Was geschah also mit den Orangen, nachdem sie ihrer köstlichen Schale beraubt waren? Ihr erinnert euch, die Orangetten in Zartbitterschokolade. Da bleibt durchaus eine beachtliche Menge an Orangenfruchtfleisch übrig, die man natürlich nicht alle selbst (oder zumindest nicht alle auf einmal) verspeisen kann. Die in Fahrt gekommene und zitrusfruchtinfizierte Küchenakrobatin macht sich also auf die Suche nach ihrem Kupfertopf und ran an die Marmelade. Aber weil sie noch nie in ihrem Leben Orangenmarmelade gekocht hat, sucht sie sich vorab ein Rezept. Und findet viele. Und schustert sich aus allen Varianten eines zusammen, das für sie und ihre süßen Früchtchen gerade richtig ist und sich stimmig anfühlt und in den Feierabend und die Wochenendplanung passt.

Meditativ – so überstrapaziert das Wort auch im Zusammenhang mit langwierigeren Küchenprozedere sein mag – meditativ also war auch diese Orangenverarbeitung, zumal das leise Blubbern zusammen mit dem sich allmählich in der Wohnung ausbreitenden Duft eine äußerst angenehme Abenduntermalung darstellt. Eigentlich, jetzt sag’ ich’s doch noch, mochte ich Orangenmarmelade vorher noch nicht mal besonders. Aber diese hier, bei Vollmond am heimischen Kupferkessel unter ständigem Rühren zu einer herrlich karamellnotenlastigen, samtig-dichten, genau perfekt klebrigen Konfitüre gebraut, die ist herrlich. Und gehört auf jedes Brötchen.

Und bereichert jetzt so lange jeden Morgen mein Frühstück, bis alle Gläser leer sind und die Lust auf eine neue Runde Marmeladenspektakel mich wieder piekst.

 

 

Blutorangenmarmelade

Zutaten:

1 kg Bio-Blutorangen (ca. 10 Stück)
1,5 l Wasser
1 kg Zucker
Saft einer Zitrone

Zubereitung:

1. Mit einem scharfen Küchenmesser jede Frucht viermal längs einritzen, als ob man sie vierteln wollte. Die Schale in vier Teilen abziehen (und z.B. für die Zubereitung von Orangetten verwenden). Die geschälten Orangen halbieren, das Innere mit einem V-Schnitt herausschneiden und die Kerne entfernen. Kerne, Abschnitte und einen kleinen Teil der Schalen (kleingeschnitten) in ein Gewürzsäckchen (alternativ in ein großes, gut verschließbares Teesieb) geben und dieses mit Küchengarn zuknoten. Dieser Schritt ist wichtig, damit die Marmelade später auch von alleine geliert.

2. Die Orangenhälften in sehr dünne Scheiben schneiden und diese noch einmal halbieren. Die Fruchtfleischviertel eine Schüssel geben und mit kaltem Wasser bedecken. Das Gewürzsäckchen in die Orangen-Wasser-Mischung legen. An einem kühlen Ort über Nacht stehen lassen.

3. Am nächsten Tag die Mischung in einen großen Kupfertopf füllen und den Stoffbeutel unter die Oberfläche drücken. Zucker und Zitronensaft hinzufügen und erhitzen, bis alles sprudelnd kocht. Leicht herunterschalten, bis die Mischung sanft köchelt. Den Stoffbeutel nach ca. 10 Minuten herausnehmen, abkühlen lassen, dann die Flüssigkeit gut in den Topf ausdrücken. Alles weiter köcheln lassen. Mit einer Schaumkelle den Schaum immer wieder von der Oberfläche abschöpfen, sonst wird die Marmelade wolkig.
Einen Teelöffel Marmelade auf einen Unterteller geben und diesen für ein paar Minuten in den Kühlschrank stellen. Stockt die Testportion, ist die Marmelade fertig, ist sie zu flüssig, muss sie noch weiter gekocht werden. Je nach Orangenqualität und -mischung kann dies bis zu zwei Stunden dauern. Am besten immer wieder mal eine Gelierprobe machen und die Mischung während des Köchelns hin und wieder gut umrühren.
 
4. Die fertige Marmelade in sterilisierte Schraub- oder Einmachgläser füllen und sofort verschließen.

Tipp: Zum Sterilisieren die Gläser ohne Deckel bei 180 °C 10 Minuten lang im Ofen backen und anschließend darin lassen, bis sie abgekühlt sind.

 

2 Kommentare zu “Frisch aus dem Kupferkessel: Homemade Blutorangenmarmelade (ohne Schale)”

  1. Krisi

    Yum, sieht das lecker aus=) Ich bin eigentlich auch kein Orangenmarmeladenfan, allerdings kenne ich es auch nur als Gelee und ich bin grundätzlich kein Fan von Gelees. Deine Marmelade sieht wirklich sehr lecker aus und Blutorangen sind meine Lieblinge unter den Zitrusfrüchten. Wie gerne würde ich ein bisschen probieren können, hihi;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  2. Wochenrückblick #103 - ÜberSee-MädchenÜberSee-Mädchen

    [...] mit Orange Curd. Auch Blutorangen haben gerade noch Saison, Sophias Rezept für Schalen und Fruchtfleisch klingen sooo yummy. Datteln waren für mich lange befremdlich, doch nach dem Foodbloggercamp landen [...]


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