Irgend jemand hat meinem Advent ein paar Türchen geklaut. Ich weiß nicht genau, wer es war, aber da fehlen definitiv ein paar in meinem Kalender. Der ist nun aber auch schon etwas eingerostet, das ein oder andere Kästchen knarzt und klemmt, an anderen fehlt der Griff und ich bin nicht sicher, ob er überhaupt befüllt ist. Befüllt mit Zeit, genau um diese geht’s, die ist mir ohnehin viel kostbarer als Schokoladenmänner oder Plätzchen oder was man sonst so goldfadenverschnürt in 24 Tage packt.

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 Der Herbst, ok, auch der gerade einsetzende Winter, sie wären wohl nur ein müder Abklatsch ihrer selbst, eine verblichene Kopie aus einem abgelaufenen Kalenderblatt, ohne nicht wenigstens ein bauch- und seelenschmeichelndes Kürbissuppenrezept. Allein das satte Leuchten der orangerot gefüllten Schüsseln wirkt in Sekunden und verspricht … ja, was eigentlich? Einigen wir uns auf das sofortige Einsetzen dieses wohlig-warmen Gemütlichkeitsgefühls, das auch schummriges Kerzenlicht, der Duft frisch gebackenen Brots und die olle, schrecklich fusselnde, aber superweiche Kuscheldecke bei uns auslösen.
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Montags mach’ ich Minestrone …

 

… natürlich ginge es zur Not auch ohne. Allerdings, was wäre das (Alltags-)Leben bloß ohne die Glück und Kraft spendende Wirkung einer dampfenden Schüssel Gemüsesuppe? Für meinen derzeitigen Arbeitgeber Viani entstand vergangene Woche dieser italienische Eintopfklassiker mit viel Petersilie, Parmesan und verschiedenen Hülsenfrüchten darin. Kurz vor dem Tauchbaden des Löffels kam ein ordentlicher Schuss des frisch eingetroffenen Olio Fresco dazu. Das erste Öl unseres abruzzesischen Olivenölbauern Ursini ist der Knaller, kaltgepresst und ungefiltert, von grasgrüner Farbe, vor allem aber samtig, ach was sag ich: cremig, fruchtig und mit einer perfekt eingebundenen Schärfe und feinen Bitternote im Mund.
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Der Vorsatz, mal für ein paar Wochen kleinere Brötchen Omelettes zu backen und dafür ein wenig in mich zu gehen, wurde bereits Anfang des vergangenen Monats aus den Angeln gehoben. Ich hatte Geburtstag und gegen meine Gewohnheit, diesen Tag eher unspektakulär zu begehen, sah ich mich auf einmal auf einer zweitägigen Party nach Art einer türkischen Hochzeit wieder, inklusive blau getanzter Fußnägel und wilder Umarmungen und Tränen der Rührung, als der harte Kern der Truppe in der winzigen Bude meines Freundes irgendwann zu singen anfing. Man kann über Köln sagen was man will, aber die Kölner, nee, auf die Kölner lass’ ich nichts kommen. Wenngleich auch manchmal ein etwas rauer Wind durch Ehrenfeld weht, so pfeift er dabei wenigstens die Musik, die ich liebe. 

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Die Woche beginnt mit einem Rezept, das ich seit Herbstbeginn ungefähr 15 Mal getestet habe. Irgendwie musste ich vor mir und meinem Gewissen ja rechtfertigen, dass es schon wieder Flammkuchen gibt. Mit Speck! Und Schmand!! Und Federweisser!!! Es waren nicht die schlechtesten Versuchsreihen, oh nein. Aber immer bestand nach erfolgreich absolvierter Eliminierung des Versuchsobjekts bei der anschließenden Evaluation unter Federweissereinwirkung noch ein flammkuchenteigdünner Restoptimierungsbedarf. Das schlussendliche Ergebnis des Forschungsprojekts wird meine Ausgaben für Walnussmehl und Strom ordentlich in die Höhe treiben. So lange es noch geht außerdem auch jene für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. Aber wer braucht schon einen vollen Geldbeutel, wenn er ein volles Herz und einen vollen Magen haben kann?

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Help! Wer hält für mich bitte kurz das Kettenkarrusell des Lebens an? Ich hänge gerade in der Arbeits- und Freizeitstressschleife fest und komme vor lauter Einsteigen-Aussteigen nicht dazu, die vielen neuen Rezepte und Erlebnisse der letzten Wochen aufzuschreiben – selbst wenn das ein oder andere Foodpic längst im Kasten ist und sehnlichst auf die Bühne möchte. Eines davon schlummert schon ein wenig länger in der Reservekiste: Es ist schlicht und ergreifend das Side Dish, das Simone und ich um unseren vierten Gang beim Summer of Supper herumgebaut haben. Und ich finde, es verdient auch ohne das Sous Vide gegarte Rumpsteak in der Hauptrolle einen kräftigen Applaus – schließlich hat sogar der kichererbsenkritische Kerl an meiner Seite das mit viel Chlorophyll in Szene gesetzte Hummusgericht ohne Murren mit großem Appetit verspeist.
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Für meine Nachbarn ist es Runde um Runde ein vernügliches Spektakel, für mich oft ein haarsträubender Balance-Akt mit Peinlichkeitsgefahr. Die Existenz als Foodbloggerin und -fotografin fällt bisweilen unter die Kategorie „most dangerous jobs in the world“ – und das nicht nur, was den (online wie offline) Ruf betrifft. Tatsächlich wäre ich beim Ablichten meiner kulinarischen Kreationen nicht nur einmal fast vom Balkon gekippt. Und auch so habe ich meist alle equipmentbeladenen Hände voll zu tun, um am Ende der ganzen Szenerie den Teller ins rechte Licht und die Dinge ins rechte Lot gerückt zu haben.

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Freitagabende gehören traditionell der Zweisamkeit am Esstisch – wenn die Deutsche Bahn es schafft, ihr Beförderungsversprechen einzulösen. Bei der fast schon irrwitzgen Hin- und Herfahrerei, die meine Wochen und Monate zerklüftet, kommt es durchaus vor, dass zwischen A und B etwas auf der Strecke bleibt. Ein Ladekabel zum Beispiel. Mein Glauben an die deutsche Pünktlichkeit. Meine Nerven. Der Appetit allerdings nur sehr selten. Ich bin die eine Hälfte einer Fernbeziehung und verbringe gefühlt ein Viertel meiner Lebenszeit im Zug. Es versteht sich von selbst, dass ich da hin und wieder eine doppelte Portion Ricottagnocchi brauche. Mit vereinten Kräften schaffen wir sie sogar im Pendelspagat.

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Es ist schon ein paar Monate her, da flatterten auf ein eilig dahingeknipstes und auf die gängigen Kanäle gespeistes Mittagsessensbild hin ein paar nachdrückliche Bitten um Rezeptideen ein. Solche, die man gut vorbereiten und ins Büro mitnehmen kann. Kleine Pausenbeglücker für mittelschwer erkrankte Genusssüchtige. 5-Minuten-Rezepte mit 50-Minuten-Zufriedenheitsgarantie. Für jemanden wie mich (und wahrscheinlich ebenfalls dich) ist nichts schwerer zu ertragen als die gnadenlose Aneinanderreihung angetrockneter Käsestullen und liebloser Supermarktsalate, die das alltagsangekratzte Gemüt mit Lichtgeschwindigkeit in eine rapide Stimmungs- und Blutzuckertalfahrt stürzen. Deshalb gibt es hier jetzt hin und wieder auch mal ein paar schnelle Lunchrezepte aus meinem Tupperbox-Repertoire. Weil’s schee glücklich macht. Und weil jeder Mensch ein Recht auf ein gutes Mittagessen hast – selbst wenn er irgendwo abgeschottet von der Welt in einer Bienenwabe sitzt und nicht mal eben für eine Stunde zum Lieblingsitaliener um die Ecke gehen kann.  

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Dinge mehrmals zu tun scheint aus der Mode gekommen zu sein. Wahrscheinlich sind wir einfach zu verwöhnt von der schier unendlichen Auswahl an Möglichkeiten, gelockt vom Reiz des ständig Neuen. Wer will schon in der Wiederholungsschleife stecken bleiben, wenn um die Ecke bereits das nächste Abenteuer wartet? Noch mal das Gleiche essen? Schon wieder nach Italien? Zweimal hintereinander den selben Film ansehen ? Wie langweilig. Genau so bin ich eigentlich (auch). Keine Ahnung also, warum ich in letzter Zeit so oft die Repeat-Taste drücke. Als wollte ich die schönen Momente noch einmal erleben. Oder: anders. Und merke dabei gerade: Das tut unendlich gut.

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