Weiße Weihnachten waren es ja nun nicht und auch sonst war mein diesjähriges Fest der Liebe etwas anders gestaltet als gemeinhin üblich. Statt Tannenbaum, Flitterkram und großfamiliärem Bescherungsmarathon gab es Entschleunigung, Musik und Zweisamkeit in Köln, ein paar vertanzte, vor allem aber viele ruhige, dem Zeit-Raum-Kontinuum enthobene Stunden sowie eine erfolgreich absolvierte Bratengeburt an Heiligabend. Pünktlich zu den Feiertagen präsentierte sich dann eine allerfeinste Erkältung und legte mir-nichts-dir-nichts die erwartungsvoll in Genussposition gebrachten Geschmacksnerven lahm. Schade eigentlich.
Kurzerhand wurde das Kaninchen (geplant: in Estragon-Dijonsenfsauce mit Kerbel-Kartoffelstampf) auf(s) Eis gelegt, stattdessen gab es Fürsorge, Weihnachts-TV und Suppe. Es gibt nichts, dass sich nicht mit einem wärmenden Süppchen und ein paar warmen Umarmungen richten ließe. Und wenn schon nicht Weihnachten weiß ist, dann eben das Essen.

Für mich war so einiges Premiere. Damit meine ich natürlich nicht den fehlenden Schnee. Aber die Sache mit den Pastinaken, um die ich als Wurzelgemüseproblemkind normalerweise einen großen Bogen mache. Auch das Experiment Lammkeule, das aufgrund mangelnder Lichtquelle und fehlender Lust nicht abgelichtet, jedoch mit großem Genuss verspeist wurde. Vor allem aber die Erfahrung völlig selbstverständlicher, ziemlich unkomplizierter Harmonie bei … man könnte fast sagen: Extremverhältnissen. Dass zwei Menschen auf engstem Raum 9 x 24 Stunden miteinander verbringen können, ohne sich beim Stadt-Land-Fluss die Köppe einzuschlagen (er gewinnt natürlich immer) oder hungrig um die Bratenreste zu kloppen (kann er gerne haben), ist für mich ein kleines Wunder: Mein persönliches Weihnachtswunder. Was soll ich da mit den Geistern, die ich sowieso nie rief?

 

Wenn überhaupt, dann war es dieses Jahr der Geist der gegenwärtigen Weihnacht, der auf meiner Schulter saß und einfach mal die Füße (oder die Seele?) baumeln ließ. Nicht zurückblicken, nicht nach vorne schielen, einfach nur da sein. In Köln. Im Hier. Im Jetzt. Und wenn das Jetzt 42 schmale Quadratmeter, ein niemals enden wollender Geschirrhaufen und ein riesiger Berg Taschentücher sind, dann ist das eben so. Denn es ist gerade auch Liebe. Lachen. Und das Gefühl von absoluter Geborgenheit.

Vielleicht geht deswegen gerade auch Pastinake. Wenn man ein bisschen was Festliches hineinschmuggelt. Und die Erfahrungen der Vergangenheit vergisst. Dann schmeckt das wurzelige Knollengemüse auf einmal nicht mehr nach alter Kröte, sondern nach fein-nussigem Edelschmelz mit Geborgenheitsgarantie.

Und Weihnachten ist am Ende doch noch ein kleines bisschen weiß.

Pastinaken-Nuss-Suppe mit karamellisierten Macadamia und Spinatcreme

Zutaten:

  • Für die Suppe:
  • 500 g Pastinaken
  • 1 weiße Zwiebel
  • 3-4 Knoblauchzehen (werden im Ofen geröstet)
  • 1 EL Butter
  • 2-3 EL Olivenöl
  • 2 Thymianzweige
  • ½ L Koriandersamen
  • ½ Tl abgeriebene Schale einer Bio-Orange
  • 2 Wacholderbeeren
  • 2 Pimentkörner
  • 100 ml trockener Weißwein
  • ca. 500 ml Gemüsebrühe
  • Salz frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch gemahlene Muskatnuss
  • Für die Macadamianüsse:
  • 2 TL Akazienhonig
  • 2 Handvoll Macadamianüsse, gesalzen
  • Für die Spinatcreme:
  • 250 g Spinat
  • 1 Schalotte
  • 1 Schluck Weißwein
  • 100 ml Brühe
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Spritzer Zitronensaft


Zubereitung:

Für die karamellisierten Macadamianüsse:

1. Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Macadamianüsse gut mit dem Honig vermischen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben. Für ca. 7-8 Minuten im Ofen rösten, bis die Nüsse karamellisiert sind. Herausnehmen und abkühlen lassen.
Alternativ kann man die Nüsse auch zusammen mit dem Honig bei kleiner Flamme in einem Topf karamellisieren lassen.

2. Die Knoblauchzehen noch in der Schale im Ofen rösten, bis sie leicht gebräunt sind. Bei mir dauert das ca. 15 Minuten. Diesen Schritt kann man natürlich auch weglassen, dann schmeckt die Suppe eben nicht ganz so aromatisch.

Für die Spinatcreme:

1. Den Spinat waschen und putzen, grobe Stiele abschneiden, evtl. große Blätter etwas klein schneiden. Die Schalotte schälen und fein würfeln.

2. Etwas Öl in einem Topf erhitzen und die Schalotten darin unter Rühren anschwitzen. Den tropfnassen Spinat dazugeben und kurz mitdünsten, dann mit Weißwein und Gemüsebrühe ablöschen und für ca. 3-4 Minuten köcheln lassen, bis er zerfallen ist.

3. Alles in der Küchenmaschine pürieren, durch ein feines Sieb streichen und mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Zucker abschmecken.

Für die Pastinaken-Nuss-Suppe:

1. Zwiebel schälen und fein würfeln, Pastinaken ebenfalls schälen und in Stücke schneiden. Den gerösteten Knoblauch aus der Schale lösen und mit dem Messerrücken leicht andrücken.

2. Butter und Olivenöl in einem hohen Topf erhitzen. Die Zwiebel für 4-5 Minuten darin anschwitzen. Thymianzweige, Koriandersamen, Wacholderbeeren und Pimentkörner in ein Säckchen binden (alternativ: in ein Gewürzsieb füllen). Pastinaken, die abgeriebene Orangenschale sowie das Aromasäckchen mit in den Topf geben und unter Rühren anbraten. Mit Weißwein ablöschen und ca. 5 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Die gerösteten Knoblauchzehen und die Gemüsebrühe hinzugeben und alles für weitere 15-20 Minuten köcheln lassen.

3. Die Macadamianüsse grob hacken und mit in den Topf geben. Für 10 Minuten mitköcheln lassen.

4. Das Gewürzsäckchen (oder -sieb) entfernen und die Suppe fein pürieren. Evtl. etwas Milch hinzugeben. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskatnuss abschmecken.

5. Die heiße Suppe in Teller füllen und zusammen mit der Spinatsauce und den karamellisierten Macadamianüssen servieren.

4 Kommentare zu “Oh du Selige: Weihnachtliche Pastinaken-Nuss-Suppe mit karamellisierten Macadamia und Spinatcreme”

  1. Saskia

    Oh wie schön, das klingt alles total gut!
    Freut mich für dich!

    Danke fürs Teilen, danke fürs Rezept – kann kaum warten, es auszuprobieren! :)

    Schönen Jahreswechsel dir morgen!
    Saskia

  2. Irene

    Harmonie pur, in deinen Worten im genialen Bild! Das gefällt sehr! Auf einen guten, harmonischen Rutsch ein ein gesundes, genussvolles 2014!
    Liebs Grüessli
    Irene

  3. Britte

    Hallo, da ich zufällig alle erforderlichen Zutaten im Haus habe, wollte ich eigentlich dieses leckere Rezept nachkochen. Bin dann aber beim Lesen der Anleitung über Schritt 3 gestolpert: die Macadamianüsse gehackt in den Topf geben und mitkochen. in Schritt 4 wird die Suppe püriert. Und am Schluß soll die Suppe mit den Nüssen serviert werden. Wie denn jetzt, das geht doch nicht, denn die sind doch mitpüriert worden, oder? Trotzdem freundliche Grüße. Britte

  4. Sophie

    Hallo liebe Britte, dochdoch, das stimmt schon alles so, es gibt da ja noch zwei separat aufgeführte Arbeitsschritte: einmal für die Spinatcreme und einmal für die karamellisierten Macadamianüsse, und beides wird, wenn du es auch so magst, zur Suppe gereicht.
    Gutes Gelingen und einen köstlichen Start ins Neue Jahr!
    Sophie


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