Manchmal sind es die kleinen Dinge die zählen. So wie ein paar frische Morcheln auf knusprigem Blätterteig oder die warme Hand des Liebsten in meinem Nacken. Ich vergesse das hin und wieder, vor allem wenn am Horizont so große Pläne stehen. Dann bin ich leicht bis mittelschwer konfus. Und eine wahre Meisterin darin, mich in meinen Zielen zu verheddern.

Vielleicht lerne ich sie irgendwann noch, die Kunst der kleinen Schritte. Die der kleinen Häppchen habe ich längst für mich entdeckt. Es muss nicht immer das opulente Meisterwerk auf Traumschäumchen sein. Und wahre Größe zeigt sich nicht nur in atemberaubender Küchenakrobatik, sondern hin und wieder auch ganz schlicht in der leisen Harmonie der Einzelteile.

Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Start in den Mai – ich hoffe, ihr habt ihn auch so zauberhaft vertanzt wie wir!

 


Kartoffel-Morchel-Pizzette mit Wildkräutern und Vanille

Hauchdünne Kartoffelscheiben und knuspriger Dinkelblätterteig sind hier die Bühne, auf der sich die feinen Morcheln ordentlich in Szene setzen können, ein Hauch Vanille bringt Spannung ins Spiel. Beim Braten kann jeder entscheiden, ob er die würzigen Frühlingsboten lieber weichgeschmort oder knusprig gebraten mag. Dazu passen aromatische Wildkräuter wie Pimpinelle, Vogelmiere, Giersch und Co., man kann aber auch einfach frische Oreganoblättchen oder zarten Kerbel über die Pizette streuen.

Zutaten:

ca. 50 g frische Spitzmorcheln
1 EL Butter
4 Blätterteigplatten (Dinkel-/Vollkornblätterteig aus dem Bioladen)
etwas Mehl zum Arbeiten
2-3 kleine Kartoffeln, geschält und in hauchdünne Scheiben gehobelt
60 g Crème fraîche
1 Ei
1 Messerspitze Bourbonvanille (frisches Mark)
Salz, Pfeffer aus der Mühle
1 Hand voll frische (Wild-)Kräuter, z.B. Vogelmiere, Brennessel, Pimpinelle, Giersch oder andere

 

Zubereitung:

1. Die Blätterteigplatten auf einer bemehlten Arbeitsfläche auftauen lassen. Vorsichtig übereinander legen und mit dem Nudelholz dünn ausrollen. Mithilfe eines kleinen Wasserglases oder einer kleinen Schüssel Kreise von ca. 7-8 cm Durchmesser ausstechen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

2. Die Morcheln vorsichtig von grobem Dreck und Sand befreien, in Scheiben schneiden. In einer gusseisernen Pfanne etwas Butter zerlassen und die Morchelscheiben darin je nach gewünschter Konsistenz ca. 3-5 Minuten braten. Herausnehmen und kurz abkühlen lassen.

3. Den Ofen auf 180 °C vorheizen. Erst die Kartoffelscheiben, dann die Morchelstücke auf den Teigkreisen verteilen. Crème fraîche, Ei, Vanillemark, Salz und Pfeffer miteinander verquirlen und auf den Kartoffelpizzette verteilen. Im vorgeheizten Backofen ca. 15 min. goldbraun backen.

4. Die Kartoffelpizzette mit den Kräutern garnieren und warm, lauwarm oder kalt servieren.

 

 

2 Kommentare zu “Häppchenweise glücklich sein: Kartoffel-Morchel-Pizzette mit Wildkräutern und Vanille”

  1. Sandy @ Confiture de Vivre

    Du sprichst mir aus dem herzen – nicht umsonst ziert seit 2 Jahren Tinte meinen linken Unterarm – sérénité wurde auch mir nicht in die Wiege gelegt und oft will ich alles, gleich und vor allem perfekt. Dass das regelmäßig zu Konfusion, Enttäuschung und innerer Zerrissenheit führt, muss ich dir wahrscheinlich nicht erklären. In diesem Sinne könnten wir uns wirklich überlegen, ob wir nicht den “Club der kleinen Schritte” gründen, uns regelmäßige Aufgaben stellen, uns austauschen und wenn’s ganz Dicke kommt, gegenseitig trösten. ich würde ganz uneigennützig meine berufliche Kernkompetenz einbringen, ;-)
    Ich drücke dich, Sandy

  2. Juliane

    Ach… ich mag das manchmal Verschwurbelte, Verträumte, immer nach Perfektion Strebende an Dir! Und wenn dann sowas bei rauskommt – yeah!
    Liebe Grüße!


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