Der Perfektion einer Burrata mit dem Pürierstab ein jähes Ende zu setzen hat schon fast etwas Blasphemisches. Allerdings löst man damit nicht ihren Geschmack auf, sondern nur die Konsistenz. Dennoch hätte ich diesen Akt der Zerstörung niemals gewagt oder auch nur in Erwägung gezogen, wenn ich nicht vor ein paar Wochen in Mailand in einer kleinen Osteria ein Garnelencarpaccio mit Zucchiniblüten und einer Salsina di Burrata gegessen hätte. Es war schon spät, ich saß alleine dort, weil mein guter, alter Freund Vincenzo beschlossen hatte, mich spontan zu versetzten. Ich hatte ein bisschen schlechte Laune und keinen sonderlich großen Appetit – bis dieser Teller mit hauchdünn aufgeschnittenen, rohen Garnelen, knusprig ausgebackenen Zucchiniblüten und eben jener flüssigen Burratasauce vor mir stand.

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 Die Geschichte des Pulpo ist ein Roman mit acht Armen und zwölf Kapiteln, einst ein Buch mit sieben Siegeln, inzwischen längst zu einem Lieblingsschmöker geworden, voller Eselsohren und Fettflecke, und wenn man es zuschlägt, wölben sich die Seiten verräterisch an den Lieblingsstellen. Es sind die Stellen, an denen man verstanden hat, wie man den Pulpo zu nehmen hat, wie man ihn händelt, wie der Pulpo eben so läuft.
Es gibt eine Menge ultimativer Tipps. Ich bevorzuge inzwischen schon wieder die schlichteste aller Methoden, ein ca. einstündiges Bad in sachte simmerndem Wasser, später ein paar scharfe Runden in heißem Öl oder auf dem Grillrost. Von mythifizierten Zubereitungsarten und Märchen wie jenem vom Korken lasse ich gerne die Finger, und auch der Sinn des dreimaligen Tauchsiedens hat sich mir nicht erschlossen. Mag sein, dass es anders geht (ob besser, sei dahin gestellt): Sous-vide, geschmort, im Ofen gebacken oder im Öl confiert. Und vielleicht führt tatsächlich jede dieser Verfahrensweisen zu einem genießbaren oder gar genussvollen Ergebnis.

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Jedes Jahr, von Januar bis Anfang März, tritt die Zitronatzitrone ihren Weg über die Alpen an – und wandert direkt in meine Küche. Von dort aus in mein Herz. Der Weg ist lang, sie startet in Sizilien oder Kampanien, wo sogar ein ganzer Küstenabschnitt, die Costa dei Cedri, nach ihr benannt ist. Die Früchte für diese nette, kleine Vorspeise dagegen stammen von der Amalfiküste. Oder besser gesagt: Diese Frucht, es war nämlich nur eine. „Damals“, im März anno 2104, bin ich auf die wohl größte Cedro meines Lebens gestoßen, in einer kleinen Bar direkt an der Piazza von Agropoli. Mitten im Herzen des Cilento. War natürlich Liebe auf den ersten Blick.

Da gibt es dieses Beweisfoto, das mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. 

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Die Geschichte mit dem Blog Relaunch ist mir ein bisschen peinlich. Hatte ich im September letzten Jahres noch groß hinausposaunt, dass diese Seite hier bald in neuem Glanz erstrahlen würde. Ein neues Logo, ein anderes Layout, eine durchdachtere Aufteilung. Aber dann passierte auf der Bühne erst einmal gar nichts, der Vorhang klemmte und auch hinter den Kulissen war fürs Erste Spielpause. Die halb angefangene Seite kroch im Schneckentempo vor sich hin, unsichtbar und herrenlos.
Vielleicht keine Abwärtsspirale. Aber ein Teufelskreis.

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Ich hätte jetzt gerne eine Portion Mittelmeer, dazu ein schönes Glas Salzwasser und zum Abschluss ein Stück Alltagsflucht, die doppelte Portion bitte. Die Rechnung übernimmt selbstverständlich mein Traummanagement, übers Kulinarische hinausgehende Kosten lasse ich über meinen Illusionskredit laufen.

Allerdings habe ich gehört, dass das RosaWolken-Kontor in letzter Zeit ziemlich knausrig war, was Spesen und Sehnsuchts-Fördermittel betrifft. Muss ich in Zukunft also auch noch für meine Utopien selbst aufkommen? Dabei bräuchte ich, mit Verlaub, immer noch Urlaub. Eine innere Stimme sagt mir das. Oder ist es der Oktopus, der aus meinem Kühlschrank wispert?
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