Es sieht so aus, als hätten wir es bald geschafft. Peu à peu wird der Wetterfrosch diese Woche die Sprossen seiner hölzernen Leiter erklimmen und uns die ersten frühlingshaften Tage bescheren. Dass die Leiter nach dem langen, harten Winter ein wenig morsch geworden ist und der arme Quaker deshalb einbrechen und auf halber Strecke wieder abstürzen wird, war natürlich klar. Ich schlage vor, wir legen alle zusammen und spendieren Kermit einen Kletterkurs. Ich habe nämlich keine Lust mehr auf meinen Wintermantel.

Immerhin hatte die Sonne heute schon Generalprobe, passend zum astronomischen Frühlingsanfang. Astronomisch war leider auch der Preis, den ich für meine liebsten Schönwetterboten hingelegt habe, aber ich konnte einfach nicht widerstehen – auch wenn jetzt eigentlich noch nicht die Saison für Zucchiniblüten ist.

Während der Zeit in Florenz habe ich meinem Verlangen nach den wunderschönen Blüten so häufig nachgegeben, dass ich fest davon überzeugt war, ich würde ihrer eines Tages überdrüssig werden. Nur passierte das nie. Ich schätze, das nennt man dann wahre Liebe.
Wir hatten unzählige Dates, häufig bei einer Pizza oder mit leckerer Pasta, manchmal habe ich sie auch zu mir nach Hause eingeladen und mit Ricotta und Parmesan (ab-) gefüllt. Die richtigen Schweinereien (ihr wisst schon, mit Öl und so) habe ich allerdings ausgelagert, sonst hätte die Bude noch tagelang danach gestunken.

Und Frittiertes ist ohnehin nicht nach meinem Geschmack.

In Italien aber liebt man Frittiertes (ich konnte es anfangs auch kaum glauben). Italiener sind verrückt nach Wiener Schnitzel („costoletta alla milanese“) und frittierten Artischocken (“carciofi alla giudia”) und frittiertem Allerlei („fritto misto“ – womit meist Fisch und Meeresfrüchte gemeint sind) und überhaupt könnte für sie so ziemlich alles frittiert sein: “Fritta è buona anche una ciabatta” (frittiert schmeckt sogar ein Pantoffel) war der Lieblingssatz meines Freundes Cosimo (ein Florentiner, by the way) und er hat den Satz nicht erfunden.

Mir schmecken weder Pantoffeln noch Frittiertes besonders gut. Daher kommt hier meine abgespeckte Version des italienischen Klassikers.

Und der Wetterfrosch sollte besser auch kein Frittiertes mehr essen. Sonst kommt er ja nie oben an.

Gefüllte Zucchiniblüten – fiori di zucca ripieni (ma non fritti)

Zutaten

  • 8 Zucchiniblüten
    8 Basilikumblättchen
    eine Hand voll Datteltomaten
    100 g frischer Ricotta
    2 EL frisch geriebener Pecorino
    2 Eier (Größe M)
    3-4 EL Mehl (ich habe Reismehl genommen)
    2 EL Olivenöl (oder, wer sie lieber frittiert mag, 1/2 l Olivenöl zum Frittieren)

Zubereitung

1. Zunächst die Füllung zubereiten. Dafür die Basilikumblättchen fein hacken. Die Tomaten überbrühen, häuten, entkernen und klein würfeln. Ricotta mit Basilikum, Tomaten und Pecorino verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

2. Die Zucchiniblüten vorsichtig auseinander biegen und den Stempel aus der Mitte herausknipsen. Ricottafüllung in einen Gefrierbeutel füllen, die Spitze etwas abschneiden und die Masse vorsichtig in die Blüten füllen. Nicht zuviel natürlich, sonst kann man die Enden nicht mehr zusammendrehen.

3. Eier in eine Schüssel schlagen und mit dem (Reis-)Mehl zu einem zähflüssigen Teig verrühren.

4. Dann muss man sich entscheiden: Mag man die Zucchiniblüten gerne frittiert? Dann 1/2 l Öl in einem weiten Topf erhitzen, die Zucchiniblüten einzeln durch den Teig ziehen und die Blüten im heißen Öl ca. 3 Minuten frittieren, dabei einmal wenden. Auf Küchenkrepp abfetten lassen. Fertig. Ja, doch schmeckt gut.

Ich bevorzuge die etwas leichtere (und geruchsneutralere) Variante (vielleicht bin ich aber auch nur zu geizig mit dem guten Olivenöl). In meinem Fall wurden die in die Reismehl-Ei-Mischung getauchten Blüten in der heißen Pfanne von jeder Seite ca. 4 Minuten ausgebacken. Sie sind dadurch von der Konsistenz her etwas kompakter und nicht ganz so knusprig wie die frittierten Schwestern, was mich allerdings nicht sonderlich traurig stimmt.

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Buono e leggero: ★★★★☆

8 Kommentare zu “Erste Schönwetterboten oder warum man in Italien Pantoffeln frittiert: Fiori di zucca ripieni (ma non fritti)”

  1. Freundin des guten Geschmacks

    Fein diese Fiori. Ich mag sie auch gern römisch: mit Mozzarella und einem winzigen Stück Sardelle. Aber sonst genauso wie Du es machst.

  2. Mini-Küche

    Hallo,

    ich weiß nicht ob Du schon von der Blogaktion für Japan gehört hast: ich habe Dich in meinem Beitrag vorgeschlagen, schaus Dir einfach mal an ob Du mitmachen möchtest. Ist ne tolle Aktion finde ich.

    http://minikueche.twoday.net/stories/spendenaktion-fuer-japan/

    Viele Grüße und noch einen schönen Tag.
    Lilly

  3. Alex

    Oh ja, in dieser Beziehung bin ich sehr italienisch. Ich liebe fritto. Und für ein fritto misto (di pesce) würde ich zu Fuß nach Rom laufen. Hier auf dem “Dorf” habe ich leider nie Zucchiniblüten gefunden, dafür müsste ich in die nächste Großstadt fahren – oder nachts beim Nachbarn in den Garten schleichen. Die lassen sie nämlich einfach verblühen – Schande! Deine abgespeckte Pfannenversion befürworte ich sehr!

  4. nata

    Auch für mich darf bitte alles gerne frittiert sein, am liebsten Fisch und Kartoffeln. Aber diese Pfannenversion würde mir sicherlich ebenso gut schmecken.

  5. Steffen

    Yummy!

  6. lamiacucina

    die leichten Blüten schmecken mir auch besser, wenn sie nicht vor Fett triefen.

  7. Andreas

    Du hast ein frühlingshaftes Glück! Toll!

  8. Nicht nur schön anzuschauen – Zucchiniblüten | Zottarella Koch-Blog

    [...] gefunden auf: http://cucinapiccina.de Share | | Vorheriger [...]


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