Als H. und ich vor einigen Wochen versuchten, zwei schmale Küchenregale über der Arbeitsplatte links vom Herd anzubringen, um meiner stetig wachsenden Kochbuchsammlung endlich einen würdevollen Platz zu geben, krachte die obere Reihe noch während des Belade-Vorgangs mit Karacho herunter. Schuld daran ist natürlich die fehlerhafte Konstruktion eines namhaften schwedischen Möbelherstellers und nicht etwa die Bücher, die doch gar nicht so schwer sein können. Ist ja fast nur leichte Küche drin: Fisch, mageres Fleisch, Salate und jede Menge vegetarische Rezepte. Man lebt ja gesundheitsbewusst (*zwinker*).

Wiederum einige Wochen später – die Bücher fristen immer noch ihr kümmerliches Dasein auf dem seit Januar als Zwischenlösungskommode deklarierten Kästchen – deaktivierte sich auf einmal der lange Zeit sehr zuverlässig funktionierende Verdrängungsmechanismus beim Kauf eines dicken Schmökers namens „Plenty“. Ach nein, stimmt gar nicht, die deutsche Ausgabe des hochgelobten Ottolenghischen Meisterwerkes heißt ja “Genussvoll vegetarisch“. Auf einmal wurde mir klar, dass ich die zulässige Büchergewicht-Höchstgrenze auch dieses Jahr wieder hoffnungslos überschreiten werde. In manchen Dingen bin ich ein sehr maßloses Exemplar Mensch.

Es gibt also drei Lösungen:

a) Ich brauche eine größere Küche. Alternativ: Ein tragkräftigeres Bücherregal (aber in zwei Jahren dann die größere Küche, ok?)

b) Ich koche nur noch aus Blogs. (Das geht aber nicht! Ich bin ein haptisch veranlagter Mensch und liebe das Gefühl, mit den Fingern über Papier zu streichen).

c) Ich miste aus (neeeeeeiiiiiiin!!!!!)

Halt, es gibt noch eine vierte.

d) Ich koche gar nicht mehr.

Das wiederum ist völlig ausgeschlossen, schon allein deshalb, weil ich doch gerade Ottolenghis neues Buch gekauft habe.

Im Übrigen ist es gut zu wissen, dass auch so disziplinierte Menschen wie AT manchmal die Widerstandskraft einer Gummipuppe besitzen.

Als bekennender Gemüsefan mit gelegentlichen Steak- und Schinkengelüsten ist mir Yotam Ottolenghis lässiger Zugang zum Thema„ Green Food“ bzw. bewusste Ernährung grundsympathisch. Nur wenige schaffen es, ein vegetarisches Kochbuch zu schreiben, dass so vielseitig und facettenreich ist und dabei ganz ohne Bekehrungs-Anekdoten oder altklugen Dogmatismus auskommt.
Wer mehr dazu lesen will, bitte hier entlang.

Nach so viel Rezensionstext schweige ich mich nun zum Inhalt aus. Es wird ohnehin nicht lange dauern, bis das komplette Buch verpostet ist und die Ottolenghi-Rezepte kultähnlich durch die Foodblogs schwappen. Teilweise passiert das schon, bei Astrid, No Kitchen for Old Men, Claus, dem Kochplattenteller-Team und Julia von German Abendbrot habe ich bereits einen echten Ottolenghi gesichtet.

Auch ich entziehe mich dem Ottolenghi-Virus nicht (immerhin hat mir AT ja nur die Auberginen-Rezepte verboten, alles andere darf ich posten), werde mich aber auch weiterhin aus anderen vegetarischen Büchern bedienen.

Gemäß dem „Mix and Match“- Prinzip stammt der asiatisch angehauchte Gurkensalat daher aus Ottolenghis Buch, der wasabischarfe Tofu dagegen aus einem anderen, mindestens genau so inspirierenden Werk: Vegetarisch vom Feinsten von Bettina Matthaei.

Im Übrigen auch die Quelle der leckeren Oliven-Tartelettes samt Sugo sowie des phänomenal einfachen Joghurt-Semifreddo und der Avocado mit karibischer Ananas-Ingwer-Salsa.

Auch andere Verlage haben schließlich gute (vegetarische) Köche/Köchinnen.

SORRY, BILDERFEHLER. WIRD NACHGELIEFERT!!

Wasabischarfer Tofu

Zutaten

  • 1 Bio-Limette
  • 2-3 TL Wasabi
  • 2 TL Akazienhonig
  • 3 EL Apfelsaft
  • 2 TL Sesamöl
  • Salz, Szechuanpfeffer
  • 400 g Tofu
  • 1-2 EL Reismehl
  • 2 EL Rapsöl

    Zutaten

  • 1. Die Limette heiß waschen und abtrocknen. Die Schale abreiben, 2 EL Saft auspressen. Den Wasabi mit dem Akazienhonig und dem Limettensaft verrühren. Dann den Apfelsaft und das Sesamöl untermischen. Die Limettenschale zugeben und alles mit Salz und Szechuanpfeffer abschmecken.

  • 2. Den Tofu in Scheiben schneiden, zwischen Küchenpapier gut auspressen. In eine flache Schale (oder Tupperbox) legen und die Marinade darüber gießen. Mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

  • 3. Tofu abtropfen, trocken tupfen und mit 1-2 EL Reismehl bestäuben. In 2 EL Rapsöl in 5-6 Minuten knusprig braten.

Zubereitungszeit: 20 Minuten (plus 2 Stunden Marinierzeit)

Tofu, aber gut: ★★★★☆

Gurkensalat mit zerstoßenem Knoblauch und Ingwer

Zutaten

  • 1 kleine rote Zwiebel, in sehr dünne Ringe oder Spalten geschnitten
  • 15 g frischer Ingwer, geschält und in Scheiben geschnitten
  • 1 TL Fleur de Sel
  • 2 große Knoblauchzehen, geschält
  • 4 kleine Salatgurken (insgesamt 600 g), geschält
  • 1 EL Sesamsamen, geröstet
  • 3 EL gehacktes Koriandergrün
  • Dressing:
  • 3 EL Reisessig
  • 2 TL Zucker
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 2 TL Sesamöl aus gerösteten Samen

Zutaten

1. Die Dressingzutaten in einer Schüssel miteinander vermischen. Die Zwiebelspaltne zugeben, untermischen und mindestens 1 Stunde (besser: über Nacht) marinieren.

2. Die Ingwerscheiben mit dem Salz im Mörser kräftig zerstoßen. Den Knoblauch hinzufügen und erneut zerstoßen, bis er weitgehend zerdrückt ist (er soll stückig werden, aber noch kein Püree). Den Mörserinhalt in die Schüssel zu den Zwiebelringen und dem Dressing geben und untermischen.

3. Die Salatgurken der Länge nach halbieren, die Hälften schräg in Scheiben schneiden. Die Gurkenscheiben ebenfalls in die Schüssel geben, gefolgt von den gerösteten Sesamsamen und dem Koriandergrün. Gut vermischen und 10 Minuten ziehen lassen.

4. Vor dem Servieren den Salat nochmals mischen, etwas von der Flüssigkeit, die sich am Schüsselboden angesammelt hat, abgießen.

Zubereitungszeit: 15 Minuten (plus Marinierzeit)

Passt zu fast allem: ★★★★★

4 Kommentare zu “Do you Ottolenghi? Gurkensalat nach Mr. „New Vegetarian“ mit wasabischarfem Tofu”

  1. Frau Kampi

    Jaja, der Ottolenghi! Einen Tag nachdem AT gepostet hat hat er auch Einzug in meine Küche gehalten… Vom Virus angesteckt quasi! Er gibt sich mir gegenüber noch ein wenig verschlossen, wahrscheinlich weil ich mich noch nicht ausgiebig genug mit ihm beschäftigt habe. Aber ich denke schon, dass das ein oder andere Rezept den Weg in meine küche finden wird. Ganz sicher.
    Dein Gurkensalat sieht auf jeden Fall schon mal toll aus. Nur der Tofu…nicht mein Fall. Aber der muss ja nicht!

  2. Mini-Küche

    Oh Shame on me, bisher war mir Ottolenghi gar kein Begriff aber das Rezept klingt absolut super, mal eine etwas andere Art Tofu zu würzen, weniger 0815, gefällt mir sehr gut! (Und das mit den Kochbüchern kenne ich, eine eigene Bibliothek wäre schön :))

    Liebe Grüße,

    Lilly

  3. NUR DAS GUTE ZEUGS » Blog Archiv » Ihr braucht datt nicht mehr bloggen!

    [...] noch mehr kaputtgeht als Susannes Fotoapparat. Und Astrid kann mal wieder richtig Wagyu essen. Bei cucinapiccina müssen keine Bücherregale mehr ausgemistet [...]

  4. George

    Bevor ich das Buch plötzlich in meinen Händen hielt, war mir der Name des Herren auch nicht geläufig. Was ich davon halte, hast du ja offensichtlich bereits gelesen. Aber eigentlich wollte ich ja nur kurz sagen, dass ich den Tofu auch mal so probieren werde. Klingt sehr gut. ;)


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