Am Wochenende das erste graue Haar entdeckt.
Verdacht verdrängt.
Dann das Eingeständnis:

Ich glaube, ich werde alt.

Zwar kann ich trotz mehrwöchiger Sportabstinenz immer noch spontan die Laufschuhe schnüren und in einen einstündigen Galopp verfallen. Auch schlammige Festivals, durchgearbeitete Wochenenden und durchtanzte Nächte steckt mein Körper bislang noch ganz passabel weg. Pizza quattro formaggi nachts um 2 Uhr allerdings…..

Abseits von solchen Extrembelastungen tun sich die wahren Abgründe auf: Es scheint eher der Alltag zu sein, der an meiner Jugend schmirgelt.

Da ist zum Beispiel diese peinliche Wetterfühligkeit. Ein kleiner, harmloser Wechsel von Sonne auf Hagel macht mich im Nu zum Aspirin-Junkie mit Karl-Dahl-Visage. Tüte über’n Kopf ziehen wäre die beste Lösung, auch für die sogenannten „schwierigen“ Tage und – genial! – ebenfalls an bad hair-days.
Oder aber ich bleibe gleich im Bett und lasse mir vom Haus-Italiener Suppe vor die Tür stellen. Decke über’n Kopf, ausstrecken, umdrehen, weiterträumen, siebenundvierzigeinhalb Stunden schlafen. Embryonale Passivität.

Nervig ist zur Zeit auch der schleichende Verfall meiner Sehkraft, nur bin ich natürlich viel zu eitel für eine Brille. Lieber starre ich tränenden Auges und mit rutschenden Linsen auf den Bildschirm, bis mir ganz schummrig ist und ich wie ein Brummkreisel nach Hause wanke.

Irgendwie hab ich mir das anders vorgestellt.

Neuer Beschluss: Lieber sorgsam kochen als in Sorgen köcheln – Möhrchen für die Augen, Linsen für die grauen Zellen, Knoblauch fürs Immunsystem. Schmeckt überraschend lecker, diese kulinarische Altersvorsorge!

Wer keine Möhren/Karotten im Hummus mag, lässt sie weg oder ersetzt sie durch etwas Avocado (auch super, erinnert farblich allerdings an Couperose-Crème). Das Rezept für das Linsenmousse habe ich um Sumach und Thymian ergänzt – beides passt perfekt zum nussigen Aroma der Puy-Linsen.

Linsenmousse und Möhren-Hummus mit Knoblauchtoast

Zutaten

  • Für die Toasts:
    1 Knolle Knoblauch
    Olivenöl
    1 Prise Salz
    2 Körnerbrötchen

    Für die Linsenmousse:
    180 g grüne Puy-Linsen, abgespült und abgetropft
    4 getrocknete Tomaten in Olivenöl
    2 EL fein geschnittene Petersilie (mag ich nicht, daher: Basilikum)
    1/2 TL Sumach
    1 EL Zitronensaft
    Salz, Pfeffer
    frischer Thymian, die Blättchen abgezupft

    Für das Möhren-Hummus:
    2 große Möhren, geschält und klein geschnitten
    2 EL Olivenöl
    1 Prise Salz
    1 Dose (400 g) Kichererbsen, abgetropft (oder die dementsprechende Menge über Nacht eingeweichter und aufgekochter Kichererbsen)
    1-2 EL Tahini (Sesammus)
    1 Msp. gemahlener Kardamom
    1 EL Zitronensaft

Zubereitung

1. Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Zehen von der Knoblauchknolle ablösen, mit Olivenöl beträufeln und lose in Alufolie verpacken. Dabei darauf auchten, dass die Folie gut verschlossen ist. In den Backofen legen und 30 Minuten garen, bis der Knoblauch weich ist.

2. In der Zwischenzeit die Linsen in einem Topf mit 500 ml kaltem Wasser bedecken und aufkochen lassen. Die Wärmezufuhr anschließend verringern und die Linsen etwa 30 Minuten köcheln lassen, bis sie das Wasser vollständig aufgesogen haben. Dabei gelegentlich umrühren.

3. Die weich gegarten Knoblauchzehen über einer Schüssel aus den Schalen presse, mit einer Gabel zerdrücken und mit etwas Salz und Olivenöl vermengen. Die Brötchen in 5 mm dicke Scheiben schneiden und diese auf beiden Seiten mit der Knoblauchpaste bestreichen. Auf ein Backblech legen und einige Minuten im Backofen rösten, bis sie am Rand braun werden.

4. Die fertig gegarten Linsen mit 1 TL Knoblauchpaste, den getrockneten Tomaten und etwas von ihrem Öl, Petersilie und Zitronensaft im Mixer grob pürieren. Ist das Püree zu dick, je nach Geschmack mehr Öl und/oder Wasser hinzufügen (aber ganz ehrlich: mit Öl schmeckt’s natürlich besser!). Die Linsenmousse mit Salz, Pfeffer und Sumach abschmecken.

5. Für das Möhren-Hummus die Möhren in einem Topf mit Wasser bedecken. Olivenöl und Salz hinzufügen, aufkochen und etwa 8 Minuten köcheln lassen, bis die Möhren sehr weich sind. Das Wasser abgießen und die Möhren mit den Kichererbsen , dem Tahini, Kardamom, Zitronensaft und 1 Teelöffel Knoblauchpaste im Mixer pürieren.

6. Das Hummus kräftig pfeffern, Linsenmousse mit Sumach und Thymianblättchen bestreuen und alles mit den Knoblauchtoasts servieren.

Zubereitungszeit: 25 Minuten (plus Kochzeit: 75 Minuten)

Vegane Wonnen: ★★★★★

Quelle: Alice Hart, Gemüse satt! 140 vegetarische Lieblingsgerichte, DK Verlag.

5 Kommentare zu “Kulinarische Altersvorsorge: Linsenmousse mit Sumach / Möhren-Hummus / Knoblauchtoast”

  1. Nadja

    Bin ja froh, dass auch andere sich manchmal so fühlen, dachte immer, ich wär damit allein auf weiter Flur ;-) Klingt übrigesn sehr lecker und befindet sich schon auf der Nachkochliste, die, ja man muss es sagen, schon langsam kilometerlang ist :-) Herzlichen Gruß Nadja P.S. ich finde, wir sollten in Würde altern ;-)

  2. Milchmädchen

    Das Möhrchen ist ja mal herzig… :D!

  3. Lilly

    Och, ich kenn das auch. Ich streiche das graue Haar und erweiter um “Spätestens um 22 Uhr müde werden.” Dein Rezept ist aber super! Lässt man den Toast weg ist das auch gut für den Beginn der Kaubeschwerden/Zahnlosigkeit. Aber solange die Beisserchen noch gut funktionieren erfreue ich mich an der tollen Kombination aus weich und knusprig :)

  4. Sophie

    @Nadja: Aus meiner Nachkochliste könnte ich bald ein Buch binden lassen!Und nein, wir sind nicht allein ;-)
    @ Milchmädchen: Ich hab mich auch fast nicht getraut, es zu essen :-D
    @ Lilly: Hehe, ja da hast du Recht. Aber wenigstens Zahnprobleme hab ich noch nicht.

  5. Sybille

    Das ist ja mal köstlich, der Artikel und die Speisen. Die Brillenverweigerungsphase hab’ ich schon hinter mir, ohne gehts nicht mehr.
    Muss ich alles nachkochen trotz knackender Gelenke.
    LG


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