Die nettesten Foodblogger bekommen die schönsten Kartoffeln. Das ist eine etwas holprige Binsenweisheit, aber wer seine Lebensmittel beim Bauern seines Vertrauens, auf dem Wochenmarkt oder in einer Provinzstadt besorgt, weiß um deren Wahrheit – das zeigt immer wieder der Praxistest. Frische Burrata? Kann ich auf Wunsch vorbestellen. Brunnenkresse? Ergattere ich mit ein wenig Glück bei meiner Kräuterhexe. Für die indischen Auberginen ist der winzige, von einem etwas abgehalfterten Pakistani leger geführte Tante-Emma-Laden ein paar Häuser weiter zuständig. Maronen führt der Öko-Laden am Wall, den Südtiroler Speck lasse ich mir von unserem italienischen Feinkostladen hauchdünn aufschneiden. So.

Dann kann’s ja losgehen. Ab in die Küche. Ihr dürft auch gern mal einen Blick hinter die Kulissen werfen. Über fast zwei Jahre habe ich mir hier in der kulinarischen Diaspora meine Beziehungen aufgebaut und mich auf diese Weise ganz passabel über Wasser gehalten. Vom Angebot einer Großstadt kann ich hier natürlich nur träumen, das tut manchmal weh, gerade wenn man lange Zeit vom Überangebot und den allerfeinsten Dingen verwöhnt war. Aber: Man lernt, sich auf die einfachen Dinge, die schlichten Genüsse, zu besinnen. Manchmal reicht auch ein raffiniert gewürztes oder fein zusammengestelltes Gemüsepotpourri, um Bauch und Seele glücklich zu machen.

Was aber macht man nun mit der frisch ergatterten Beute, mit den kieselsteinglatten und den krummen Beauties, den rotschaligen, violetten, hellgelben, leicht orangenen Kartoffeln, dem Bamberger Hörnchen, dem blauen Schweden, der La Ratte, Cherie, Sieglinde, Linda oder Arielle? Man holt sie aus dem dunklen Keller, befreit sie aus ihrem unförmigen Kartoffelsack, stellt sie ins Rampenlicht und hebt sie aufs Siegertreppchen. Die Wahl zur Schönheitskönigin ist hier übrigens nur zweitrangig. Was bei diesen Traumknollen wirklich zählt, sind die inneren Werte. Also: Der Geschmack.

Ich kaufe meist eine Wagenladung voller Knollen und lasse alle gewinnen. Und mache das hier:

Verschiedene Kartoffelsorten, Auberginen, Maronen und Topinambur verbinden sich hier zu einem warm-würzigen Geschmackserlebnis der Soulfoodklasse, hier ziehen sich die Gegensätze gerade zu magisch an. Wer einmal den zarten Schmelz geschmorter Topinambur und die verführerische Cremigkeit ofengegarter Auberginen gekostet hat, ist auf immer verloren – und er will sie unbedingt mit knusprig gebackenen Kartoffeln kombinieren. Abgerundet wird dieser Traum mit knackigen Walnüssen, cremiger Burrata und einem Schuss Ahornsirup – das klingt erst einmal ungewöhnlich, ist aber das Tüpfelchen auf dem i und sorgt für eine subtile Karamellnote und einen perfekten Crunch.
Und bitte nicht vergessen: Die Brunnenkresse. Sie spielt vielleicht nur eine Nebenrolle, aber auch sie trägt zum Gelingen des Showdowns bei. Ihre pikante, pfeffrige Note eröffnet neue Geschmackswelten und bringt etwas Farbe ins Spiel.


Maple Glazed Ofengemüse mit Maronen, Speck, Burrata und Brunnenkresse

 

Zutaten:
(für 2 Personen)

300 g Kartoffeln (am besten verschiedene Sorten)
150 g Topinambur
2 Auberginen
1 Handvoll frische Maronen in Schale (alternativ bereits vorgekochte Maronen, vakuumiert)
4 EL Olivenöl
2 EL Ahornsirup
1 Bund Brunnenkresse (alternativ oder zusätzlich Kerbel, frisches Selleriegrün, Basilikum)
1 Bio-Orange
1 EL Akazienhonig
1 TL grobkörniger Senf
6 Walnusskerne
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Kugel Burrata

 

Zubereitung:

1. Den Ofen auf 200 °C vorheizen. Die Kartoffeln und Topinambur gut abbürsten und samt der Schale halbieren (wer die Schale nicht mitessen mag, schält die Knollen vorher). Die Auberginen in Stücke schneiden. Die Maronen kreuzweise einritzen.

2. Das Gemüse sowie die Maronen samt Schale auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben, dabei die Kartoffelhälften mit der runden Seite nach unten legen, damit sie gleichmäßig garen und von allen Seiten schön knusprig werden. Mit 3 EL des Olivenöls und dem Ahornsirup beträufeln und alles gut miteinander vermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

3. Das Blech in den Ofen schieben und das Gemüse ca. 30-40 Minuten im heißen Ofen garen, bis die Kartoffeln schön gebräunt und Auberginen und Topinambur weich sind. Die Maronen aus dem Ofen nehmen, abkühlen lassen und aus der Schale holen. Wieder zum Gemüse geben.

4. Währendessen die Brunnenkresse waschen und verlesen. Die Walnusskerne aus der Schale lösen und ca. 5-7 Minuten vor Ende der Garzeit über das Gemüse streuen. Mitrösten.

5. Die Orange heiß waschen und abtrocknen, die Schale fein abreiben, den Saft auspressen. Saft mit Salz, Pfeffer, Akazienhonig und Senf vermischen. Das restliche Öl unterschlagen. Die Burrata abtropfen lassen und in mundgerechte Stücke zupfen.

6. Das Gemüse aus dem Ofen holen und noch warm mit dem Dressing mischen. Auf Teller verteilen, mit Burrata und Brunnenkresse bestreuen und sofort servieren.

 

3 Kommentare zu “Die Knolle ihres Lebens: Maple Glazed Ofengemüse mit Maronen, Speck, Burrata und Brunnenkresse”

  1. Rita

    Liebe Sophie ,
    Das ist sehr nach meinem Geschmack! Und sieht toll aus, super in Szene gesetzt!

    Aaaber: hier ist wirklich kulinarische Wüste! Brunnenkresse, keine Chance! Seit Jahren nicht!
    Burrata= ca. 25 km, mit Glück
    Maronen = vorbestellen
    Topinambur= Suchspiel der Woche!

    Es ist ein Graus , aber ich werde alles versuchen, es juckt im Gaumen!

    Liebste Grüße

    Rita

  2. Claus

    Mit ein bisschen Improvisation geht alles…

  3. Miriam

    Oh, das klingt sososo lecker! :) Ein richtig tolles Herbstrezept! Blaue Kartoffeln liebe ich sehr und die Farbe ist ja auch der Knaller. Wann gibt es nochmal Maronen? ;) Kann es kaum abwarten, dein Rezept auszuprobieren, liebe Sophie! Miriam


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