Was macht Yotam Ottolenghi, wenn er nicht gerade in seinem Londoner Home-Office über neuen vegetarischen Rezepten brütet? Er schnappt sich einen Billig-Flieger und jettet mal eben kurz nach München, um sich ein Grillhend’l zu gönnen. Denn wie wir wissen, kann der gute Ottolenghi nicht immer nur Grüngemüs’ essen, sondern braucht ab und zu auch mal was Ordentliches zwischen die Zähne. Wir haben’s ihm gestern nach Feierabend gleich getan und sind mit der Tupperschüssel bewaffnet in den Biergarten am Wiener Platz gefahren, um zu testen, wie gut sich seine Salatkreationen mit dem Münchner Nektar vertragen.

Dazu muss man wissen, dass ich eigentlich gar kein Bier mag (und vertrag’.) Nur mit viel Limo krieg ich das Zeug runter, und selbst dann schmeckt die Maß auf den letzten Metern schal und fad und irgendwie nach … ichsagsbessernicht.

Schlimm ist außerdem, dass man von Bier immer Appetit auf Sauereien bekommt. Obadzda zum Beispiel ist eins meiner größten Laster! Owohl ich um die folgenreiche Zusammensetzung dieses Biergartenklassikers weiß, könnte ich mich REINLEGEN in eine dieser Rieseneimer, aus denen die bayrische Käsecreme auf die Teller geschaufelt wird. Ich scheine auch nie zu lernen, dass sich hinter den harmlos aussehenden, übrigens maßlos überteuerten zwei Kugeln ein Magenfüller der Extraklasse verbirgt. Aber die Riesenbreze, also die muss schon sein!

Beim letzten Biergartenbesuch waren doch glatt die Radieserl’ aus – geht nicht! Ein Biergartenbesuch ohne Radieserl’ ist wie ein Geburtstag ohne Torte und muss unbedingt nachgeholt werden. Insofern war klar, auf welches der Rezepte aus Ottolenghis Buch „Genussvoll vegetarisch“ die Wahl fallen würde. Wir hätten es aber auch bei schlechtem Wetter genossen, denn der Quinoa-Salat, in dem sich neben den Radieschen auch Avocado, Zitronenfilets, frische Erbsen (keine TK!! und bei Ottolenghi sind’s dicke Bohnen) und viel viel Kreuzkümmel tümmeln, ist so schlicht wie gut und außerdem ein Farbenknaller.

So ganz ohne Sauerei ging’s dann aber auch dieses mal nicht: Das Grillhendl’ (von glücklichen Hühnern, will ich hoffen) passte ganz hervorragend zum Salat.
Ich brauch’ euch wohl nicht von den neidischen Blicken rings um uns herum erzählen. Tja, so ein Ottolenghi ist halt nicht alle Tage im Biergarten anzutreffen. Wir waren mit dabei!

Prost!

Quinoa-Salat mit Avocado, Radieschen und Erbsen

Zutaten

  • 200 g Quinoa
    500 g gepalte dicke Bohnen (oder frische Erbsen, aus den Schoten gepult)
  • 2 mittelgroße Zitronen
  • 2 kleine reife Avocados (1 reicht auch)
  • 2 Knoblauchzehen, zerdrückt
  • 200 g Radieschen (super, wenn man die längliche Sorte mit den weißen Spitzen bekommt)
  • 50 g lila Radieschensprossen (oder kleine purpurfarbene Basilikumblätter)
  • 1 EL gemahlener Kreuzkümmel
  • 80 ml Olivenöl
  • 2 Prisen Chiliflocken
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

1. Quinoa: Die Quinoakörner in reichlich Wasser in einen Topf geben, zum Kochen bringen und ca. 9 Minuten (aber nur 9, nicht 10) köcheln lassen. In ein feines Sieb geben, abgießen, unter fließend kaltem Wasser abspülen und abtropfen lassen.

2. Pularbeit: Die dicken Bohnen oder frischen Erben (je nachdem, was man bekommt) enthülsen und in einen Topf mit kochendem Wasser geben, ca. 3-4 Min. kochen lassen, abgießen, mit kaltem Wasser abschrecken und abtropfen lassen. Bei den dicken Bohnen wichtig: Bohnen aus den Häutchen drücken. Wie das geht, hab ich schon mal hier beschrieben).

3. Zitronen häuten: Die beiden Zitronen mit einem scharfen Messer schälen. Am besten so: Oberes und unteres Ende abschneiden, Zitronen aufrecht auf ein Schneidebrett stellen und die Schale samt der weißen Innenhaut abschneiden. Die Zitronenfilets zwischen den Trennwänden herausschneiden, dabei die Früchte über eine Schüssel halten, um den Saft aufzufangen. Filets mit dem Saft (auch den Saft aus den restlichen Häutchen drücken!) mischen und beiseite stellen.

4. Die Avocados: Die nun schälen und den Stein entfernen. Das Fruchtfleisch in dünne Scheiben schneiden und in die Schüssel mit den Zitronenfilets und dem -saft legen. Sobald der Quinoa abgekühlt ist, diesen ebenfalls zugeben. Die dicken Bohnen bzw. Erbsen zugeben, außerdem den zerdrückten Knoblauch, die Radieschen, die Hälfte der Radieschensprossen, den Kreuzkümmel, das Olivenöl und die Chiliflocken.
Vorsichtig mischen, dabei aufpassen, dass die Avocadostücke nicht zerbrechen. Nach Belieben mit Salz und Pfeffer nachwürzen.

5. Den Quinoa-Salat auf Tellern (oder einer Platte) anrichten und mit den restlichen Radieschensprossen garnieren. Und: Man darf auch ein gutes Hend’l dazu essen!!

Zubereitungszeit: 40 Minuten (inkl. Garzeit für den Quinoa)

Leicht, lecker und ausbaufähig: ★★★★☆

7 Kommentare zu “Ottolenghi zu Besuch im Biergarten oder: Grillhend’l mit Quinoa-Radieschen-Avocado-Salat”

  1. Christina

    Obazda ist Teufelszeug!! Da kenne ich leider oft auch kein Halten mehr. Waah!
    Der Salat sieht allerdings superlecker aus, dafür würd´ ich dann auch den Obazda mal stehen lassen – selbstverständlich nur für die doppelte Portion, denn Bierhunger ist Bierhunger! ;-)

  2. Arthurs Tochter

    Obatzda ist ganz genauso verführerisch schlemmerlecker wie der hierzulande geliebte Spundekäs.
    Das Rezept lachte mich schon aus dem Buch heraus an, die nächste Quinoatüte geht an Ottolenghi! :)

  3. Claus

    @AT
    Schlemmerlecker! Halt mich da raus!

  4. Mini-Küche

    Mit Obazda konnte man mich schon immer jagen, die Riesenbrezel nehm ich aber gern :) Und den Salat auch, der sieht so farbenfroh, gesund und lecker aus, da kann ich mir vorstellen dass alle neidisch geguckt haben.
    Schmecken denn die Radieschen mit den weißen Spitzen anders? Milder, schärfer?

    Liebe Grüße,

    Lilly

  5. Andreas

    Schön, dass man bei dir Ottolenghi ohne Vorbestellung bekommt, ich hätte zwei Wochen warten müssen, um einen Tisch zu bekommen.

  6. georg

    den hab ich in groben zügen nachgemacht. weil ich das rezept nicht aufmerksam gelesen habe, ich kann rezepte lesen nicht ausstehen, die zitronen, chili und kreuzkümmel leider übersehen. aber am nächsten tag hab ich dann noch die spargelsalatreste untergemischt, dann ging er noch mal richtig ab. ohne hendl, aber mit mädel. und gutedel.

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