Mein überbordender Appetit nach Puntarelle trieb in den letzten Wochen bisweilen seltsame Blüten. Nicht nur, dass ich anfing, Göttingen systematisch nach Cicoria cimata zu durchkämmen und meine sporadischen Funde mit lautem Jubelschrei auf alle Kanäle zu speisen, ich träumte auch nachts weiter von den knackigen, daumendicken Sprossen und hätte mir am nächsten Morgen am liebsten Anchovissauce aufs Frühstücksbrötchen geschmiert. Der Umstand, dass sich die Saison für dieses mein absolutes Lieblingsgemüse allmählich dem Ende zuneigt und die Jagd nach Puntarelle jener nach dem grünen Diamanten gleich, tat sein Übriges. Man begehrt ja bekanntlich immer das am meisten, was man nicht (mehr) haben kann.

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Die nettesten Foodblogger bekommen die schönsten Kartoffeln. Das ist eine etwas holprige Binsenweisheit, aber wer seine Lebensmittel beim Bauern seines Vertrauens, auf dem Wochenmarkt oder in einer Provinzstadt besorgt, weiß um deren Wahrheit – das zeigt immer wieder der Praxistest. Frische Burrata? Kann ich auf Wunsch vorbestellen. Brunnenkresse? Ergattere ich mit ein wenig Glück bei meiner Kräuterhexe. Für die indischen Auberginen ist der winzige, von einem etwas abgehalfterten Pakistani leger geführte Tante-Emma-Laden ein paar Häuser weiter zuständig. Maronen führt der Öko-Laden am Wall, den Südtiroler Speck lasse ich mir von unserem italienischen Feinkostladen hauchdünn aufschneiden. So.
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Eigentlich habe ich ja gar keine Lust auf schlanke Kost, auch und erst Recht nicht nach den mit tausendundeins Köstlichkeiten angefüllten letzten Wochen. Trotzdem beginnt mein Bloggerjahr mit einer Single-Portion Salat, immerhin einem meiner Top 5-Wintersalate: Ein Teller voll mit knackigem Fenchel, aromatischen Blutorangen, knusprigen Mandeln und einem herrlich sämigen, fruchtig-herben Sanddorndressing. Seit gestern hänge ich wieder in der Provinz ab, just me and myself, eine Tatsache, die mir im Gegensatz zu diesem feinen Seelentröster nicht unbedingt schmeckt, die aber unervermeidlich ist. Job ist immer noch Job, und auch wenn mein Herz längst in Köln weilt, haben Körper und Geist nach wie vor dort ihren Dienst zu erfüllen, wo ich vor fast zwei Jahren hingezogen bin. 

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Irgend jemand hat meinem Advent ein paar Türchen geklaut. Ich weiß nicht genau, wer es war, aber da fehlen definitiv ein paar in meinem Kalender. Der ist nun aber auch schon etwas eingerostet, das ein oder andere Kästchen knarzt und klemmt, an anderen fehlt der Griff und ich bin nicht sicher, ob er überhaupt befüllt ist. Befüllt mit Zeit, genau um diese geht’s, die ist mir ohnehin viel kostbarer als Schokoladenmänner oder Plätzchen oder was man sonst so goldfadenverschnürt in 24 Tage packt.

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 Der Herbst, ok, auch der gerade einsetzende Winter, sie wären wohl nur ein müder Abklatsch ihrer selbst, eine verblichene Kopie aus einem abgelaufenen Kalenderblatt, ohne nicht wenigstens ein bauch- und seelenschmeichelndes Kürbissuppenrezept. Allein das satte Leuchten der orangerot gefüllten Schüsseln wirkt in Sekunden und verspricht … ja, was eigentlich? Einigen wir uns auf das sofortige Einsetzen dieses wohlig-warmen Gemütlichkeitsgefühls, das auch schummriges Kerzenlicht, der Duft frisch gebackenen Brots und die olle, schrecklich fusselnde, aber superweiche Kuscheldecke bei uns auslösen.
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Montags mach’ ich Minestrone …

 

… natürlich ginge es zur Not auch ohne. Allerdings, was wäre das (Alltags-)Leben bloß ohne die Glück und Kraft spendende Wirkung einer dampfenden Schüssel Gemüsesuppe? Für meinen derzeitigen Arbeitgeber Viani entstand vergangene Woche dieser italienische Eintopfklassiker mit viel Petersilie, Parmesan und verschiedenen Hülsenfrüchten darin. Kurz vor dem Tauchbaden des Löffels kam ein ordentlicher Schuss des frisch eingetroffenen Olio Fresco dazu. Das erste Öl unseres abruzzesischen Olivenölbauern Ursini ist der Knaller, kaltgepresst und ungefiltert, von grasgrüner Farbe, vor allem aber samtig, ach was sag ich: cremig, fruchtig und mit einer perfekt eingebundenen Schärfe und feinen Bitternote im Mund.
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Der Vorsatz, mal für ein paar Wochen kleinere Brötchen Omelettes zu backen und dafür ein wenig in mich zu gehen, wurde bereits Anfang des vergangenen Monats aus den Angeln gehoben. Ich hatte Geburtstag und gegen meine Gewohnheit, diesen Tag eher unspektakulär zu begehen, sah ich mich auf einmal auf einer zweitägigen Party nach Art einer türkischen Hochzeit wieder, inklusive blau getanzter Fußnägel und wilder Umarmungen und Tränen der Rührung, als der harte Kern der Truppe in der winzigen Bude meines Freundes irgendwann zu singen anfing. Man kann über Köln sagen was man will, aber die Kölner, nee, auf die Kölner lass’ ich nichts kommen. Wenngleich auch manchmal ein etwas rauer Wind durch Ehrenfeld weht, so pfeift er dabei wenigstens die Musik, die ich liebe. 

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Die Woche beginnt mit einem Rezept, das ich seit Herbstbeginn ungefähr 15 Mal getestet habe. Irgendwie musste ich vor mir und meinem Gewissen ja rechtfertigen, dass es schon wieder Flammkuchen gibt. Mit Speck! Und Schmand!! Und Federweisser!!! Es waren nicht die schlechtesten Versuchsreihen, oh nein. Aber immer bestand nach erfolgreich absolvierter Eliminierung des Versuchsobjekts bei der anschließenden Evaluation unter Federweissereinwirkung noch ein flammkuchenteigdünner Restoptimierungsbedarf. Das schlussendliche Ergebnis des Forschungsprojekts wird meine Ausgaben für Walnussmehl und Strom ordentlich in die Höhe treiben. So lange es noch geht außerdem auch jene für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. Aber wer braucht schon einen vollen Geldbeutel, wenn er ein volles Herz und einen vollen Magen haben kann?

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Help! Wer hält für mich bitte kurz das Kettenkarrusell des Lebens an? Ich hänge gerade in der Arbeits- und Freizeitstressschleife fest und komme vor lauter Einsteigen-Aussteigen nicht dazu, die vielen neuen Rezepte und Erlebnisse der letzten Wochen aufzuschreiben – selbst wenn das ein oder andere Foodpic längst im Kasten ist und sehnlichst auf die Bühne möchte. Eines davon schlummert schon ein wenig länger in der Reservekiste: Es ist schlicht und ergreifend das Side Dish, das Simone und ich um unseren vierten Gang beim Summer of Supper herumgebaut haben. Und ich finde, es verdient auch ohne das Sous Vide gegarte Rumpsteak in der Hauptrolle einen kräftigen Applaus – schließlich hat sogar der kichererbsenkritische Kerl an meiner Seite das mit viel Chlorophyll in Szene gesetzte Hummusgericht ohne Murren mit großem Appetit verspeist.
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Für meine Nachbarn ist es Runde um Runde ein vernügliches Spektakel, für mich oft ein haarsträubender Balance-Akt mit Peinlichkeitsgefahr. Die Existenz als Foodbloggerin und -fotografin fällt bisweilen unter die Kategorie „most dangerous jobs in the world“ – und das nicht nur, was den (online wie offline) Ruf betrifft. Tatsächlich wäre ich beim Ablichten meiner kulinarischen Kreationen nicht nur einmal fast vom Balkon gekippt. Und auch so habe ich meist alle equipmentbeladenen Hände voll zu tun, um am Ende der ganzen Szenerie den Teller ins rechte Licht und die Dinge ins rechte Lot gerückt zu haben.

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