Ein Tagesausflug raus aufs Land und in den sonnenverwöhnten Garten meiner Eltern füllte am Wochenende den Kühlschrank mit kulinarischen Erstaunlichkeiten aus Mutter Naturs Speisekammer. Bepackt mit Schere, Eimer und Plastikbeuteln schnitt ich Hagebutten von widerspenstigen Sträuchern, krabbelte auf Knien durchs Blumenbeet oder hangelte mich durch Gestrüpp und Gesträuch, um die letzten Holunderbeeren dieses überraschend goldenen Herbstes zu erhaschen.

Nun ziert ein dicker blauer Fleck mein rechtes Knie und die Fingerkuppen sind tief violett vom Holundersaft, der vor Einbruch der nasskalten Jahreszeit gerade recht kommt. Mit etwas Honig oder – noch besser – Rum hilft der aromatische Saft besser als jedes Globoli gegen aufkeimende Erkältungen und Schwermutsattacken.

Normalerweise überlasse ich das stark färbende Prozedere des Holunderkochens meiner marmeladenerprobten Mutter, die mich bei Besuchen regelmäßig die Speisekammer plündern lässt. Ein unbezahlbarer Service!

Dieses Mal aber hat mich das Einkochfieber gepackt und so jonglierte ich an meinem Geburtstag wie die furchterregende Kali zwischen Töpfen, Mulltüchern und Gläsern hin- und her. In der rechten einen Schwamm, in der linken einen Probierlöffel, die Lippen dunkelviolett verschmiert und ekstatisch verzogen.

Die Gäste kamen gottseidank erst spät am Abend, sie hätten sonst ihr lila Wunder erlebt.

Ein kleines Wunder ist für mich auch meine Nominierung für den Brigitte Food Blog Award, die aus mir einen emotionalen Gummiball gemacht hat.

Natürlich freue ich mich wie eine Schneekönigin über die Auszeichnung, die meinen zwischen Prüfungsphasen, Berufsstart und generellem Lebenschaos aus dem Boden gestampften Blog unheimlich ehrt. Dass sich mein Lebensmittel-Punkt seitdem von Leipzig nach Hamburg und von dort aus wieder nach München verlagert hat, war manchmal etwas turbulent, immer aber bereichernd und nicht zuletzt für alle meine Küchengeräte eine aufregende Reise in unbekannte Gefilde Küchen.

Inzwischen hat meine Kombüse einen Gasherd, eine Dunstabzugshaube und einen guten Quadratmeter mehr –  der Name aber ist immer noch Programm.

So klein meine Küche ist, so groß ist aber auch mein Interesse an einer fairen Abstimmung. Also bitte nur ehrliche Stimmen, keine Mehrfachvotings oder Manipulationsversuche. Ansonsten halte ich mich aus der inzwischen bizzare Ausmaße annehmenden Debatte um den Award weitgehend heraus – und nehme noch eine Prise Ironie.

Zum Voting geht es also hier

und zum Rezept hier:

Kräuter-Blüten-Salat mit Ziegenkäse und Holunderdressing

Zutaten

  • Frische Blattsalate: Frisée, Carnevale, Kopfsalat (gut sind auch Babyspinat oder Pfücksalat)
    150 Wildkräuter – je nach Lust, Laune und Garten/Marktstand z.B Löwenzahn, Spitzwegerich, Vogelmiere, Kapuzinerkresse, Sauerampfer, Giersch
    außerdem: ein paar essbare Blüten wie Kapuzinerkresseblüten oder Borretschblüten
    und: 60 g bröckeliger Ziegenkäse (z.B. Ziegenrolle)

    Für das Dressing:
    Holundersirup: 200 g Holundersaft, 1 Nelke, 1 TL Szechuanpfeffer, 2 Wacholderbeeren, eine Prise Zimt, 2 EL Rotwein, 1 EL Zucker
    1 -2 EL Holunderbalsamico (alternativ: Himbeeressig)
    1 EL Aceto Balsamico
    1 TL Dijon-Senf
    Salz und Pfeffer
    4 EL mildes Nussöl (Walnussöl, Haselnussöl oder Mandelöl)

Zubereitung

1. Die Blattsalate in mundgerechte Stücke zupfen, waschen und trocken schleudern. Wildkräuter verlesen, unschöne Blätter aussortieren, ebenfalls vorsichtig waschen, große Blätter eventuell etwas kleiner zupfen. Die Blüten möglichst nur leicht abtupfen. Den Ziegenkäse in kleine Stücke bröckeln.

2. Den Holundersaft zusammen mit den Gewürzen kurz aufkochen und die violette Chose mit etwas Zucker so lange reduzieren, bis der Hollersaft eine sirupartige Konsistenz erreicht hat. Vom Herd nehmen, am besten in ein Schälchen mit Ausguss füllen und abkühlen lassen.

Für die Vinaigrette 2 EL Holundersirup mit beiden Essigsorten (Holunderbalsamico und Aceto Balsamico) gut verquirlen, erst den Senf, dann das Nussöl unterschlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3. Den Wildkräutersalat mit der Vinaigrette mischen und den Salat locker auf Teller verteilen. Die Blüten darüberstreuen. Ziegenkäse in Stücke bröckeln und über den Wildkräutersalat streuen.

Zubereitungszeit: 30 Minuten (plus 10 Minuten für den Holundersirup)

Holunder-Wunder: ★★★★★

10 Kommentare zu “Oh Wunder und Holunder: Kräuter&Blüten-Salat mit Ziegenkäse und „Hollerdressing“”

  1. Micha

    Sehr schön anzuschauender Salat – der bestimmt genauso schmeckt. An die Zeiten der Mamilade kann ich mich auch noch gut erinnern.
    Und viel Freude an deiner Nominierung. Und zwar unabhängig vom Voting ist das doch prima Aufmerksamkeit, die ich dir und deinem hübschen Blog gönne :)!

  2. Birgit

    Ich bin ja ein wahnsinniger Blütenfan. Dein Salat schaut ganz toll aus und schmeckt mit der Frucht-Ziegenkäse-Kombi auch bestimmt so! Dem könnte ich nicht widerstehen.

  3. voni

    SO, das hat mich nach der turbulenten Weißwursteskapade wieder besänftigt, und ich werde auch gleich meinen Klick beim Voting abgeben, denn du hast es echt verdient.
    Nicht nur deine Rezepte inspirieren, sondern vor allem deine erfrischende Art, die jeweilige Geschichte dazu zu erzählen.
    Weiter so, ob nun in Leipzig, HH, München oder wo auch immer, es macht Lust, dir zu folgen!

    LG Vroni

  4. Lemon

    Ich mag Holunder auch sehr gerne. Mit den Blumen sieht der Salat wie ein Kunstwerk aus.

  5. Sophie

    @ Micha: Mamilade kannte ich noch nicht :-D Wunderbar! Danke für deine weisen Worte – du hast völlig Recht!
    @ Birgit: …. und wer könnte schon Wundern widerstehen? ;-)
    @ Voni: Puuhhhh! Gerade noch so die Kurve gekriegt! Jetzt wird mir dann doch gleich ganz warm ums Herz bei so viel Lob. Merci.
    @ Lemon: …. Mutter Naturs Malkasten.

  6. Barbara

    Wow, Holunderdressing – das nenne ich kreativ. Ich bin gerade auch so ein Holunderfan und habe erst wieder Likör und Aufstrich fabriziert, aber auf Dressing wäre ich nie gekommen. Sieht ja auch absolut beeindruckend aus. Die Farbe (und Flecken überall) ist halt so – ich glaube, die braucht es, weil Holunder so gesund ist. ;-)

    Und wie auf fb auch hier: Gratulation zur Nominierung! :-)

  7. Christina

    Sophie! Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung! Freue Dich mit den vielen, die sich für Dich freuen, und lass Dir von so ein paar wenigen doofen Stimmen den Spaß daran nicht verderben. Das war bei mir zwischenzeitlich echt fast soweit, man erschreckt richtig, zu was für Bitterkeiten sich manche erwachsene Menschen (wohl eh immer die gleichen) im Schutz der Anonymität hinreißen lassen und wie sehr sie damit diese eigentlich schöne Idee, Blogs bekannter zu machen, in den Dreck ziehen. Und das, was dort steht, wird dann auf die Blogger persönlich zurückgeführt, die noch am wenigsten bzw. wahrscheinlich gar nichts damit zu tun haben. Das macht traurig und es war zwischenzeitlich schwer, das ganze nicht so an sich ranzulassen. Ich sehe es jetzt aber auch wie Du, es ist so absurd und gar nicht wert, seine Energie in diese Debatte zu stecken. Für mich ist die Sache abgehakt, ich freue mich sehr, dass Du unter den Nominierten bist, und stöbere gerne nebenbei in der Liste der vorgeschlagenen Blogs. Puh, das war jetzt glaube ich schon das längste Statement, das ich öffentlich dazu abgegeben habe. In diesem Sinne, tolles Salätchen und außerdem happy happy Birthday nachträglich! :-)

  8. Anne Klein

    Hallo Sophie,

    erstmal Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung. Dein Salatrezept mit dem Hollerdressing klingt super lecker. Ich hätte auch mal lieber Ziegenkäse genommen anstatt diese Käseknödel mit Griess, brr.

    GGLG Anne

  9. georg

    boah, sieht der geil aus. ich glaub noch nicht mal dass er so irre schmeckt, lecker bestimmt, klar, aber vor allem ist es eine kulinarische sexbombe.
    glückwunsch übrigens noch zum geburtstag. den kann dir auch keiner streitig machen, eine nominierung zum super-duper-foody-blog allerdings schon. aber mach weiter so, du wirst eh’ immer besser, pfeif’ auf den award.

  10. Ellja

    ein schöner Farbenrausch. Ich mag die Blüten der Kapuzinerkresse sehr gerne. Das Hollunderdressing finde ich super! Ich könnte mir auch einen weichen Schafkäse sehr gut dazu vorstellen….


Schreibe einen Kommentar: