Kann denn Grillen Sünde sein? Nicht, wenn man einen Garten hat. Aber wenn man auf dem französischen Balkon Auberginen, Frühlingszwiebeln und Lamm für Zwei brät und der nächste Balkon 5 Meter weiter beginnt, dann kann das schon mal unangenehm werden. Für die Nachbarn natürlich, nicht für uns.

Dabei lief es bisher recht gut mit mir und den “anderen”. Manchmal muss ich um Mitternacht im Pyjama eine Etage höher stapfen, weil der Bass von 50 Cent meinen Herzschlag Pingpong spielen lässt. Hin und wieder zerschneidet mir den Fersengang der Dame schräg gegenüber das Nervenkostüm. Aber das sind Lappalien, die man für ein höflich-anonymes Auskommen in Kauf nimmt.
Bloß kein’ Ärger! Liebe deinen Nächsten!

Wenn da nur nicht dieser überwältigende Appetit wäre. Was tut man nicht alles für ein saftiges, über Holzkohle gegrilltes Stück Fleisch!

Und überhaupt, was kann ich dafür, dass es an diesem Abend so windig war?


Garam Masala-Lamm mit Baby-Auberginen und Granatapfel-Rucola-(Frühlingszwiebel-Tomaten-) Salat

Zutaten:

Für das Lamm:
2 schöne große Lammlachse vom Metzger des Vertrauens
40 g frischer Ingwer
1 Knoblauchzehe
4 EL Sahnejoghurt oder alternativ 2 EL Crème légère & 2 EL Kefir
3 EL Tomatenmark
1 TL Harissa
3 EL Garam Masala (indische Gewürzmischung, gibt’s z.B. im Asialaden)
Saft einer Limette
Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker

Für das Gemüse:
6 Mini-Auberginen
6 Frühlingszwiebeln, nicht zu schlank
2 Fleischtomaten oder eine Hand voll rote Cherrytomaten
6 gelbe Cherrytomaten
1/2 Bund frischer Rucola
2 hellgrüne Paprika (in türkischen Lebensmittelläden heißen sie Dolma)
ein paar Blätter Minze
1/4 Granatapfel
2 EL Arganöl
3 EL Zitronensaft
Salz, Pfeffer, Agavendicksaft
1-2 TL Harissa


Zubereitung:

1. Für die Marinade den Ingwer schälen und fein reiben (geht gut mit der Zestenreibe). Knoblauch fein hacken. Den Joghurt (hatte ich seltsamerweise nicht im Haus, sonst blockieren diese dicken Becher immer unseren Minsen-Kühlschrank; die sehr gut funktionierende Alternative war eine Mischung aus Crème légère und Kefir, s.o.) mit Tomatenmark, Harissa, Garam Masala und Limettensaft verrühren. Knoblauch und Ingwer zugeben und die Marinade mit Salz, Pfeffer und 1 Prise Zucker abschmecken.

2. Die Lammlachse abspülen, trocken tupfen. In eine Schüssel geben, mit der Marinade bestreichen und abgedeckt im Kühlschrank mindestens 5-6 Stunden marinieren, am Besten aber über Nacht (sofern man ein Planungswunder ist).

3. Den Grill vorheizen. Das macht der Freund.
Dann kommt erstmal das junge Gemüse dran: Die Mini-Auberginen kommen im Ganzen auf den Holzkohlegrill, zusammen mit den Frühlingszwiebeln, bis sie rundherum braun und innen schön weich sind. Gewürzt wird später, das Aroma entfaltet sich auch so ganz fantastisch.

4. In der Zwischenzeit die Tomaten waschen, große Tomaten in Würfel schneiden, Cherrytomaten halbieren. Den Rucola waschen und trocken schleudern, etwas klein zupfen. Die grüne Paprika halbieren, das Weiße entfernen und in feine Streifen schneiden. Die Kerne aus dem Granatapfel drücken. Alle Zutaten in eine große Schüssel geben und gut durchmischen. Das Dressing (Arganöl+Zitronensaft+Agavendicksaft+Salz, Pfeffer – und wer es scharf mag: Harissa) erst kurz vor dem Servieren unterheben. Ganz zum Schluss die gegrillten Auberginen halbieren und die gegrillten Frühlingszwiebel in ca. 2-3 cm lange Stücke schneiden. Untermischen.

5. Die Lammlachse von jeder Seite ca. 4-5 Minuten grillen. Wer sie lieber durch mag, lässt sie 2-3 Minuten länger drauf. Wenn nicht gerade ein Nachbar böse rüberschaut!

Mit dem Granatapfel-Auberginensalat servieren.

7 Kommentare zu “Garam Masala-Lamm mit Baby-Auberginen und Granatapfel-Rucola-Salat”

  1. Isi

    Hast Du Ärger bekommen oder nur böse Blicke geerntet? Der Duft von Gegrilltem stört mich nicht, aber der Gestank des Grillanzünders ist bei unseren Nachbarn sehr lästig… (die können es aber irgendwie auch nicht :-) . Dein Essen schaut aber sehr lecker aus.

  2. tobias kocht!

    Ich habe auch gerade Lamm gezaubert. Sieht sehr fein aus, was du da gekocht hast.

  3. Suse

    Also bitte, so ein lecker gegrilltes Stückchen Fleisch kann doch wohl nie umd nimmer eine Art von Belästigung sein!!!
    Ich schätze mal eher, dass die Nachbarn einfach vom Neid getrieben waren und es nicht mehr aushalten konnten, weil sie so etwas leckeres niemals selbst hinbekommen würden.

  4. Hesting

    Du bist ja mutig. Ich habe meinem Drang, auch mal auf der Terrasse zu grillen, noch nicht nachgegeben, hauptsächlich deshalb, weil ich hier von den Nachbarn auch noch nichts entsprechendes gerochen habe. Denn laut Hausordnung dürfen wir nicht …
    Nachbarn, die um Mitternacht oder später noch laut die Treppe herunterstiefeln oder mit Türen schlagen, hätte ich auch zu bieten.

  5. Sophie

    @ Isi: Najaaaa, explizit Ärger gab es nicht, aber Blicke ja. Grill anzünden kann ich (!), aber trotzdem mache ich gerade Grillpause, als Zeichen meiner Kulanz.
    @ Tobias: Daran erkennt man den Gourmet ;-) Danke, hat auch fein geschmeckt.
    @ Suse: Ja, ich hab auch schon daran gedacht, das nächste Mal einen Probierteller rüberzureichen….
    @ Hesting: Nur wer wagt, gewinnt. Und Verbotenes macht doch doppelt Spaß. Aber natürlich hast du recht, allzu oft wird’s das nicht geben.

  6. Mike

    Ich stolpere gerade über einen Teelöffel Harissa. War das nicht ein wenig scharf? Mein Harissa ist so scharf, dass ich aus Liebe zu meinen Angehörigen über einen halben TL nicht hinaus würze. Habe das Blog gerade über La mia Cucina entdeckt, gefällt mir sehr gut.
    Wir habe in den letzten Wochen fast täglich gegrillt. Abstand zu den Nachbarhäusern ca. 200 Meter ;-)

  7. Cucina Piccina » Blog Archive » (Kreolisches) Aprikosen-Limetten-Hähnchen mit Mandeln

    [...] Garam-Masala-Marinade 1 Schluck Weißwein 2-3 frische Chilischoten 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten etwas fein gehacktes Koriandergrün 1 Hand voll Mandelblättchen, geröstet 2 TL Mascobado Vollrohrzucker [...]


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