Mein Name ist Franco. Castel Franco.

Heute habe ich nach langer Zeit einen teuren Freund wiedergetroffen. Wir waren eigentlich gar nicht verabredet, denn in letzter Zeit bin ich vorzugsweise überall und nirgendwo. Der Zufall führte uns zusammen, als ich nach der Arbeit noch schnell am Sendlinger Tor vorbeikam. Und dort, an der Ecke mit dem Gemüseladen, an der Einflugschneise zum Glockenbachviertel, liefen wir uns über den Weg.

Wow, sah er wieder gut aus. So knackig und dann dieses stylishe Grün mit den roten Sprenkeln! Ich wollte rasch vorbeieilen, aber dann überlegte ich es mir doch anders. Immerhin ist er mir in den letzten Jahren unglaublich wichtig geworden und Engpässe hin oder her: Gute Freunde muss man pflegen.

Der Castelfranco gehört – man schmeckt es – zur Familie des Radicchio und ist ein bisschen adlig. Sein voller Name lautet „Radicchio Variegato di Castelfranco“, aber mir hat er bereits das Du angeboten. Wie ich schon sagte, wir sehen uns selten, in der warmen Jahreszeit ist er sowieso nie da. Aber WENN wir uns sehen, ist es immer ein kleines Fest.

Ich bereite ihm dann immer ein köstliches Willkommen und lade ein paar alte Bekannte ein: Haselnüsse, Blauschimmelkäse und Babyspinat, manchmal auch Brunnenkresse oder Feldsalat. Wichtig ist, dass er sich in seiner Umgebung wohlfühlt, denn ich möchte ja, dass er mich wieder besuchen kommt.

Der gelbe bis grünliche Radicchio mit dem schönen Namen und den locker sitzenden Blättern ist ab Ende September/ Anfang Oktober zu haben und wird hauptsächlich als Salat gegessen. Er ist eindeutig der mildeste unter den Radicchiosorten und auch der mit den zartesten Gefühlen Blättern. Dennoch hat er im Gegensatz zu Blattsalaten wie Feldsalat, Frisée oder Kopfsalat ein doch recht kräftiges Aroma und einen festen Biss.

Ich mache daher gerne ein Roquefort- oder Gorgonzola-Dressing dazu, um den leicht bitteren Geschmack zu konterkarieren, dazu wahlweise Wal- oder Haselnüsse, manchmal auch ein paar knusprige Croutons und saftige Birnenspalten.

Ich liebe dieses von Jamie Oliver geklaute Dressing, das ich im Herbst oft mit seinem Chicoree-Birnen-Apfel-Salat esse. In ein sauberes Schraubglas gefüllt, hält das Dressing problemlos zwei oder drei Tage. Es schmeckt auch toll zu zerdrückten Kartoffeln oder gedämpftem Brokkoli.

Das Schöne daran ist seine Variabilität: Mit der Wahl des Blauschimmelkäses ändert sich auch die Geschmacksnuance. Es ist verblüffend, wie anders die Sauce jeweils mit einem Roquefort oder einem Blue Stilton schmeckt. Auch Gorgonzola ist spitze – vor allem für Kinder oft die beste Wahl. Wichtig ist die Qualität des Käses und ein guter Reifegrad: also schön schimmlig und ein wenig laufen darf er auch ruhig.

Herumexperimentieren ist auch bei der Menge der Zutaten erlaubt: Wer es milder mag, gibt mehr Crème fraîche dazu. Ich z.B. brauche viel Pfeffer in diesem Dressing, weil er dem fetten Käse gut tut , außerdem etwas Süße aus Honig, Birnendicksaft oder Ahornsirup, um das Salzige und Saure auszubalancieren.

Castelfranco mit cremigem Blauschimmel-Dressing und gerösteten Haselnüssen

Zutaten

  • 1 großer Kopf Castelfranco
  • ein paar Blätter Brunnenkresse oder junger Spinat
  • 1 Handvoll Haselnüsse
  • Für das Dressing:
  • 50 g kräftiger Blauschimmelkäse plus etwas Käse zum Garnieren
  • 50 Crème fraîche
  • 5 EL natives Olivenöl oder Walnussöl
  • 4 EL Apfelessig
  • 6 EL Wasser
  • 1 TL Agavendicksaft

Zubereitung

1. Die Blätter des Castelfranco waschen und trocken schleudern. Brunnenkresse oder Spinat waschen, verlesen und trocken schleudern. Die Haselnüsse im Ofen bei 180°C in ca. 5-8 Minuten goldbraun rösten.

2. Für das Dressing alle Zutaten bis auf das Öl in ein hohes Gefäß geben und mit dem Zauberstab pürieren (geht auch gut im Mixer). Etwas Käse für den Salat aufheben. Dann langsam das Öl einfließen lassen und alles nochmal gut durchmixen, bis die Sauce glatt ist. Das Dressing sollte ein wenig säuerlich sein, der Castelfranco verträgt das.

3. Die Salatblätter mit Dreiviertel des Salats begießen und alles gut durchmischen. Den Salat auf Teller verteilen und jede Portion mit einem Extralöffel Dressing überziehen. Die gerösteten Haselnüsse halbieren und über den Salat streuen. Muss nicht, kann aber: Den restlichen Blauschimmelkäse über den Salat bröckeln.

Zubereitungszeit: 30 Minuten

One of my favourites: ★★★★★

5 Kommentare zu “Mein Name ist Franco. Castel Franco.”

  1. Martina Mattes

    Lecker und hervorragend beschrieben. Was will man / frau mehr? 1 mit Stern!

  2. lamiacucina

    in Restaurants sieht man ihn häufiger. Gekauft habe ich noch nie. Wenn er so gut schmeckt, wie Du ihn beschreibst, muss sich das ändern.

  3. Lemon

    Der Salat sieht sehr lecker aus! Die Kombination mit Blauschimmelkäse und Nüssen mache ich auch gerne.

  4. George

    Bonuspunkt für den Post-Titel! ;)

  5. Sophie

    @ Martina: Kochst du dann nach, ja? ;-)
    @ Robert: Echt, du triffst ihn in Restaurants? Jetzt werd ich aber eifersüchtig!
    @ Lemon: Ja, einer meiner Lieblingskombis und außerdem eine gute Grundlage für lange Gelage mit guten Freunden :-D
    @George: Hehe. Sage danke!


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