So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass wir doch noch dieses Jahr mit der Wohnungseinrichtung fertig werden. Ich wollte es fast nicht glauben, aber H. und ich, so scheint es, werden in wenigen Tagen stolze Besitzer eines wunderschönen neuen Esstisches sein, der groß genug für nette Runden zu sechst oder acht ist. (Wobei “neu“ in diesem Fall eigentlich “alt“ heisst – der Tisch ist ein Fundstück, erspäht bei einer meiner liebsten Trödeladressen). Bislang war das nicht möglich, da unser Küchentisch gerade mal groß genug für 2 gekochte Eier, meinen Obstsalat und H.’s Salami-Sortiment ist.

Noch bevor ich die Scheinchen gezückt habe, bin ich im Kopf die Menü-Optionen durchgegangen. Drei oder vier Gänge? Kalbsbraten, gebeizter Lachs, eine Crème brûlee? Wen lade ich zuerst ein und vor allem wann? Ich hoffe, ich habe es noch nicht verlernt, das Kochen für mehrere Personen. Sylvester vor vier Jahren habe ich Vorspeise, Zwischengang, Haupt- und Nachspeise für 20 Leute fabriziert. Ich lag genau 2 Minuten nach Mitternacht im Bett. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass unser neuer Esstisch nicht allzu groß ist.

Vielleicht fange ich aber auch erstmal mit etwas Einfachem an, cucina semplice also, aber mit ein bisschen Pfiff. Etwas, das viel hergibt und wenig (logistische) Arbeit macht. Sedanini con zucca e stracchino habe ich seit meiner Kindheit oft in einem sehr einfachen Restaurant in Caprino, einem kleinen Dorf oberhalb des Gardasees, gegessen. Ich liebe dieses Gericht, kann es hier aber nicht kochen, weil man diesen cremigen Kuhmilchkäse mit der Konsistenz irgendwo zwischen Mascarpone und Camembert außerhalb Italiens kaum bekommt. Ich könnte ihn zwar selbst herstellen – dann wäre es aber nicht mehr cucina semplice!
Also habe ich den Stracchino kurzerhand durch Büffelmozzarella ersetzt.

Einfach ist sie wirklich, diese Pasta, allerdings ist für das Butternutcarpaccio schon ein wenig Ausdauer und ein geübter Umgang mit dem Sparschäler von Nöten. Wenn aber der Kürbis erstmal in feine Späne geschält und mariniert ist, geht der Rest ziemlich fix. Ich finde den knackigen Biss und die Kühle der rohen, marinierten Kürbis-Späne einfach genial zur cremigen Sauce und dem leicht säuerlichen Geschmack des Büffelmozzarellas, der – rasch unter die heißen Sedanini gemischt – schon ein wenig zu schmelzen beginnt. Kein Vergleich natürlich zum Stracchino…..

Auch farbtechnisch wirklich ein Traum von einem Pastateller. Apropos Pastateller:  Ob davon wohl 8 Stück auf den neuen Esstisch passen?

Sedanini mit Kürbiscarpaccio, Radicchio und Buffala

Zutaten

  • Für das Kürbiscarpaccio:
    1 mittelgroßer Butternut-Kürbis
    Schale einer Biozitrone
    Piment d’Espelette (wenn nicht zur Hand: Schnöde gemahlene Chili)
    Fleur de Sel
    gutes Öl, Menge nach Belieben 2-3 EL (Walnussöl macht sich gut, ein 1a-Olivenöl aber auch)

    Für die Pasta:
    250 g Sedanini
    1-2 EL Olivenöl
    wer mag: ein Schluck Sahne oder Creme fraîche
    Salz, frisch gemahlener Pfeffer
    2 Handvoll Datterini (Datteltomaten)
    1/4 Radicchio
    1 Kugel Büffelmozzarella (wer ihn findet, sollte das Rezept unbedingt mit Stracchino versuchen!)
    eine Hand voll frische Basilikumblätter

Zutaten

1. Den Butternut schälen. Das ist bei der Form zugegebenermaßen etwas schwierig, aber sein mildes Fruchtfleisch eignet sich hervorragend für ein “Carpaccio“. Dann mit einem Sparschäler hauchdünne Späne vom Fruchtfleisch abschälen – und zwar so lange, bis man keine Lust mehr hat und/oder eine erkleckliche Menge an Kürbisspänen auf dem Brett liegen. Diese in eine Schüssel geben. Die fein abgeriebene Zitronenschale, Piment d’Espelette, Salz und (Walnuss-) Öl gut untermischen. Die Schüssel mit Klarsichtfolie abdecken und den Kürbis für mindestens vier Stunden oder noch besser über Nacht marinieren.

2. Den restlichen Kürbis in Stücke schneiden und in etwas Brühe oder gesalzenem Wasser weich garen. Den gegarten Kürbis in ein hohes Gefäß geben und gut pürieren, dabei etwas von dem Kochwasser hinzufügen, bis ein feines Mus entstanden ist. Das Öl unterschlagen (wer es cremig mag, auch die Sahne/Creme fraîche) und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3. Sedanini nach Packungsanweisung kochen. Radicchio fein schneiden oder hobeln, Datteltomaten waschen und abtrocknen. Wenn die Pasta bissfest ist, abgießen, dabei etwas von dem Kochwasser auffangen. Kürbismus unter die Pasta heben (wenn es kalt geworden ist, noch mal in einer Pfanne kurz erhitzen und die Pasta mit dazu geben), eventuell noch etwas von dem Pastawasser hinzufügen.

4. Jetzt ist die Pasta eigentlich so gut wie fertig. Nur noch den Radicchio und die Tomaten unter die Sedanini mischen. Den Büffelmozzarella mit den Händen in Stücke zupfen und unter die noch heiße Pasta mischen. Eventuell noch etwas Basilikum zerzupfen und darüber streuen, basta.

Zubereitungszeit: 20 Minuten für die Pasta, 20 Minuten für das Kürbiscarpaccio (und die Marinierzeit nicht vergessen)

Semplice ma buono: ★★★★☆

9 Kommentare zu “Cucina semplice: Sedanini mit Kürbiscarpaccio, Radicchio und Buffala”

  1. Steffen Sinzinger

    Simple but nice! Wunderbar wirkt dieser Teller auf dem denke ich auch sehr schönen Esstisch. Wo bleibt denn ein Foto in der Komplettansicht? Bitte nachreichen!

  2. lamiacucina

    ist die Glasglocke speziell für Butternuts ? Das Rezept bookmarke ich mir mal für nächsten Herbst.

  3. dreierlei liebebei

    Hallo, wir mögen Deinen blog sehr gerne, weshalb wir einen Award an Dich weitergegeben haben.

    Lieben Gruß aus der liebelei

    http://dreierlei-liebelei.blogspot.com/2011/02/freude-oh-freude.html

  4. Alex

    Stracchino fehlt mir total, so ein leckerer, cremiger und trotzdem magerer Käse. Kennst du squacquerone? Eine ähnliche Käsesorte aus der Emilia Romagna.
    Dieser Pastateller hat wunderbare Farben, das kann nur super schmecken.
    Ich hoffe, du wirst uns bald deinen neuen Tisch zeigen.
    Buona domenica

  5. Token

    Das sieht unheimlich gut aus! Butternut esse ich viel zu selten (nehme meistens immer nur Hokkaido). Rezept muss ich mir merken.

  6. Sophie

    @ Steffen. Das ist doch aber noch gar nicht der Esstisch :-)
    @ Robert: Wie immer hast du recht mit deinem (sehr dezenten) Saison-Tadel …Aber erst beim 10. Butternut gibt es die spezielle Glasglocke dazu, da muss man viel Butternut essen, bis man seine Treue-Kürbisse beisammen hat. ;-)
    @  das Team von Dreierlei Liebelei: Oh, das ist ein wunderschönes Kompliment, das ihr mir da gemacht habt! Ich freue (und wundere) mich immer wieder, wer mich alles so liest. Vielen vielen Dank!
    @ Alex: Stracchino ist mager?! Wär ich nie drauf gekommen. Ein Grund mehr :-) Squacquerone hab ich noch nie gehört. Es gibt noch viel zu entdecken. Tisch kommt!
    @ Token: Das Bild kommt an das Original gar nicht erst ran. Butternut hat den Vorteil, dass er nicht so „matschig“ wird wie Hokkaido. Für Suppe ist das super, für diese rohen Späne eher weniger. Probier’s auch.

  7. Christina

    Ojeoje, ich gehöre ja auch zu diesen Butternut-Verschmäherinnen und weiß gar nicht wieso… *sabber* Sieht das lecker aus! Und hurra zum neuen Esstisch – das ist doch irgendwie immer der Dreh- und Angelpunkt der Wohnung, oder?

  8. Sophie

    @Christina: Versteh ich gar nicht, warum der arme Butternut so ein stiefmütterliches Dasein fristet. Ein großer Esstisch ist to-tal wichtig, schon allein um daran Posts zu schreiben UND sich gleichzeitig etwas in den Mund schieben zu können…

  9. Cucina Piccina » Blog Archive » Aller guten Dinge sind drei: Herbst-Crostini

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