Ich habe mir einen Bibliotheksausweis besorgt. Ich dachte, es wäre eine gute Idee, die allmorgendlichen Warte- und Fahrtzeiten zur Arbeit mit einem guten Buch zu überbrücken, denn zum einen ist mir das Gefuchtel mit der Zeitung immer ein bisschen zu kompliziert, zum anderen nerve ich damit meine Mitfahrer (Münchner U-Bahn-Gäste gehören nicht gerade zu den tolerantesten Menschen). Gerade lese ich Haruki Murakami, eines seiner alten Bücher. Ich mag Murakami und ich mag die japanischen Namen, die darin vorkommen. Watanabe. Naoko. Kizuki. Nawasaki. Suzuki. Ach nein, das war ja das Auto (auf das Autothema bin ich derzeit nicht gut zu sprechen).
Bei diesen lautmalerischen Namen bekam ich spontan Appetit auf Enoki. Kennt ihr Enoki? Nein, das ist keine Romanfigur, sondern ein äußerst schmackhafter Pilz, den man sowohl roh (naja) als auch gebraten (besser) essen kann. Mir schmeckt er am besten als Suppeneinlage, dann ist er noch leicht bissfest und behält seine schöne, namensgebende Farbe. Der Enokipilz heißt nämlich auch Schneepilz.

Das Wurzelstück isst man nicht mit, das wäre  きしょい (eklig) und würde auch den feinen Zitronengrasgeschmack trüben.

Enoki Pilze sind in Japan das, was für die Berliner die Currywurst ist. Im Gegensatz zur germanischen Kultwurst wird der Flammulina velutipes in Japan seit über 300 Jahren kultiviert, das sagt schon mal einiges. Von seinem seltsamen Äußeren sollte man sich nicht abschrecken lassen (hier gibt es Parallelen zur Currywurst) – die Pilze schmecken wirklich sehr lecker und sind zudem vollgepackt mit allerlei Vitaminen, Mineralien, Proteinen und Antioxidantien. NATÜRLICH beeinflussen sie das Immunsystem positiv und NATÜRLICH sagt man dem Pilz wahre Wunderkräfte nach (hier hören die Parallelen dann auf).

Also, ich nehme dann mal die doppelte Portion Wunderkräfte, bitte.

Enokipilz-Zitronengras-Suppe mit Zander und Thaibasilikum

Zutaten

  • 1 l Gemüsebrühe
    1 EL Sesamöl
    1/2 Knolle Galgant (oder Ingwer)
    1 kleine grüne Chilischote
    2 Frühlingszwiebeln (oder 5 dünne Asia-Frühlingszwiebeln)
    1 Strunk Enoki-Pilze
    8 Stangen asiatischen grünen Spargel
    eine Hand voll Zuckerschoten
    200 g Zander (oder anderer moralisch vertretbarer Fisch)
    1/2 l Kokosmilch
    2 TL Limettensaft (frisch gepresst)
    1 TL Fischsauce
    1 TL Zucker, Szechuanpfeffer (frisch gemahlen)
    ein paar Blätter frischer Thaibasilikum und Koriander

Zubereitung

1. Die Frühlingszwiebeln putzen, waschen und in feine Ringe schneiden. Grün beiseite legen. Die Bohnen oder Zuckerschoten blanchieren, den grünen Spargel ebenso (wenn es der asiatische, dünne Grünspargel ist, reicht 1 Minute!). Chili halbieren, Kerne entfernen und fein hacken. Galgant (oder Ingw
er) fein reiben.

2. Öl in einem Wok oder einer tiefen Pfanne erhitzen. Galgant und Chilischoten kurz anschwitzen, dann die Frühlingszwiebeln (das Weiße) dazugeben. Kurz mitdünsten. Die Enoki-Pilze vom Strunk schneiden und dazugeben. Mit der heißen Gemüsebrühe ablöschen, kurz aufköcheln lassen. Dann die Hitze reduzieren und für ca. 2-4 Minuten simmern lassen.

3. Kokosmilch unterrühren. Den Zander in mundgerechte Stücke schneiden und in die Suppe gleiten lassen. Kurz (ca. 4-5 Minuten) mitköcheln lassen (aber nicht länger, sonst wird er trocken). Zuletzt das blanchierte Gemüse zur Suppe geben und nur noch kurz erwärmen.

4. Die Suppe mit Limettensaft, Fischsauce, Zucker und Szechuanpfeffer abschmecken. Mit Koriander und Thaibasilikum bestreuen und sofort servieren.

Zubereitungszeit: 40Minuten

うまい (甘い [2]; 旨い) (sehr lecker): ★★★★☆

Und weil die Wunderkräfte momentan nicht so richtig anzuschlagen scheinen, habe ich noch etwas nachgeholfen.

6 Kommentare zu “Enokipilz-Zitronengrassuppe mit Zander und Thaibasilikum”

  1. Alex [Chef Hansen]

    魅力的な (entzückend)

    Kriegt man direkt Lust auf Suppe – wie gut, dass wir heute Abend noch zu Suppe eingeladen sind :-)

  2. Mini-Küche

    それは非常においしいね!

    Da gefällt mir alles, vom Enoki über den Spargel bis zum Zander, sowieso mein Lieblingsfisch: 私はザンダーを愛して! <3

    Liebe Grüße,

    Lilly

  3. Barbara

    こんばんわ – ich habe erst kürzlich mit Japanisch angefangen, mehr kriege ich noch nicht hin. Ihr seid ja hier Spezialisten! :-)

    Enoki mag ich auch gerne und kaufe sie, wenn ich sie mal sehe und es gerade passt. Deine Suppe klingt nach meinem Geschmack.

  4. missboulette

    Noch eine bekennende Enoki-Liebhaberin. Ich liebe sie in dunklen Misosuppen, aber auch zu mariniertem Rindfleisch sind sie toll – war richtig, dass Du nicht fastest? ;-)

  5. Alex

    Hab ich dir schon mal gesagt, daß es kein einziges Gericht gibt, was ich von dir nicht nachkochen würde? Ja, hab ich. Liebe auch Enoki!

  6. Sophie

    @ Chef Hansen: めしあがれ!; 召上れ!; 召上がれ! (Guten Appetit!)
    @ Lilly: Ich bin mir gerade nicht so sicher, ob Zander auch in Japan verspeist wird? Wobei das momentan sowieso ein heikles Thema ist…
    @ Barbara: Also ich finde, du machst das schon ganz gut ;-)
    @ Missboulette: Nee, ich doch nicht. Zu Rindfleisch stelle ich sie mir klasse vor.
    @ Alex: Come mi rende felice!! Geht mir bei dir aber genauso!


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