Für meine Nachbarn ist es Runde um Runde ein vernügliches Spektakel, für mich oft ein haarsträubender Balance-Akt mit Peinlichkeitsgefahr. Die Existenz als Foodbloggerin und -fotografin fällt bisweilen unter die Kategorie „most dangerous jobs in the world“ – und das nicht nur, was den (online wie offline) Ruf betrifft. Tatsächlich wäre ich beim Ablichten meiner kulinarischen Kreationen nicht nur einmal fast vom Balkon gekippt. Und auch so habe ich meist alle equipmentbeladenen Hände voll zu tun, um am Ende der ganzen Szenerie den Teller ins rechte Licht und die Dinge ins rechte Lot gerückt zu haben.

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Wir nannten ihn Trüffelheini. Und sein Name war Programm. Nie wieder habe ich eine so üppig mit Suchtstoff bedeckte Pasta gegessen wie in jenem urigen kleinen Ristorante im Hinterland des Gardasees. Die Erinnerungen sind nicht mehr rasiermesserscharf, ich war damals vielleicht sieben oder acht. Aber ganz sicher waren es die 80er, eine Zeit, als die sagenumwobenen Aromabomben noch unverschämt erschwinglich waren.

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Freitagabende gehören traditionell der Zweisamkeit am Esstisch – wenn die Deutsche Bahn es schafft, ihr Beförderungsversprechen einzulösen. Bei der fast schon irrwitzgen Hin- und Herfahrerei, die meine Wochen und Monate zerklüftet, kommt es durchaus vor, dass zwischen A und B etwas auf der Strecke bleibt. Ein Ladekabel zum Beispiel. Mein Glauben an die deutsche Pünktlichkeit. Meine Nerven. Der Appetit allerdings nur sehr selten. Ich bin die eine Hälfte einer Fernbeziehung und verbringe gefühlt ein Viertel meiner Lebenszeit im Zug. Es versteht sich von selbst, dass ich da hin und wieder eine doppelte Portion Ricottagnocchi brauche. Mit vereinten Kräften schaffen wir sie sogar im Pendelspagat.

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Es ist schon ein paar Monate her, da flatterten auf ein eilig dahingeknipstes und auf die gängigen Kanäle gespeistes Mittagsessensbild hin ein paar nachdrückliche Bitten um Rezeptideen ein. Solche, die man gut vorbereiten und ins Büro mitnehmen kann. Kleine Pausenbeglücker für mittelschwer erkrankte Genusssüchtige. 5-Minuten-Rezepte mit 50-Minuten-Zufriedenheitsgarantie. Für jemanden wie mich (und wahrscheinlich ebenfalls dich) ist nichts schwerer zu ertragen als die gnadenlose Aneinanderreihung angetrockneter Käsestullen und liebloser Supermarktsalate, die das alltagsangekratzte Gemüt mit Lichtgeschwindigkeit in eine rapide Stimmungs- und Blutzuckertalfahrt stürzen. Deshalb gibt es hier jetzt hin und wieder auch mal ein paar schnelle Lunchrezepte aus meinem Tupperbox-Repertoire. Weil’s schee glücklich macht. Und weil jeder Mensch ein Recht auf ein gutes Mittagessen hast – selbst wenn er irgendwo abgeschottet von der Welt in einer Bienenwabe sitzt und nicht mal eben für eine Stunde zum Lieblingsitaliener um die Ecke gehen kann.  

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Pfirsiche pochieren und von ihrer samtenen Oberbekleidung befreien ist ein Luxus, den ich mir lange Zeit nur an Sonn- und Feiertagen gönnte. Für das Officelunch oder die schnelle Feierabendsause müssen die Früchte in voller Montur dran glauben. Allerdings hat sich in letzter Zeit hier vermehrt Unmut ob ihrer starken Behaarung breit gemacht. Und auch wenn dieser Sommer nicht gerade das Gelbe vom Ei war: Pelz getragen wird hier bitteschön noch lange nicht.

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Da wären wir also. 16 Verrückte, pardon, FOODverrückte, aus allen Ecken Deutschlands plus eine gute Handvoll Londoner. „Da“, damit meine ich das kleine Nest San Marco di Castellabate, das gerade aus seinem Winterschlaf erwacht – Ende März gibt es hier noch keine Touristen, die große (Nord-)Italienische Osterwelle ist noch nicht angerollt und die Dorfbewohner fangen langsam, gaaaaaanz langsam an, die Bürgersteige herunterzuklappen und die Betten auszuschütteln. Mitten in diesen gemächlichen Frühjahrsputz poltern wir herein – und haben Hunger. Und Durst. Und Lust auf das ein oder andere kulinarische Abenteuer. So eines wie das vom „Tri Tra Trufalo“ aus Stevan Pauls heiß geliebtem Kurzgeschichtenband Schlaraffenland, die tatsächlich (ich weiß es!) genau so passiert ist. Und zwar hier, im Cilento.

 

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Ich weiß, wir müssen alle erwachsen werden. Aber manchmal wünsche ich mir sehnlichst, ich wäre noch einmal klein. Ich wünsche mir meine Kindheit in Italien zurück, als das Leben noch aus Brombeeren pflücken und einem großen Teller Tortellini in brodo bestand, Zicklein füttern und den Hühnern die Eier klauen keine vorgelesene Fantasie aus dem Bilderbuch war und wir an Ferragosto, dem 15. August, jenem heiligsten aller italienischer Feiertage, morgens bei der Bäuerin um die Ecke Milchkaffee und abends auf dem großen Dorffest ein Mini-Schlückchen Rotwein bekamen. Ich war ein kleines, blondgelocktes Mädchen mit meist aufgeschürften Knien und ich war stolz wie Bolle, zwischen all den großen Jungs aus dem Dorf herumzutoben. Manchmal durfte ich auch eine Runde mit auf dem Motorrad fahren. Und so lange aufbleiben, bis mir von selbst die Augen zufielen.
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Eins und eins ist zwei. Könnte man meinen. Damit wäre diese Geschichte aber auch schon zu Ende. Da ich aber eine erzählen möchte, muss ich hier eine andere Rechnung aufmachen. Manchmal ergibt eins und eins nämlich volle Punktzahl. Zumindest fühlte es sich so an, als Simone und ich an diesem – für uns sicherlich unvergesslichen – Samstag vor vier Wochen mit einem Extraklasse-Lambrusco in der Hand auf einem Mauervorprung saßen und uns leicht ermattet zuprosteten.

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Dinge mehrmals zu tun scheint aus der Mode gekommen zu sein. Wahrscheinlich sind wir einfach zu verwöhnt von der schier unendlichen Auswahl an Möglichkeiten, gelockt vom Reiz des ständig Neuen. Wer will schon in der Wiederholungsschleife stecken bleiben, wenn um die Ecke bereits das nächste Abenteuer wartet? Noch mal das Gleiche essen? Schon wieder nach Italien? Zweimal hintereinander den selben Film ansehen ? Wie langweilig. Genau so bin ich eigentlich (auch). Keine Ahnung also, warum ich in letzter Zeit so oft die Repeat-Taste drücke. Als wollte ich die schönen Momente noch einmal erleben. Oder: anders. Und merke dabei gerade: Das tut unendlich gut.

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Wenn einer eine Reise tut … sollte er gefälligst die Arbeit zuhause lassen. Ein Spruch, den ich mir eigentlich schon vor langer Zeit hinter die Löffel geschrieben habe. Trotzdem bin ich, weil’s am Ende wieder knapp wurde, mit zwei liegen gebliebenen Texten im Gepäck los geflogen. Kein Wunder, dass ich etwas gebraucht habe, in den Urlaubsmodus reinzurutschen, auch wenn es mir unsere Bleibe für die erste Etappe im Grunde denkbar einfach gemacht hat. Nur der Kopf wollte halt mal wieder nicht wie er sollte.

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