Wir nannten ihn Trüffelheini. Und sein Name war Programm. Nie wieder habe ich eine so üppig mit Suchtstoff bedeckte Pasta gegessen wie in jenem urigen kleinen Ristorante im Hinterland des Gardasees. Die Erinnerungen sind nicht mehr rasiermesserscharf, ich war damals vielleicht sieben oder acht. Aber ganz sicher waren es die 80er, eine Zeit, als die sagenumwobenen Aromabomben noch unverschämt erschwinglich waren.

Legendär waren jene der Völlerei verschriebenen Abende in des Trüffelheinis Bude, hauchdünn die nach Wald und Erde und Glück duftenden Scheiben. Mit raschen Bewegungen rieb er sie über die noch dampfende Pasta, ging dabei von Teller zu Teller, von Tisch zu Tisch. Meine Eltern luden gern gute Freunde dorthin ein, klönten bis spät in die Nacht, irgendwann haben wir Kinder uns zum Schlafen auf der hölzernen Sitzbank zusammengerollt. Und doch, so klein ich auch war, so ist der Geschmack meiner ersten Tagliatelle al tartufo für immer in mein kulinarisches Gedächtnis eingebrannt, jenes würzige, ledrige, nussige Aroma und die buttrig-samtige Sauce, die die hausgemachten Bandnudeln umschloß.

Wenn ich heute Trüffelpasta koche, steigen unweigerlich diese Erinnerungen hoch. Ein Berg schwarzer Späne, ein Haufen seliger Dreikäsehochs. Meine genusssüchtigen Eltern, die Foodies waren, noch lange bevor dieser Begriff überhaupt existierte. Und das durch die watteweiche Umarmung des Halbschlafs dringende Gefühl, von sanften Händen ins Bett getragen zu werden.

 

Tagliolini mit Sommertrüffeln und Zucchiniblüten

 

Zutaten (für 2 Personen):

ca. 220 g Tagliolini
1/4 l Hühnerbrühe oder -fond
60 g (Trüffel-)Butter plus 20 g Butter für die Zucchiniblüten
optional: 1 EL Trüffelöl (am besten eine Trüffelessenz oder ein Öl von ausgesuchter Qualität ohne künstliche Aromastoffe)
Salz
1 schwarzer Trüffel (1 Knolle à mind. 40 g)
6 Zucchiniblüten

 

Zubereitung:

1. Die Hühnerbrühe in einem kleinen Topf oder einer Stielkasserolle erhitzen. Die (Trüffel-)Butter zugeben und alles auf die Hälfte einkochen lassen. Zusammen mit dem Trüffelöl in eine tiefe Schüssel geben. Die Mischung aus Fond, Butter und Öl ist das Geheimnis für eine cremige, dichte Sauce. Wem das Trüffelaroma zu viel ist, nimmt schlichte Butter und lässt das Öl einfach weg.

2. Währenddessen die restliche Butter (ca. 20 g) in einer Pfanne schmelzen lassen. Die Zucchiniblüten vom Stempel befreien und in der schäumenden Butter von beiden Seiten goldbraun braten.

3. Ebenfalls in der gleichen Zeit die Nudeln in reichlich kochendem Salzwasser nach Packungsanweisung garen. Abgießen, zur eingekochten Fond-Butter-Öl-Mischung in die Schüssel geben und alles gut durchschwenken. Auf Teller verteilen, mit den Zucchiniblüten anrichten und mit einem scharfen Hobel großzügig den Trüffel darüberhobeln.

 

 

Ein Kommentar zu “Die Geschichte vom Trüffelheini und vom Glück, ins Bett getragen zu werden: Tagliolini mit Sommertrüffeln und Zucchiniblüten”

  1. Martina

    Hallo liebe Sophia,
    Lese gerade Deine schönen Kommentare über die Kindheitserinnerungen in Virle-
    Ferragosto bei Lina, der Trüffelheini bei dem es sogar Eis mit Trüffel gab – und freue mich, dass Du Dich doch so wohl dort fühltest wie ich das auch empfand! Es war die bunteste und leckerste Zeit die die 80er damals hergegeben haben. Erinnere mich auch an den alten Hof – Eiersuchen zu Ostern und Verstecken im Heu! Leider lang, lang her, aber trotzdem noch präsent. War schön! Danke für die tollen Rezepte und Erinnerungen!
    Liebe Grüße
    Tina ( früher vom Lutz)


Schreibe einen Kommentar: