Ich weiß, es ist nur ein schnödes Omelette und fast wage ich es nicht, die Zubereitung desselbigen als Kochen zu bezeichnen. Immerhin, man braucht dazu eine Feuerstelle, einen guten Käse und ein paar frische Kräuter. Ich brauche dazu außerdem eine große rote Zwiebel, eine Hand voll Strauchtomaten und einen ordentlichen Muskel-/Alltagskater. Nichts fühlt sich dann besser an als ein proteingefüllter Arbeitsspeicher und ein beglückter Gaumen.

Überhaupt hat ein Omelette für mich etwas unglaublich Heimeliges und Trost spendendes, das einen warm umfängt und die Dinge wieder gerade rückt. Bauch warm, Herz warm, Kopf warm. Kinderessen für Erwachsene sozusagen, das im Zweifelsfall sogar Seelenmuskelkater heilen kann.

Wichtig sind dabei eigentlich nur zwei Dinge: Kreativität bei der Wahl der Zutaten und die Wahrung des leicht flüssigen Kerns – nichts ist schließlich schlimmer als ein totgebratenes Omelette, allenfalls ein ausgebranntes Hirnkasterl.

Wenn man beide Punkte beachtet und auch noch die hohe Kunst des tränenlosen Zwiebelhackens meistert, hat man es wahrlich geschafft. Zumindest für heute.

Kräuteromelette mit karamellisierter roter Zwiebel, Greyerzer und Strauchtomaten

Zutaten

  • 2 Eier
    1/2 -1 rote Zwiebel
    Olivenöl
    Salz, Pfeffer, Chili, Muskat
    eine Hand voll kleine Strauchtomaten
    50 g Greyerzer
    möglichst viele verschiedene frische Kräuter (z.B. Schnittlauch, Kerbel, Pimpinelle, Sauerampfer, Borretsch – ich plündere dazu auch gern mal die Bündel für Frankfurter Grüne Soße)

Zubereitung

1. Die Zwiebel je nach Geschmack eher grob oder fein hacken. Tomaten waschen und trocken tupfen, aber ganz lassen. Greyerzer grob reiben. Kräuter waschen, trocken schütteln und fein hacken.

2. In einer kleinen Pfanne etwas Olivenöl erhitzen (je kleiner die Pfanne, desto dicker und lockerer wird das Omelette). Die Zwiebelwürfel dazu geben und unter Rühren ein paar Minuten anbraten, bis sie außen schön braun und innen noch schön weich sind. Herausnehmen und beiseite stellen.

3. Die Eier mit einem Rührbesen verschlagen und mit Salz, Pfeffer, Chili und Muskat würzen. Pfanne wieder auf den Herd stellen und erneut etwas Öl erhitzen. Die Eier hineingießen und bei niedriger Temperatur etwa eine halbe Minute stocken lassen. Den geriebenen Greyerzer auf dem Omelette verteilen, dann die Zwiebeln darübergeben. Mit einem Spatel das Omelette vorsichtig von einer Seite her anheben und zusammenfalten. Vom Herd ziehen und kurz nachgaren lassen. Wer es lieber durchgegart mag, lässt es etwas länger auf dem Herd oder wendet es.
Omelette vorsichtig auf einen Teller gleiten lassen und mit den gehackten Kräutern bestreuen (Tipp: Man kann die Kräuter auch bereits mit in den Teig geben, das ist Geschmackssache).

4. In einer separaten Pfanne gleichzeitig etwas Öl erhitzen und die Tomaten ca. 3-4 Minuten in der Pfanne anschwitzen. Ordentlich salzen, pfeffern und gut durchschwenken. Zusammen mit dem Omelette servieren.

Zubereitungszeit: allerhöchstens 15 Minuten

Schlicht, sachlich und seelentröstend ★★★★★

6 Kommentare zu “Die neue Sachlichkeit: Kräuteromelette mit karamellisierter roter Zwiebel, Greyerzer und Strauchtomaten”

  1. zorra

    Schöner Seelentröster! Ich bin immer noch auf deine Andalusien-Fotos gespannt. ;-)

  2. Sophie

    Ich auch ;-) Kam einfach noch nicht zum Sichten, zu viel Trouble seitdem ich zurück bin. Aber BALD!

  3. Bonjour Alsace

    Nein, nein, kein ‘schnödes’ Omelette – ein gar köstliches Omelette, das es sicherlich bald als kleines Abendessen geben wird.

  4. Heike

    Oh nein, Omelette ist nicht einfach, ein gutes Omelette ist eine Kunst!
    Offenbar hier gelungen :)

  5. Ännchen

    Rührei kann jeder – ein pefektes Omlette können die Wenigsten. Und wie Du sagst, kommt es auf die Zutaten an. da läßt sich herrlich experimentieren :-) Vielen Dank für das kleine aber feine Rezept!

  6. nysa

    das ist ein schöner seelentröster. mir gefallen die bilder sehr!


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