Vergangenen Herbst ging es hier ans Eingemachte, damals wurde eine fruchtige Hommage an den Senf geköchelt und für schlechte Zeiten eingeweckt. Allerdings schmeckt mir Fremd-Senf irgendwie doch besser als mein eigener, was daran liegen könnte, dass ich weder eine Senfmühle besitze noch eine dahingehende Expertise.

Eva Osterholz von Senf Pauli dagegen hat beides plus eine Extraportion Sprachwitz und gerade deshalb bin ich auch rettungslos ihrem mit indischem Curry verfeinerten Bananensenf verfallen. Meine erste Begegnung mit „Jospehine Baker in Bollywood“ liegt inzwischen gut eineinhalb Jahre zurück, damals wohnte ich noch mitten am Puls der Zeit in Hamburg-Eimsbüttel in der Nähe einer sicheren Bezugsquelle und konnte mir spontan Nachschub besorgen, wenn mal wieder ein komplettes Glas für eine Käseplatte draufgegangen war.

Gottseidank gibt es Indernäd und DHL und ein flächendeckendes Netz von Anlaufstellen, bei denen man Evas Produkte aus umweltbewusstem lokalem Idealismus käuflich erwerben kann.

Was man nicht käuflich erwerben kann, ist das Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man in eine fingerdick mit Senf bestrichene Käsevollkornstulle beißt. Oder aber in eine senfgetränkte Hirschfrikadelle…

… Marke Eigenbau, versteht sich!

Dafür lohnt es sich dann doch, wieder in Bayern zu leben, wo der liebe Hergott ja bekanntlich den Hirsch erfunden hat (oder war’s doch Schweden?). Ärgerlich nur, dass mir keiner der am Viktualienmarkt ansässigen Wildmetzger einen Hirsch durch den Fleischwolf drehen wollte. Musste mich schließlich belehren lassen, dass man das dank der neuen Hygienevorschriften für Lebensmittel „nimma mocha dearf“ – und meine Mutter um landkreiserjagtes, durchgedrehtes Hirschhack anbetteln.

Immerhin, es lohnt sich: Die würzigen Hirschmettbälllchen passen einfach unglaublich gut zum fruchtig-sämigen Bananensenf und holen ein bisschen Exotik in den wolkenverhangenen Montag Mittag.

Hirschmettbällchen mit Bananensenf und Portulak

Zutaten

  • 600 g Hirschhackfleisch
    2 Eier
    100 Haferflocken
    50 g Roggenmehl
    10 Wacholderbeeren, zerdrückt
    1 Zwiebel
    Bananensenf von SenfPauli
    frischer Portulak

Zubereitung

1. Fleisch, Eier, Haferflocken, Mehl und Wacholderbeeren in eine große Schüssel geben, alles gut mit den Händen verkneten. Die Zwiebel fein hacken und unter das Fleisch kneten. Die Masse mit Salz und Pfeffer (evtl. etwas Chili und Muskatnuss) würzen und im Kühlschrank 30 Minuten durchziehen lassen.

2. Ofen auf 180 °C vorheizen. Die Fleischmischung aus dem Kühlschrank nehmen. Mithilfe eines Löffels und den Händen 24 Bällchen formen. Rapsöl in einer großen Pfanne erhitzen und die Bällchen von allen Seiten goldbraun braten. In eine ofenfeste Form geben und die letzten 20 Minuten backen. Fleischbällchen mit Portulak und „Josephine Baker in Bollywood“ oder einer anderen Senf-Schnabuliererei servieren.

Dazu passt: Ein frischer Salat, dampfende Pellkartoffeln oder knusprige Kartoffelecken.

Zubereitungszeit: 40 Minuten

Jung&Wild: ★★★★★

8 Kommentare zu “Ich glaub mich knutscht ein Hirsch: Schwedische Wildmettbällchen mit indischem Bananensenf”

  1. Carola

    Bananensenf klingt lecker. Hast du den aus Hamburg nach München importiert? Wir haben hier gerade einen bayerischen grobkörnigen Senf mit Riesling. Bin mir noch nicht sicher, ob ich ihn gut finden soll oder nicht… Toller Blog und Gruß aus Hamburg

  2. nata

    Wahrscheinlich hätte ich mich nicht getraut, den Hirsch zu verklopsen. Wenn ich hier heimischen Hirsch kaufe, dann ist der so teuer, dass es mir wie Übermut vorkäme, ihn in den Wolf zu stopfen. Außerdem ist das Fleisch so unglaublich mager, dass ich sowieso immer fürchte, es könnte trocken werden. – Aber, wenn ich das so sehe, könnte ich es glatt mal versuchen.

  3. Bella

    Mir gehts ähnlich, ich hätte vermutlich auch Hemmungen, Hirschfleisch zu Hack zu verarbeiten. Aber es geht bestimmt auch ersatzweise mit Rind? So zur Not?
    Der Bananensenf reizt mich sehr!
    LG

  4. Sophie

    @ Carola: Es gibt doch Bestellservice, ich lasse schicken ;-) Musste wirklich unbedingt mal testen, du sitzt ja quasi direkt an der Quelle. Danke für die Blumen.
    @ nata: Hab ja auch nicht selbst geklopst, das war schon so. Dann: War es eine milde Gabe meiner Mutter, der Kostenpunkt entfällt also. Und: Trocken war’n se nicht, aber unglaublich gut.
    @ Bella: Wo ist das Problem mit Hirsch (außer der Beschaffung)? ;-) Das ist ein ORIGINOOOOL-REZEPT aus Schweden, und mit Rinderhack schmecken die Boller sicherlich gut, aber eben nicht mehr typisch skandinavisch.

  5. Carola

    Werde ich auf jeden Fall machen. Meinst du, der passt auch zu Weißwurst? :-)

  6. Foodfreak

    ganz toll in Szene gesetzt, gefällt mir gut, nur für das Roggenmehl muss ich mir noch ne glutenfreie Idee einfallen lassen, dann bau ich das nach. Der Hirsch wär mir aber auch zu kostbar dafür, vielleicht kriege ich ja irgendwo Rentier oder Elch :)

  7. Julia

    Das gefällt mir gut. Und ist mir als schwedisches Bällchen tausendmal lieber als die elenden sahnigen Köttbullar, die ich seit einem längeren Skandinavien-Uni-Aufenthalt nicht mehr sehen mag. Senf habe ich auch mal selber gemacht und war sehr enttäuscht. Es gibt so feine Senf-Manufakturen (ABB Mostert in D’dorf oder den Frankfurter Senfladen uvm.) Bananensenf kann ich mir zum Hirsch sehr gut vorstellen. Mal sehen, in welchen Mengen Deine Quelle liefert :)

  8. Julia

    Ha! Den Senf gibt’s sogar im hessischen Schöneck, wo meine Eltern wohnen. Hurrah! Dann probier ich den mal aus :)


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