Chinesische Küche war für mich lange Zeit: Schweinefleisch süß-sauer mit warmer Ananas in dieser klebrig-dicklichen Soße, in der der Zuckergehalt einer 1,5 l-Flasche Coca Cola versenkt wird. Doppelt frittierte Ente, die einem noch Tage wie Wackersteine im Magen liegt. Wan Tans mit wabbliger Gemüsefüllung. Sojasauce. Glutamat. Hunde (nicht bei uns natürlich, aber dort). Irgendwie eklig.

Um China-Restaurants mache ich daher schon seit Jahren einen Bogen. Wenn ich asiatische Aromen will, gehe ich Sushi essen oder koche mir eine schöne Tom Ka Gai.

Aber Abneigungen sind dazu da, um überwunden zu werden.

Bei einem Büchereinkauf vor ein paar Wochen fiel mir dieses Buch in die Hände. Das war zwar nicht brandneu, hatte aber a) ein schönes Cover und b) gute Kritiken bekommen.

Und was gibt es unterhaltsameres alls ein Schmöker über Esskultur und Essen?

Tatsächlich ist die kulinarische Entdeckungsreise der in Amerika aufgewachsenen Chinesin Jen Lin-Liu äußerst amüsant geschrieben, dabei informativ und – nach einem Wissensabgleich mit einem Bekannten, der bereits in China war – auch sehr authentisch.

Da für groß angelegte Maultaschenproduktionen momentan leider keine Zeit ist, musste ich meinen durch die Lektüre hervorgerufenen Appetit rasch mit einem etwas einfacheren Gericht befriedigen: Mapo-Tofu

Nicht irgendeiner natürlich, sondern laut Jen Lin-Liu “Der beste” Mapo-Tofu.

Tofu ist eigentlich nicht unbedingt “one of my favourites” – zu fade, zu wenig Biss – aber so zubereitet wie hier schmeckt er einfach fantastisch.

Hier das Rezept :

Zutaten:

2 EL Öl (Sesamöl)

120 g Rinderhack

1 Stück Lauch oder Frühlingszwiebeln (ich habe beides genommen)

bei mir gab es zusätzlich noch:

4 Baby-Pak Choi

eine Hand voll Shitakepilze

½ Hand voll Zuckerschoten

außerdem:

1 Stück Ingwer (ca. 2cm)

60 Bohnenpaste (die ist wichtig)

2 EL chinesische Sojasauce

¼ TL Salz

½ TL Zucker

120 ml Wasser

1 Stück fester Tofu

½ TL gemahlene Sichuan-Pfefferkörner (habe ich leider nicht bekommen)

1 EL Shaoxing-Reiswein (kann man zur Not auch weglassen oder durch normalen Wein ersetzen)

Zubereitung:

Den Lauch und die Frühlingszwiebeln fein hacken.

Den Tofu erst in Scheiben, dann in mundgerechte Würfel schneiden.

Das Gemüse waschen und putzen. Den Pack Choi halbieren, die Shitakepilze vierteln, die Zuckerschoten quer in Streifen schneiden.

Das Öl in einem schweren Wok (der lag noch in Leipzig, eine gusseiserne Pfanne geht aber auch) geben und 1 Minute bei großer Hitze (volle Pulle) erwärmen.

Das Rinderhackfleisch hineingeben, mit dem Kochlöffel in Klümpchen zerteilen und unter ständigen Rühren krümlig anbraten.

Jetzt folgende Zutaten der Reihe nach zugeben und dazwischen immer eine Minute pfannenrühren:

Lauchwziebeln und Ingwer, Pak Choi und Shitakepilze, Bohnenpaste,

Sojasauce, Zuckerschoten, Salz und Zucker.

Das Wasser dazugeben, auf mittlere Hitze umschalten und ca. 4-5 Minuten köcheln lassen (wer es knackiger mag, verringert die Garzeit).

Den Tofu hinzufügen, wieder auf große Hitze schalten und nochmal 2-3 Minuten pfannenrühren.

Mit ein paar in dünne Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln garnieren und noch heiß servieren.

4 Kommentare zu “Nudeln für das Volk, Mapo-Tofu für mich”

  1. lamiacucina

    Bei soviel guten Zutaten tritt der Tofu diskret in den Hintergrund.

  2. Dea

    hab mir das buch gleich mal bestellt!

  3. Sophie

    @ Robert: Ja, kaum dass man ihn erahnt. ;-)
    @ Dea: Wie schön! Ich wünschte, ich könnte es auch noch mal lesen, es macht echt Laune. Und die Rezension dazu gibt’s dann in der kommenden Ausgabe der Effilee (#12) ;-)

  4. HopSing

    Sollte es Dich jemals in die Frankfurter Ecke verschlagen, kann ich das New China Town, Münchner Str. 52 im mittlerweile nicht mehr ganz so abgeranzten Frankfurter Bahnhofsvietel empfehlen. Sehr autentische kantonesische Gerichte, die Dim Sum sind zum Niederknien, die gedämpften Entenfüße allerdings nicht jedermans Sache aber sehr mutig. Schöner Blog ubrigens; Chapeau!


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