Es ist jetzt fast schon zwei Monate her, dass die Für Sie bei mir anklopfte und mich um meine Top 3 Restaurant-/Café-/Bartipps für München bat. Hab ich natürlich gern gemacht, allerdings war es gar nicht so einfach, aus den vielen Orten, die man im Laufe der Zeit so ansammelt, drei herauszupicken. Die letztendlich rausgeschickte Auswahl ist nicht unbedingt exemplarisch und schon gar nicht in Stein gemeißelt, sondern eine Melange aus neuen und alten Locations, die ich gerne teilen wollte.

Die Frage, die ich mir gestellt habe, war die: Wo gehe ich (gerade) gerne hin, wenn ich in München bin? Denn das bin ich ja nur noch gelegentlich. Temporär. Nicht stationär. Und meine Stippvisiten möchte ich natürlich bis zur letzten Sekunde auskosten, vollpacken mit Erinnerungen und Entdeckungen. Auf Vorrat, in der Vorteilspackung, bevor ich wieder in die Provinz zurückkehre.
 

Denn da wohne ich jetzt. Seit April. Sieht in etwa so aus:

Somit wäre auch das endlich geschafft: Das Geständnis, vor dem ich mich seit Ewigkeiten drücke. Was die Redakteurin der Für Sie nämlich nicht wusste (ihr aber spätestens jetzt erfahrt): Ich wohne gar nicht mehr in München. Prinzipiell nicht dramatisch, nicht jeder Münchner muss seine Heimat abgöttisch lieben und ich war in den letzten Jahren nach dem Stationschaos Florenz–Leipzig-Hamburg-München ohnehin etwas entwurzelt. Warum also nicht wieder weiterziehen?

Allerdings ist das Leben in der Provinz eine Sache, an die ich mich erst einmal gewöhnen muss.

Wenn es mir gut geht, dann schmeckt Göttingen so:

An nicht so großartigen Tagen sieht es eher so aus:

Dann hilft nur tanzen und verschanzen, am besten hinter dem Herd.
Pfifferlinge putzen und Beurre Blanc üben.

Warum aber überhaupt Göttingen?
Weil ich hier einen neuen Job gefunden habe. Oder anders: Der Job hat mich gefunden.

Inzwischen weiß ich, dass alles richtig war. Gehadert habe ich trotzdem. Denn Göttingen ist, let’s face it, ein Dorf. Eingelullt in provinzielle Nestwärme und museales Fachwerkflair, hin- und hergerissen zwischen abgerockter Studentenbutze und mondäner Jugendstilvilla. Es gibt so vieles, das mir fehlt: Straßenfolklore, bunte Menschen, die Inspiration, die in Großstädten an jeder Ecke lauert. Mir fehlen die Restaurants und Cafés mit schönen Menschen, die leisen Orte voller Zauber und die lauten Konzerte mit Zunder. Ich möchte kulturelle Vielfalt, unendliche Möglichkeiten und das Ziehen in der Brust, wenn man die Stadt für ein paar Tage verlässt. Das bekomme ich hier nicht. I miss, miss, miss.

Und dann sind da die Momente, in denen mir das alles auf einmal egal ist. Sich in mir eine angenehme Ruhe ausbreitet. Ich kann in sieben Minuten mit dem Fahrrad ins (einzige, puh!) Programmkino sausen, bis 22 Uhr bei tegut um die Ecke Biogemüse kaufen, aus der Haustür direkt in die Laufrunde fallen, zu Fuß von der Kneipe nach Hause torkeln. Ich darf laut Musik aufdrehen, bei meinen Nachbarmädels Wäsche waschen, das Licht durch meine traumschöne Wohnung tanzen sehen, in Jogginghose Milch für den Morgenkaffee kaufen.
Und endlich wieder: Rotwein trinken. Kochen. Bloggen. Lesen. Schreiben. Luft holen. Kraft tanken. Pläne schmieden.
Menschen lieben. Spüren. Sein.

Manchmal ist all das wichtiger als ein überdimensioniertes Freizeitprogramm. Und der Job wichtiger als der Ort. Manchmal hilft es ungemein, den Kopf auszuschalten und den Bauch auf Laut zu drehen.

Und dann muss man die Augen zu machen. Und springen. Und gucken, was passiert.

Steinbeisser mit Pfifferlingen, Zucchiniblüten und Beurre Blanc

Zutaten

  • Für Fisch und Pilze:
    400 g Steinbeisserfilet
  • 200 g Pfifferlinge
  • 8 Zucchiniblüten
    1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Traubenkernöl
  • 2 EL Olivenöl
    Salz, Pfeffer
    etwas Öl oder Ziegenbutter zum Braten
  • Für die Beurre Blanc:
    100 g Schalotten
    20 g Butter
    250 ml Weißwein
    250 ml heller Fond
    140 g (eis)kalte Butter
    Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
    1 El geschlagene Sahne

Zubereitung

1. Für die Beurre Blanc die Schalotten abziehen und in feine Würfel schneiden. 20 g Butter in einem Topf zerlassen, bis sie leicht aufschäumt. Die Schalotten zugeben und glasig anschwitzen. Dann den Weißwein angießen, kurz aufkochen und bei kleiner Hitze fast vollständig einkochen lassen. Den Fond zur Reduktion geben, auf die Hälfte einkochen und durch ein feines Sieb passieren.
Die restliche, (eis)kalte Butter in den heißen Fond geben und mit dem Pürierstab untermixen (wer’s kann: mit dem Schneebesen einmontieren), bis sich die Butterwürfel aufgelöst haben. Mit Salz und Pfeffer würzen und die geschlagene Sahne unterheben. Kurz vor dem Servieren die Sauce mit dem Pürierstab auf kleiner Stufe nochmal aufschäumen.

2. Pfifferlinge putzen, größere Pilze halbieren. Die Knoblauchzehe mit dem Messerrücken zerdrücken. Wer mag, kann die Pfifferlinge in etwas Reismehl wenden, dann werden sie noch knuspriger.
In einer gusseisernen Pfanne das Traubenkernöl erhitzen, die Knoblauchzehe anschwitzen, dann herausnehmen. Die Pfifferlinge im Knoblauchöl unter Rühren braten, bis sie braun sind.

3. Die Fischfilets kalt abspülen und vorsichtig trocken tupfen. Von beiden Seiten leicht salzen und pfeffern. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und die Steinbeisserfilets darin von beiden Seiten ca. 4-5 Minuten braten. Herausnehmen und im auf 50 °C vorgeheizten Backofen warm stellen.
Die Zucchiniblüten in einer Pfanne in etwas Öl oder Ziegenbutter von beiden Seiten braun braten.

4. Die Fischfilets zusammen mit den Pfifferlingen und den Zucchiniblüten auf Tellern anrichten, mit der Beurre Blanc begießen und sofort servieren.

 

 

Ein Kommentar zu “Post aus der Provinz: Steinbeisser mit Pfifferlingen, Zucchiniblüten und Beurre Blanc”

  1. Krisi

    Hallo

    Ich bin erst kürzlich über deinen Blog gestossen und er gefällt mir wunderbar. Ich mag die Mischung wie deine Post geschrieben sind, persönliche Gedanken und ein wunderbares Rezept=)
    Ich wünsche dir das deine Wohlfühltage in Göttingen sich noch mehr vermehren, die Bilder sind aufjedenfall wunderschön=)

    Liebe Grüsse
    Krisi


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