Auch wenn ich versuche, euch nicht mit “Nachgekocht”-Posts über Gebühr zu langweilen, hole ich mir gerne Inspiration von anderen Foodblogs (wo auch sonst?!) Und ich koche natürlich – wie wir alle – das ein oder andere nach. Ok, sagen wir, ich nehme mir vor, es nachzukochen. Denn mit dem Abbau des vielzitierten “Nachkochstapels” hapert es auch bei mir. Wenn ich ehrlich sein soll, das exzessive Lesen und Verfolgen der Ergüsse und Genüsse der Kollegen kann einem durchaus auch mal den Schweiß auf die Stirn treiben. Alles nachzukochen, was in der Blogosphäre gekocht wird, gleicht wohl dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.

Der Ablauf ist bei mir in der Regel dieser: Ich sehe irgendwo etwas wirklich unglaublich Leckeres, das grandios aussieht und mich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht völlig überfordern wird. Es kommt auf eine Liste, deren einzelne Punkte ich im Laufe der Woche sicherlich mehrmals auf eine neue Liste übertragen werde, weil ich nur einen Bruchteil davon abgehakt habe. Bei Listen, die mit Essen zu tun haben (es gibt noch unzählige andere!), kann es auch damit zu tun haben, dass das ein oder andere Lebensmittel inzwischen weggeschimmelt ist und ich umdisponieren muss.

Wo war ich? Achso, die Liste. Nachkochen. Will ich ja. Schaffe es aber oft erst lange Zeit, nachdem der “Kollege” das Rezept gepostet hat. So ich es denn schaffe. An Tag 1 habe ich die Zutaten dafür nicht im Haus, an Tag 2 müssen die sich im Kühlschrank befindlichen Zutaten weggekocht werden (verderblich, siehe oben), ebenso an Tag 3 und Tag 4. An Tag 5 habe ich keine Zeit für großartige Kochaktionen, an Tag 6 keine Lust, an Tag 7 bin ich zum Essen eingeladen….. und an Tag 8 habe ich schon wieder vergessen, dass ich was nachkochen wollte.

Manchmal kommt es vor, dass an Tag 29 der Zettel mit der “To-Cook”-Liste wieder auftaucht, irgendwo aus den Untiefen der Hand- oder Jackentasche hervorgezogen. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit ist dann die Saison für die Grundzutat vorbei oder es warten schon wieder unzählige neue Gerichte, die nachgekocht werden wollen/sollen.

In diesem Fall traf das alles jedoch NICHT zu. Selten war ich so spontan wie hier. Gegen Abend kurz bei Robert auf den Blog gelinst, den Parmesanschaum erspäht, Hunger bekommen, sich der frischen Ravioli im Kühlschrank erinnert, für die ich am Tag vorher keinen Saucengeistesblitz zustande gebracht hatte, schnell die Zutatenliste durchgegangen, habich, habich, habich, go!

Die Frage war allerdings, ob in ausreichender Menge – das Parmesanstück sah mir doch etwas mickrig aus.  Eigentlich bin ich ja eher eine aus-dem-Handgelenk-Köchin, die Grammangaben wenig kümmern und die ihre Rezepte gern als eine “man-nehme-eine-Hand-voll…”-Zitatenliste verfasst. Seit einer verunglückten Aktion mit Spitzkohl und etwas zu viel Salz bin ich allerdings traumatisiert, so dass ich mich seitdem in Disziplin übe und des Öfteren die Küchenwaage hervorziehe.

Und ob ihr’s glaubt oder nicht: Es waren auf den Punkt genau 50 g Parmesan.

Um dann doch noch eine eigene Nuance und etwas Farbe mit ins Spiel zu bringen, gab es zu Roberts wirklich göttlichem Parmesanschaum noch ein zweites, ein grünes Schäumchen aus Spinat.
Zu später Stunde, mit Eigelb (nicht mit Lecithin) und angeschlagener Gesundheit fabriziert – aber was für ein Genuss!!!!!

Das Rezept für den Parmesanschaum findet ihr bei Robert, der endlich in die wohlverdiente Sommerpause geht.
Und das für den Spinatschaum bei mir.

Spinatschaum

Zutaten

  • frischer Blattspinat (Menge nach Belieben und Mitesser)
    ein kleiner Schluck Weißwein
    1/2 Knoblauchzehe
    Salz, Pfeffer, Muskat, Piment d’Espelette (oder Chiliflocken)
    etwas getrocknete Kräuter der Provence
    1 EL Créme fraîche

Zubereitung

1. Den Blattspinat gut waschen und die Stiele abknipsen, blanchieren.

2. In ein hohes Gefäß geben, den Weißwein dazu, den gehackten Knoblauch sowie die Gewürze. Mit dem Zauberstab gut pürieren, bis eine homogene, feinflüssige Masse entstanden ist.

3. Die Spinatmischung nun durch ein feines Sieb drücken, dabei den Spinatsaft auffangen (das, was im Sieb bleibt, kann weg). Jetzt die Crème fraîche zugeben und alles hochtourig mixen. Wer mag, kann auch hier noch ein Eigelb unterziehen oder mit Lecithin zaubern.

4. Zum Parmesanschaum vorsichtig mit einem Löffel etwas grünen Spinatschaum über die Ravioli träufeln.

Zubereitungszeit: 15 Minuten (nur der Spinatschaum!)

Zusammen mit Roberts Parmesanschaum: ★★★★★

13 Kommentare zu “Kochen nach Robert oder: Ravioli mit Dualschaum”

  1. Evi

    Die Nachkocherei… Ich kenne das. ;) Zur besseren Organisation habe ich mir bei meinem delicious den tag “nachkochen” als Feed direkt auf meine “to do”-Seite gepackt. http://www.kyche.de/pages/todo.html
    Vorher waren es Sternchen in meinem Feedreader, die ich nie wieder gefunden habe. ;) Sieh dir mal delicious (oder einen anderen social bookmarks service) an, ich benutz das nun schon ein paar Jahre für meine Bookmarks und finds genial.

  2. nata

    Och, ich habe mir ja auch eine öffentliche Nachkochseite angelegt. Aber dadurch arbeite ich die einzelnen Rezepte auch nicht schneller ab. Man sieht ja gleich wieder was Neues oder hat auf was ganz anderes Appetit…

    Diese Ravioli mit zweierlei Schaum sehen wirklich sehr verführerisch aus!

  3. Toni

    Der Dualschaum gefällt mir :). Das mit der Nachkochliste hab ich aufgegeben. Ich koch aus Foodblogs spontan nach oder stöber gegen Ende der Woche, um mich inspieren zu lassn. Dann wälz ich noch Kochbücher und meistens wird’s dann was ganz anderes.

  4. Schnick Schnack Schnuck

    Halt Stop, dieses Pudding an die Wand nageln solltest du hier unbedingt alsbald fotografisch festhalten!

  5. tobias kocht!

    Auch eine meiner Lieblings-Inspirationsquellen :)

  6. VIOLETTA

    Ich drucke die Rezepte immer sofort aus (auf violettes Papier) – lege sie in einen Korb und am Samstag, wenn es auf den Markt geht, wird schnell druchgeschaut und das Passende eingekauft.
    So alle paar Wochen, wird der lose Stapel auch durch entsorgen kleiner.

    VIOLETTA

  7. Christina

    Allein das Wort Nachkochstapel reißt doch jedem Foodblogger die Augen auf Kuhgröße auf, wenn er an seinen eigenen Berg denkt! ;-))
    Aber schön, wenn es dann doch ab und zu ein paar Rezepte auf den heimischen Tisch schaffen. Hier hat sich das auf jeden Fall gelohnt und mit deinem Ergänzungsschäumchen klingt das famos und sieht sehr chic aus.

  8. Christina

    Kuhaugengröße, meinte ich… das andere wäre aber auch nett anzusehen, tihihi.

  9. Sophie

    @ Evi: Wow, so gut organisiert bin ich nicht.Und anscheinend auch ziemlich von gestern. Bisher hab ich mich immer damit gebrüstet, dass man auch alles mit Zettel und Stift erledigen kann, aber vielleicht sollte ich mich endlich mal dem digitalen Zeitalter ergeben. Danke für den Tipp!
    @ Nata: Ja, die Nachkochseiten machen gerade überall Furore. Aber wie du schon sagtest: Von alleine kochen sich die Sachen so auch nicht. Würde aber auch keinen Spaß machen.
    @ Toni: Dafür aber was umso Leckreres (Leckereres?!).’
    @ SchnickSchnackSchnuck: Ok, ich geb mein Bestes und rühr schon mal den Pudding an… ;-)
    @ Tobias: Unser ALLER Referenzblog!
    @ Violetta: Ausdrucken ist auch meine Methode, mit auf den Markt nehmen ist eine klasse Idee.
    @ Christina: Hey, erholt zurück?! ;-) Kuhgröße hätten z.B. die Ravioli haben dürfen – der Teller war leider viel zu schnell leer.

  10. Isi

    Ich bekomme es mit dem Nachkochen auch nicht richtig hin…. leider… Deine schäume schauen aber sehr lecker aus. Roberts Parmesanschaum habe ich mir auch gemerkt.

  11. Evi

    Ach quatsch von gestern! ;) Es hat einfach jeder seine persönlichen Lieblingsmethoden. Kalender/Organizer im Netz oder aufm Fon geht bei mir z.B. gar nicht, sowas brauch ich unbedingt als Buch für die Handtasche. :) Nachkochstapel aus Papier fände ich hingegen für mich nicht durchführbar. ;)

  12. Hesting

    Sind Nudelteigtaschen nicht immer zu klein bzw. zu wenige? ;)

    Ich frage mich gerade, mit welchen Mittelchen man einen Milchpudding versetzen muß, damit er zum Nageln fest genug wird. Abgelaufener Mozzarella wird ja auch richtig hart.

    Meine analoge Nachkochliste (aka Kochkladde) steht im Bücherregal, damit sind die Zutatenlisten (zu) gut versteckt.

  13. lamiacucina

    bei Rezepten, die ich nachkochen will, schreib ich mir den Titel mit link auf die Quelle als neuen Entwurf. Das erspart mir, weitere Software zu erlernen.


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