Wie sich das bei mir so entwickelt hat, „das mit dem Essen und dem Kochen.“ Ich weiß es ja selbst nicht so genau. Trotzdem wollen das immer alle wissen. Und irgendwann stellt man sich die Frage selbst.
Eins ist klar: Ich kann nicht immer essen. Aber ich kann immer über Essen nachdenken. Im Grunde geht das rund um die Uhr. Und am besten klappt es, wenn nachts die Welt den Atem anhält.

Über Essen nachdenken: Das heißt nicht unbedingt immer Hunger haben. Es bedeutet vor allem Geschmäckern nachspüren, sich Lebensmittel (und Leben) bewusst machen, mit dem (Herd-)Feuer spielen und Rezepte erspinnen. 20% Kopfsache, 80 % Gefühl. Eine magische Kraft irgendwo zwischen Herz- und Bauchregion, die mich an einem ganz normalen Mittwoch, nachts um 1 Uhr, in der Küche stehen lässt, um einen Sack voller Artischocken zu putzen.

Dass  der Wecker am nächsten Tag wieder um 6 Uhr klingelt, ist in diesem Moment vollkommen egal. Was zählt, ist der Gedanke an das Ergebnis und die Hingabe an das Produkt. Klar fühle mich mich manchmal ein bisschen verrückt. Unvernünftig. Oder besessen. Aber man kann sich seine Dämonen eben nicht immer aussuchen. 

Am Ende hat das alles sicherlich viel mit Emotionen zu tun. Meine sind definitiv an eine italiengeprägte Kindheit geknüpft. Wenn man als 5-Jährige den Duft vom Grill geküsster, knoblauchgewürzter, knusprig-aromatischer „carciofi“ eingesaugt hat, schmilzt das Herz beim Anblick dieser wunderschönen Distelgewächse samt Verstand einfach dahin. Müdigkeit? Zeitgefühl? Ist alles ziemlich subjektiv. Und für einen perfekten Panzanella mit Artischocken und getrockneten Tomaten habe ich noch jede Nacht zum Tag gemacht.

 

Panzanella mit Artischocken, getrockneten Tomaten und Rucola

Zutaten:
(für 4 Personen)

12 kleine oder 6 große Artischocken
4 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl
1 Zweig Rosmarin
4 EL halbgetrocknete oder getrocknete Tomaten
150 g Rucola
½ Zitrone
4 Scheiben italienisches Weißbrot, z.B. Pane pugliese oder Ciabatta

Für das Dressing:
Saft ½ Zitrone
3 EL Olivenöl
1 TL Senf
1 TL Akazienhonig
Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

1. Die Knoblauchzehen mit dem Messerrücken andrücken. Die Artischocken putzen: Dazu zunächst die äußeren Blätter und den Stiel entfernen. Mit einem scharfen Messer das obere Drittel der Artischockenblätter abschneiden, den Stiel entfernen und die Böden mit einem kleinen Messer säubern. Nun die Blätter auseinander biegen und das Heu (falls vorhanden) in der Mitte der Artischocken mit einem kleinen scharfen Messer oder einem Kugelausstecher entfernen. Bei kleinen, zarten Artischocken reicht es, die äußeren, harten Blätter abzuzupfen, die dunklen Blattspitzen abzuschneiden und den Stielansatz zu entfernen. Die Schnittstellen mit einer halbierten Zitrone abreiben oder die Artischocken nach dem Putzen sofort in Zitronenwasser legen. Die Artischocken je nach Größe halbieren, vierteln oder achteln.

2. Die geputzten Artischocken zusammen mit dem Rosmarin und zwei der Knoblauchzehen in eine Schüssel geben und mit dem Olivenöl begießen. Für ca. 1 Stunde marinieren. Den Backofen auf 200 °C vorheizen.

3. Die Brotscheiben mit den übrigen Knoblauchzehen einreiben. In mundgerechte Stücke schneiden, mit dem Olivenöl beträufeln und auf einem Backblech verteilen. Im Backofen auf der obersten Schiene goldbraun rösten, dabei zwischendurch wenden. Herausnehmen und abkühlen lassen.

4. Die Artischocken ebenfalls auf ein Backblech geben und für ca. 25-30 Minuten bei ca. 180 °C goldbraun braten. Alternativ kann man auch etwas Olivenöl in einer schweren gusseisernen Pfanne erhitzen und die Artischocken darin bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen.

5. Für das Dressing mit einem Schneebesen Zitronensaft, Senf und Honig gut verrühren. Langsam das Öl unterschlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

6. Die Artischockenböden mit den getrockneten Tomaten in eine Schüssel geben. Die Brotstücke sowie den Rucola unter das Gemüse heben und alles mit dem Dressing begießen. Vor dem Servieren ca. 10-15 Minuten durchziehen lassen.

 

5 Kommentare zu “Ein Herz für Verrückte und eins für Artischocken: Panzanella mit Artischocken, getrockneten Tomaten und Rucola”

  1. Naschkatze

    Wunderbar beschrieben, diese Verrücktheit, dieses “ich kann immer über Essen nachdenken”.
    Genau diese (wunderbare) “Krankheit”habe ich auch! ^^
    Genussvolle italienverliebte Grüße!

  2. Toettchen

    Das ist etwas Wunderbares. Da ich am Wochenende ein kleines Mediterranes Buffet richten muss, kommt das gleich dazu.
    Danke!

  3. Theresa

    oh ja, wie sehr ich das kenne! Also das ständig gefragt werden und das “Besessensein” ;) Aber wie sagte schon Julia Child: People who love to eat are always the best people. Und bei diesem Rezept wäre auch sie schwachgeworden. Merci und liebe Grüße! Theresa.

  4. Claus

    Du bist schon ziemlich durchgeknallt ;-) Wie ich…

  5. Micha

    In das Bild mit dem Salat auf dem Terrazzoboden habe ich mich verguckt! Die Farben harmonieren einfach bildschön!


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