Gerade ist alles irgendwie Burner. Oder Burger? Jedenfalls sehe ich sie zur Zeit überall: Bei Chef Hansen auf dem Blog, in Uwes uferlosem Fundus, bei Oliver Trific im Restaurant (die ganze Geschichte über den Hamburg Hamburger und den London Burger Bash gibt es übrigens hier bei Stevan zu lesen) und wann immer ich Berlin, München, Köln, London und tja, Hamburg besuche. Ich bin jetzt wohl ein Burgergirl. Oder ein Bun-ny? In jedem Fall: Eine Fette Kuh, wenn ich mich nicht bald mal am Riemen reiße.

Warum das allerdings erst angefangen hat, nachdem ich aus der Blutenburg(er)straße weggezogen bin, ist mir nicht ganz klar. Irgendwie war mir nie nach warmem Fleischsandwich. Wozu das gute Rindfleisch zerkleinern, verformen und zwischen zwei labbrige Brötchenhälften stopfen, wenn ich stattdessen ein gut abgehangenes Steak (im Ganzen!) haben kann, blutig oder medium, dazu einen knackigen Salat, Süßkartoffelspalten oder einfach nur ein gutes Glas Rotwein.

Aber Vorlieben ändern sich, und die ersten Anzeichen dafür gab es schon auf der Abschiedsfeier aus München, damals, Ende März. Zwischen Umzugskartons und halb demontierten Regalen wurde hübsch gebastelt und gebaut:
Blutenburger für die Herren, Nymphenburger für die Damen.
(für Nicht-Münchner: Die Nymphenburger Straße ist die Parallelstraße zur Blutenburgstraße ).

Sollte ich ähnliches bei der nächsten Hausparty zu wiederholen gedenken, muss ich mir allerdings ein besseres Zeitmanagement für das Backen der Burgerbrötchen zurechtlegen: Gerade beim ersten Mal sind die Dinger ein wenig tricky, wenn das Handling mit dem Teig und die Erfahrungswerte in puncto Größe und Aufgehen im Backofen fehlen. Man kann natürlich auch allen Gästen eine Schürze umbinden, eine leere Weinflasche in die Hand drücken und die Küche in eine improvisierte Backstube verwandeln. Danach kommen die Bühnenbauer und ändern das Setting in eine Burgerbraterei um, im Idealfall gleich mit den Malern im Schlepptau, die die Schweinerei später wieder überstreichen.

In meinem Fall war das nicht nötig: Ich verließ das sinkende Schiff mit ketchup-roter Fahne.

Wie aber waren sie, die Burger? Ich würde sagen: Zum Reinbeissen!

Auf die Blutenburger kamen Rindfleischpattie, Tomate, Mango und ein bisschen Grünzeugs, dazu der feurig-fruchtige, hausgemachte Mangoketchup, mit dem ich kurz zuvor noch der Küchenwand etwas Charakter verliehen hatte.
Und dann gab’s ja noch die Mädchenversion: Den Nymphenburger mit Sesamchampignons, violettem Kartoffelstampf, Senfbutter und Sprossen, der wider Erwarten auch bei den Kerls gut ankam.

Am übernächsten Tag kam der Umzugswagen, schipperte das Kistenchaos gen Norden und nahm den Burgerhunger mit. Da steht er nun, links vom Kühlschrank, und schaut mich regelmäßig mit brötchenrunden Augen an.

Mini-Burger Buns

Zutaten

  • 15 g Hefe
    250 g Mehl
  • 100 ml lauwarme Milch
  • 1 EL Zucker
  • 4 Eigelb
  • 50 g weiche Butter
  • Salz
  • 2-3 EL Sesam

Zubereitung

1. Die Hefe in die lauwarme Milch bröckeln und darin unter Rühren auflösen. Den Zucker und 80 g Mehl hinzufügen und alles behutsam zu einem Vorteig verrühren.
Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort ca. 30 Minuten gehen lassen. Dann die restlichen 170 g Mehl, 3 Eigelb, die Butter und 1 Prise Salz zum Vorteig geben und alles zu einem glatten, geschmeidigen Teig verkneten. Zudecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.

2. Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Mit einem bemehlten Nudelholz den Teig ca. 2 cm dick ausrollen. Mit einem runden Ausstecher oder einem Glas Kreise von etwa 4-5 cm Durchmesser ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Blechlegen legen (die Brötchen werden später durchgeschnitten, also nicht wundern, warum der Teig so hoch geht). Den Teig zugedeckt nochmals 20 Minuten gehen lassen.

3. Den Brötchenteig mit dem übrigen Eigelb bestreichen und im heißen Ofen ca. 15 Minuten goldbraun backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.

4. Die fertigen Brötchen halbieren. Vor dem Servieren die Schnittflächen evtl. auf dem Grill anrösten. Dann mit den Saucen und Zutaten nach Wahl belegen (s.o.) und: reinbeißen!

Quelle: So oder ähnlich gesehen in der ersten Ausgabe der slowly veggie!.

 

Nymphenburger

Zutaten

  • 250 g braune Champignons
  • 3 EL weisser Sesam
  • 2 EL Sesamöl
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 2 Handvoll Alfalfa-Sprossen
  • 5-6 mittelgroße violette Kartoffeln (Truffe de Chine)
  • 3 EL Butter
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, 1 Prise Muskatnuss

  • Zubereitung
1. Die violetten Kartoffeln in kochendem Salzwasser garen, bis sie weich sind. Abgießen, auskühlen lassen und pellen. Mit einem Kartoffelstampfer grob stampfen, dann 2 EL der Butter untermischen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

2. Währenddessen die Champignos im heißen Sesamöl von beiden Seiten ca. 3-4 anbraten. Herausnehmen, im Sesam wenden und zurück in die Pfanne geben. Nochmals ca. 5 Minuten braten, bis sie weich sind, aber der Sesam schön geröstet ist.

3. Die Frühlingszwiebeln waschen, putzen und in schräge Stücke schneiden. Im restlichen EL Butter unter Rühren anbraten, dann mit 1 EL Zucker bestreuen und karamellisieren lassen. Leicht salzen und herausnehmen.

4. Die Burger Buns mit Senfbutter bestreichen. Aus dem lauwarmem Kartoffelstampf kleine Patties formen und auf die Buns verteilen, dann die Sesampilze sowie die Frühlingszwiebeln darauf geben. Mit den Sprossen garnieren, die zweite Bunhälfte darauf legen und: herzhaft zubeißen.

Blutenburger

Zutaten

  • 400g Rinderhack (etwas durchwachsen)
  • 1 kleine Zwiebel oder 1 Schalotte
  • 1 Ei
  • 2 EL Semmelbrösel
  • Salz, Piment d’Espelette
  • 1 reife (Flug-)Mango
  • 3-4 Strauchtomaten
  • Eisberg- oder Kopfsalat

Zubereitung

1. Für die Rindfleischpattys die Schalotte fein hacken. In etwas Butter glasig dünsten, dann zusammen mit dem Ei und den Semmelbröseln zum Rinderhack geben und alles gut miteinander verkneten. Mit Salz und Piment d’Espelette würzen und zu kleinen Pattys formen.

2. Salate putzen, die Tomaten waschen und in Scheiben oder Würfel schneiden. Die Mango schälen und das Fruchtfleisch vom Stein schneiden.

3. Die kleinen Pattys auf dem Grill oder in einer Grillpfanne ca. 2-3 Minuten braten, bis sie außen leicht gebräunt sind.
4. Die Tomaten- und Mangowürfel auf den Burger Buns verteilen, dann jeweils mit einem oder zwei Pattys belegen. Mit den Salaten garnieren und großzügig mit Ketchup beträufeln bzw. den Ketchup dazu reichen.

Mango-Ketchup

Zutaten

  • Zutaten für ca. 750 ml:
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Knoblauchzehen
  • 1 reife Mango (ca. 350 g)
  • 2-3 EL neutrales Öl (ich nehme gern Sesam- oder Erdnussöl)
  • 2 Dosen geschälte und gehackte San Marzano Tomaten (à 400 g)
  • 100 ml Aceto Balsamico Bianco (weisser Balsamessig)
  • 60 g Rohrohrzucker
  • Salz, 1 EL Pimentkörner
  • 2 Nelken
  • 1 kleine Chilischote
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Prise gemahlener Zimt

Zubereitung

1. Die Zwiebeln und die Knoblauchzehe schälen und fein hacken. Die Mango halbieren und schälen, dann mit einem scharfen Messer das Fruchtfleisch vom Kern lösen. In Würfel oder in größere Stücke schneiden.2. In einem kleinen Topf das (Sesam-) Öl erhitzen. Die Zwiebeln und den Knoblauch darin glasig dünsten. Mango, Tomaten, Essig und Rohrohrzucker hinzufügen. Mit ½ TL Salz würzen. Pimentkörner, Nelken und Chilischote in ein Mullsäckchen einbinden oder in ein  Tee-Ei geben und zum Ketchup geben.

3. Den Ketchup unter Rühren zum Kochen bringen, dann im offenen Topf bei milder Hitze 50-60 Minuten leise köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder mal umrühren, damit nichts am Topfboden ansetzt.

4. Die Gewürze entfernen. Das Ketchup mit dem Pürierstab sehr fein pürieren, ggf. mit Salz, Pfeffer und einer guten Prise Zimt abschmecken.
In heiß ausgespülte Flaschen füllen, gut verschließen und abkühlen lassen.
Im Kühlschrank aufbewahrt, ist der Ketchup a. 3-4 Monate haltbar.

7 Kommentare zu “Die Nymphenburgerbraut aus der Blutenburg(er)straße”

  1. Alex [Chef Hansen]

    Bun-ny! Klarer Fall ;-) Über so ne Kartoffel-Stampf-Nummer hab ich auch schonmal nachgedacht, stellte ich mir matschig vor. Aber wenn du´s sagst. Allein die Farbe wär´s ja schon wert.

    So und jetzt – next stop: Würste?

  2. uwe@highfoodality

    Ich schließe mich dem Hansen an: Bun-ny ist der Gewinner ;)
    Beide Burger finde ich sehr lecker, das Mangoketchup habe ich mir gleich mal notiert. :D

  3. Nicola von Verrückt nach Hochzeit

    Hmmm, da läuft mir jetzt schon zur Frühstückszeit das Wasser im Munde zusammen. Selbst beim fleischlosen Nymphenburger. Und außerdem: weiter so, feature the Viertel!
    Liebe Grüße aus Nymphenburg-Neuhausen,
    Nicola

  4. Ariane

    Miaow! Da waren die Umzugshelfer bestimmt glücklich :)

  5. ELBKÖCHIN

    Cool Mangoketchup, das klingt alles unglaublich lecker!!!
    Liebe Grüße, Bianca

  6. Sarah

    Sieht wundervoll aus, hört sich wundervoll an, wie immer inspirierend!
    Liebe Grüße,
    Sarah

  7. George

    Großartig. Also, klein… kleinartig, sozusagen. Ja. Wie auch immer: leider geil!


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