Für meine Nachbarn ist es Runde um Runde ein vernügliches Spektakel, für mich oft ein haarsträubender Balance-Akt mit Peinlichkeitsgefahr. Die Existenz als Foodbloggerin und -fotografin fällt bisweilen unter die Kategorie „most dangerous jobs in the world“ – und das nicht nur, was den (online wie offline) Ruf betrifft. Tatsächlich wäre ich beim Ablichten meiner kulinarischen Kreationen nicht nur einmal fast vom Balkon gekippt. Und auch so habe ich meist alle equipmentbeladenen Hände voll zu tun, um am Ende der ganzen Szenerie den Teller ins rechte Licht und die Dinge ins rechte Lot gerückt zu haben.

Ungeschlagen komisch und von meinem Laufpartner Knut immer wieder gern zum Besten gegeben ist zum Beispiel die Story, wie ich beim „Pilze knipsen“ (O-Ton) meine Hose verlor. Es war früher Herbst, die Steinpilzsaison in ihrer besten Phase und ich in voller Montur auf dem Balkon zu Gange. Dazu muss man wissen, dass dieser eine recht exponierte Lage hat. Auf der einen Seite erblickt man eine Reihe würdeloser Nachkriegsbauten , dann malerische Fachwerkhäuser, ein Atelier und schließlich Knut. Auf der anderen Seite erblickt man …. mich. An besagtem Abend auf einer weißen Holzleiter balancierend, mit ziemlich lässig sitzender Jogginghose und ziemlich unlässigem Gesichtsausdruck.

 


An dieser Stelle wird der Verlauf der Geschichte leicht ersichtlich, es musste so kommen wie es kommen muss. Denn das Naturgesetz besagt, dass, wenn man mit einer Hand den Reflektor stabilisiert und mit der anderen am Auslöser klebt, es nur noch schwer möglich ist, die in Zeitlupe Richtung Kniekehlen rutschende Buxe wieder hochzuziehen. Schwupps war sie unten, es folgte ein verschämter Griff zum Bund, nur ein Intermezzo, zwei, drei Sekunden vielleicht. Es reichte, um der Stadt die Farbe meines Schlüpfers zu offenbaren. Der zweite Blick in Richtung Nachbarshäuser offenbarte einen ebenso breitschultrigen wie breit grinsenden Knut.

Wir wurden dann gute Freunde und haben eine Saison lang unsere Laufrunden geteilt. Dass Knut keine Pilze mag, fand ich schade, ich hätte ihm gern unser Kennenlerngericht serviert. An meine Akrobatiknummern auf dem Balkon hat er sich im Übrigen längst gewöhnt, er winkt dann ganz dezent (und ich bin für fünf Sekunden wieder peinlich berührt). Gottseidank treten an seine Stelle immer mal wieder neue, stets leicht irritierte Nachbarn, vor denen ich formvollendet die Hosen runterlassen kann.

 

 

Gebratene Steinpilze mit Basilikumöl und Parmesan

Zutaten:

300 g Steinpilze
2 EL Olivenöl
1 EL Butter
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
80 g Parmesan

Für das Basilikumöl:
ca. 200 ml Olivenöl
1 großes Bund frisches Basilikum (ca. 1 großer Topf oder 1 großer Bund vom türkischen Lebensmittelmarkt)
Saft ½ Zitrone

 

Zubereitung:

1. Die Steinpilze mit Küchenkrepp und Pinsel vorsichtig säubern. Mit einem sehr scharfen, dünnen Messer in feine Scheiben schneiden.

2. Für das Basilikumöl das Olivenöl zusammen mit den Basilikumblättern sowie dem Zitronensaft in ein hohes Gefäß geben. Mit dem Zauberstab gut pürieren und aufmixen, bis eine sämige, schön grüne Vinaigrette entstanden ist. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken.

3. 2 EL Olivenöl sowie die Butter in einer gusseisernen Pfanne erhitzen und die Steinpilze darin von beiden Seiten ca. 4-5 Minuten scharf anbraten, bis sie gleichmäßig gebräunt sind.

4. Die Pilzscheiben auf die Teller verteilen. Mit dem Basilikumöl beträufeln und mit Parmesanhobeln bestreuen.

Ein Kommentar zu “Gebratene Steinpilze mit Basilikumöl und Parmesan oder wie man beim Foodshooting charmant die Hosen runterlässt”

  1. Denise

    Hahaha, was für eine Story :D Herrlich!
    Mir darf beim Fotografieren meiner Blog-Fotos auch niemand zusehen, Herzinfarktgefahr. Wackelnde Leitern, unbefestigte Tischplatten….aber so sind wir halt. Leben am Limit ;)
    Danach hat man sich so einen leckeren Teller allemal verdient.

    Liebe Grüße,
    Denise


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