In diesem Risotto-Post taucht weder das Wort „schlotzig“ auf noch wird dafür in einem ersten Arbeitsschritt ein Suppenhuhn ausgekocht. Denn ihr wisst ja, ich koche nur mit Wasser. Manchmal auch mit Chili.

Traditionalisten sollten ebenfalls weiterklicken. Das Rezept für Risotto „Habanero“ ist alles andere als ein Klassiker, sondern die Folge einer schleichenden Risottoermüdungserscheinung, gepaart mit dem Wunsch nach – äh, ja – Risotto. Das klingt unlogisch, ist aber so!

Vielleicht waren es die sich häufenden Enttäuschungen über fade risotti, die mich zu dieser etwas ungewöhnlichen Variante anfeuerten. Vielleicht aber auch nur die einsam vor sich hinschrumpelnde Habanero-Chili, deren Pole-Position auf der Schärfegradskala ihr Eremitendasein zu zementieren drohte. Ein Experiment musste her.

So entstand aus dem Handgelenk ein Risotto, dessen Aroma-Glut einem regelrecht die Schuhe auszieht. But: Some like it hot!

Ich kochte zunächst ein Sößchen aus bereits im Ofen geschmorten und gehäuteten Paprika, einer halben (oder war es eher eine viertel ??) Habanero, einem Schluck Weißwein, etwas Brühe, einem Schwung Olivenöl. Es stellte sich als UNGEMEIN SCHARF heraus. So scharf, dass ich einen halben Liter Milch (in mich, nicht in das Sößchen!) nachkippen und eine zweite Palette ungarische Spitzpaprika in den Ofen nachschieben musste. Erst mit dieser doppelten Menge Capsaicin-freien Rohstoffes war das Ganze genießbar.

Geht doch!

Jetzt kommt der Reis mit ins Spiel.

Als ausgewiesene Besitzerin des Ehrenwimpels im Risotto-Kochen würde ich mich bei unbegrenztem Budget wahrscheinlich immer für die Klassiker entscheiden: Steinpilze, Trüffel, Safran, grüner Spargel. Abgesehen davon, dass ich dafür mein Sparschwein schröpfen müsste, bliebe aber auch das Gefühl unverhältnismäßiger Völlerei und frivoler Dekadenz. Ristto war schließlich irgendwann mal ein Arme-Leute-Essen, dessen Vollkommenheit in seiner Schlichtheit liegt.

Warum also nicht mal ein Paprika-Risotto?

Zu der klassischen Basis – angeschwitzte Schalotten, Reis, Weißwein, Brühe – kam ein Schwung selbstgekochter Tomatensauce, nach der Hälfte der Garzeit außerdem ein Teil der in Streifen geschnittenen, gehäuteten Ofenpaprika und 4 EL der Paprika-Habanero-Sauce. Während des gesamten Prozesses viel Liebe. Gegen Ende dann ein Stück Butter, viel Parmesan und eine Handvoll verkohlter Pinienkerne.

Beim nächsten Mal werde ich es mit unverkohlten pinoli versuchen.

Und siehe da: Auf einmal schmeckt die Chose.

Feuriges Paprika-Risotto mit Pinienkernen

Zutaten

  • 300 g Risottoreis
  • 200 g Strauchtomaten
    Salz, Pfeffer, 1 Knoblauchzehe, Olivenöl
  • 2-3 Schalotten
    ein Schluck Weißwein
    viel Brühe
    ein kleines Stück Butter (1-2 EL) – macht das Risotto schön sämig
    60 g Parmesan, fein gerieben
    1 Hand voll Pinienkerne
  • Für die Paprika-Habanero-Sauce:
    1/4 Habanero-Chili (lieber erstmal weniger als zu viel)
    600 g Spitzpaprika
    1 Koblauchzehe
    frischer Thymian
    Salz, frisch gemahlener Pfeffer
    außerdem: ein Schluck Weißwein, etwas Brühe, ein Schwung Olivenöl (s.o.)

Ich nehme für den Risotto immer Carnarolo-Reis, genauso gut eignen sich aber auch Arborio oder Vialone. Wichtig ist es, die Cremigkeit über das sukzessive Nachgießen der Brühe und ein sanftes Rühren zu erreichen – das klappt auch ohne komplizierte Lehrmethoden.

In puncto Brühe treibe ich mal mehr, mal weniger Aufwand. Bei Frutti di Mare darf es Fischfond sein, ansonsten nehme ich für leichte Gemüserisotti mit Spargel, Zucchini oder Tomaten gern Gemüsebrühe, für kräftigere Risotti z.B. mit Steinpilzen oder Kürbis lieber Hühnerbrühe. Man kann für ein primo (also ein Hauptgericht, dem eigentlich noch ein secondo, ein Fisch- oder Fleischgang folgt) ca. 300-350 g Reis auf 4 Personen rechnen, dazu ca. 1,5 l Flüssigkeit (pi mal Daumen).

Zubereitung

1. Für eine schnelle Tomatensauce die Tomaten mit heißem Wasser überbrühen, häuten, Strunk entfernen, entkernen und grob hacken. Mit Salz, Pfeffer, einer zerdrückten Knoblauchzehe und ca. 2 EL Olivenöl im Mixer oder mit dem Pürierstab fein pürieren, evtl. durch ein Haarsieb streichen.

2. Die Paprikaschoten waschen, halbieren und vom Strunk, den Kernen und den weißen Innenhäuten befreien. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C mit etwas Knoblauch und Thymian so lange backen, bis die Haut schwarze Blasen wirft. Herausnehmen und mit einem feuchten Küchentuch bedeckt ca. 20 Minuten ruhen und abkühlen lassen. Dann die Haut abziehen und in schmale Streifen schneiden. Ein bisschen Olivenöl darüber schadet nicht.

3. Die Habanero-Chili fein hacken. Zusammen mit 3/4 der Paprikaschoten, etwas Weißwein, etwas Brühe und einem Schwung Olivenöl im Mixer zu einer sämigen Sauce pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

4. Jetzt das Risotto: Einen großen schweren Topf auf den Herd stellen. Die Schalotten fein hacken, in 2 EL Olivenöl anschwitzen. Den Reis zugeben und ebenfalls kurz anschwitzen, bis er leicht glasig wird. Mit Weißwein ablöschen, fast vollständig reduzieren. Dann mit einem ersten Schwung Brühe aufgießen und die passierten Tomaten unterheben. Dass der Reis immer gut mit Flüssigkeit bedeckt sein sollte, wisst ihr eh. Was noch? Mit Liebe umrühren, aufmerksam nachgießen, nichts anbrennen lassen.

5. Nach der Hälfte der Garzeit 4 EL von der Paprika-Habanero-Sauce und die restlichen in Streifen geschnittenen Ofenpaprika unterheben – man kann und darf aber auch noch ein paar Paprika zum Garnieren aufheben.
Kurz vor Dinner den Parmesan unterheben, alles gut durchmischen und den Topf vom Herd ziehen. Kurz ruhen lassen, dann die Butter unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

6. Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, dabei darf man ruhig ein bisschen hinsehen, wie sich der Bräunungsgrad so entwickelt.
Gut: Ein sanft schimmernder Goldton.
Schlecht: Siehe Bild.

7. Risotto auf Tellern anrichten, ggfs. mit den zurückgelegten Paprikastreifen garnieren. Mit Parmesan und Piniernkernen bestreuen und servieren.

Zubereitungszeit: keine Ahnung mehr

Some like it hot: ★★★★★

7 Kommentare zu “Chön charf: Risotto „Habanero“ mit Feuereifer, feuriger Paprika-Sauce und angefeuerten Pinienkernen”

  1. Ti saluto Ticino

    Ich mag Risotto traditionell genau so gerne wie alle anderen Varianten. Doch für diese feurige Variante könnte ich mich begeistern. Ich würde dann allerdings auch den Pinienkernen etwas weniger Feuer geben ;-)

  2. Alex

    Ich mag Experimente in der Küche, genauso wie ich die Klassiker mag. Und scharf darf es gerne sein, sogar sehr scharf. Außerdem wird es bald kalt, dann kann man die Wärme von innen sehr gut gebrauchen.
    Un caro saluto

  3. Christina

    Scharfes Rezept, in jeder Hinsicht! Oh man, und das ist genau mein Pinienkern-Dilemma, die wechseln ja innerhalb von SEKUNDEN von goldbraun zu schwarz.

  4. Su

    Nach meiner ersten Habanero hab ich mir geschworen: niemals wieder. Tropisch-fruchtiges Aroma? Pah, wer soll das denn bei der Höllenschärfe herausschmecken? Gebackene Paprika mag ich hingegen auch gern im Risotto. Leider erst im vergangenem Jahr entdeckt: Radicchio plus Gorgonzola.

  5. JO

    Das klingt sehr sehr gut!!Muss ich mir gleich mal abspeichern ;O))

  6. JO

    Oh nun hab ich glatt die lieben Grüß aus dem Norden vergessen ;O)

  7. Cucina Piccina » Blog Archive Mehr (Willens-) Kraft! Mehr Ausdauer! Mehr Hunger! Schnelles Herbstrisotto mit Zucchiniblüten und karamellisierten Frühlingszwiebeln » Cucina Piccina

    [...] 1. In einer tiefen Pfanne oder einem schweren Topf 1 EL Butter zerlassen. Zwiebelwürfel darin bei niedriger Hitze glasig dünsten. Den Reis (samt getrocknetem Gemüse/Pilzen) hinzufügen und ebenfalls 2-3 Minuten anschwitzen, dabei aufpassen, dass er nicht anbrennt. Mit Weißwein ablöschen, dann nach und nach die Brühe zugießen, bis das Risotto gar ist – es sollte schön sämig, aber noch bissfest ist. Wer mehr wissen will: Zum Thema Risotto habe ich schon einmal etwas geschrieben, hier zum Beispiel und hier. [...]


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