Die Woche beginnt mit einem Rezept, das ich seit Herbstbeginn ungefähr 15 Mal getestet habe. Irgendwie musste ich vor mir und meinem Gewissen ja rechtfertigen, dass es schon wieder Flammkuchen gibt. Mit Speck! Und Schmand!! Und Federweisser!!! Es waren nicht die schlechtesten Versuchsreihen, oh nein. Aber immer bestand nach erfolgreich absolvierter Eliminierung des Versuchsobjekts bei der anschließenden Evaluation unter Federweissereinwirkung noch ein flammkuchenteigdünner Restoptimierungsbedarf. Das schlussendliche Ergebnis des Forschungsprojekts wird meine Ausgaben für Walnussmehl und Strom ordentlich in die Höhe treiben. So lange es noch geht außerdem auch jene für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. Aber wer braucht schon einen vollen Geldbeutel, wenn er ein volles Herz und einen vollen Magen haben kann?

Weiterlesen »

Help! Wer hält für mich bitte kurz das Kettenkarrusell des Lebens an? Ich hänge gerade in der Arbeits- und Freizeitstressschleife fest und komme vor lauter Einsteigen-Aussteigen nicht dazu, die vielen neuen Rezepte und Erlebnisse der letzten Wochen aufzuschreiben – selbst wenn das ein oder andere Foodpic längst im Kasten ist und sehnlichst auf die Bühne möchte. Eines davon schlummert schon ein wenig länger in der Reservekiste: Es ist schlicht und ergreifend das Side Dish, das Simone und ich um unseren vierten Gang beim Summer of Supper herumgebaut haben. Und ich finde, es verdient auch ohne das Sous Vide gegarte Rumpsteak in der Hauptrolle einen kräftigen Applaus – schließlich hat sogar der kichererbsenkritische Kerl an meiner Seite das mit viel Chlorophyll in Szene gesetzte Hummusgericht ohne Murren mit großem Appetit verspeist.
Weiterlesen »

Für meine Nachbarn ist es Runde um Runde ein vernügliches Spektakel, für mich oft ein haarsträubender Balance-Akt mit Peinlichkeitsgefahr. Die Existenz als Foodbloggerin und -fotografin fällt bisweilen unter die Kategorie „most dangerous jobs in the world“ – und das nicht nur, was den (online wie offline) Ruf betrifft. Tatsächlich wäre ich beim Ablichten meiner kulinarischen Kreationen nicht nur einmal fast vom Balkon gekippt. Und auch so habe ich meist alle equipmentbeladenen Hände voll zu tun, um am Ende der ganzen Szenerie den Teller ins rechte Licht und die Dinge ins rechte Lot gerückt zu haben.

Weiterlesen »

Freitagabende gehören traditionell der Zweisamkeit am Esstisch – wenn die Deutsche Bahn es schafft, ihr Beförderungsversprechen einzulösen. Bei der fast schon irrwitzgen Hin- und Herfahrerei, die meine Wochen und Monate zerklüftet, kommt es durchaus vor, dass zwischen A und B etwas auf der Strecke bleibt. Ein Ladekabel zum Beispiel. Mein Glauben an die deutsche Pünktlichkeit. Meine Nerven. Der Appetit allerdings nur sehr selten. Ich bin die eine Hälfte einer Fernbeziehung und verbringe gefühlt ein Viertel meiner Lebenszeit im Zug. Es versteht sich von selbst, dass ich da hin und wieder eine doppelte Portion Ricottagnocchi brauche. Mit vereinten Kräften schaffen wir sie sogar im Pendelspagat.

Weiterlesen »

Es ist schon ein paar Monate her, da flatterten auf ein eilig dahingeknipstes und auf die gängigen Kanäle gespeistes Mittagsessensbild hin ein paar nachdrückliche Bitten um Rezeptideen ein. Solche, die man gut vorbereiten und ins Büro mitnehmen kann. Kleine Pausenbeglücker für mittelschwer erkrankte Genusssüchtige. 5-Minuten-Rezepte mit 50-Minuten-Zufriedenheitsgarantie. Für jemanden wie mich (und wahrscheinlich ebenfalls dich) ist nichts schwerer zu ertragen als die gnadenlose Aneinanderreihung angetrockneter Käsestullen und liebloser Supermarktsalate, die das alltagsangekratzte Gemüt mit Lichtgeschwindigkeit in eine rapide Stimmungs- und Blutzuckertalfahrt stürzen. Deshalb gibt es hier jetzt hin und wieder auch mal ein paar schnelle Lunchrezepte aus meinem Tupperbox-Repertoire. Weil’s schee glücklich macht. Und weil jeder Mensch ein Recht auf ein gutes Mittagessen hast – selbst wenn er irgendwo abgeschottet von der Welt in einer Bienenwabe sitzt und nicht mal eben für eine Stunde zum Lieblingsitaliener um die Ecke gehen kann.  

Weiterlesen »

 

Dinge mehrmals zu tun scheint aus der Mode gekommen zu sein. Wahrscheinlich sind wir einfach zu verwöhnt von der schier unendlichen Auswahl an Möglichkeiten, gelockt vom Reiz des ständig Neuen. Wer will schon in der Wiederholungsschleife stecken bleiben, wenn um die Ecke bereits das nächste Abenteuer wartet? Noch mal das Gleiche essen? Schon wieder nach Italien? Zweimal hintereinander den selben Film ansehen ? Wie langweilig. Genau so bin ich eigentlich (auch). Keine Ahnung also, warum ich in letzter Zeit so oft die Repeat-Taste drücke. Als wollte ich die schönen Momente noch einmal erleben. Oder: anders. Und merke dabei gerade: Das tut unendlich gut.

Weiterlesen »

 

„Aha“, sagt mein Gegenüber und blickt mit unverhohlener Skepsis auf seinen Teller. „Und wie genau isst man das jetzt?“ Vor uns liegen zwei wunderbare Exemplare aus Mutter Naturs Pflanzenfundus, distelartige Geschöpfe von graziler Anmut und irisierender Schönheit, wie erdverbundene Seerosen, die ihre Blätter gen Himmel strecken. „Genau so“, sagte ich und zupfe Blatt für Blatt vom runden Kopf, tauche jedes in einen Dip aus Öl, Zitronensaft und etwas Dijonsenf ein und lasse das zarte, feinherbe Fruchtfleisch durch die Zähne gleiten. Ich liebe dieses Gemüse, in jeglicher Form: Gebacken, gebraten, frittiert, geschmort. Sogar roh schmeckt sie unglaublich köstlich: Die Artischocke ist ein kulinarisches Abenteuer.

Weiterlesen »

Wie besonders eine Liebe wirklich ist, merkt man oft erst, wenn man Abschied nehmen muss. Dann wird noch einmal alles gegeben, ausgekostet, gekämpft, weil man sich im Grunde ein Leben ohne das Objekt der Begierde nicht vorstellen kann. Warum ich das weiß? Weil es mir jedes Jahr aufs Neue so geht. Der Spargel ist meine große Liebe – und trotzdem muss ich ihm immer wieder Adieu sagen.

Weiterlesen »

 

Habt ihr schon einmal Wasser beim Kochen zugehört? Es hört sich je nach Topfgröße, -material und Füllmenge ganz unterschiedlich an. Purer Zufall, nämlich ein ruhiger Montag Abend, haben mir dieses Faszinosum zu Füßen gelegt. Seitdem bin ich dem Klang siedenden H2O’s verfallen.

Weiterlesen »

 

Über Verstorbene soll man nicht schlecht reden, heißt es:„De mortuis nihil nisi bene“. Daher bleibt mir wohl nur, meinen dahingeschiedenen Pürierstab mit ein paar Dankesworten in die ewigen Jagdgründe hinüber gleiten zu lassen – und mich über meinen Neuzugang zu freuen. Der Neue ist größer, hübscher und stromlinienförmiger und hat deutlich mehr Feuer unterm Hintern, pardon, den Schneidezähnen. Auch wenn die Farbe nicht so ganz in meine Küche passt: Ich glaube, wir werden ein gutes Team.

Weiterlesen »