Jahresrückblicke machen mich dann doch nostalgisch. Auf einmal werde ich peinlich emotional und sehe (im Champagnerdelirium natürlich) sepiagefärbte Erinnerungswölkchen an mir vorüberziehen. Ach, da war so manches Highlight dabei im vergangenen Jahr, vom berauschend guten Etxebarri-Degustationsmenü in illustrer Runde über den Bergsteigerratsch mit Otto Koch bis hin zur ersten eigenen Foodfotoausstellung im Rahmen unseres Food Festivals. Gut, nicht alle meine Lieblingsmomente hatten mit Essen zu tun, aber wenn ich so auf meine Hüften schiele, dann sind es augenscheinlich doch recht viele gewesen. Der Rest drehte sich um die kleinen, feinen Glücksmomente, die einem das Leben so unerwartet vor die Füße wirft. Meine Direktive für 2013 war der Resetknopf.

Ich wollte:

(1) Nochmal von vorne anfangen.
(2) Zur Ruhe kommen, mich treiben lassen.
(3) Die Ärmel hochkrempeln.
(4) Geniessen.

Während ich mit Letzterem meinst keine größeren Probleme habe, hatte ich an den anderen Fronten durchaus zu kämpfen. Nr. (3) zum Beispiel. Bedauerlicherweise gehöre ich zu den Menschen, die viel zu viele Dinge auf einmal anpacken und dann wegen Rückenpein und Geisteswust einen Teil der Projekte auf halber Strecke liegen lassen (müssen). 2012 fiel nach zähem Ringen der Blog zum Opfer, auf einmal war der Ofen aus. Das Feuer wieder anzuzünden und zurück zur alten Form zu finden, war der eine, der große Vorsatz für 2013. Hat nur halb geklappt, der Relaunch ist immer noch nicht vollzogen. Aber immerhin: Ich bin wieder zurück.

Wer in den vergangenen Monaten ein bisschen mitgelesen hat, konnte zusehen, wie hier nach und nach wieder Einträge sprossen und Ideen keimten. Es hat mich ein bisschen Kraft gekostet, am Dornröschenschlaf zu rütteln, aber nachdem der erste Artikel ausgespuckt war, lief die Maschine wieder. Ich fahre allerdings nicht mehr im fünften Gang, genehmige mir regelmäßige Boxenstops und sorge dafür, dass das Getriebe stets gut geschmiert ist. Manchmal hilft Riesling. Meistens Musik. Und fast immer ein neu entdecktes Lieblingsrezept.

 

 

Apropos Musik. Die war 2013 ziemlich präsent und hat mich vom Sommer über den Herbst bis in den Winter getragen. Obwohl mit meinem Wegzug aus München und dem neuen Leben in der Provinz nicht mehr die gewohnte Dichte an Konzertbesuchen möglich war, sprudelten die Klangmomente nur so: auf Festivals, in my ears, in my heart. Seit September ist da außerdem jemand an meiner Seite, der diese Leidenschaft nicht nur teilt, sondern auch beflügelt. Das ist verdammt schön. Musik ist für mich wie gutes Essen – sie nährt mich jeden Tag.

Und sonst so? Punkt (2) ging eindeutig auf, und das, obwohl ich ziemlich viel unterwegs war. Selten habe ich so die Zügel schießen lassen wie dieses Jahr, und selten eine so positive Ernte dabei eingefahren. Meine Wege waren (und hey: sind!) gesäumt von besonderen Menschen und inspirierenden Begegnungen, ich hatte das volle Programm mit durchtanzten Nächten, Gin&Tonic-getränkten Kopfschmerzen und Mit-mir-Selbst-Sein auf dem Balkon, dazwischen Synapsenkonfetti mit Schlagsahne und Malerfarbe zwischen den Zehen und auch das: den ein oder anderen beruflichen Glücksmoment. Ja, die Sterne standen ganz gut im letzten Jahr, vielleicht auch, weil ich nicht mit Vorsatz danach gegriffen habe. Vetrauen haben, loslassen: Irgendwie klappte das 2013 besser als sonst.

Vielleicht bin ich ein bisschen zu wenig gereist, oder sagen wir, nicht weit genug. 2013 war das Jahr der Kurztrips, ein wirklicher Urlaub war einfach nicht drin. Was daran gelegen haben könnte, dass ich viel zu sehr mit meinem neuen Leben beschäftigt war. Punkt (1). Achja. Da war doch noch was.
Wie wäre 2013 wohl verlaufen, wenn ich mich gegen den Neustart entschieden hätte und in München geblieben wäre? Ich weiss es natürlich nicht, aber sicherlich: anders. Ich hätte mir Punkt (2) niemals leisten können, für Punkt (3) wäre keine Kraft mehr gewesen und Punkt (4) wäre nach und nach im Sorgenstrudel untergegangen. Erneut die Kisten zu packen, den Job vor den Wohnort zu stellen, mit Vollkaracho ins Unbekannte zu brausen: Es hätte auch schief gehen können. Tat es aber nicht. Nicht alles ist super, aber vieles. Unterm Strich kann ich sagen: Alles richtig gemacht.

Jetzt fehlt quasi nur noch ein Tropfen, um das Pathosfass vollzumachen. Wie wäre es mit einem Zitat? Meike Winnemuth, die Journalistin, die die halbe Million bei Günter Jauch gewonnen hat, ist zwar nicht Arthur Schopenhauer oder Mahatma Gandhi, aber ihre Worte treffen meine Gefühle oft auf den Punkt. Zum Beispiel diese hier: „Morgen ist alles besser, denn dafür kann man sorgen. Es sei denn, man ist so blöd, lieber das bekannte Unglück als das unbekannte Glück zu wählen.“
(Ich lass das jetzt mal so stehen.)

Und das Lieblingsrezept, das mich immer wieder glücklich gemacht hat? Davon gab es 2013 eine Menge. Eines davon ist dieser Kürbisflan, den ich ziemlich oft gegessen habe: Zum Steak, zu gegrillten Frühlingszwiebeln, mit confierten Tomaten und hauchdünn darüber gehobelten Parmesanspänen. Und manchmal auch nur mit ein bisschen Vanillesalz bestreut.
Wie gesagt: Punkt (4) war noch nie das Problem.

 

Kürbisflan
 mit Vanillesalz

Zutaten

  • 500 g Kürbisfleisch (vorzugsweise Hokkaido oder Muskatkürbis), ohne Schale und Kerne gewogen
  • 50 g Butter
  • 3 EL Mehl
  • 250 ml warme Milch,
  • ½ TL Salz
  • weisser Pfeffer
  • 2 – 3 TL Zucker
  • 3 Eier, leicht verquirlt
  • Butter und Mehl für die Form
    etwas Vanillesalz

Zubereitung

1. Das Kürbisfleisch grob hacken, Schale und Kerne entfernen (die 500 g sind auf das reine Fruchtfleisch bezogen). Den Kürbis in einem Topf mit etwas Wasser (ca. 125 ml steht im Rezept, ich mache das Pi mal Daumen) bedeckt bei geschlossenem Deckel ca. 20-30 Minuten dünsten, bis er weich ist und die Flüssigkeit vollständig verdampft ist.

2. Die Butter in einem kleinen Topf erlassen. Das Mehl zur Butter geben und für ein paar Minuten kräftig rühren. Dann die Milch portionsweise unter die Mehl-Butter-Mischung rühren und für 8-10 Minuten zu einer sämigen Béchamel schlagen. Die Sauce sollte die Konsistenz von Zabaione haben.

3. Den Kürbis in ein hohes Gefäß geben und mit dem Zauberstab zu einem samtigen Püree pürieren. Mit Salz und Pfeffer, würzen, dann mit einem Schneebesen behutsam die Béchamel und das Ei untermischen. Nochmals abschmecken, evtl. etwas Zucker und Muskatnuss hinzufügen, und wer es würziger mag, kann auch etwas geriebenen Parmesan unterheben.

4. Kleine Souffleeförmchen fetten und mit etwas Mehl bestäuben. Die Flanmasse in die Förmchen füllen und im vorgeheizten Ofen bei 180°C für ca. 45 Minuten lang backen, bis die Oberfläche schön gebräunt und die Masse leicht gestockt ist (Stüöckchenprobe).

5. Die Förmchen aus dem Ofen holen, kurz abkühlen lassen und auf Teller stürzen. Die Flans wieder umdrehen, mit Vanillesalz bestreuen und heiß oder lauwarm servieren.

 

2 Kommentare zu “Die Sterne stehen günstig: Kürbisflan mit Vanillesalz und Nostalgiesauce”

  1. Maja // moeyskitchen

    Ein wunderbarer Text und Rückblick!
    Ich freu mich riesig, dich im vergangenen Jahr kennen gelernt zu haben und hoffe, dass wir uns auch in diesem Jahr wieder häufiger sehen.
    Und bring doch bei der Gelegenheit mal so einen Flan mit ;-)

    Viele Grüße,
    Maja

  2. Julia

    Schön, dass Du wieder da bist. In meiner Blogroll warst Du jedenfalls die ganze Zeit verlinkt :) Und, ja, als Rheingauerin kann ich bestätigen: Manchmal hilft Riesling. Oder auch Chianti. Oder Champagner… Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr!


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