„Fritta è buona anche una ciabatta“, sagte einst mein Mitbewohner Vincenzo in Florenz, was in etwa so viel bedeutet wie „frittiert schmeckt so gut wie alles, sogar die Hauspantoffeln“. Der Spruch stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Pellegrino Artusi, jenem toskanischen Literaturkritiker und Feinschmecker aus dem 19. Jahrhundert, der es mit seinem – übrigens anfänglich auf eigene Kosten publizierten – Buch „La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene („Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens“,) zu nicht unerheblichem Ruhm und Ehre brachte. Artusis umfassende Sammlung traditioneller Rezepte aus ganz Italien ging schnell durch die Decke und ist bis heute ein wichtiges Standardwerk. Der Mann gilt als Begründer der italienischen Nationalküche und als treibende Kraft eines neu entstehenden kulinarischen wie sprachlichen Einheitsgefühls. Fish & Chips („Pesche fritto con patatine“) standen wohl eher nicht in seinem gastrosophischen Wälzer der Extraklasse. Und ich, also ich so ganz alleine, hätte mir dieses Gericht wohl selbst auch niemals auferlegt.

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Es ist jetzt fast schon zwei Monate her, dass die Für Sie bei mir anklopfte und mich um meine Top 3 Restaurant-/Café-/Bartipps für München bat. Hab ich natürlich gern gemacht, allerdings war es gar nicht so einfach, aus den vielen Orten, die man im Laufe der Zeit so ansammelt, drei herauszupicken. Die letztendlich rausgeschickte Auswahl ist nicht unbedingt exemplarisch und schon gar nicht in Stein gemeißelt, sondern eine Melange aus neuen und alten Locations, die ich gerne teilen wollte.

Die Frage, die ich mir gestellt habe, war die: Wo gehe ich (gerade) gerne hin, wenn ich in München bin? Denn das bin ich ja nur noch gelegentlich. Temporär. Nicht stationär. Und meine Stippvisiten möchte ich natürlich bis zur letzten Sekunde auskosten, vollpacken mit Erinnerungen und Entdeckungen. Auf Vorrat, in der Vorteilspackung, bevor ich wieder in die Provinz zurückkehre.
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Bloß nicht verzagen, heisst es jetzt, Durchhalteparolen sammeln und die Sandalen wetzen – dann kommt der Sommer noch, ganz bestimmt. Wenn am Mittwoch das Thermometer endlich wieder über die Kleidchen-Grenze klettert, bin ich jedenfalls bestens gewappnet: Die Erdbeeren stehen schon in den Startlöchern und lassen das Suppengrün im Eiltempo hinter sich. Wenn das nicht Grund zum Freudestrahlen ist!

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Ich habe Fernweh!

Zerrendes, ziependes, monatelang angestautes Fernweh, das sich je nach Gemütslage gen Osten, Süden oder Norden wendet und meine Heimatliebe auf eine harte Probe stellt. Wäre da nicht die Aussicht auf eine ausgedehnte, sonnige Münchner Biergartensaison 2011 nach fast einer Dekade „Schmankerl“-Abstinenz und die tröstenden Oster-Tage in meiner heimlichen Lieblingsstadt Hamburg mit Picknick an der Alster und Schnitzel im Vienna, ich würde mir glatt die Kapuze meines olivgrünen Parkas über den Kopf ziehen.
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Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Foto vom Tegernsee stehen, als kleine Einstimmung auf das folgende Gericht. Im Kopf war der Post schon so wunderbar vorbereitet. See und Seesaibling und soweiterundsofort… Ihr wisst schon. Dann ereilte mich hinterrücks der postexzessive Alzheimer. Und am Sonntag ist auch im touristenüberströmtem Tegernsee keine Knipse aufzutreiben.

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Das letzte Kilo Nordseekrabben…

….wurde natürlich ordentlich zelebriert. Schließlich werde ich in meiner neuen Stadt nicht so schnell an frische Krabben kommen, und in Marokko gepulte Krabben kaufe ich höchst ungern. Und so hieß es vorletzte Woche mitten im Umzugs- und Planungschaos noch mal Ärmel hoch und ran an die Tierchen.

Das Rätsel, wohin es mich diesmal gezogen hat, wird übrigens erst beim nächsten Türchen respektive Post gelöst. Diesmal lasse ich mir auch nicht mehr ganz so viel Zeit, versprochen.
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… murmelt H. neben mir im Halbschlaf, während ich noch an einem Wortspiel feile, irgendetwas Geistreiches/Holpriges mit miesem Wetter und miesen Muscheln. Dabei haben die Miesmuscheln in Weißweinsud genau gegenteilig geschmeckt. Zum Reinlegen gut.
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Morgenfang: Gefüllte Dorade

Ganze Fische hab ich nur selten auf dem Teller. Ich scheue oft das Gepule und vor allem den unerlässlichen Gang zur Mülltonne. Das Gemaunze der Nachbarskatzen. Und die Suche nach ordentlicher Qualität. Weil ich Fisch lieber selten, dafür gut esse, gibt es (aller)höchstens alle paar Wochen eine schöne rosafleischige Forelle oder eine würzige Makrele.
Die dicken Fische aber, die kriege ich wirklich nur ganz ganz selten. Und daher auch nur zu besonderen Anlässen. Oder nach durchtanzten Nächten. Wenn um 6.15 Uhr das “Molli” oder der “Pudel” die letzte Bassline durch die Boxen schickt und die Beine samt Kopf allmählich schwer werden, braucht es zwar ein bisschen Überwindung, um bei der Mausekälte noch einen Bummel über den Hamburger Fischmarkt zu machen. Aber nirgendwo macht es mehr Spaß, seine Doraden zu kaufen als hier, wo sich die Druffis und die Draufis der Stadt mit dem fleißigen Volk der Frühaufsteher und Temperaturresistenten vermischen.
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Heilbutt mit Estragonhaube


Warum haben eigentlich so viele Menschen ein Problem mit Fisch? Ich kenne einen Haufen Leute, die “eher nicht so gern” Fisch essen, Meeresfrüchte unappetitlich finden und sich vor Pulpo oder Tintenfisch richtig grausen. Da geht es aber nicht nur um den Saugknopf an ihrem Essen, sondern um einen ins fast schon Hysterische gesteigerten Ekel (schlupfrig, schleimig, etc.). Natürlich spielt der Geruch auch eine Rolle. Und eine in der Kindheit angelegte “Was-der-Bauer-nicht-kennt”-Mentalität.
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Kennt ihr das auch? Man hat so seine Lieblingsprodukte und -lebensmittel, auf die man immer wieder zurückgreift und die man inzwischen in allen erdenklichen Variationen zubereitet hat. Die waren auch allesamt stimmig und man hat sie auch immer gern gegessen.

Und dann kommt da eines Tages eine neue, bis dato unbekannte (oder sagen wir eher unbenutze) Komponente daher und weil man gerade die fürs Rezept notwendigen Zutaten nicht im Haus hat oder weil man die hinlänglich bekannte Zusammenstellung irgendwie doch nicht mehr sehen kann ooooooder weil man gerade einen gustatorischen Geistesblitz hat… weil also, deshalb entsteht ein neues Gericht, eine neue Kombi. Und es fühlt sich so an, als hätte man immer schon auf diese Kombination gewartet, auf DIESE EINE, und man wird sie nun kochen und lobpreisen und genial finden und seinen Freunden vorsetzen…..
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