Ohne Kirschen wäre die Welt mit Sicherheit ein kleines bisschen trauriger. Sie sind für mich der Inbegriff des Sommers, mehr noch als Erdbeeren, und in gewisser Weise auch die Verkörperung von Freiheit, Abenteuerlust und jugendlicher Unbeschwertheit.

Schließlich ist nichts vergleichbar mit der tollkühnen Jagd nach den dunkelroten Früchten, deren beste Exemplare natürlich hoch oben in den Zweigen hängen und die zu pflücken und zu erhaschen immer eine heiße Welle kindlichen Glücks auslöste – erst Recht nicht die mühselige Sammlertätigkeit, zu der man auf dem Erdbeerfeld verdonnert ist und die aufrecht gehende Menschen zu fleißigen Ameisen macht.

Als ich noch jung war (also in den wilden Siebzigern Achtzigern), gab es in so ziemlich jedem Garten meiner Freunde einen Kirschbaum. Damals kletterte man noch ohne Top Rope und Aufsichtsperson, wurde dafür aber mit einem dicken Kirschenbauch belohnt (was mit daran lag, dass man einen lauwarmen Liter Fanta auf die Kirschen gekippt hatte).

Das alles ist – wie gesagt – schon sehr lange her (dochdoch!). Längst bin ich vernünftig geworden, klettere nur noch gesichert, trinke keine Fanta mehr, und meine Kirschen (übrigens auch die Erdbeeren) haben leider andere gepflückt.

Im Zweifelsfall die Türken.

Denn auch dieses Jahr war leider weder ein Kirschbaum in Sicht noch Zeit zum Baumkraxeln noch das Wetter (und das Transportmittel) für eine Landpartie. Und weil die deutschen Kirschen nach Aussage meiner Marktfrau „heier weiche Hund san“, mussten für dieses lange aufgeschobene, aber unglaublich köstliche Gericht am Ende importierte Kirschen dran glauben.

So gut wie selbst gejagte schmecken sie natürlich nicht! Aber wenn ich die Augen schließe und einer dieser vom Himbeeressig leicht säuerlichen, aber durchaus eine Restsüße mitbringenden, warmen Kirschen nachschmecke, dazu das salzige, üppige Aroma der Entenbrust wirken lasse und einen kleinen Bissen zarten Babyspinats nachschiebe….

….. dann bin ich doch für einen kurzen Moment.. glücklich!

Spinat- (Mangold-) Salat mit Entenbrust und sautierten Kirschen

Zutaten

  • 2 kleine Entenbrüste
    1 EL Korianderkörner
    100 – 150 g Babyspinat und Babymangold
    1 EL Traubenkernöl
    200 g Kirschen
    2 EL Himbeeressig
    2 EL schwarzer Sesam
    Salz und Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

1. Den Ofen auf 200 °C vorheizen. Die Fettschicht der Entenbrüste bis zum Fleisch kreuzweise einschneiden.

2. Korianderkörner mörsern. Das Fleisch damit einreiben, mit Salz und Pfeffer würzen. Eine beschichtete Pfanne (oder einen Bräter) erhitzen, die Entenbrüste mit der Hautseite nach oben kurz scharf anbraten, dann mit der Fettseite nach oben in den Ofen stellen und dort ca. 15-20 Minuten brutzeln lassen. Aus dem Ofen nehmen, abkühlen lassen.

3. In der Zwischenzeit: Den Salat in kaltem Wasser waschen und trocken schleudern. Die Kirschen waschen, Stiele entfernen. Das Öl in einer Bratpfanne erhitzen, die Kirschen darin 3-5 Minuten sautieren. MIt Essig ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen und in der Pfanne abkühlen lassen (so ziehen sie noch schön im Essigsud nach). Sesam in einer Pfanne ohne Fett anrösten, beiseite stellen.

4. Die Entenbrust in dünne Scheiben schneiden und mit dem Salat anrichten. Kirschen über Salat und Entenbrust geben, etwas Sesam über den Salat streuen. Fertig!

Zubereitungszeit: 45 Minuten (all inkl.)

Ein großes Stück vom Kirschenglück!!: ★★★★★

5 Kommentare zu “Jäger vs. Sammler oder: Spinatsalat mit Entenbrust und sautierten Kirschen”

  1. Eline

    Wenn Kirschen dabei sind, mag ich sogar Entenbrust!

    Da teilen wir eindeutig eine Sommerliebe – schön erzählt!

  2. nata

    Bei uns, im Rheinland, waren die Kirschen in diesem Jahr super. Meine Eltern sind am laufenden Bend zum Bauern gefahren und haben mich großzügig mit knackig süßen Kirschen versorgt. Leider habe ich sie immer sofort verputzt, statt sowas Schönes daraus zu kochen wie Du. Dabei hätte mir dieses Essen ganz sicher sehr gut geschmeckt.

  3. Küchenschabe

    Ich hab im Garten meiner Oma immer gelbe Kirschen direkt vom Baum gegessen und glaube heute noch, dass die gelben vielviel besser sind als die roten – nur leider finde ich sie nirgends mehr zu kaufen.
    Tolles Rezept – wird nachgekocht (muss ich aber schnell sein, solange es noch Kirschen gibt)

  4. georg

    und die saure version davon auch zum guten bratenstück, oder im kirschmichel verbacken.
    heuer haben die erdbeeren geschmacklich komplett versagt, drum war das erscheinen der kirschen umso schöner.

  5. Till

    …..buttamigiulecigliege…erinnerst Du Dich figlia mia? Mit den Kirschen hast Du’s
    schon immer gehabt! Kaum 200 m entfernt von dem Kirschbaum, wohinauf Du
    vor ….(? Jahren) obige chiamata popolar gerufen hast sitzen wir und haben mit
    Vergnügen Dein Kirschenartikel gelesen. Gut gemacht!
    Pa & Ma


Schreibe einen Kommentar: