Ein geschmortes Hähnchen ist nicht unbedingt das kreativste Gericht aller Zeiten. Aber es gibt gute Gründe, von Zeit zu Zeit ein schönes Federvieh in die Röhre zu schieben. Das wissen Italiener, Chinesen, Amerikaner, Briten, carnivore Inder, Franzosen, AT und Christina gleichermaßen. In (fast) jedem Land und Haushalt gibt es so ein Hähnchenrezept, und egal, wie unterschiedlich Rezeptur, Gewürze und Handhabung auch sein mögen, gut wird es immer (vorausgesetzt natürlich, man kann kochen).
Bei mir waren es diesmal die wunderbaren unbehandelten Zitronen, die am Zitronenbäumchen meiner Mutter hingen und nach Verwendung schrien.  Es hat durchaus seine Vorteile, ab und an einen Abstecher bei Muttern zu machen.

Zu französischem Hähnchen gibt es außerdem eine (Familien-) Geschichte (ja, schon wieder). Jedesmal, wenn mein Bruder und ich bei Tisch herumklecksten und nicht ordentlich mit Messer und Gabel hantierten, erzählte mein Vater uns die Geschichte …nein, nicht die Geschichte vom Zappelphillip, sondern die Geschichte von dem Mann aus Nantes, den er –  am Nebentisch sitzend – vor Jahren (Jahren!) fasziniert dabei beobachtet hatte, wie dieser mit den Fingern und viel Bedacht ein Hähnchen zerteilte und dieses dann mit denselbigen ebenso sorgfältig verspeiste, ohne (und jetzt kommt’s) OHNE SICH DIE FINGER SCHMUTZIG ZU MACHEN.

Jedenfalls glaubte mein Vater das (oder sagen wir, er wollte es uns glauben machen), denn der geschickte Herr bedurfte nach vollzogener Mahlzeit angeblich nur einer angefeuchteten Serviette, um die Fingerkuppen abzutupfen.

Wer’s glaubt, wird selig.

Ein poulet au citron kann es jedenfalls nicht gewesen sein, denn wie au nom de ciel hätte der wohlerzogene Franzose diese wunderbare Sauce mit den Händen essen können, ohne sich die Hände dabei einzusauen? Es hätte schon ein Mann aus Betlehem sein müssen, dem das gelungen wäre.

Wie auch immer: Ein gutes Huhn ist ein gutes Huhn ist ein gutes Huhn. Schnöde hin oder her.

Um das arme poulet au citron doch noch aus der Banalitätsecke herauszuholen, gab es dazu einen Salat aus krossen truffe de chine (violetten Kartoffeln), knackigem Fenchel und saftigen Gurken. Ich hoffe, damit meinem Ruf als Generator für kreative Rezepte doch noch gerecht zu werden. Ich will diese hart verdiente Ehrung ja schließlich nicht gleich wieder verspielen.

Ohne große Worte also vielen Dank an LillyElisabeth und das nette Team von Dreierlei Liebelei für den Award.

Auch wenn ich etwas mit der Dankesrede habe warten lasse, freue ich mich sehr darüber. Ihr verzeiht mir, wenn ich den Award nicht weitergebe – es wird mir ein bisschen zuviel mit der Awarderei.
Außerdem: Wollt ihr wirklich NOCH MEHR von mir wissen???

Poulet au Citron mit Truffe de Chine-Fenchel-Salat

Zutaten

  • Für das poulet au citron:
    1 Maishähnchen (oder eine Poularde)
    3 EL Olivenöl
    1 rote Zwiebel
    etwas Zitronenöl für’s Marinieren
    je 1 TL Langkornpfeffer, Kubebenpfeffer, rosa Pefferbeeren, außerdem 1 TL Zitronenpfeffer, gemahlen
    je 1 TL Fenchel- und Kardamomsamen
    Fleur de Sel
    1 Bund Estragon
    mindestens 1 Bio-Zitrone (oder besser zwei)
    1 Schluck Weißwein
    250 ml Hühnerbrühe
    Honig, Salz, frisch gemahlener Pfeffer

    Für den Truffe de Chine-Fenchel-Salat:
    6 violette Kartoffeln („truffe de chine“)
    Olivenöl, Salz, Chili, 2 TL gehackter frischer Thymian
    1 große Fenchelknolle
    1/2 Gurke
    3 EL Nussöl, 2 EL Weißweinessig, 1 Spritzer Zitronensaft, etwas Honig, Salz, Pfeffer

Zubereitung

1. Das Hähnchen kalt abspülen und vorsichtig trocken tupfen.

2. Bevor es an’s Hähnchen geht, kommt die Gewürzmischung dran. Dafür den Langpfeffer, den Kubebenpfeffer und die rosa Pfefferbeeren (die ja eigentlich gar kein Pfeffer sind) im Mörser fein zerreiben. Ebenso verfahren mit den Fenchel- und Kardamomsamen. Alles zusammen in ein Schraubglas füllen, Zitronenpfeffer und Fleur de Sel untermischen. Voilà.

3. Hähnchen mit etwas Zitronenöl (oder eben normalem Olivenöl) bepinseln und mit der Pfeffer-Gewürz-Mischung einreiben. Einen Teil des Estragons ins Hähnchen stecken. Mindestens eine Stunde ruhen lassen.

4. In der Zwischenzeit kann man sich dem Gemüse widmen. Die Truffe de Chine waschen und schälen Dabei unbedingt Handschuhe tragen- die truffe de chine färben schlimmer als Artischocken!! Kartoffeln halbieren, dann in (nicht zu große, nicht zu kleine) Würfel schneiden. In eine Schüssel geben und mit Öl, Salz, Chili und Thymian würzen. Kurz ziehen lassen.

5. Fenchelknolle halbieren, den Strunk entfernen, dann in hauchdünne Scheiben schneiden, dabei auch das Fenchelgrün verwenden (wäre schade drum). Gurke schälen, mit einem Löffel die Kerne entfernen, in Halbmonde schneiden. Fenchel und Gurke in eine Schüssel geben. Aus den übrigen Zutaten ein Dressing mixen und unter das Gemüse heben.

6. Backofen auf 180 °C vorheizen. 3 EL Olivenöl in einem Bräter erhitzen und das Fleisch darin rundherum anbraten. Die in Spalten geschnittene rote Zwiebel dazu geben und kurz mitbraten. Zitrone(n) gründlich waschen und achteln, zum Fleisch geben und ebenfalls kurz mitbraten. Mit Weißwein ablöschen. Jetzt den Deckel druff und ab in den Ofen mit dem poulet, und zwar für ca. 35-45 Minuten. Zwischendurch nach und nach die Hühnerbrühe angießen, so dass ein schöner Bratenfond entsteht. Ca. 15-20 Minuten vor Ende der Garzeit kommen die Kartoffeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech und zum poulet in den Ofen. Sie sollten schön knusprig werden, das geht bei Würfeln recht schnell.

7. Hähnchen herausnehmen und wenn möglich warm stellen. Bratenfond mit Honig, Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Den restlichen Estragon fein hacken und unter die Sauce rühren. Und bitte bitte die Zitronenstücke mitessen. Köstlich!! 8. Die Kartoffeln sollten ebenfalls fertig sein. Unter das Fenchel-Gurken-Gemüse heben, abschmecken. Wer mag, würzt noch mit frischen Kräutern, z.B. Schnittlauch oder Kerbel. Das poulet au citron mit der Sauce und dem Salat servieren.

Zubereitungszeit: 80 Minuten (inkl.Schmorzeit, ohne die Stunde Marinierzeit)

Très bon!: ★★★★★

Nachtrag:
Die Reste gab es übrigens am nächsten Tag AUF DEM NEUEN ESSTISCH als freestyle-Hähnchensalat mit Trauben, Fenchel und gerösteten Walnüssen. Dafür braucht man aber nun wirklich eine Gabel.

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5 Kommentare zu “Poulet au citron & Truffe de Chine-Fenchel-Salat”

  1. nata

    So ein Huhn aus dem Ofen ist für mich jedes Mal ein Fest. Ich mache es sogar meist noch puristischer, einfach nur mit ein bisschen Salz. Der Duft von so einem Brathähnchen gehört sowieso mit zum Besten, was durchs Haus ziehen kann.

  2. Mini-Küche

    “Wollt ihr wirklich NOCH MEHR von mir wissen???”

    Aber sicher doch – Mehr Rezepte, mehr Geschichten :)

    Ich mag es, wie du schreibst – das mit dem “Hähnchenmann” kann ich auch nicht glauben und selbst wenn kann das nicht sonderlich spaßig gewesen sein, ich zumindest finde das so ein Brathähnchen mit den Fingern gegessen noch 3x besser schmeckt.
    Ein super Rezept das seine Verwendung findet sobald ich einen echten Backofen habe und die Resteverwertung wird gleich mit übernommen, der Hähnchensalat sieht unglaublich lecker aus

    Liebe Grüße,

    Lilly

  3. petra

    Ein Zitronenhähnchen aus dem Ofen ist für mich immer wieder ein Festessen. Ich quetsche eine ganze Zitrone ins Hähnchen. Deine Gewürzmischung klingt gut!

  4. Isi

    Ich liebe Zitronenhähnchen auch, bei mir noch mit viel Knoblauch und Basilikum….

  5. Steffen

    Estragon, ich liebe Estragon und zusammen mit dem Zitronenaroma und dem Chicken ist das auf jeden Fall eine nicht zu verachtende Komposition.


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