Lange Jahre dachte ich, ich sei kein besonders suchtgefährdeter Mensch. Ich mache mir nichts aus harten Drogen. Ich betrinke mich nur gelegentlich. Das Rauchen habe ich mit 21 Jahren aufgegeben. Die Zeiten, in denen 300 g Milka Schoko&Keks eine Zwischenmahlzeit waren, sind längst vorbei.

Es gibt allerdings einen Problemstoff. Man merkt ihm sein Gefahrenpotential nicht an, zumal der Schleier des Gesundheitsversprechens über ihm liegt.Angeblich sollen Kürbiskerne unglaublich gut gegen Mädchenbeschwerden helfen, die mich in der kälteren Jahreszeit regelmäßig ins Bett zwingen.

Dass ich süchtig nach Kürbiskernen bin, liegt aber weniger an meiner Blasenschwäche ihrer heilenden Wirkung, sondern vor allem an ihrem knackigen Biss und dem nussigen, leicht bitteren und (seltsam, ich mag das) erdigen Geschmack. Im Gegensatz zur eher milden Konstitution von Pinienkernen und Cashewnüssen sind Kürbiskerne echte Kerle: Außen dunkel und herb, innen zart und zerbrechlich.

Das Tolle: Sie sind auch unglaublich vielseitig und facettenreich. Meine neueste Entdeckung (nach Kürbiskernöl, -schokolade und -pesto): Kürbiskernmus.

Im Gegensatz zum Schwarzen Gold der Steiermark wird das feinsämige, tannengrüne Mus aus den mit Schale gemahlenen, gerösteten Kernen weniger pathetisch beworben – und ist daher auch eher unbekannt. Dabei schmeckt es wirklich toll.

Beste Bezugsquelle: Bioläden oder Reformhäuser. Aber bitte nicht in der Ecke mit den Produkten für Blasenbeschwerden, sondern in der Marmeladenabteilung.

Das Kürbiskernmus ist allerdings alles andere als süß und mit Erdnussbutter oder Mandelmus nicht zu vergleichen. Es eignet sich eher als deftiger Brotaufstrich denn als Nutellaersatz und steht mit Honig auf Kriegsfuß. Besser: Auf einer Vollkornschnitte zusammen mit Frischkäse und Alfalfasprossen. Oder zu Käse. Mit ein wenig Weißwein und fein gehackten Schalotten lässt sich daraus auch eine cremige Sauce für Gemüsepfannen zaubern (wirklich lecker z.B. zu gedämpftem Brokkoli, gebratenem Spinat oder Zuckerschoten).

Im Süppchen aus Brokkoli und Portulak ist es nicht nur ein zusätzlicher Grünspender, sondern gibt dem Ganzen auch seine sahnig-cremige Konsistenz. Für den Biss sorgen dann die gebratenen Austernseitlinge.

Und vielleicht doch …  der ein oder andere Kürbiskern.

Cremiges Brokkolisüppchen mit Kürbiskernmus, Austernseitlingen und Portulak

Zutaten

  • 2 Brokkoliköpfe mittlerer Größe
  • 2 Hand voll frischer Portulak plus Portulak zum Garnieren
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Butter
  • Gemüsebrühe
  • evtl. ein Schluck Weißwein
  • 2 EL Kürbiskernmus (gibt’s im Reformhaus)
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss
  • Für die Einlage:
  • 150 g Austernseitlinge
  • 2 EL Kürbiskerne
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 EL Pflanzenöl
  • Salz, Pfeffer
  • der Rest vom Portulak (s.o.)

Zubereitung

1. Knoblauch und Zwiebeln abziehen und fein hacken. Brokkoli waschen, putzen und die Röschen mit einem scharfen Messer vom Strunk abtrennen. Butter in einem Topf erhitzen. Zwiebel und Knoblauch darin glasig andünsten. Den Brokkoli sowie den Portulak dazugeben und ca. 2 Minuten mitdünsten. Mit Weißwein ablöschen und mit der Brühe aufgießen, so dass das Gemüse bedeckt ist. Bei mittlerer Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen.

2. Die Suppe mit dem Zauberstab gut pürieren. 2 EL Kürbiskernmus unterrühren und alles auf der kleinen Stufe schön aufmixen. Wer es noch schaumiger mag, hebt ein bisschen steif geschlagene Sahne unter. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

3. Die Austernseitlinge/ Austernpilze putzen, große Seitlinge längs halbieren. Knoblauch fein hacken. Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen, Knoblauch kurz andünsten, dann die Pilze dazugeben. Bei scharfer Hitze ca. 5 Minuten braun braten. Herausnehmen, salzen und pfeffern.

4. Suppe auf tiefe Teller verteilen. Die noch warmen Austernpilze in die Suppe geben und mit (gerösteteten) Kürbiskernen und dem restlichen Portulak garnieren.

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Geht schnell, wärmt von innen: ★★★★☆

9 Kommentare zu “Grüne Prävention: Brokkolisüppchen mit Kürbiskernmus, Portulak und Austernseitlingen”

  1. Sarah

    Ich liebe Suppen, egal ob Sommer, Herbst oder Winter und freue mich über deine interessante Inspiration. Das ist mal was Anderes, gefällt mir echt gut!

  2. Kika

    Ein Rezept, wie ich es mag! Wenn hier in Paris Kürbiskerne nicht so unverschämt teuer wären, weil so gut wie unbekannt… Vom Öl sprech ich erst garnicht! Tja, da hilft nur ein Besuch bei Mama und Papa in Deutschland, um wieder den Vorratsschrank zu füllen! Und dann wird nachgekocht!
    Ach und nur so ps-mässig, letztens gesehen:
    Kürbisravioli( jaja, kennen wir) allerding mit K-Öl im Teig, sieht toll aus!

  3. Alex

    Als Kind saß ich oft mit meinem Vater abends auf der Couch und wir haben gesalzene Kürbiskerne (die mit Schale – bruscolini) gegessen, bis meine Lippen vom Salz ganz aufgequollen waren – an dem Suchtpotenzial ist also echt was dran!
    Das Mus muss ich finden. Habe mal selber Kürbiskernpesto gemacht, aber so fein bekomme ich es nicht hin.

  4. Uwe@highfoodality

    Kürbiskernmus ist mir bislang auch noch nicht aufgefallen, aber Du hast mich neugierig gemacht.

    Sehr schöne Bilder hast Du da gemacht!

  5. nata

    Mit diesem Kürbiskernmus hast Du mich jetzt echt verrückt gemacht. Das muss ich unbedingt auch haben.

  6. Sophie

    @ Sarah: Suppen neu zu erfinden ist gar nicht so einfach ;-) Deine Liebe zu Suppen teile ich, wie du an den letzten Postings erkennen kannst.
    @ Kika: Wow, das ist ne tolle Idee! Vielleicht sollte ich das mal probieren. Haben dann wohl einen grünlichen Schimmer? Achso, nur so ps-mässig: Du lebst in Paris????!
    @ Alex: Bei mir war’s auch mein Vater, der mir die Nuss-Sucht vererbt hat :-D Kürbispesto ist ja auch ganz was anderes, das Mus wird in der Mühle gemahlen, so was schafft man sich nicht als kleines Gagdet an.
    @ Uwe: Danke für das Lob, ich werd tiefrot statt grün.
    @ Nata: Das war der Sinn der Sache ;-)

  7. Lilly

    Ich sollte mich eindeutig öfter in Reformhäusern aufhalten, bzw. dem örtlichen BioMarkt intensivere Besuche abstatten, wenn man da solche Schätze entdecken kann lohnt das ja richtig :)

    Hübsch sieht es aus, dein Süppchen und da ich Suppen lieber im Herbst/Winter esse beginnt die Saison gerade, ich freu mich.

    Liebe Grüße,

    ~Lilly

  8. einfach ein schönes Leben

    Liebe Sophie,

    ich dachte immer Kürbiskerne wären gut bei Männerleiden und jetzt sagst du es wäre nur etwas für Frauen. Dann muss ich wohl jetzt auf Sonnenblumenkerne umsteigen.

    Es grüßt mit zerknirschten Grüßen

    Martin

  9. Sophie

    @ Lilly: Jaahaaa, in Feinkostläden Tolles entdecken kann ja jeder, in Reformhäusern fühlt man sich dagegen ein bisschen wie ein Tempelritter :-D
    Lieber Martin: Und was ist mit Sesam? ;-) Vielleicht sind Kürbiskerne aber auch geschlechtsumfassend wirksam, was meinst du?


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