd anschmeissen) eindeutig dazu.

Ähnlich wie bei anderen Erfahrungen etwas schräger Natur ist dafür ein gewisser Hang zum Nonkonformismus unabdingbar. Außerdem bedarf es leichter masochistischer Neigungen und zudem der Bereitschaft, eventuelle Unwägbarkeiten in Kauf zu nehmen.

Die vierte Komponente ist deutlich unanstrengender: Man sollte Hunger haben. Rom ist immer gut für Hunger, egal ob im Januar, Mai, November oder auch August. Das lässt sich ganz einfach belegen:

Aber ich zäume das Pferd mal wieder von hinten auf. Beginnen wir von vorne.

Als ich Ende Juli ein Wiedersehen mit meinem ehemaligen Florentiner WG-Mitbewohner/inzwischen Wahl-Römer/und im übrigen waschechten Sizilianer plante, war ich mir keinesfalls sicher, auf was dieser Trip hinauslaufen würde. Eines war allerdings klar: Es würde Spaß machen.

Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass Rom im August ungefähr so aussieht wie eine Keksdose nach einem Kindergeburtstag: Leer!

Will man also auf seine Kosten kommen, muss man sich die Kekse selber backen.

Teil 1: Pigneto

Der Sizilianer hatte mich zwar gewarnt, dennoch war ich leicht geschockt angesichts der barbarischen Temperaturen – 38 °C più o meno.

Anfänglich aufkeimende Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Unternehmens konnten jedoch rasch mit ein paar Sprizz heruntergespült werden, begleitet von kalabrischen Spezialitäten auf Peperoncino-Basis: Bei hohen Temperaturen soll man ja bekanntlich scharf essen.
Extremely spicy: Nduja. Wer die kalabresische „Streichsalami“ noch nie gegessen hat, kann das abseits von Kalabrien z.B. im Malavite in der Via del Pigneto tun. Das kleine locale gibt es erst seit 2, 3 Monaten und ist daher selbst unter Römern noch ein echter Geheimtipp. Am besten bestellt man das Aperitivo-Paket mit Formaggi e Salumi Calabresi di Norcia plus wahlweise Bier/Wein/ Sprizz oder Cocktail.

Danach ist man grundangeheitert und kann weiterziehen. Zum Beispiel ins Necci, einer seit 1924 bestehenden Bar/Gelateria/Osteria/Ristorante an der Ecke zur Via Fanfulla da Lodi, die mit den Jahren ein beliebtes Restaurant und irgendwann DER Hotspot der römischen Kult(ur)-Szene wurde. Besonders gerne schmückt man sich dort mit Pier Paolo Pasolini, der Ende der 50er Jahre im Pigneto seinen Film “Accattone” drehte und jeden Mittag im Necci einkehrte, um sich dort seine Pasta zu Gemüte zu führen. Ob damals auch schon Tonno Scottato con Caponata di Melanzane, Pomodori e Cipolla Rossa auf der Speisekarte stand, kann ich nicht sagen. Dass der von beiden Seiten scharf angebratene, innen noch rohe Thunfisch auf einem Bett aus süßsaurem Auberginen-Tomaten-Zwiebel-Gemüse zum Niederknien gut war, steht hingegen außer Frage.

Das da unten ist übrigens nicht Pasolini, sondern ein anderes hohes Dekor.

Frühstücken kann man im Necci natürlich auch ….

… allerdings sollte man sich nicht auf Müsli einstellen, bestenfalls auf Äpfel im Blätterteig.

Tatsächlich ist das Zeug im Necci äußerst verführerisch – und deutlich befriedigender als das spartanische Morgengedeck, dass mir der verschlafene Sizilianer 4 Tage lang bereitete. Jeden Tag wurde aufs Neue ausgeknobelt, wer das schwarze und wer das weiße Schaf ist.
Übrigens, wusstet ihr, dass man von zu viel Mokka aus der Alu-Caffettiera Alzheimer bekommt? Besser, man vergisst das gleich wieder …

Teil 2: Beach-Life und San Lorenzo

Rom im August – ich erwähnte es bereits – ist nichts für Zartbeseitete und schon gar nicht für solche, die unter Hitze leiden. Schon morgens um 10 Uhr ist der Asphalt so knalleheiß, dass man darauf seine Pizza backen könnte. Kein Wunder, dass die Römer so bald es geht das Weite suchen und sich fernab der urbanen Ödnis in ihren Zweitresidenzen verschanzen. Allein der Umstand, dass sich der Sizilianer Anfang August beim Umzug den Zeh brach, führte mich nach Rom – andernfalls hätte ich mir wohl in Kalabrien von ihm das Nduja aufs Brot schmieren lassen.

Wie auch immer, an Tag 2 probten auch wir den Ausbruch und machten uns gegen Mittag auf nach Santa Severa, einem (laut Wikipedia) „beliebten Badeort am Tyrrhenischen Meer“. Welches Meer sich da vor mir auftat, war mir allerdings total schnuppe. Hauptsache Meer!!!!

Wir kehrten spät zurück, sahen uns die partita an und aßen in einer etwas kaschemmigen Trattoria zu Abend: Pasta romana, einmal alla carbonara und dann natürlich cacio e pepe.

Es folgten ein espressio doppio und ein Absacker in einer der Bars von San Lorenzo, Roms alternativem Studentenviertel, das auf eine sehr skurrile Art leer war. August eben.

Empfehlenswert ist übrigens auch der Strand von Fregene, an dem man nicht nur super frittura essen, sondern auch den Windsurfern beim Himmelverschönern zugucken kann.

Teil 3: Trastevere und Arriccia

 

 

Am Freitag beschlossen wir, der Stadt die Stirn zu bieten. Wir begannen mit einem späten Frühstück in Trastevere. So gegen 14.30 Uhr. Birreta & bruschetta. Irgendwann ein Sprizz. Für den Sizilianer einen Caffè Shakerato mit Baileys. Wilde Diskussionen. Heißes Pläne schmieden. Wieder hervorgezogene Erinnerungen. Noch ‘nen Sprizz für die Signorina. Noch ein Bier für den Signore.

Dies ist wohl der Moment, an dem ich zugeben sollte, dass es sich bei dem als WG-Revival getarnten Rombesuch in Wahrheit um ein Treffen der praktizierenden Alkoholiker handelte.

Und was ihr auch noch nicht wusstet: Aperol wirkt bewusstseinserweiternd. Man sieht auf einmal ganz wunderbare Dinge, die einem im nüchternen Zustand vielleicht entgangen wären …

Mehr bewusstseinserweiternde Substanzen wurden am späten Abend eingenommen, und zwar in Form gehöriger Schweinereien.

Der Sizilianer hatte sich in den Kopf gesetzt, mich mit mindestens 2 Kilo mehr auf den Rippen ins kalte Deutschland zurückzuschicken, „damit du nicht so frierst“. Was lag also näher, als mich in Arriccia zu mästen, der Hocbburg der porchetta?

Die Auswahl an Restaurants in Arriccia ist ziemlich groß und konzentriert sich auf einen kleinen Fleck im historischen Teil des Städtchen. Im Herbst, wenn auch die sagre di porchetta stattfinden, sollte man besser einen Tisch reservieren, z.B. in der Osteria da Beghila (0039/ 3497353378).

Ich finde es äußerst amüsant, dass die Italiener so einen Wirbel um Schweinebraten/ Spanferkel machen. Das tun sie sowohl im Ausland (sprecht mal einen Italiener auf deutsches Essen an: Er wird euch mit leuchtenden Augen von dem stinco di maiale (Schweinshaxen) erzählen, das er anno dazumal auf dem Oktoberfest gegessen hat) als auch auf Sardinien (dort ist es das porcheddu, um das sich alles dreht) oder in Mittelitalien. Die Formel, die jeden waschechten Römer glücklich macht, lautet: Ein ganzes Schwein wird entbeint, innen mit Salz, Pfeffer und Kräutern gewürzt und dann im Ofen geröstet.

In Arriccia kommt es in Scheiben geschnitten zusammen mit einer Kugel Mozzarella, Bruschette, Würsten, Trockenfleisch und Sott’Oli (in Öl eingelegten Zucchini, Auberginen, Paprika etc.) auf den Tisch – ein fast schon kultisches Szenario, das mich an die urigen Dorffeste meiner Kindheit erinnert und in einem sehr frugalen Ambiente stattfindet. Wer flapsige, gepiercte und von Kopf bis Fuß tättowierte Kellner nicht leiden kann, bei Papptellern und Neonlicht das Grausen bekommt, zudem kein Wort italienisch spricht und außerdem ohne Auto in giro ist, sollte zum porchetta essen besser in Rom bleiben (da gibt es das Spanferkelgedöns natürlich auch).

Ansonsten ist das eine prima Sache, bei der ganz nebenbei auch 1 A-Milieustudien betrieben werden können.

Wer sich mit den flapsigen, gepiercten und tättowierten Kellern gut stellt, bekommt sogar noch einen Amaro aufs Haus …

… den ich nach dem ganzen öligen Gedöns auch dringend notwendig hatte!

Seinen Namen verdankt der Kräuterlikor– by the way – seinem Produktionsort: einer kleinen Distillerie am Capo Vaticano in Kalabrien.

Teil 4: Markt und Straßen stehen verlassen…

 

 

Eigentlich war für den Samstag ein Besuch des riesigen Mercato biologico geplant, von dem mir der Sizilianer schon vor Wochen vorgeschwärmt hatte. Allein, es war August….und auch die Bio-Märkte halten in der heißen Jahreszeit Nahrungssuchenden Tür und Tor verschlossen.

Alle Märkte? Nein! Ein kleiner mercato leistet der urbanen Verödung erfolgreich Widerstand!

Mit ein wenig Recherchearbeit und Fortunas gutem Willen entdeckten wir in einer ehemaligen Metzgerei in Testaccio den Roma Farmer’s Market, ein kleines Biomarkt-Juwel mit frischen Produkten lokaler Erzeuger, einem Bio-Bäcker, Feinkost, Käse, Fleisch, etc. Der Markt findet jeden Samstag und Sonntag statt und lässt Foodie-Herzen höher schlagen.

Dass Mutter Natur eine Italienerin ist, wird spätestens hier klar: Zucchine, pomodori, melanzane….

… und darüber hinaus auch seltene Gemüse- und Salatsorten wie broccoletti selvatici oder cicoria – letzteres ein etwas bitteres, an Löwenzahn oder Mangold erinnerndes Kraut mit robusten Stielen, das erst kurz in Wasser gekocht und dann in der Pfanne wie Spinat zubereitet wird.

Was auf den ersten Blick wie hochgezüchtete Gurken oder gigantomanische Zucchini aussieht, ist in Wahrheit zucca siciliana (auch serpente di Sicilia - sizilianische Schlange – genannt). Am Kilopreis lag’s nicht, dass ich keine der hellgrünen Bomber mitgenommen habe, eher an der Gewichtslimitierung von Ryan Air.

Aus den Einkäufen wurde abends ein schlichtes Mahl gezaubert, dass wir zusammen mit einer Flasche Falanghina auf der abgeschrabbelten Terrasse der noch abgeschrabbelteren Hippie-WG des Sizilianers verspeisten:

Mit Ricotta und Kapern gefüllte Zucchiniblüten (s.o.)

Pecorino stagionato e semistagionato

Melone e salumi

Pane e Olio (Brot und Öl)

Pasta filata (Mozzarella) con pomodori e basilico

frische Feigen und süße blaue Trauben

Fantastische Produkte, deren Qualität man schmeckte! An der Form lässt sich ziemlich deutlich erkennen, dass wir da kein industriell gefertigtes Mozzarella-Imitat vor uns hatten, sondern handgeknetete und -gezogene pasta filata!

Nix Kugel, sondern liebevoll gewickelter formaggio artigianale also. Großartig!

Authentische Produkte und zudem eine typisch römische Küche bekommt man auch in der Osteria/Pizzeria/ Griglieriapinsa e buoi dei… unweit der Basilica di San Giovanni in Laterano. Die Pizza dort ist der alten römischen Tradition entsprechend nicht rund, sondern oval!

Teil 5: Eis!

 

 

Passt bei so einem Programm noch ein Eis rein? Ich war mir nicht sicher …

Eisdielen gibt es in Rom natürlich wie Sand am Meer. Allerdings schmeckt das meiste Zeug für meinen Gusto viel zu süß, viel zu fettig und überhaupt: Bäh! Deswegen fiel mir der Verzicht nicht schwer. Dachte ich.

Bei Carlas Eis wurde ich innerhalb von Sekunden schwach. Die kleine Gelateria in Pigneto hat sich auf köstliche Kreationen aus Spitzenprodukten spezialisiert: Die Mandeln für das Mandeleis kommen aus Avola, die Pistazien für das Pistazieneis aus Bronte, die Schokolade aus Valrhona, die Walnüsse aus Sorrento, usw. Zugegeben, die Gelaterio il Capriccio di Carla liegt nicht unbedingt zentrumsnah, aber hey, es lohnt sich!

Und dann war da noch die in letzter Minute entdeckte Sensations-Eisdiele der Traditionschocolaterie Venchi unweit der Piazza di Spagna, in die ich mehr durch Zufall denn aus Eishunger stolperte. Wie kann man da widerstehen???!

Genial sind die diversen Schokoladensorten (80 %, ohne Milch!!!!), aber auch Joghurt oder Himbeere sind echte Knaller.

Teil 6: Von Seen und Auf Wiedersehen

 

Der letzte Abend gehörte einem ganz besonderen Ort:

Dem Lago di Martignano – einem kleinen See vulkanischen Ursprungs, den man mit dem Auto von Rom aus in einer guten halben Stunde und dann per pedes über einen leicht staubigen, aber durchaus machbaren Abstieg erreichen kann.

Worin das Besondere dieses kleinen Paradieses liegt, lässt sich nur schwer in Worte fassen – man muss selbst dagewesen sein!

Die Leute – Roms alternative Szenepeople – sind entspannt, das Wasser ist einfach perfekt und der Sprizz günstig. That’s the place to be!

Auf dem Weg zum Flughafen Ciampino fiel mir ein, dass ich dieses Mal weder meine Hand in die Bocca della Verità gelegt noch eine Münze in die Fontana di Trevi geworfen hatte. „Minchia“ hätte der Sizilianer gesagt.

 

Der Bauch fröstelt, die Lider hängen auf Halbmast, die Seele schreit nach Sonne Streicheleinheiten? Ihr Lieben, gönnt euch was Gutes, geht nicht über Los das Eiscafé, sondern direkt zum Schokoladendealer eures Vertrauens.

Meiner heisst Götterspeise, liegt im kulinarisch-szenigen Hotspot von München, dem Glockenbachviertel und ist wahrlich ein Olymp für Kakaosüchtige (und solche, die es mit Betreten des Ladens sicherlich werden).

Eigentlich ganz logisch: Wenn der Sommer nicht zu dir kommt, musst du dir eben ein dickes Stück Schokoladentorte holen.

Highly recommended: Die Schokoladentrüffeltarte – eigentlich mehr ein rieisges Stück Praliné denn ein Kuchen (das Abendessen darf danach ruhig ausfallen): Unten Kakaomürbteig, in der Mitte eine Schicht Schokoladenschmelz, ganz oben mit hundertprozentigem Kakaopuder bestäubte Streusel. ICH WILL DAS REZEPT!

Für die doppelte Serotoninausschüttung empfielt sich dazu ein Cappuccino mit üppigem, cremigem Schaum, der mit Bedacht gelöffelt werden will.
Augen zu und: Glück!

Auch bei trübem Wetter kann man sich ruhig auf den kleinen „Freisitz“ vor dem Ladencafé setzen, der immer liebevoll mit Blumen bestückt ist.

Natürlich gibt es auch Pralinen so weit das Auge reicht…..

…und Pralinen….

Wer keine Schokolade mag, kann es mit den zuckersüßen Marzipanfröschen versuchen…..

… oder dem himmlischen Panforte, einer toskanischen Spezialität aus Mandeln, kandierten und getrockneten Früchten, Honig, Puderzucker und … öhm… weihnachtlichen Gewürzen. Naja, geht auch jetzt schon.

Der Laden ist unglaublich zauberhaft dekoriert und von einem äußerst charmanten Team rund um Inhaberin Priti Sarah Henseler geführt, dem man die Liebe zu den Produkten und zum Thema sofort abnimmt. Wer nachfragt oder etwas bestimmtes sucht, bekommt keine patzige Antwort, sondern ein warmes Lächeln geschenkt. Im Idealfall darf man sogar probekosten.

Dass das Fundament des Ladencafés Leidenschaft ist, merkt man auch am Zusatzangebot:
Regelmäßig werden Kurse und Genusschulungen angeboten, um die Liaison von Wein und Schokolade ein bisschen an die Frau zu bringen (Männer dürfen natürlich auch teilnehmen) oder aber Skeptiker über die gesundheitsfördernde Wirkung WIRKLICH GUTER SCHOKOLADE aufzuklären (als ob wir es nicht schon immer gewusst hätten….).

Alles in allem macht der Laden einfach Spaß und ist an miesen Tagen ein Garant für die Rückkehr der guten Laune. Oder wie heißt es so schön:

„Summer is where your heart is.“

Chocolaterie & Café Götterspeise
Jahnstraße 30
80469 München
Tel.: 089/238 87 374
Fax: 089/260 24 532
www.goetterspeise.info

geöffnet Mo-Fr 8.00 bis 19.00 Uhr
Sa 9.00 bis 18 Uhr


Frühstück in Berlin? Keine Ahnung, wo es das beste Omelette der Stadt gibt, aber einen vernünftigen Cortado haben wir in der Ankerklause getrunken, als wir auf der Durchreise eine Nacht bei Freunden blieben. Der Hunger war ohnehin nicht allzu groß, da wir uns am Abend zuvor im berühmt-berüchtigten Punk-Italiener (offiziell bekannt unter dem Namen “Il Casolare”) eine dieser göttlichen, wagenradgroßen Pizzen reingefahren hatten, die einen nach vollbrachter Tat leicht beschwert, aber grundzufrieden in die Kissen sinken lassen.

Frühstück aber gibt es prinzipiell in der Ankerklause – und nach ertragbarer Wartezeit auch für uns. Bei H. war es (etwas fader) Toast mit Lachs (der Jung’ brauchte Fisch), für mich Bagel mit Avocadocrème und Frischkäse plus frisch gepresstem O-Saft. Immerhin letzterer war wirklich frisch, die Avocadocrème dagegen aus der Büchse, wobei Frische hier aber auch erst gar nicht vorgetäuscht wird. Große Drapierkunst auf dem Teller darf man nicht erwarten, aber wat soll’s, is ja och Berlin.

Die Gläser waren im Übrigen sauber, was wohl nicht immer der Fall zu sein scheint – die Nachrecherche ergab ein sehr heterogenes Bild bezüglich Hygienestandard und Geniessbarkeit der Speisen.

Insgesamt also eine solide Absturzpinte mit Fressalien, die Bedienung erwartungsgemäß wortkart bis ignorant, an Toiletten hab ich schon schlimmeres gesehen. Bei gutem Wetter sitzt man im hinteren Teil mit Blick auf den Landwehrkanal oder – wer es urbaner mag – vorne, auf dem Freisitz direktemeng an der Straße. Gesundheitsschädigend ist dann nicht mehr nur die Avocadocrème, sondern vor allem die Berliner Luft Luft Luft, der Berliner Duft Duft Duft….

Aber der Cortado, möööönsch, der ist jut!

Am Wochenende gab’s Musik auf die Ohren!
3 Tage lang Dockville pumpten Serotonine durch den Körper und füllten den leergelebten Glücksspeicher wieder auf.
Meine persönlichen Higlights: Delphic, The Drums, Cats on Fire, Friska Viljor, die Klaxons und Fanfarlo.


Pünktlich zu Jan Delay versank alles im Wolkenbruch, aber bei so viel Love, Peace und New Wave kann man auch mal im Regen tanzen. Zuhause wartete dann eine heiße Gemüsesuppe mit viel Chili auf uns.

Kulinarisch gesehen sind Festivals leider oft ein totales Desaster. Die Caterer des Dockville haben sich im Gegensatz zum Melt! auch tatsächlich nicht sonderlich Mühe gegeben.

Da war das Cafe Mobil von Chris und seinem Team aus Hannover ein wahrer Lichtblick.

Was wir da im Pappbecher hatten, war der wohl BESTE CAPPUCCINO seit langem – stark, aber nicht bitter, hocharomatisch und wunderbar cremig auf der Zunge.


Das liegt nicht nur an der guten italienischen Bohne, sondern vor allem an der exzellenten Hebeldruckmaschine, bei der das Wasser nicht mittels einer Pumpe, sondern mechanisch (also per Hebeldruck) in die Kammer gepresst wird.
Das Ergebnis hat uns – wie AT sagen würde – die Geschmacksknospen wegfliegen lassen. Nie wieder Kaffee vom Vollautomaten!

Transportiert wird die Maschine auf einer knallroten Ape! Sehr süß!

Vorbildlich fanden wir auch, dass hier nur Bio-Milch in den Caffe Latte kommt.
Neben dem Dockville konnte man das Cafe-Mobil dieses Jahr auch auf der Fusion und dem appletree garden antreffen – und nächstes Jahr vielleicht auch auf dem Melt!.

Bis zur nächsten Festival-Saison gibt’s hier aber erstmal ein paar Eindrücke vom diesjährigen Dockville Festival.


Hamburg Sommer 2010.
Essen auf Rädern erreicht nun auch die Generation Ü 30. War abzusehen.

Das Ding fuhr mir neulich den gesamten Weg von der Arbeit nach Hause vor der Nase her. Konnte kaum in die Pedale treten vor Lachen. Dann an der Kreuzung endlich ROT und ich – paparazzilike – zückte reflexartig die Kamera.

Was’n Spaß.

Ich für meinen Teil kauf mir mein Obst lieber selbst, aber wenn man mehr Geld als Zeit hat, kann man seine Aprikosen auch bei Bio-Bob ordern.

Und sagt am Telefon, ihr wollt den netten Typen von der Kelly-Family als Boten. Der hat nach meiner Knips-Aktion nämlich ganz schnell die (Frucht-) Fliege gemacht….


Morgens in Hamburg Eimsbüttel, fast schon Schanze. Traumlage zum Wohnen, sofern man nicht besonders geräuschempfindlich ist.
Ich brauche nur aus der Haustür zu fallen und schon stehen mir sämtliche Möglichkeiten offen kann ich zwischen einer Reihe süßer Cafés, toller Bistros/Restaurants und szeniger Kneipen wählen. Eine Location netter als die andere, aber jede mit ihrem ganz besonderen Charme.

Ins Café mylys gehe ich zum Beispiel gern, wenn ich morgens Lust auf eine dicke, bunte Schüssel Obst mit Joghurt, aber keine Zeit oder Lust zum Schnippeln habe. Noch einen frisch gepressten O-Saft und einen wirklich fantastischen Cappuccino dazu und der Tag kann beginnen.

Während ich meinen Milchschaum löffle, treffen sich nebenan Hamburger Muttis und passionierte DYS-lerinnen zum “Knitting”: Das Cafè mylys ist durch eine Durchgangstür mit einem Strickwarenladen verbunden.

Hin und wieder gönne ich mir hier auch ein Stück Apfeltarte, der wirklich jede einzelne Kalorie wert ist. Und wem eher nach Tee als Kaffee ist, dem steht hier eine breite Auswahl der leckeren Sorten von Samowa offen.


Herzhaftes sowie kleine Gerichte oder Suppen zum Lunch gibt es hier übrigens auch.


Adresse:

mylys

Weidenallee 12
20357 Hamburg
040 41498867

http://mylys.de/shop/

Neulich in Leipzig:

Sie: “Lass uns heute Abend doch mal wieder nett essen gehen.”
Er: “Gute Idee. Was hältst du von nem Italiener? Ich hab dieses Asia-Fusion-Zeug langsam satt.”
Sie: “Hm. Gute Italiener sind hier aber rar gesät. Und auf Pizza hab ich keine Lust. Vielleicht probieren wir mal das ”Sardinia” in der Innenstadt aus. Du weisst schon, das neben der Nikolaikirche, wo früher mal das Medici drin war.”
Er: “Ah  ja, ich weiss. Bin ich dafür. Bestellst du einen Tisch?”

Der Herr Er und die Frau Sie gingen also ins “Sardinia”. Er aß ein Steak mit Gorgonzola. Sie schnackte mit dem Kellner eine Runde italienisch und bestellte einen kleinen Antipasti-Teller (mit gegrilltem Gemüse, der Linie wegen). Dann ein Filetto di Manzo con Rucola e Parmigiano (Rinderfilet mit Rucola und Parmesan). Das hausgemachte Tiramisu verkniff Sie sich schweren Herzens und begnügte sich mit einem Espresso. Er mag sowieso nichts Süßes.

Getrunken haben beide einen Barbera D’ Alba, der ihnen sehr gut schmeckte –  aber bei der kleinen Weinkarte (zumindest was die offenen Weine betrifft) hätten sie sowieso kaum Alternativen gehabt. Der sehr aufmerksame Service und das warme Ambiente machten dies jedoch mehr als wett.


Als sie das Restaurant schließlich verließen, war es schon spät. Er dachte an die verpasste Sportschau. Sie noch ein Weilchen an das verpasste Tiramisu.

Epilog:
Er: “Und, wie fandest du’s?”
Sie: “Nett. Wirklich. Schön angerichtet. Und auch sehr lecker! Nur die Speisenauswahl hätte einen Tick kreativer sein können. Carpaccio, Spaghetti alle Vongole, Seezunge vom Grill – alles prima, aber Standardkarte. Sardisch war jedenfalls lediglich das Pane Carasau im Brotkorb.”
Er: “Stimmt. Ist mir gar nicht aufgefallen. Aber Sardinien heisst doch auch gar nicht Sardinia – das wäre doch Sardegna.”
Sie: “Sag ich doch. Eingedeutscht. Aber gut war’s trotzdem.”