Seit ich mich am Freitag in der aktuellen Ausgabe der Shape als fleischlose Pflanze wieder entdeckt habe, ist mein Appetit auf Gegrilltes unerträglich groß. Gegrilltes Fleischliches, um genauer zu sein. Schöne Röstaromen, Schenkel, die man abnagen kann, etwas zum lustvollen Kauen und Nachschwelgen. Hmmm! Ich hoffe, jetzt nicht allen vegetarischen Lesern auf die Füße getreten zu sein, aber das ist nun mal die einzig richtige Wahrheit. Auch wenn die nette Redakteurin mich – neben Yotam Ottolenghi, Nicole Just und Attila Hildmann (!!!) – zur kreativen Gemüseköchin gekrönt hat, habe ich auch noch eine andere, dunkle, fleischfressende Seite. In mir steckt nur zu 80% ein Vegetarier, die restlichen 20% fordern ihren verdienten Anteil Fleisch.

So kommt es, dass ich heute anstatt der geplanten veganen, gluten-und lactosefreien Möhren-Cashew-Suppe lieber gegrillte Wachteln anpreise, die sich auch ganz wunderbar in das Thema „Herannahender Frühling“ einordnen lassen. Ordnen ist hier sowieso gerade Thema Nummer eins. Ich ordne mein Leben, ordne meine sieben Sachen, packe zwei Jahre Göttingen, vor allem aber die Wohnung in Kartons und Koffer. Bereite den Neu-Start vor und suche übrigens noch immer, liebe Kölner, eine Wohnung in der schönen Domstadt. Bin gerade ein wenig zerstreut deswegen. Bisschen Ordnung auf dem Teller und etwas Handfestes für die Seele tut in solchen Zeiten besonders Not. 


Deswegen Wachteln. Gegrillte (oder gebratene) Wachteln auf cremiger Polenta, mit Borrettanezwiebeln, von Schmand umschmeichelten Stangenbohnen, dazu ein schöner knackiger Riesling und ein bisschen geröstetes Brot zum Auftunken der tomatigen Jus. Da hab’ ich jetzt Lust drauf. Das Wochenende war nun zwar nicht mehr so frühlingshaft wie sein Auftakt, aber was soll’s, die nächste Hoch- und Sonnenphase kommt ja wieder. Und auch im Ofen lassen sich Wachteln im Handumdrehen zubereiten, selbst wenn man schon so gut wie alles abgebaut und eingetütet hat.

P.S.: Das hier ist übrigens auch ein 1 A Hauptgericht für ein schönes Ostermenü.

P.P.S.: Esst am Ostermontag eine Wachtel für mich mit.

 


Gegrillte Wachteln mit cremiger Polenta, Borretanezwiebeln und Schmandbohnen

Zutaten:
(für 4 Personen)

Wachteln und Beize:
4 kleine Wachteln
1 TL Zucker
1 TL Salz
500 ml kaltes Wasser

Marinade:
2 EL Olivenöl
2 EL Rosmarinöl
abgeriebene Schale einer Zitrone
½ TL Meersalz
1 TL schwarzer Pfeffer, grob gemahlen
1 TL frische Thymianblätter, fein gehackt
½ TL rotes Chilipulver

Polenta:
ca. 300 g Maisgries
Wasser

Bohnen:
500 g Stangenbohnen
1 Becher Schmand
1 Spritzer weißer Aceto Balsamico
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
außerdem ein Glas eingelegte Borretanezwiebeln

Tomatenjus:
2 kleine Schalotten
3 EL Olivenöl
200 ml Geflügeljus
100 ml Rotwein
20 g Butter
8 EL Tomatenpassata


Zubereitung:

1. Die Wachteln:
in ca. 1/2 l kaltes Wasser mit je 1 TL Zucker und Salz legen und für mind. 2 Stunden in den Kühlschrank stellen. Die Salz-Zucker-Beize sorgt dafür, dass die Wachteln beim Grillen oder Braten saftig bleiben und nicht austrocknen. Aus der Beize nehmen, vorsichtig trocken tupfen. Aus den Olivenölen, der Zitronenschale, Salz und gemörserten Gewürzen eine Marinade anrühren und die Wachteln innen und außen damit einreiben. Für weitere 2 Stunden an einem kühlen Ort ruhen lassen. Vor dem Grillen nochmal von außen leicht einölen.

2. Für die Polenta:
Die Polenta nach Packungsanweisung gar kochen. Am besten schmeckt natürlich eine richtige Polenta aus Maisgries, die man im Kupfertopf zubereitet. Hier beträgt die Garzeit allerdings zwischen 45 Minuten und 1 Stunde, unter ständigem Rühren.
Man kann natürlich auch eine Instant-Polenta verwenden, die nur ca. 10 Minuten benötigt.

3. Für die Schmandbohnen:

Die Bohnen wachen, putzen und in sprudelnd kochendem Salzwasser ca. 3-4 Minuten blanchieren. Abgießen und kalt abbrausen. Trocken tupfen, dann zusammen mit dem Schmand, dem weißem Balsamessig, Salz und Pfeffer in einer großen Schüssel vermischen.

Bei den Borretanezwiebeln habe ich auf eingelegte Zwiebeln aus dem Glas zurückgegriffen (gibt es in gut sortierten Feinkostgeschäften).

4. Für die Sauce:
Die Schalotten schälen, fein hacken und im heißen Olivenöl anschwitzen. Geflügeljus und Rotwein zugeben und auf die Hälfte einreduzieren. Die Sauce durch ein Sieb abgießen, die kalte Butter einmontieren, dann die Tomatenpassata hinzufügen. Alles nochmals kurz aufkochen lassen.  

5. Grillen:
Die Wachteln aus der Marinade nehmen. Bei milder Hitze je nach Größe ca. 20-25 Minuten grillen, dabei häufig wenden. Für die Garprobe mal ein Bein drehen – löst es sich leicht (und ist das Fleisch zartrosa) sind die Wachteln fertig.

Die Wachteln vom Grill nehmen, zerlegen und zusammen mit Polenta, Bohnen, Borretanezwiebeln und Jus servieren.

2 Kommentare zu “Zwischen Umzugskartons und Fleischeslust: Gegrillte Wachteln mit cremiger Polenta, Borretanezwiebeln und Schmandbohnen”

  1. Cuisinedeprovence

    Wie Du es schaffst inmitten von Umzugsstress noch solche Köstlichkeiten zu zaubern nötigt mir grossen Respekt ab! Leider bin ich die Einzige in meiner Familie die Wachteln mag….
    Viel Glück mit der Wohnungssuche in meiner alten Heimatstadt Köln!

  2. Schmausepost vom 27. März | Schmausepost

    [...] Gegrillte Wach­teln mit cre­mi­ger Polenta: Sophie von Cucina Pic­cina lässt ihrer „ande­ren, dunk­len, fleisch­fres­sen­den Seite“ freien Lauf und ser­viert ein Rezept für gegrillte Wach­teln. Dazu gibt’s cre­mige Polenta, Bor­ret­ta­ne­zwie­beln und Schmand­boh­nen — „übri­gens auch ein 1a Haupt­ge­richt für ein schö­nes Oster­menü“. Cucina Pic­cina [...]


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