Herzhaft in ein Stück Cedro zu beißen und dabei zu beobachten, wie dem Gegenüber die Gesichtsmuskeln entgleiten, macht einen Heidenspaß. Das letzte Mal, dass ich mir diesen erlaubt habe, ist noch gar nicht so lange her und die Reaktion von Stefan war bilderbuchmäßig: Erst verzieht er das Gesicht, dann schaut er auf die frisch aufgeschnittenen, knallgelben Cedri-Scheiben, zuletzt auf mich (die ich genüßlich kaue), bis er schließlich die Frage stellt, die allen Augenzeugen dieses Moments auf der Zunge brennt: „Du isst Zitronen einfach so, wie Äpfel ???!“

Tue ich, lieber Stefan, und zwar mit voller Inbrunst. Allerdings nur diese einen, diese ganz besonderen, dickhäutigen Verwandten der handelsüblichen Zitrone, die es nur von Januar bis März gibt und deren höckerige, grobporige Schale ein zum verrückt werden köstliches Inneres verbirgt.

Oder vielmehr: Das Köstliche IST. 

Cedri isst man der Schale wegen. Die Schale ist das Wunder. Nur die Schale zählt.

 

Leider ist es nicht gerade einfach, an die sonnengeküßten Aromabomben heranzukommen. Die Sizilianer wissen, was sie an ihren Zedernfrüchten haben, und weil die Nachfrage hierzulande (noch) nicht besonders groß ist, haben sie auch nur wenige Gemüsestände im Angebot. Nachhaken, beharrlich bleiben und eine Großbestellung ankündigen kann manchmal helfen. Meine persönliche Cedri-Quelle ist allerdings bombensicher, da mein Arbeitgeber. Und so fröne ich bis zum Ende der Saison noch im Zitronenhimmel, dort, wo alle braven Mädchen hinkommen, wenn sie ordentlich die Rezeptbücher gewälzt und ihren Blog gepflegt haben.

 

 

Was man alles mit den Dingern machen kann, mal abgesehen vom viel zu faden Zitronat. Cedri zum gekräuterten Schweinefilet aus dem Ofen! Cedri mit getrockneten Tomaten unter eine schlichte Pasta gehoben! Cedri orientalisch, mit Kardamomöl beträufelt zu Couscous, Lamm und gerösteten Mandeln! An Hähnchenspießen! Gebratenen Garnelen! Oder wie hier, mit cremigem Büffelmozzarella, feinbitterem Radicchio und aromatischem Koriander. Wenn man dann noch ein kräftiges, sizilianisches Olivenöl im Haus hat und ein gutes, leicht knuspriges Salz, kann man einen Haken hinter den täglichen Genussmoment machen.
Hallo lieber Magen, die Sonne geht auf!

 

 

Der Stefan hat übrigens an diesem Tag nicht nur ein richtig schönes Foto von mir gemacht, sondern später auch noch herzhaft von der Cedro-Scheibe abgebissen. Hin und weg war er. Niedlich verblüfft. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass hinter jeder rauen Schale ein verdammt feiner Kern/Kerl steckt.

Achso, ja, wie schmeckt sie eigentlich, die Cedro? Wie eine elegante Zitrone ohne beißende Säure, dickfleischig, aromatisch, nach Sonne pur. Ein leichter Bitterton vielleicht, ja, der ist im Nachhall vorhanden, aber nur, um die zarte Süße des Mesokarps, der dicken weißen Fruchtschale, zu konterkarieren.

 

Carpaccio di Cedri mit Radicchio, Koriander und Thaischalotten

(für 4 Personen als Vorspeise)

Zutaten:
1-2 feste Cedri (je nach Größe)
etwas Zitronensaft
Olivenöl nativ extra
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

½ Radicchio Trevisano (am besten die kleinen Blätter)
ein paar Stiele frischer Koriander
2-3 Thaischalotten (oder kleine Schalotten)
1 große Kugel Büffelmozzarella

Zubereitung:

1. Die Cedri heiß waschen und mit einem Gemüsehobel, der Aufschnittmaschine oder einem scharfen Messer in möglichst dünne Scheiben schneiden. Fächerförmig auf einen Teller legen und mit reichlich Olivenöl begießen. Die Thaischalotten häuten, evtl. halbieren oder in feine Streifen schneiden, zu den Cedri-Scheiben geben. Alles ca.1 Stunde ziehen lassen, dann gut salzen, pfeffern und nach Geschmack mit etwas Zitronensaft beträufeln.

2. Den Radicchio waschen und trocken schleudern, große Blätter evtl. in feine Streifen schneiden. Den Koriander waschen und trocken schütteln, Blättchen von den Stielen zupfen. Den Büffelmozzarella aus der Lake nehmen und abtropfen lassen. In Scheiben schneiden oder mit den Händen grob zerzupfen.

3. Radicchio, Koriander und Thaischalotten auf den Cedri-Scheiben verteilen. Zusammen mit dem Büffelmozzarella verspeisen. Oberleckerst!

Tipp: Wer keine rohen Zwiebeln mag, kann die Schalotten auch in etwas Olivenöl anbraten oder mit etwas Zucker karamellisieren.

7 Kommentare zu “Nur die Schale zählt: Carpaccio di Cedri mit Radicchio, Koriander & Schalotten”

  1. Maria

    Hmm… das sieht aus wie ein ausgefallenes und ziemlich leckeres Carpaccio. Das merke ich mir auf jeden Fall und werde es sicherlich bald mal ausprobieren!

    Liebe Grüße,
    Maria

  2. Krisi

    Das Carpaccio sieht klasse aus. Ich muss zugeben ich habe noch nie etwas von Cedri gehört, klingt aber super=)Ich glaube mir würde es aber auch so gehen wie Stefan, haha!
    Liebe Grüsse,
    Krisi
    http://excusemebutitsmylife.blogspot.com

  3. Toettchen

    Das ist so lecker und so wenig bekannt. Wenn ich Cedri bekomme, greife ich sofort zu. Und das Bild ist so gut, dass man gleich Hunger bekommt.

  4. Barbara

    Hmmm — lecker klingt das :-) allerdings sieht Dein Radicchio nicht aus wie der Trevigiano – der ist (mit Verlaub) noch schmaler und leckerer. Er ist aber ähnlich schwer zu bekommen wie die Cedri. Ne Pipeline nach Italien müsste man haben…
    Viel Erfolg und gute Ideen weiterhin
    Barbara

  5. Karin Conrad

    hallo,

    schön, dass ich Euch gefunden habe. Ich handle nun schon seit 17 Jahren mit den leckeren Cedro’s.
    Am Anfang wußte ich selbst nicht, was ich mir da eingehandelt habe. Aber inzwischen liebe ich Salat daraus zu bereitet, Carpaccio oder auch mal nur pur mit etwas Salzkörnern. Rezepte gibt es ja nun in Hülle und Fülle.
    Gruß Karin

  6. Cucina Piccina » Blog Archive I proudly present the Cilento Cookbook Release-Party. Und: Vorhang auf für Shrimp-Cocktail alla Cilentese mit Cedri, Sellerie und Vanille » Cucina Piccina

    [...] bucht man übrigens hier. So. Und jetzt zurück zum Thema. Wie war das nochmal mit den Cedri, nur die Schale zählt? So ist es, bei dieser ganz besonderen Zitronenart geht es nicht um das Fruchtfleisch, sondern um [...]

  7. Felix

    Wirklich sehr lecker. Kann noch mit Rucola Sprösslingen und Parmesan ergänzt werden.

    Vielen Dank für das Rezept!


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