Kennt ihr den? Was muss man sagen, wenn man mit 1,5 Promille von der Polizei aufgehalten wird? Is nicht schwer, man muss sich nur drei simple Wörter merken. Eishockey, Kanufahren und Wirsing: „Ei’s okay, kanufahr’n, wirsehn.“

Ein oller Familienwitz, der natürlich dann am lustigsten ist, wenn man selbst 1,5 Promille hat. Was ich natürlich noch lange NICHT hatte (Achtung Lokalkolorit:”I wo!”). Aber nach Wirsing war mir Sonntagmorgen dann doch nicht zumute. Der Appetit stellte sich erst zur späten Abendstunde wieder ein.

Natürlich weiss ich, dass man eine Fastenzeit in der Regel mit einem schnöden Apfel bricht. In diesem Fall aber, nach restalkoholbedingtem Nahrungsmittelentzug, fand ich es durchaus angebracht, mit diesen – mit Kalbshack und Wirsing gefüllten – Crespelle in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Das Originalrezept sieht zwar eine fleischlose Füllung vor, aber mein mineralienbankrotter Körper schrie laut und deutlich nach Salz und Fett (und das bei diesen Kopfschmerzen).
Bei der Zubereitung war ich zugegebenermaßen ein wenig langsamer als sonst, aber das tat dem Genuss letztlich keinen Abbruch.

Seltsamerweise hat es mir wirklich gut geschmeckt, obwohl Wirsing nicht unbedingt unter meinen persönlichen Gemüsesorten – Top 10 rangiert. Ich schiebe die Schuld wie immer gern auf andere: Einmal auf das seit Wochen eingemerkte Original-Rezept aus der Essen&Trinken 12/2010 und zum zweiten auf Christina und ihre Kohlsortenpropaganda. Und dann schmeckt es ja bekanntlich auch am besten, wenn der Hunger am größten ist.

Nach einer angebrachten Portion der italienischen Pfannkuchen nahm mein kurios flacher Bauch dann auch endlich wieder die gewohnte konvexe Form an. Puhh!!!

Würzige Crespelle mit Wirsing, Champignons und Kalbshack

Zutaten

  • Teig:
    125 g Weizenmehl (gesiebt)
    150 ml Milch
    50 ml Mineralwasser, Salz
    Muskat, 2 Eier (Kl.M)
    40 g Butter

    Füllung:
    4 große Wirsingblätter
    Salz
    200 g Champignons
    150 g Kalbshack
    4 EL Olivenöl
    Pfeffer
    100 g Schalotten, 1 Knoblauchzehe
    20 g Basilikum (ersetzbar durch andere Kräuter)
    1 TL Tomatenmark
    1 Dose geschälte Tomaten (400 g)
    Zucker
    50 g Parmesan (fein gerieben)
    100 ml Gemüsefond

Zubereitung

1. Mehl in einer Schüssel mit Milch und Mineralwasser kräftig verrühren, mit Salz und Muskat würzen. Eier unterrühren. Teig durch ein feines Sieb in eine Schüssel gießen. 20 g Butter in einem Topf zerlassen und unter den Teig rühren. Den Teig mind. 30 Minuten quellen lassen.

2. Die Wirsingblätter putzen, den mittleren harten Strunk entfernen. Wirsing in kochendem Salzwasser 3-4 Minuten garen, in ein Sieb gießen, abschrecken und abtropfen lassen. 2 Blätter in feine Stücke schneiden, 2 Blätter quer halbieren. Stiele von den Champignons abschneiden, die Köpfe blättrig schneiden. 1 EL Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Pilze darin bei starker Hitze ca. 1 Minute braten, dann das Kalbshack zugeben und unter Rühren krümelig anbraten. Salzen und Pfeffern und in einem Sieb gut abtropfen lassen.

3. Schalotten fein würfeln. Knoblauch leicht andrücken. Basilikumblätter abzupfen und fein hacken (nicht sehr authentisch, aber ebenfalls gut: Mangels Basilikum tat es auch frischer Estragon). Das restliche Öl (3 EL) in einem Topf erhitzen. Schalotten und Knoblauch darin bei mittlerer Hitze 2 Minuten andünsten. Tomatenmark unterrühren und 30 Sekunden mitrösten. Tomaten zugeben, mit Salz, Zucker und Pfeffer würzen und offen bei milder Hitze 20 Minuten sämig einkochen lassen. Eine Hälfte des Tomatensugos in eine Schüssel geben. Mit der Champignon-Kalbshack-Mischung, dem gewürfelten Wirsing, 40 g geriebenem Parmesan und dem Basilikum gut vermischen, evtl. nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den restlichen Sugo mit dem Fond einmal aufkochen, in eine leicht ausgebutterte Lasagne- oder Auflaufform füllen und glatt streichen.

4. Die restliche Butter (also 20 g) in einem Topf zerlassen. Etwas Butter in eine beschichtete Pfanne geben und aus dem Teig nacheinander 4 Pfannkuchen goldbraun braten. Abkühlen lassen. Auf jeden der Pfannkuchen ein halbiertes Wirsingblatt legen, die Füllung jeweils mittig darauf geben und die Pfannkuchen aufrollen. Die Crespelle nebeneinander in die Form legen, mit dem restlichen Parmesan bestreuen und im vorgeheizten Backofen auf der 2. Schiene von unten bei 170 ° C (Gas 1-2, Umluft ist hier nicht empfehlenswert) 20-22 Minuten goldbraun überbacken.

Zubereitungszeit: 40 Minuten (plus 30 Minuten Quellzeit plus 20 MInuten Schmorzeit!!!!)

Zum Reinlegen: 5 Sterne: ★★★★★

9 Kommentare zu “Kateressen: Crespelle mit Wirsing, Champignons und Kalbshack”

  1. queenofsoup

    das mag ich jetzt bitte sofort haben! auch wenn ichs natürlich “gefüllte palatschinken mit kohl” nennen würde. aber einen kleinen kater hätt ich anzubieten heute… ;)

  2. queenofsoup

    pardon: “gefüllte palatschinken mit schwammerln, faschiertem und kohl” natürlich. so viel zeit muss sein.

  3. georg

    Vor allem gilt mein Respekt dem, dass Du mit Nachwehen richtig mit Rezept gekocht hast. Ich würde einfach ein Wurstbrot essen, bzw. gar nicht an’s essen denken wollen.

  4. Eva

    Schönes Rezept, aber auch toll geschriebener Blogeintrag und im übrigen schließe ich mich dem Vorredner an: ich weiß auch nicht, ob ich ‘in dem Zustand’ gekocht hätte! :-)

  5. Juliane

    Auch mit 0,0 Promille würde ich das jetzt sehr gerne verspeisen! :-)

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  6. Christina

    Oh wow, das klingt echt saulecker! Und der nächste Kater kommt bestimmt … bald! Hihihi!

  7. Toni

    Also prinzipiell ein klasse Rezept. Aber wenn der Bauch davon konvex wird und man sich vorher einen Kater antrinken muss, muss ich da noch mal drüber nachdenken :o)

  8. Sophie

    @queensofsoup: Hört sich gleich um längen besser an!!
    @ Georg: Wollte ich anfangs ja auch nicht. Aber Strafe muss sein!
    @ Eva: Siehe oben. Und was tut man nicht alles für eine nette Geschichte ;-)
    @ Juliane: Das geht nicht! Unter zwei Gläsern kriegst du nichts von mir!!!
    @ Christina: Ich fürchte, du hast recht. ;-)
    @ Toni: Hm, jetzt wo du’s sagst…

  9. Susanne

    Hihi, der Witz gefällt mir!


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