Süßigkeiten sind nicht meine größte Leidenschaft, ich tausche das Dessert oft und gerne gegen einen Käseteller und eine Handvoll Walnüsse. Manchmal auch gegen ein letztes Glas Wein. Für die Kombination aus dunkler Schokolade und kandierten Früchten allerdings würde ich töten. Zumindest das Sandmännchen. Orangetten selbst herzustellen verlangt gewisse Opfer, ein paar ruhige Stunden des Wochenendes oder eine Nachtschicht. Nachtschicht mit Kuvertüre. Statt einer Mütze Schlaf gab es also eine Wagenladung sizilianische Orangen. Die zu verarbeiten ist allerdings absolut meditativ.

Gut, man sollte dabei nicht einschlafen, sonst brennt die Schokolade an, und ein wenig Geduld ist auch recht hilfreich. Schon mal 68 weich gekochte Orangenschalenstücke mit einem Teelöffel ausgekratzt und in Streifen geschnitten? Ab Nr. 23 bröckelt der Spaß. Irgendwann aber bewegen sich die Hände ganz von alleine und man ist im Flow. Und eins: Mit sich, mit der Welt. Mit der Schokolade. Mit dem Orangenschalenduft.

Den übrig bleibenden Sirup bitte unbedingt aufheben und wertschätzen – den gibt es am nächsten Morgen, zum Süßen des ersten Kaffees des Tages. Es wird nicht der letzte sein. Und die Orangen selbst wandern ins Frühstück: in den Porridge oder den Smoothie. Oder man genießt sie pur.

Ich hatte schon schlechtere Nächte. Was habt ihr so letzte Nacht geträumt?

 

 

Orangetten in Zartbitterschokolade


Zutaten (für eine nicht ganz so große Ladung Orangen): 

6 unbehandelte dickschalige Orangen
300 ml Orangensaft
250 g Zucker
Mark ½ Vanilleschote
200 g Bitterschokolade
800 ml Wasser

Zubereitung:

1. Die Orangen einmal runderum einritzen, dann von der anderen Seite ebenfalls einritzen. Die Schale in vier Teilen abziehen. In einem großen Topf mit Wasser vier Mal aufkochen, dann kalt abschrecken, dabei jedes Mal mit frischem kaltem Wasser beginnen. Die Schalen sollten danach weich und fast durchsichtig sein (das dauert ca. 2 Stunden).

2. Orangensaft, Zucker, Mark und die ausgekratzte Vanilleschote zusammen mit 800 ml Wasser in einen Topf geben, gut vermischen und alles aufkochen. Die abgetropften Orangenschalen in den Sirup geben und zugedeckt 1½ Stunden köcheln lassen. Herausnehmen, auf ein Gitter legen und ca. 1 Stunde abtropfen und trocknen lassen. Dann das weichgekochte weiße Innere vorsichtig mit einem Löffel herauslösen. In Streifen schneiden.

3. Die Schokolade mit einem Messer fein hacken (je kleiner die Stücke, desto leichter lässt sie sich schmelzen). Einen Topf mit Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen, dann herunterschalten. Die Schokolade in eine Schüssel geben und diese so auf den Topf setzen, dass dieser das Wasser nicht berührt. Unter Rühren vorsichtig erhitzen, bis die Kuvertüre über dem Wasserdampf vollständig geschmolzen ist. Gut durchrühren, die Schüssel aus dem Wasserbad nehmen und die Orangenstreifen mit den Spitzen in die Schokolade tunken.

4. Auf Backpapier legen und auskühlen lassen, bis die Schokolade fest ist. Die fertigen Orangetten in eine Dose schichten.

7 Kommentare zu “Mr. Sandman, bring me a dream: Orangetten in Zartbitterschokolade”

  1. Claudia Gliss

    Liebe Sophia,
    dafür kann man wirklich ‘mal eine Nachtschicht einlegen – köstlich!!!
    Liebe Grüsse
    Claudia

  2. Anny

    Hätte man geahnt, was Du lecker Schokoladiges zauberst, dann hätte sich bestimmt die ein oder andere Orange in die Träume eingeschlichen. Das sieht fantastisch aus und wird gern ausprobiert.
    Und so einen Orangen-Sirup-Kaffee würde ich auch gern morgen zum Frühstück nehmen. :) Anny

  3. Claus

    Das könnte ich mir auch Sonntagsnachmittags, parallel zur Bolo und einem guten Riesling vorstellen. Mir fehlen einzig diese besonderen Orangen. Ob das auch mit Bitter-Orangen geht?

  4. Sophie

    Tja, Claus, da fragst du mich was. Ich denke ja. Müsstest die Schalen nur wirklich viermal blanchieren. Oder ich komm’ vorbei. Auf ein paar geschmorte Bäckchen und einen Riesling. ;-)

  5. Monika

    Hört sich sehr gut an, aber was passiert mit dem von den Schalen befreiten rangenfruchtfleisch? Wird dieses zu Saft verarbeitet?

  6. einfach ein schönes Leben

    Liebe Spophie,

    die Idee den Orangensirup für den Kaffee zu verwenden hat mich sofort begeistert. Jetzt habe ich allerdings ein Problem. Ich mag gar keinen süßen Kaffee.

    Es grüßt trotzdem aus dem Westen

    Martin

  7. Wochenrückblick #103 - ÜberSee-MädchenÜberSee-Mädchen

    [...] mit Orange Curd. Auch Blutorangen haben gerade noch Saison, Sophias Rezept für Schalen und Fruchtfleisch klingen sooo yummy. Datteln waren für mich lange befremdlich, doch nach dem [...]


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