Wenn einer eine Reise tut … sollte er gefälligst die Arbeit zuhause lassen. Ein Spruch, den ich mir eigentlich schon vor langer Zeit hinter die Löffel geschrieben habe. Trotzdem bin ich, weil’s am Ende wieder knapp wurde, mit zwei liegen gebliebenen Texten im Gepäck los geflogen. Kein Wunder, dass ich etwas gebraucht habe, in den Urlaubsmodus reinzurutschen, auch wenn es mir unsere Bleibe für die erste Etappe im Grunde denkbar einfach gemacht hat. Nur der Kopf wollte halt mal wieder nicht wie er sollte.


Aber dann: Dieses Zimmer! Dieser Ausblick. Und überhaupt: Dieser Charme. Selten hat eine Unterkunft mich so verzaubert wie die Moinho do Pedro, eine alte Mühle aus dem 17. Jahrhundert, die ein deutsches Paar aus- und umgebaut hat. Emanuel und Michaela dos Santos haben hier in eine Oase der Ruhe geschaffen, die aussieht wie aus dem Bilderbuch: Ohne überflüssigen Schnickschnack, dafür mit viel Weiß und noch mehr Geschmack, liebevoll kreierten Entspannungsinseln und dem ein oder anderen wohl durchdachten Detail. Da passt der Beiname der lässig-gepflegten Pension – „the mill to chill“ – wirklich wie die Faust aufs Auge.
Gesetzt den Fall natürlich, man schafft es abzuschalten, aaaaaargh!

 




 

Aber noch mal von Anfang an. Portugal, here we go! Ende Mai haben der Kerl und ich endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht und unseren Urlaub festgezurrt – ganze 14 Tage (ok, minus Anreise- und Abreisetag eigentlich 12), so lange wie schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Und natürlich wollten wir alles: Strand und Sonne, Stadt und Meer. Also von allem ein bisschen und dazu jede Menge Zeit für uns. Ein, sagen wir mal, doch recht ambitioniertes Projekt (im Nachhinein ist man ja immer schlauer), alles machbar, das ja, aber mit straffem Programm. Da musste bei den Vorbereitungen schon ein bisschen gepuzzelt werden, vor allem die Sache mit dem Mietwagen stellte sich als etwas komplizierter heraus als gedacht. In Faro in den Wagen steigen und in Porto wieder aus ging nämlich nicht – es sei denn, man hat mal eben so nen Tausender nur für das Fortbewegungsmittel auf der hohen Kante. Wer allerdings, so wie wir, seine Kohle lieber in Restaurants und nette Behausungen denn in PS investieren möchte, sollte sofern möglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen.

Was wir dann auch taten. Zumindest nach unserem dreitätigen Aufenthalt an der Algarve. Denn da lohnt sich ein Auto eben doch. Man will ja schon den ein oder anderen Strand besuchen.

 

Geschafft haben wir (die ich noch über den Texten hing und er geduldig am Poolrand) letztlich nur einen, aber der war dafür der wohl Schönste der ganzen Algarve (Praia da Marinha): Feinster Sand, schroffe Klippen, dazu ein sauberes, perfekt temperiertes Meer, eine annehmbare Zahl an Touristen, kühles Bier (er) und Cider (ich) um die Ecke und endlich endlich endlich: Urlaubsfeeling. Ahhhhh!

Was man allerdings auch unbedingt gesehen haben muss, ist die Westalgarve, vor allem die raue Schönheit der dortigen Strände und das Cabo de São Vicente, den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes – schon allein des Kontrasts zur südlichen Algarve wegen.

 


Hier bläst der Wind einem allerdings ganz schön um die Nase! Ich empfehle unbedingt, einen Pullover mitzunehmen und den Strohhut im Auto zu lassen. Zur letzten Bratwurst vor Amerika, die der von Deutschen geführte, gleichnamige Kultimbissstand hier verkauft, kann ich dagegen nichts sagen, da wir kurz zuvor, völlig ermattet vom Rumgekurve, in einem sehr unscheinbaren, mitten an der Straße gelegenen Restaurant zu Nachmittag gegessen haben – überraschend gut! Gegrillte Sardinen und dazu den typischerweise mit (sehr milden) Zwiebelringen angemachten Salat gibt es in fast jedem Restaurant und ist im Grunde das Pflichtprogramm für jeden Portugal(be)reisenden.

 

Womit wir schließlich bei den Restaurants angekommen wären. Mal ganz abgesehen von der Klitsche oben (dem Restaurante A Sagres) kann ich drei Orte bedenkenlos weiterempfehlen, alle sehr verschieden, aber auf ihre Weise gut. Im Restaurante „Colina Verde“ haben wir am Abend unserer Anreise gegessen, auf Empfehlung unserer Gastgeber, und auch wenn ich sonst wirklich so gar nicht auf musikalische Untermalung beim Dinner stehe, war es dieses Mal ziemlich passend und kitschig allenfalls minimal. Das „A Grelha“ in Armacao do Pera ist zwei, drei Stufen untouristischer, dafür eine Prise rustikaler, ein Restaurant, in dem auch die Einheimischen essen und eines, bei dem man am liebsten die Fischkarte rauf und runter bestellen möchte. Panierte Garnelen mit fruchtigem Dip (Rezeptur auf Anfrage ein Geheimnis). Schwertfischsteak mit Kartoffeln. Und mit Früchten gebratene, unglaublich zarte Seezunge. Dazu Sagres (er) und Vinho Verde (ich) und das örtliche Spektakel. Bei Nummer drei habe ich den Namen vergessen und ich weiß auch nicht, wie das Essen schmeckt. Wir hatten nämlich nur einen Sundowner in der Strandbar schrägstrich Restaurant am Praia Do Castelejo, der aber mit einem wunderschönen Ausblick gewürzt war. Allein für diesen lohnt sich schon der Abstecher hierher und pssst, man kann auch schnieke Surfer gucken. 

 


So weit so gut. Am nächsten Tag ging’s weiter nach Lissabon. Eine wunderschöne Stadt voller versteckter Winkel, traumhafter Häuserfassaden und toller Restaurants – auch wenn man sich ein bisschen durch den Touri-Dschungel kämpfen muss, um die wirklich guten zu entdecken. Schade, dass es zu Lissabon noch keinen Foodguide von Housetrip gibt, denn bei wenig Vorbereitungszeit finde ich solche Tipps immer ziemlich nützlich. (Werde aber in den nächsten Tagen mal bei den anderen Städten schmökern).

Aber klar, auch auf eigene Faust macht Lissabon echt Laune. Und das erzähle ich euch beim nächsten Mal.


Hier noch einmal die wichtigsten Adressen/Restaurants:

Urbanização Colina Verde
Lote 2-I
8365-060 ALGOZ

Café Restaurante A Sagres
Sitiodo Tonel
8650-355 Sagres Portugal

Restaurante A Grelha
Rua do Alentejo, 2
Armacao do Pera
Tel. 282 312 245

Ein Kommentar zu “Portugal. Eine Reise in drei Teilen. Teil 1: Algarve.”

  1. Anastasia

    UFF! Was ein Feuerwerk aus Urlaub! Irrsinnig schöne Fotos, ich freu mich schon auf Teil 2! XO, Anastasia


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