Die Berührungsängste, die viele meiner Freunde/Bekannten/Tischnachbarn gegenüber Quinoa haben, ist mir völlig schleierhaft. Wann immer ich in die Verlegenheit Gelegenheit komme, auch einmal etwas zum (zugegebenermaßen etwas unattraktiven) Thema „Gesunde Küche“ beizutragen, preise ich diese magischen Körnchen an, merke ihren Nährsstoffgehalt und – hallo! – ihr Potential als pflanzliche Eiweißbombe an und versichere, dass das alles zwar kriminell vernünftig klingen mag, aber ausnahmsweise auch mal verdammt gut schmeckt.
Wahrscheinlich liegt es am exotischen Namen, der die meisten zurückschrecken und stattdessen zum mainstreamkompatibleren Couscous greifen lässt. Dabei ist die Zubereitung von Quinoa mindestens genau so einfach. Buchstabieren lernen wir dann später.

Hört man sich ein bisschen um, ist schnell klar, wo der Hase begraben liegt. Die meisten der von mir zu Quinoa brefragten Probanden sind schlicht und einfach überfordert, was damit anzufangen ist, welche Lebensmittel man dazu kombiniert, wie man ihn kocht und vor allem: warum überhaupt.
In einer Welt, in der alles, immer und überall Reis, Kartoffel oder Nudel ist und im Zweifelsfall in Soße ertrinkt, scheint es vollkommen unlogisch zu sein, dass es etwas gibt, dass wie Getreide aussieht, aber keines ist. Genau so zubereitet werden kann. Und ohne dicke Tunke auskommt.

Ohne Sugo?  Beim Quinoa geht das – aber es muss natürlich nicht sein. Das kleine Inkakorn mit dem atemberaubenden Mineralstoffprofil macht jeden Kreativitätsschub mit und ist ein guter Schüler in Sachen Sozialkompetenz.
Ein wenig Ziegenbutter darüber, ein pochiertes Ei oben drauf: So sieht für mich die Symbiose aus Schlichtheit und Perfektion aus.

Dann – Trommelwirbel – folgt die Kür. Oder habt ihr etwa gedacht, Quinoa wäre eine Diätzutat? Ich gebe knuspriges Maldon Sea Salt auf die gedämpften, noch heißen Körnchen, blanchiere ein paar frische Zuckererbsen oder -schoten, streue Zitronenzesten über das Nicht-Getreide, mahle Pfeffer, presse die Zitrone aus, gieße mir ein Glas Rotwein ein, röste etwas Sesamsaat, hoble einen gut gereiften Parmiggiano Reggiano über das Eigelb, mache mir einen schnellen Tomatensalat dazu, mixe ein fixes Dressing, rette das Ei vor dem Tod durch Ertrinken …

…. und ehe ich mich versehe und bis drei (na gut, dreissig) zählen kann, steht ein perfekter (und bevor ich’s vergesse: gesunder) Teller auf dem Tisch.

Prädikat? Pädagogisch wertvoll!

 

Quinoa mit Erbsenschoten, Parmesan und pochiertem Ei

Zutaten

  • pro Person 100 g Quinoa (lose oder im Kochbeutel)
  • 2 EL Ziegenbutter
  • 1 Handvoll Zuckererbsen/-schoten
  • 1 Bio-Ei, Klasse M
  • ein Stück gut gereifter Parmigiano Reggiano
    2 EL schwarzer und weisser Sesam
  • Salz und frisch gemahlener Pfeffer
  • Saft 1/2 Zitrone plus die abgeriebene Schale
  • 2 EL Traubenkernöl
  • 1 El Dijonsenf
  • 1 TL Ahornsirup


Zubereitung

1. Das Quinoa nach Packungsanweisung kochen. Abgießen bzw. aus dem Beutel nehmen und kurz abkühlen lassen. Dann die Ziegenbutter gut unter das noch warme Quinoa mischen.
Mit einem Käsehobel feine Späne vom Parmigiano Reggiano hobeln.

2. Die Erbsen aus den Schoten lösen, bei flachen Schoten oder Zuckerschoten die Schoten ganz lassen. Etwas Wasser in einem kleinen Topf zum Kochen bringen und die Erbsen/Schoten darin ca. 2 Minuten blanchieren. Abgießen und kalt abschrecken.

3. Währenddessen in einem zweiten kleinen Topf etwas Wasser zum Kochen bringen. Sobald das Wasser sprudelnd kocht, die Hitze etwas herunter drehen. Das Ei in eine kleine Schüssel schlagen. Mit einem Löffel im Topf Kreise ziehen, so dass ein Strudel entsteht. Das aufgeschlagene Ei vorsichtig ins Wasser hineingleiten lassen und dabei weiter Kreise ziehen. Das klingt komisch, ist aber so: Der Trick dahinter ist, dass sich auf diese Weise das Eiweiß besser um das Eigelb legen kann.
Das Ei ca. 2 Minuten im Wasser pochieren. Mit einer Schöpfkelle herausnehmen und gut abtropfen lassen.

4. Den Sesam in einer Pfanne rösten. Aus dem Traubenkernöl, dem Senf, dem Ahornsirup und dem Zitronensaft ein Dressing mixen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Vorher die Zitronenschale abreiben, Zitronenschale beiseite stellen.
Die blanchierten Zuckerschoten/erbsen in etwas Ziegenbutter schwenken. Salzen und pfeffern.

5. Das geziegenbutterte Quinoa auf Teller verteilen, die Zitronenschale unterheben und je ein pochiertes Ei darauf setzen. Die Erbsen&Schoten um das Getreide herum verteilen, die Parmesanspäne auf dem Ei platzieren und alles mit der Sesamsaat bestreuen.

 

Was geht noch? Frische Kräuter, ein Klecks Senf, ein fester Ziegenkäse statt des Parmesans, Pinienkerne statt der Sesamsaat.
Das passt auch super dazu: Rindersteak vom Grill, ein paar Garnelen, frische Tomaten statt der Zuckererbsen/-schoten.

 

5 Kommentare zu “Das ABC der Vollwertküche: Quinoa mit Erbsenschoten, Parmesan und pochiertem Ei”

  1. Zizibe

    Roter oder schwarzer Quinoa (schmecken nussiger),ev.auch gemischt,
    könnten noch mehr Farbe in deine schöne Kombination bringen.
    Diese Sorten besorge ich mir in Weltläden.
    Vielen Dank fürs Rezept.
    Sind 100g/ Person nicht zuviel?

  2. Buchfink

    Ich schließe mich zizibe an, sie ist übrigens meine Freundin. Kulinarisch haben wir meistens den gleichen Geschmack.

  3. Seidenhühner mit Puschelpopo

    [...] Eier und zwar fast täglich. Also immer her mit leckeren Eirezepten. Fündig wurde ich schon bei Cucina PiccinaSogar ein Doppeldotter war schon dabei.Meistens hingegen sehe ich die Damen von hinten. Ich [...]

  4. Astrid

    Grandioses rezept… Hat sich in meinen temporären vegetarischen Nährplan (der Freund braucht gute Neujahrsvorsätze zum über Bord werfen) etabliert und ist immer wieder ein Genuss. Sogar das Pochieren hat einmal geklappt ;-) die Mengenangabe für das Quinoa hab ich jedoch reduziert und die Ziege durch Kuh ersetzt… muuuuh.

  5. quinoa24

    Das sieht mal richtig lecker aus. Vielleicht liegt es auch daran das die Produkte bisher einfach nicht richtig präsentiert wurden und schmackhaft gemacht? Danke für Ihr Rezept…


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