Es gibt Kochbücher, aus denen ich fast 2/3 der Rezepte nachkoche (oder sagen wir nachkochen möchte), weil sie so fantastisch aussehen und so lecker klingen. Das Buch “Essen ist fertig!” von Jamie Oliver ist so eines. Gekauft in München, reiste es mit mir erst nach Leipzig, dann nach Florenz, und inzwischen ist es auch in Hamburg mit dabei.

Dabei sind die Rezepte eher simpel als raffiniert, so dass es für das ein oder andere Gericht nicht zwingend eine Anleitung bräuchte. Dennoch hab ich es gern im Bücherregal stehen, z.B. wenn ich eine unkreative Phase habe. In 80% der Fälle werde ich fündig oder habe die Zutaten im Haus.

Beim Marokkanischen Bohnensalat dagegen mangelte es stets an der elementaren Zutat: Den Bohnen eben. Semmelbrösel? Kein Problem. Kreuzkümmel, Minze, Joghurt? Alles da. Aber frische breite Bohnen? Die fand ich nie, nicht auf dem Markt und erst Recht nicht im Supermarkt.

Bis ich auf einem der letzten Marktbesuche in Leipzig auf frische Bohnenhülsen stieß. Sind das nicht….? Damit kann man doch …? Schwuppdiwupp landeten zwei gute Hand voll der Hülsen in meiner Einkaufstasche  – leider viel zu wenig, wie sich später herausstellte. Für den ersten Versuch reichte es aber – mehr Bohnenhülsen bedeuten nämlich auch mehr Arbeit.

So sah er bei mir nach ca. 1 Stunde “Gepfrimel” und Gepule aus:

Abgesehen von den miserablen Lichtverhältnissen (mit denen der arbeitende, abends kochende Foodblogger immer zu kämpfen hat), kann sich das Ergebnis doch sehen lassen…? Geschmeckt hat es jedenfalls sehr gut, beim nächsten Mal würde ich die Bohnen allerdings ein paar Minuten weniger kochen – bissfest waren sie bei mir leider nicht mehr. Gut, dass die knusprigen Semmelbrösel ein wenig Crunch in die Sache brachten.

Jamie empfiehlt dazu z.B. gegrilltes Huhn – ich habe ihn beim Wort genommen und zwei Drumsticks in einer Marinade aus Kurkuma, Cumin, Garam Masala, Bockshornklee und Olivenöl zusammen mit einer in Spalten geschnittenen Biozitrone ca. 2 Stunden ziehen lassen. Die brutzelten in der Grillpfanne, während ein paar Spitzpaprika im Ofen schmorten.

Das Tolle an dem Salat ist vor allem die unterschiedliche Konsistenz der einzelnen Zutaten. Die Bohnen sollten deshalb am Besten wachsweich sein. Zusammen mit den warmen, knusprigen Bröseln und der kalten, sauren Sahne wird aus den simplen Hülsenfrüchten ein phänomenales Essen.
Wirklich gut schmeckt der Salat natürlich mit frischen Dicken Bohnen. Die sind aber nur im Frühjahr zu bekommen, deshalb kann man zur Not auch auf eingefrorene Bohnen zurückgreifen, die es in gut sortierten türkischen/arabischen Lebensmittelläden zu kaufen gibt.


Die frischen Bohnenkerne machen außerdem ein bisschen Mühe: Nach dem Kochen müssen sie gehäutet werden. Das ist zwar einfach (zwischen Daumen und Zeigefinger halten und leicht drücken), braucht aber seine Zeit.

Rezept nach Jamie Oliver:

Zutaten:

4 große Hand voll frisch enthülste Dicke Bohnen
1-2 Zitronen
gutes Olivenöl (ich habe Arganöl verwendet, das verleiht dem Gericht noch mehr orientalische Note)
Meersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Hand voll frische Minze
1 kleine rote Zwiebel, geschält und fein gehackt
1 TL Kreuzkümmel
1 Prise Chiliflocken (frische Chili wären hier zu feucht)
2 Hand voll Semmelbrösel (die gibt es übrigens auch in der Vollkornvariante)
300 ml Sahnejoghurt oder saure Sahne (ich habe die saure Sahne mit ein wenig Mineralwasser aufgeschlagen, um ein wenig mehr Frische reinzubringen)

Zubereitung:

Die dicken Bohnen enthülsen, dabei die großen von den kleinen Bohnenkernen trennen, da sie verschieden lange Garzeiten haben. Die Bonenkerne in kochendem Wasser (Jamie empfiehlt ungesalzenes, da Salz die Bohnenkerne hart machen würde) einige Minuten kochen (die großen Kerne früher ins Wasser schmeißen), dann in Eiswasser abschrecken. In ein Sieb abgießen, auf einem Brett oder Tablett ausbreiten und kurz auskühlen lassen – sonst würde man sich nämlich beim Enthülsen die Pfoten verbrennen.
Die Bohnenkerne enthäuten, Anleitung siehe oben. Alle Bohnen in einer Schüssel mit dem Saft von 1 Zitrone und viel gutem Olivenöl (laut Jamie die dreifache Menge, ich nehme in der Regel lieber etwas weniger, vor allem beim aromatischen und nicht ganz preiswerten Arganöl) vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Hälfte der Minze fein schneiden (das geht am Einfachsten, wenn mann die Blättchen übereinander legt), untermischen und die Bohnenkerne eine Weile marinieren lassen.

Jetzt die Brösel: Die Zwiebel mit dem Kreuzkümmel und den Chiliflocken in einer flachen, beschichteten Pfanne bei mittlerer Hitze in etwas Olivenöl anschwitzen, bis sie weich sind, dabei immer wieder umrühren, damit sie nicht anbrennen. Sobald die Zwiebel etwas Farbe hat, die Semmelbrösel einrühren und so lange rösten, bis sie goldbraun und knusprig sind (bei mir hat das etwas gedauert). Salzen, pfeffern und beiseite stellen.

Die saure Sahne mit Mineralwasser und eventuell etwas abgeriebener Zitronenschale verrühren. Auf Tellern anrichten. Die restlichen Minzeblätter unter die Bohnen mischen und auf dem Joghurt verteilen.

Mit den warmen knusprigen Bröseln bestreuen und servieren.

5 Kommentare zu “Etwas “pfrimlig”: Marokkanischer Bohnensalat nach Jamie”

  1. Dea

    boahhh lecker!! übrigens bin ich am 25.Juni in Hamburg….vielleicht ein Treffen möglich?

  2. Juliane

    Das sieht spitze aus! Auch die Drumsticks sind genau nach meinem Geschmack. Das Gefummel mit dem enthülsen und enthäuten würde mich eventuell abschrecken, das für eine größere Runde zu machen, aber für 1-2 Portionen geht das ja noch. Wo bekomme ich jetzt schnellstens diese Dicken Bohnen her?!

    Und ich weiß was Du meinst mit den Kochbüchern, aus denen man am liebsten ALLES nachkochen würde, so geht es mir mit “Delicious days” von Nicole Stich und mit vielen “Lecker”-Zeitschriften :-)

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  3. lamiacucina

    Den J.O. mag ich zwar nicht, aber dieses Rezept werde ich mir mal abspeichern.

  4. Sophie

    @ Dea: Jaaaaa, na klar. Ich bin tagsüber “auf Arbeit”, vielleicht ein Lunch?! Oder wir machen abends was. Hey, ich freu mich wie Bolle!
    @ Juliane: Hast du einen Wochenmarkt in der Nähe? Da muss man natürlich Zeit dafür haben, geb ich zu. Ich hab Glück: Donnerstag kann ich in meiner Mittagspause einen Bummel über die Marktstände machen.
    Ansonsten: Biokiste?! Oder ein gut bestückter türkischer Lebensmittelladen.
    @ Robert: Verstehe ich. Ich persönlich mag den Hype um J.O nicht so. Aber er hat ein paar gute Ideen, vor allem wenn’s um schnelle Gerichte geht.

  5. Lea

    Dicke Bohnen bekommt man auch tiefgefroren. Zummindest bei uns in Köln in halbwegs gut sortierten Rewe-Supermärkten.

    Liebe Grüße,
    Lea


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