Da wären wir also. 16 Verrückte, pardon, FOODverrückte, aus allen Ecken Deutschlands plus eine gute Handvoll Londoner. „Da“, damit meine ich das kleine Nest San Marco di Castellabate, das gerade aus seinem Winterschlaf erwacht – Ende März gibt es hier noch keine Touristen, die große (Nord-)Italienische Osterwelle ist noch nicht angerollt und die Dorfbewohner fangen langsam, gaaaaaanz langsam an, die Bürgersteige herunterzuklappen und die Betten auszuschütteln. Mitten in diesen gemächlichen Frühjahrsputz poltern wir herein – und haben Hunger. Und Durst. Und Lust auf das ein oder andere kulinarische Abenteuer. So eines wie das vom „Tri Tra Trufalo“ aus Stevan Pauls heiß geliebtem Kurzgeschichtenband Schlaraffenland, die tatsächlich (ich weiß es!) genau so passiert ist. Und zwar hier, im Cilento.

 

 

Ein herrliches Fleckchen Erde, das nur darauf wartet, kulinarisch in Buchform gegossen zu werden. Und das ist unser Ziel, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch fern am Horizont wabert wie ein noch nicht ganz durchgekühltes Zuccotto.

 

 

Gottseidank haben Gianfranco und sein kleines Team des Hotel Antonietta schon mal die Küche warm laufen lassen – bereits am ersten Abend wird ordentlich aufgekocht, wir haben schließlich keine Zeit zu verlieren. Außerdem scharren wir seit Wochen mit den Hufen! Bis auf Florian, unseren, ich sag mal,  Supervisor, war noch keiner von uns im Cilento, jener selbst von passionierten Italienliebhabern relativ unbesuchten Gegend in der Region Kampanien. Dabei ist das hier UNESCO Welterbe-Gebiet, Büffelmozzarella-Hochburg und Trüffel-Zone, überhaupt ein Eldorado für Liebhaber von wildem (!) grünem Spargel, Puntarelle, Artischocken, Zitrusfrüchten (von der nahen Amalfiküste), frischem Fisch, Steinpilzen und achja, all dem anderen Kram, dem unsere Spezies rettungslos verfallen ist. Muss man erlebt haben. Oder er-gessen. 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer allerdings gedacht hat, er könne sich hier einen faulen Lenz machen, ist schief gewickelt.

Vor uns liegen fünfeinhalb spannende Tage, in denen wir gemeinsam kochen, essen und trinken werden, aber auch auf Blüten-, Seeigel- und Bilderjagd gehen – ein Kochbuch lebt schließlich nicht von der Aneinanderreihung einzelner Buchstaben. Mit viel Geduld (und hier und da auch einem Schmunzeln) nehmen uns Gianfranco und seine Küchenfee Giovanna dort an die Hand, wo wir etwas hilflos aussehen und lassen uns ansonsten gelassen die Hotelküche verwüsten  – kann losgehen. Wir produzieren Cavatelli (schwierig) und Tagliatelle (schon einfacher), kochen Pulpo „from hell“, frittieren was uns an Gemüse in die Quere kommt und kreieren ein Eis aus wildem Fenchel mit Schokoladensauce.

Heraus kommt jede Menge Cookbook-Stoff.

 

 

 

 

 

Tradition und Eigeninterpretation, diese Mischung soll unser Cilento Kochbuch würzen, gespickt wird es mit unseren persönlichen Geschichten, abgeschmeckt mit schönen Foodfotos. Den Livorneser Fischeintopf Cacciucco transformieren wir kurzerhand in einen „Cilecicucco“ und aus dem Pesche blue wird eine kunstvoll aufgetürmte Tatarkreation.

 

 

 

 

So viel zu den von mir geshooteten (und größtenteils auch gestylten) Foodpics, jetzt noch ein kleiner Blick „behind the scenes“: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei aller Ausgelassenheit tickt im Hintergrund leider unüberhörbar die Uhr, nach dem Abendessen wird die Laptop-Parade neben den Weingläser aufgebaut. Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat eines meiner sieben Ladekabel gesehen? Und wer hat hier eigentlich von Urlaub gesprochen? Dieser Trip ist definitiv etwas für Fleißkärtchensammler und nur mit jeder Menge Food zu ertragen. :-)

 

 

Fast hätten wir vor lauter Arbeit vergessen, das Cilento zu erkunden. Aber hier und da schaffen wir es tatsächlich auch mal, dem Produktionsareal den Rücken zu kehren – und sei es nur, um neue Zutaten zu besorgen oder bei Cornetti und Cafè Redaktionssitzung zu halten. Läuft.

 

 

 

 

 

Zugegeben, zwischendurch geht mir kurz mal die Puste aus, vor allem morgens, wenn ich leicht restverkatert vor meinem Kaffee sitze: kurz vor dem Sprung in den nächsten Programmpunkt, mit einem Fuß schon wieder vor dem Herd, mit dem Finger bereits wieder am Abzug. Aber natürlich macht das alles einen Heidenspaß, vor allem dann wenn es ums Rezepte spinnen, köcheln, shooten, stylen, improvisieren und entdecken geht. Das Gute: Jeder hier hat seine ganz persönlichen Vorstellungen, seine individuellen Kompetenzen und seinen eigenen Drive. Das führt mitunter zu Reibungen, ganz klar, garantiert aber auch ein ergebnisorientiertes Teamwork. Denn wenn alle nur an einer Ecke basteln würden, stünden wir ganz schön doof da.

Wichtig ist am Ende nur, dass die Puzzleteile stimmen.

 

 

Arbeitsteilung ist denn auch das Zauberwort dieser Tage, jeder macht das, was ihm am meisten liegt. Es dauert nicht lange und wir haben uns eingependelt: In den Arbeitsflow, das (für meinen Geschmack) frühe Aufstehen, in Nahrungsmenge, Weißweinzufuhr und das Damoklesschwert des näher rückenden Redaktionsschlusses. Nicht alles, was wir geplant oder gegessen haben, hat es auch ins Buch geschafft, aber ich würde doch behaupten: Das meiste. Am Ende greifen wir alle wie ein gut geöltes Zahnrad ineinander. Und gehen mit einem ersten gelayouteten Entwurf nach Hause.

Viereinhalb Monate später, back to Germany. Das in Rekordzeit angefutterte Hüftgold ist längst wieder verschwunden, die Erinnerung an das Cilento.. .halt, absolut nicht verblasst! Und tatsächlich haben ein paar fleißige Hände und Augenpaare im Hintergrund weitergearbeitet, damit unser Cilento Cookbook nicht nur ein schöner Traum bleibt.
(Danke an dieser Stelle an Annette, Florian, Oliver, Martin und Alice!)

 

 

Wer jetzt neugierig oder hungrig geworden ist:
Ja, wir gehen in Druck!
Einen eigenen Verlag haben wir zwar nicht dafür gegründet, aber trotzdem könnt ihr, falls Interesse besteht, ein Exemplar kaufen. 

Bitte gebt mir dazu bis spätestens Samstag Abend Bescheid, gerne per E-Mail an Sophie@cucinapiccina.de.
Achtung: Bestellungen sind verbindlich und es wäre wichtig, dass ihr mir den Betrag so rasch wie möglich überweist (erst dann kann ich alle Bestellungen weiterleiten). Das Buch wird voraussichtlich um die 40 € kosten, hängt ein wenig von der Menge der bestellten Bücher ab.

 

Und jetzt: Buon Appetito!

9 Kommentare zu “Cilento Flashback or how to write a cookbook in five days”

  1. ullatrulla

    Das klingt nach spannenden Tagen…. Was für eine tolle Idee, sich zusammen zu finden, um ein Kochbuch zu gestalten. Mich würde ja interessieren, wie Ihr Euch gefunden habt (16 deutsche Foodies plus ein paar aus London?) und den Ort für Euer Projekt (irgendwo in Italien?) ausgewählt habt…
    Liebe Grüße,
    Daniela

  2. Tonia

    Diese Tage hätten mir auch gefallen. Ich kam gerade von Arbeit nach Hause und dein Beitrag hat mir ein kleines bisschen Erholung und Urlaub gegönnt. Träumereien auch in Cilento zu sein… schön!

  3. Micha

    Wunderschöne, stimmungsvolle Bilder!

  4. brittakama

    Ich habe schon lange nicht mehr so eine geballte Ladung wunderschöner Fotos gesehen.
    Ganz toll und so schön die Stimmung eingefangen, ein Traum!

  5. Kathi

    Wirklich wunderbare Bilder und Impressionen. Mich würde auch interessieren – wie kamt ihr drauf, kanntet ihr euch vorher schon alle? Ist ja ein wirklich tolles und spannendes Projekt :D!

  6. kochessenz

    jetzt geht es lohos! Buch ist im Druck :=)

  7. tante barbara

    Liest sich gut! Geht´s Dir gut?

  8. tante barbara

    Liest sich gut!
    Geht´s Dir gut?
    Meldest Du Dich mal?

  9. Italienischer Orangenkuchen aus dem Cilento | Cucina e piu

    [...] aus dem wunderbaren Buch “The Cilento Cookbook Experience” das ich von Sophia bekommen [...]


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