Wie besonders eine Liebe wirklich ist, merkt man oft erst, wenn man Abschied nehmen muss. Dann wird noch einmal alles gegeben, ausgekostet, gekämpft, weil man sich im Grunde ein Leben ohne das Objekt der Begierde nicht vorstellen kann. Warum ich das weiß? Weil es mir jedes Jahr aufs Neue so geht. Der Spargel ist meine große Liebe – und trotzdem muss ich ihm immer wieder Adieu sagen.

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Habt ihr schon einmal Wasser beim Kochen zugehört? Es hört sich je nach Topfgröße, -material und Füllmenge ganz unterschiedlich an. Purer Zufall, nämlich ein ruhiger Montag Abend, haben mir dieses Faszinosum zu Füßen gelegt. Seitdem bin ich dem Klang siedenden H2O’s verfallen.

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Wäre ich Waldorf-Schülerin gewesen, hätte ich vermutlich darauf gepocht, meine Teller tanzen zu lernen. Die Poesie einer Mahlzeit ist einfach viel zu schillernd, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen und was ist schon ein Name gegen die Magie eines herz-, bauch- und augenschmeichelnden Essens? „Balsam für die Seele“ (oder so ähnlich) hätte der Arbeitstitel meines kulinarischen Tanztheaters vielleicht gelautet und nach absolvierter Performance im erdbeerroten Tutu wäre der Vorhang gefallen für ein sommerliches Büffet, mit bestem Balsamico für die Früchtchen, cremigem Büffelmozzarella und auf der Zunge schmelzendem San Daniele-Schinken, und ich hätte Pläne geschmiedet und Teenieträume geträumt: Wenn ich groß bin, werde ich Gemüsechoreographin.

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Dieses Mal, spricht das Kollektiv, wollen wir alles. Hoch aufs Siegertreppchen, rein in die Herzen der Welt und überhaupt: Uns mit Ruhm bekleckern, so richtig. Während unsere Jungs sich also in Brasilien einen abrackern und unter der Sonne schwitzen, heize ich schon mal den Grill an und kleckere mich beim Salat zubereiten mit Gorgonzoladressing voll – Solidaritätsbekundungen sind das große Ding während der WM.

Man darf dieses Jahr also klotzen UND kleckern, auf dem Rasen, vor dem Bildschirm und von mir aus auch während der Küchenaction. Von diesem Dressing sollte man ohnehin eine große Menge auf Vorrat machen, damit man nicht während des Spiels in die Bredouille gerät. Mitfiebern macht schließlich hungrig.

 

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Über Verstorbene soll man nicht schlecht reden, heißt es:„De mortuis nihil nisi bene“. Daher bleibt mir wohl nur, meinen dahingeschiedenen Pürierstab mit ein paar Dankesworten in die ewigen Jagdgründe hinüber gleiten zu lassen – und mich über meinen Neuzugang zu freuen. Der Neue ist größer, hübscher und stromlinienförmiger und hat deutlich mehr Feuer unterm Hintern, pardon, den Schneidezähnen. Auch wenn die Farbe nicht so ganz in meine Küche passt: Ich glaube, wir werden ein gutes Team.

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„Weniger ist mehr.“ Wahrscheinlich habe ich diesen Satz hier schon drei Dutzend Mal geschrieben – und mit Sicherheit nur halb so oft gemeint. Zu groß ist meist der Appetit auf die doppelte Portion und das Verlangen nach einem Nachschlag, und eigentlich sind wir doch alle ein bisschen maßlos. Aber manchmal stimmt sie eben doch, diese altkluge Phrase, vor allem jetzt wo der Sommer naht. Da probt man schon mal die Kunst des Weglassens und tastet sich in Richtung Leichtigkeit vor – nicht nur bei der Wahl der Kleidung, sondern auch was jene der Zutaten betrifft.

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Der größte Fehler, den man bei Crostini machen kann? Zu wenige davon zubereiten! Ich bastle meist gleich eine ganze Platte voll, damit sich alle bedenkenlos bedienen können und der Prosecco nicht schon vor dem Hauptgang zu Kopfe steigt. Jetzt, wo der Sommer da ist, wird es sicherlich die ein oder andere feucht-fröhliche ausgelassene Balkonparty in meinem kleinen Himmelsreich geben, oder ich lege mich mit dem Crostini-Paket zu meinen Lieblingsmenschen in die Kleingartenkolonie. Das Leben in der Provinz kann manchmal so wunderbar entschleunigt sein. Ich muss ja nicht IMMER von Event zu Event springen.
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Der Frühling hat dieses Jahr mal wieder das Potential zur gelegentlich frequentierten Durchreisestation. Gestern noch in Mütze und Wintermantel gehüllt, sitze ich heute mit Sonnenbrille und T-Shirt auf dem Balkon und verlese Crodino trinkend Wildkräuter, Spinat und Blüten. Nicht, dass ich etwas gegen Sandalenwetter hätte. Mir wird nur immer leicht schwindelig von allzu schnellen Temperatur- und Speiseplanänderungen. 

 

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In den kommenden Wochen werde ich mich ordentlich am Riemen reißen und den inneren Schweinehund an die Leine legen müssen. Es sind weniger die zehn Kilometer beim Nike We Own the Night-Run Berlin, vor denen ich mich fürchte, als die 21,0975 Kilometer beim RheinEnergieMarathon in Köln. Vielleicht ist der erste Halbmarathon ein wenig so wie das erste Tattoo: Man ist fasziniert davon, plant in Gedanken schon wann, wo und wie – und macht am Ende doch wieder einen Rückzieher. Besser wird es dadurch allerdings nicht: Je länger man wartet, umso heftiger wird die Sehnsucht. Und irgendwann verkehren sich die Pläne in ein Traumbild, das in unerreichbare Ferne rückt.

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Vollwertküche hatte mal das Zeug zum „unsexiest word alive“ – und ist auf einmal ziemlich hip. Was sich hier in Sachen Imagewandel getan hat, kann man durchaus als Erfolgsstory bezeichnen und das kollektive Naserümpfen über Tofukram und Grünkernburger ist längst in ein eifriges Bekenntnis zu moralisch einwandfreier Fitnesskost übergegangen. So spannnend ich es finde, was sich an dieser Front gerade tut, so seltsam finde ich die überaus präsenten Übertrittsbekundungen zu rigorosen Ernährungsprinzipien. Essen als Ersatzreligion? Ist nicht meine Welt. Für mich gilt immer noch: Der Flexitarier genießt und schweigt. Und hört auf seinen voll-wertigen Bauch.

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